Die Begriffe Telizität und Perfektivität werden in der Literatur nicht einheitlich verwendet.
Gleiches gilt für die Definition bezüglich Aspekt und Aktionsart, die den Begriffen Telizität und Perfektivität übergeordnet sind. Das Ziel dieser Seminararbeit besteht darin, zu untersuchen, inwieweit eine Abgrenzung der beiden Begriffe sinnvoll ist oder aber eine Gleichsetzung von Telizität und Perfektivität begründet ist. Da Perfektivität und Telizität mit Aspekt und Aktionsart in Verbindung stehen, werden diese Begriffe in Kapitel 2 definiert und auf die Problematik der Abgrenzung zwischen diesen eingegangen. Anschließend folgt in Abschnitt 3.1 und 3.2 eine Vorstellung der Hypothesen, ob Telizität und Perfektivität synonym oder zueinander distinkt zu behandeln sind. Darauffolgt in Kapitel 4 eine Diskussion und Gegenüberstellung der vorgestellten Theorien und es wird abschließend ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aspekt und Aktionsarten
3. Zusammenhang und Abgrenzung der Termini Telizität und Perfektivität
3.1 Telizität entspricht Perfektivität
3.1.1 Quantelung und Kumulativität
3.1.2 Zusammenhang von Quantelung, Telizität und Perfektivität
3.2 Abgrenzung von Telizität und Perfektivität
4. Gegenüberstellung der Theorien
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen den linguistischen Begriffen Perfektivität und Telizität. Ziel ist es zu analysieren, ob eine strikte Abgrenzung dieser beiden Systeme sinnvoll ist oder ob eine theoretische Gleichsetzung aufgrund ihrer Interaktion mit Aspekt und Aktionsarten begründet werden kann.
- Theoretische Grundlagen von Aspekt und Aktionsarten
- Analyse des Zusammenhangs von Quantelung, Kumulativität und Telizität
- Diskussion der Hypothese der Gleichsetzung von Perfektivität und Telizität
- Untersuchung des Imperfektiv-Paradoxons als Gegenargument
- Gegenüberstellung konkurrierender linguistischer Theorien
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Zusammenhang von Quantelung, Telizität und Perfektivität
Plural- und Substanzprädikate wie Pferde und Bier weisen eine kumulative Denotation auf. Wenn das Substanzprädikat Bier mit Bier fusioniert, ergibt das wieder das Substanzprädikat Bier. Genauso verhalten sich die Pluralprädikate. Pferde plus Pferde ergibt wieder das Pluralobjekt Pferde (vgl. Ballweg 2004: 79).
(3) Er trinkt Bier.
(4) Er trinkt ein Glas Bier.
Da das Substanzprädikat kumulativ ist, bekommt die VP in (3) einen atelischen Charakter. Laut Ballweg (2004: 81) ist das Objekt in (4) begrenzt, da eine definite Anzahl von Substanzportionen vorliegt. Das heißt in (4) ist der Substanzausdruck gequantelt. Die gequantelten Nominalphrasen übertragen ihre Bedeutung auf die Verbalphrasen und implizieren durch ihre Gequanteltheit eine telische Interpretation der gesamten Verbalphrase. Krifka (1989) schließt daraus, dass Perfektivität die Gequanteltheit eines Verbalausdrucks präsupponiert und Imperfektivität die Kumulativität.
Doch nicht bei allen Verbalphrasen erfolgt eine Bedeutungsübertragung von gequantelten Nominalphrasen auf eine telische Interpretation der Verbalphrasen (vgl. Ballweg 2004: 81). Die Verbbedeutung spielt eine entscheidende Rolle, ob in Kombination mit gequantelten NPs eine telische Interpretation der Verbalphrase ausgelöst wird. Nach Krifka (1989) findet eine Bedeutungsübertragung von gequantelten Patiens-Objekten auf eine telische Interpretation der Verbalphrase nur dann statt, wenn das Objekt dem Verbereignis nach und nach unterzogen wird und sich je ein Teil des Objekts und je ein Teil des Ereignisses entsprechen. Diese Objekte in Verbindung mit Accomplishments nennt Krifka (1989) „Sukzessiv-Patiens“ (vgl. Ballweg 2004: 82).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die semantische Abgrenzung oder Gleichsetzung von Telizität und Perfektivität unter Berücksichtigung von Aspekt und Aktionsarten zu untersuchen.
2. Aspekt und Aktionsarten: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Grundlagen und ordnet Aspekt als grammatische bzw. semantisch-funktionelle Kategorie von den inhärenten temporalen Eigenschaften der Aktionsarten ab.
3. Zusammenhang und Abgrenzung der Termini Telizität und Perfektivität: Hier wird der Kern der Untersuchung behandelt, indem zunächst die Identifizierung beider Begriffe diskutiert und anschließend die Argumente für eine notwendige Trennung erörtert werden.
4. Gegenüberstellung der Theorien: Die verschiedenen theoretischen Ansätze zur Telizität und Perfektivität werden kritisch reflektiert, insbesondere hinsichtlich der Rolle von Definitheit und des Imperfektiv-Paradoxons.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass eine Gleichsetzung der Begriffe zwar einflussreich, aber aufgrund des Imperfektiv-Paradoxons nicht ausreichend ist, weshalb eine Erweiterung der theoretischen Ansätze empfohlen wird.
Schlüsselwörter
Perfektivität, Telizität, Aspekt, Aktionsart, Quantelung, Kumulativität, Imperfektiv-Paradox, Verbalphrase, Nominalphrase, Definitheit, Semantik, Sprachwissenschaft, Atelizität, Sukzessiv-Patiens, Sprachvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Differenzierung zwischen den Begriffen Perfektivität und Telizität und hinterfragt, ob diese Systeme äquivalent sind oder getrennt betrachtet werden müssen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Aspekt und Aktionsarten, die Konzepte der Quantelung und Kumulativität sowie die semantische Interaktion von Nominal- und Verbalphrasen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob die in der Fachliteratur häufige Gleichsetzung von Telizität und Perfektivität theoretisch haltbar ist oder ob sie aufgrund linguistischer Paradoxa aufgebrochen werden sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, bei der bestehende Ansätze (u.a. von Krifka, Filip, Bertinetto) gegenübergestellt, kritisch diskutiert und anhand von sprachlichen Beispielen evaluiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Gleichsetzungshypothese (Krifka), die Analyse von Quantelung und Kumulativität sowie die anschließende Kritik durch die Gegenposition, welche die Unabhängigkeit der beiden Systeme hervorhebt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Perfektivität, Telizität, Aspektualität und die Problematik der Quantelung bzw. des Imperfektiv-Paradoxons geprägt.
Was ist das sogenannte "Imperfektiv-Paradox"?
Das Imperfektiv-Paradox beschreibt den Umstand, dass telische Ereignisse auch in einer imperfektiven Perspektive betrachtet werden können, was gegen die Annahme spricht, dass Perfektivität zwingend Telizität präsupponiert.
Wie beeinflussen Nominalphrasen die Interpretation einer Verbalphrase?
Gequantelte Nominalphrasen können auf die gesamte Verbalphrase übertragen werden und eine telische Interpretation auslösen, während kumulative Nominalphrasen den atelischen Charakter einer Verbalphrase unterstützen.
- Citation du texte
- Corinna Pogan (Auteur), 2014, Perfektivität und Telizität. Zusammenhang und Abgrenzung der Begriffe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281034