Die „Divina Commedia“ von Dante Alighieri

Die Visionen in Dantes „Paradiso“ und deren Bedeutung für die mittelalterliche Visionsliteratur


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
34 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Dantes „Divina Commedia“
1.1 Dante Alighieri - eine Biographie
1.2 Die mittelalterliche Visionsliteratur
1.3 Grundzüge des Werkes
1.4 Die drei Jenseitsreiche
1.4.1 Die Hölle (Inferno)
1.4.2 Der Läuterungsberg (Purgatorio)
1.4.3 Das himmlische Paradies (Paradiso)

2. Die Visionen in Dantes „Paradiso“
2.1 Die Christusvision im Fixsternhimmel
2.2 Die Kristallhimmel-Vision
2.3 Die Vision der Himmelsrose
2.4 Die Visionen der göttlichen Dreifaltigkeit
2.4.1 „Visio mystica“
2.4.2 „Visio Dei“

3. Zusammenfassung

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Zum Inhalt dieses Werkes ist das narrative Faktum zu erwähnen, dass der Dichter Dante seine im Alter von 35 Jahren unternommene Wanderung in einem Traum erlebte. Der englische Kunsthistoriker John Ruskin (1819-1900) meinte, dass es ein Buch sei, in dem ein ICH behauptet, für eine gewisse Zeit im Mittelpunkt der Welt zu stehen. So ist Dante selbst dieses fiktive ICH, dem die Gnade zukommt, bereits als Lebender „das von Verdammten, Hoffenden oder Erlösten besiedelte Jenseits zu besuchen, um durch deren Anblick zur eigenen Rettung zu gelangen und zu der andere Christenmenschen beizutragen“1.

Gemeinsam mit dem zu ihm geschickten Führer Vergil unternimmt Dante eine außergewöhnliche, nur in der Phantasie mögliche, äußerst faktenreich und glaubwürdig geschilderte Erkundigungswanderung durch das Jenseits. Nach dem Durchschreiten des Tores der Hölle kommt der Wanderer Dante in Begleitung seines Führers Vergil in die erste von den vielen unterirdischen Räumlichkeiten, die Vorhölle, und nach der Überquerung des Unterweltflusses Acheron erreichen sie den ersten Höllenkreis, wo der Wächter Minos allen Verdammten den für sie bestimmten Platz der Bestrafung zuweist. Die Jenseitsreise führt beide zuerst in den tiefen, in neun Hauptsegmente gegliederten Höllentrichter, wo Peinigungen und Schrecken immer schlimmere Formen annehmen. Danach geraten sie in den untersten Bereich des Abgrundes, dem Mittelpunkt der Erde, in dem die Verräter sowie schließlich Luzifer hausen, an dessen Körper sie sich entlang winden müssen, um dieses tiefste und böseste Dunkel hinter sich zu lassen. Durch eine lange Röhre erreicht Dante mit Vergil endlich die Erdoberfläche und gelangt am vierten Tag seiner Wanderung zum Läuterungsberg, der sich auf der südlichen Erdhalbkugel aus dem Meer erhebt.2

Nach einer Bootsfahrt und rituellen Reinigung betreten beide das sog. Antepurgatorium und schreiten die sieben Terrassenwindungen des ebenfalls in neun Teile gegliederten Bergkegels hinauf, auf dessen Gipfel das „irdische Paradies“ liegt. Nachdem Dante wie die sich nach oben sehnenden Büßer unterschiedliche Läuterungswerke leisten musste, übernimmt nun am siebten Tag seiner Wanderung Beatrice als Werkzeug göttlichen Willens seine Betreuung. Er wird zunächst im Lethe-Fluss von seinen Sünden befreit und somit für den Flug durch das himmlische Paradies würdig. Am gleichen Tag schweben beide zum

Himmel empor, wo sie inmitten strahlender Helligkeit zahlreiche selige Gestalten ansichtig werden. Dante lernt die neun Himmelssphären kennen und kommt schließlich zum Empyreum, dem Sitz der dreieinigen Gottheit, wo er den dreifaltigen Gott, Quell allen Lichts, erblickt und damit das Ziel seines Strebens nach dem Allerhöchsten in Form einer ganz besonderen Traumwanderung nach acht Tagen erreicht hat.3

Die auf Erleben basierenden Berichte von Visionen wurden seit dem Hochmittelalter von zahlreichen Dichtern in Aufbau und Detail nachgeahmt, und Dantes Divina Commedia ist wohl eines der prominentesten Beispiele dieser Tendenz.4 Dieses Werk kann auch als Epos bezeichnet werden, da dichterisch und feierlich von Erhabenem und Göttlichem sowie von den bedeutendsten Themen der Menschheitsgeschichte die Rede ist. Der gewaltige poetische Korpus ist mehrfach und klar gegliedert und zerfällt in drei nahezu gleich große Hauptteile (cantiche), in denen thematisch gleichgewichtig die Hölle (Inferno), das Fegefeuer bzw. der Läuterungsberg (Purgatorio) und das himmlische Paradies (Paradiso) in vorwiegend deskriptiver und realistischer Weise geschildert werden. Es „entsteht ein gründlicher Einblick in unser Diesseits in Verbindung mit dem geheimnisvollen Jenseits, ein Buch von bis dahin ungekannter Seinshaltigkeit und Sinnerfülltheit“5. Es erzählt die bedeutsame Wandlung einer sündigen fiktiven Ich-Figur zu einem von sämtlichen Makeln befreiten Individuum, das Leben, Tod und Auferstehung poetisch erfährt und didaktisch nachvollziehbar macht. Stützende Stimula dieser moralischen Gesundung sind begleitende Persönlichkeiten wie z.B. Vergil als christusähnlicher Führer, Beatrice als göttlich agierende Gnadeninstanz oder der Heilige Bernhard, der den Wanderer schließlich Gott ansichtig werden lässt. Ein als wahrhaftig hingestelltes Märchen aufzufassendes Werk strebt ein hohes Ziel an: „Es erklärt das nach einem großen Plan angelegte Schicksal der Seele nach dem Tod und entwirft damit Orientierungskonzepte für ein Leben in der realen Welt.“6

Noch zu erwähnen sei die sog. Lagerliteratur, die europäische und amerikanische Literatur zu den nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Ghettos, die sich mit der Darstellung der Konzentrationslager zunächst im vagen Begriff „Hölle auf Erden“ und schließlich unter dem eminent literarischen Zeichen der Göttlichen Komödie befasst. Dieser literarische Bezug repräsentiert zwar nicht den ganzen Lagerdiskurs, aber immerhin in einer seiner Formen als Rede über das NSKonzentrationslager als Dantesches Inferno.7

1. Dantes „Divina Commedia“

Unter den Gelehrten und Dichtern aller Zeiten gibt es nur wenige, die sowohl für die Wissenschaft als auch Kunst Werke von herausragender Bedeutung verfasst haben. „Zu ihnen zählt der Florentiner Dante Alighieri. Seine Göttliche Komödie ist das unübertroffene Zeugnis der Menschheitsgeschichte für die mögliche Verbindung von (phantasieverpflichteter) Kunst und (per definitionem ganz faktenorientierter, nicht willkürlicher) Wissenschaft.“8 Im theologischen Lehrgebäude der mittelalterlichen Scholastik finden wissenschaftliche Forschung und kirchliche Ansprüche, Vernunft und Offenbarung zu einem harmonischen Ganzen zusammen und lassen ein klar gegliedertes weltanschauliches System entstehen. „Es dichterisch zu veranschaulichen, es im gefälligen Kleid einprägsamer Fiktion einer breiten Leserschaft nahezubringen, ist die Aufgabe, die der Dichter der Divina Commedia sich stellt.“9

Die erkenntnistheoretischen Grundlagen basieren auf der Fähigkeit der Sinne, des Verstandes und der Vernunft, zu wahren Erkenntnissen zu gelangen. So spielt die evidente Beteiligung der Sinne, vor allem des Gesichtssinnes, bei der Jenseitserfahrung des Wanderers Dante eine zentrale Rolle, wobei der Zusammenhang zwischen der äußeren Erscheinung in der jenseitigen Visionswelt und der inneren Erfahrung des Wanderers insbesondere durch die Sinneswahrnehmungen Sehen (visus), Hören (auditus), Riechen (olfactus) und Fühlen (tactus) angedeutet wird. Unter diesen Sinnen nimmt das Sehen eine klare dominante Stellung ein, das ein Akt der Offenbarung für den Jenseitswanderer darstellt. So führt der Weg des Erkenntnisprozesses dem Menschen von der Betrachtung der Körperlichen bzw. Irdischen zur Schau des Geistigen bzw. Göttlichen, indem neben den „äußeren“ Sinnen auch die „inneren“ Sinne, die das Wahrnehmungsmaterial dem höheren Erkenntnisvermögen des Menschen zuführen, genutzt werden.10 „Nichts anderes als diesem Erkenntnisprozeß will der Dichter der Göttlichen Komödie am Beispiel seines Jenseitswanderers veranschaulichen, besonders eindringlich durch dessen sich wandelnde Beziehung zu Beatrice - von der ersten Begegnung mit dem jungen Mädchen in Florenz (…), bis hin zu ihrer Wiederbegegnung nach Durchquerung des Purgatorio, wo die Begegnung mit ihrer Lichtgestalt allegorisch für die Begegnung mit dem lumen divinum steht. Der Weg dahin und zu ihr nimmt seinen Anfang notwendig auf der Erde, bei der ersten sinnlichen Wahrnehmung.“11

Etwa hundert Jahre nach der „Geburt des Fegefeuers“ kam ihm „ein außerordentlicher Glücksfall zu Hilfe: Dante Alighieri, der 1265 in Florenz geboren wurde, schuf ihm mit dichterischen Genie ein einzigartiges Denkmal in der menschlichen Erinnerung. (…) Es ist darüber hinaus unter den möglichen und teils miteinander konkurrierenden Bildern vom Fegefeuer, die die Kirche dem Geschmack und der Phantasie der Christen zur Auswahl überließ, während sie gleichzeitig am Grunddogma festhielt, die edelste aller Darstellungen, die ein menschlicher Kopf erdachte.“12 Dantes Fegefeuer ist ganz auf den Himmel ausgerichtet und im 31. Gesang des Purgatorio, im irdischen Paradies, löst Beatrice Dantes bisherigen Führer Vergil ab, um ihn zum himmlischen Paradies zu geleiten. Der Aufstieg ist ein Weg zum Licht und das Purgatorio stellt einen Ort zwischen der Finsternis der Hölle und der Helligkeit des Paradieses dar, wobei die Helligkeit auch von den Engeln ausgeht, die das himmlische Licht ins Purgatorio bringen. So ist das irdische Paradies bereits in himmlisches Licht getaucht und hier kommt es zur letzten Läuterung. „Aus einer Quelle entspringen zwei Bäche, von denen der eine, der Lethe, dem Menschen die Erinnerung an seine Sünden nimmt; der andere, der Eunoë (Dantes Erfindung), gibt ihm die Erinnerung an alles Gute, was er getan hat, zurück.“13 Somit beendet der Jenseitswanderer Dante den Buß- und Reinigungsprozess, indem das Gedächtnis nun auch von der Sünde reingewaschen ist und allein die Erinnerung an das Gute erhalten bleibt.14 Das Fegefeuer „ist in der frühen italienischen Literaturgeschichte ein religiös-moralisch geschickt konzipiertes und geometrisch-poetisch selbständig umgesetztes Raumgebilde, [das] (…) aus der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation des 12. bzw. 13. Jh. erklärbar [ist], in der das höfisch-mittelalterliche Denken in ein kaufmännisch-bürgerliches überging“15.

1.1 Dante Alighieri - eine Biographie

Dante Alighieri wurde höchstwahrscheinlich im Jahre 1265 zwischen dem 14. Mai und dem 13. Juni in Florenz geboren, in einer Zeit des Unterganges der Staufer und des Beginnes der Guelfen-Herrschaft in Florenz, die den bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen, die bis dahin zwischen Guelfen (Papsttreue) und Ghibellinen (Kaisertreue) geherrscht hatten, zunächst ein Ende setzte und für einen wirtschaftlichen sowie kulturellen Aufschwung sorgte. „Dante lebt in einer Zeit der Umbrüche und der Widersprüche, und insofern ist das, was wir über sein eigenes, von Umbrüchen und Widersprüchen gekennzeichnetes Leben zu wissen meinen, Spiegel der Zeit.“16 Er entstammte einer Familie adeliger Herkunft und über seine Kindheit sowie Jugendzeit, die er in Florenz verbracht hatte, gibt es keine gesicherten Informationen. Sowohl der frühe Tod seiner Mutter zwischen 1270 und 1273 als auch der seines Vaters im Jahre 1281/82 wird in seinen Werken dichterisch nicht verarbeitet. Im Jahre 1274 kam es zur ersten Begegnung mit Beatrice, die Dante in der Vita nuova und vor allem in der Divina Commedia zu einem literarischen Mythos erhebt. Ob diese Beatrice tatsächlich mit der Tochter des wohlhabenden florentinischen Händlers Folco Portinari gleichzusetzen ist oder ob es sich um eine literarische Fiktion handelt, erscheint zweitrangig zu sein, da Dante die „Mythisierung seiner selbst und Beatrices über das historische Faktum“17 gestellt hat. Um das Jahr 1285 heiratete er die aus einer verarmten Nebenlinie der einflussreichen Familie Donati stammende Gemma di Manetto, aus deren Ehe vier Kinder hervorgingen. „Im Gegensatz zu Beatrice, die im Jahr 1290 stirbt und so den Weg zu ihrer Mythisierung endgültig freigibt (…), spielt seine Frau in Dantes Werk keine Rolle, ebensowenig die Kinder.“18

Dantes Jahre als junger Erwachsener fallen in eine Zeit relativer politischer Ruhe, in der das aufkommende Bürgertum aufgrund seiner wirtschaftlichen Vorrangstellung den Adel als führende Gesellschaftsschicht abgelöst hatte. Seine Ausbildung dürfte sich nicht wesentlich von der mittelalterlichen Norm unterschieden haben, allerdings galt Florenz als Zentrum überdurchschnittlicher Bildung. So gab es in Florenz neben den konventionellen Klosterschulen auch sog. „Grundschulen“, in denen neben Grundkenntnisse in Rhetorik auch praktische Kenntnisse vermittelt wurden. Zunächst wurde Dante etwa vier oder fünf Jahre lang von einem Privatlehrer in Lesen, Rechnen und Schreiben sowie Latein unterrichtet, später kamen Grammatik und Logik sowie die Lektüre von Cicero und Vergil hinzu. Danach hatte Dante höchstwahrscheinlich seine Studien in Bologna weiterverfolgt und in die 1280er Jahre fielen auch seine ersten Bekanntschaften mit zeitgenössischen Dichtern, woraufhin einige der frühen Rime entstanden. „Seine Ausbildung erfährt Dante vielleicht zu einem Teil bei Brunetto Latini, dem er im fünfzehnten Gesang des Inferno ein Denkmal aus Dankbarkeit und Verehrung gesetzt hat.“19 Latini war ein Vorkämpfer und Meister der Kultur und politischer Klugheit in Florenz, bei dem Dante eventuell private Kurse besuchte. Somit kann sein Bildungsweg in drei Phasen gegliedert werden, in denen sich jeweils eigene Studienschwerpunkte herausbilden: die erste von 1275 bis 1286 mit Rhetorik sowie Grammatik, die zweite von 1287 bis 1290 mit Philosophie sowie Literatur und die dritte von 1291 bis 1294 mit Philosophie sowie Theologie. Natürlich hatte Dante nie aufgehört, sich zu bilden, er war vielmehr ein lebenslanger Lernender, der mit didaktischem Willen seine Begeisterung für das Lernen an seine Leserschaft weiterzugeben versuchte. Der Beginn seines politischen Engagements geht wohl auf das Jahr 1289 zurück, in dem Florenz ein Herr stellte, um einer erneuten ghibellinischen Besetzung zu entgehen. In der Schlacht bei Campaldino soll Dante als Berittener für die guelfische Sache teilgenommen haben und in der Folgezeit engagierte er sich in der Guelfenpartei, die wegen der unversöhnlichen Rivalität zwischen den sog. „Neureichen“, zugezogene Händler und Bankleute, und dem alten florentiner Stadtadel in die sog. „weißen“ und „schwarzen“ Guelfen zerfiel. Im Jahre 1295 wurde er Mitglied in der Zunft der Ärzte und Apotheker und somit besaß er nun die formalen Voraussetzungen, um ein politisches Amt übernehmen zu können. Daraufhin wurde er Mitglied verschiedener politischer Gremien und als Höhepunkt seiner politischen Karriere ist die Mitgliedschaft im Priorat, dem höchsten Entscheidungsgremium der Stadt, im Jahre 1300 anzusehen. Er gehörte der Partei der „Weißen“ an, die im Gegensatz zu den „Schwarzen“ für eine Selbstbestimmung gegenüber dem Papst eintrat. Als es im Juni 1300 bei einem Besuch des päpstlichen Legaten, der als Vermittler zwischen Schwarze und Weiße fungieren sollte, zu Unruhen kam, wurden die Prioren mit Verbannung bestraft, da sie sich weigerten, den Willen des Papstes zu befolgen. Auch das neugewählte Priorat beharrte auf seiner Unabhängigkeit in weltlichen Angelegenheiten, woraufhin Florenz mit dem Kirchenbann belegt wurde und der Papst sich der militärischen Unterstützung des Hauses Anjou versicherte. Angesichts dieser Bedrohung erfolgte in Florenz eine weitere Spaltung der Guelfenpartei, nämlich die Weißen zerfielen in eine kompromissbereite Mehrheit und eine radikale antipäpstliche Minderheit, der sich Dante anschloss. Im November 1301 übernahmen die Schwarzen nach brutalen Vergeltungsmaßnahmen wieder die Macht in Florenz und in Abwesenheit Dantes, der als Gesandter sich noch in Rom befand, wurde sein Haus zerstört. Im Januar 1302 wurde Dante nach einem Schauprozess zu einer Geldstrafe und zum Ausschluss von allen öffentlichen Ämtern verurteilt. Da er sich gerade in Siena aufhielt und daher nicht erschien, um die Strafe zu bezahlen, wurde sein ganzes Vermögen beschlagnahmt und schließlich erging gegen ihm in Abwesenheit am 10. März 1302 das Todesurteil. „Dante sollte seine Heimatstadt nie wiedersehen.“20

In der Zeit seiner politischen Tätigkeit erfolgte seine weitere Ausbildung neben dem Selbststudium in den gut ausgestatteten Klosterbibliotheken von Florenz bei den Dominikanern von Santa Maria Novella, die für die Rezeption des Aristoteles, Thomas von Aquin und Albertus Magnus eine bedeutende Rolle spielten, und bei den Franziskanern von Santa Croce, die ihm seine Kenntnisse über Augustinus und Bonaventura vermittelt haben könnten. Dieses auch Laien zugängliche studium generale hatte seinen Schwerpunkt in der Theologie und da zur damaligen Zeit Philosophie und Theologie noch weitgehend eine Einheit bildeten, konnte Dante griechische Philosophen wie Aristoteles, aber auch islamische und jüdische Philosophie und Theologie, Rhetorik und Scholastik kennenlernen. Hier wurde der Grundstein für seine weitere intellektuelle Entwicklung gelegt und seine philosophische Bildung bewegte sich im Rahmen der scholastischen Tradition des 12. Jahrhunderts mit einer Tendenz zum Eklektizismus. „Dantes frühe Jahre im Exil entziehen sich ähnlich wie seine frühen Lebensjahre der genauen Kenntnis. Er dürfte aber, abgesehen von der zeitweiligen Unterstützung durch seinen in Florenz verbliebenen und Handel treibenden Bruder, praktisch mittellos gewesen sein.“21 Er schien sich in den folgenden Jahren immer mehr aus der Politik zurückgezogen und sich vermehrt seinen literarischen Schaffen gewidmet zu haben. Während erste Entwürfe der Vita nuova schon zu Beginn der 1290er Jahre entstanden sind, arbeitete er nun an De vulgari eloquentia und am Convivo, die beide Fragment geblieben sind, sowie am Inferno.

[...]


1 Wittschier, Dantes DC, S. 15.

2 Vgl. ebd., S. 16.

3 Vgl. Wittschier, Dantes DC, S. 16f.

4 Vgl. Dinzelbacher, Visionsliteratur, S. 16.

5 Wittschier, Dantes DC, S. 18.

6 Ebd., S. 22.

7 Vgl. Taterka, Dante Deutsch, S. 9f.

8 Hirdt, Dante, S. 7.

9 Ebd., S. 9.

10 Vgl. ebd., S. 9ff.

11 Hirdt, Dante, S. 87.

12 Le Goff, Geburt des Fegefeuers, S. 407.

13 Ebd., S. 434.

14 Vgl. ebd., S. 432ff.

15 Wittschier, Dantes DC, S. 62.

16 Prill, Dante, S. 4.

17 Ebd., S. 8.

18 Ebd., S. 8.

19 Prill, Dante, S. 9.

20 Prill, Dante, S.14.

21 Ebd., S. 14f.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die „Divina Commedia“ von Dante Alighieri
Untertitel
Die Visionen in Dantes „Paradiso“ und deren Bedeutung für die mittelalterliche Visionsliteratur
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Geschichte)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
34
Katalognummer
V281011
ISBN (eBook)
9783656752271
ISBN (Buch)
9783656752295
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Divina Commedia, Dante Alighieri, Paradiso, Visionsliteratur
Arbeit zitieren
DI MMag Fabian Prilasnig (Autor), 2014, Die „Divina Commedia“ von Dante Alighieri, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281011

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