„In der Gesellschaft – also im Rahmen friedlicher Zusammenarbeit von Menschen – gibt es zwei Methoden der Geschäftsführung. Die eine ist bürokratisches Wirtschaften, die andere gewinnorientiertes Wirtschaften“ .
In dieser Seminararbeit soll eine Auseinandersetzung mit ersterem Organisationsprinzip – der Bürokratie – stattfinden. In dieser Arbeit soll bürokratisches Handeln mit Hilfe der Wirtschaftstheorie dargestellt werden. Es wird versucht, das Verhalten der beteiligten Akteure zu verstehen, um so Erklärungen und auch mögliche Lösungen für die Problematik der Verschwendung zu finden.
2. ÖKONOMISCHE THEORIE DER BÜROKRATIE
Bereits vor fast einem Jahrhundert stellte Max Weber Untersuchungen zum Organisationsprinzip der Bürokratie an. In seinem soziologischen Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ erklärt Weber das Aufkommen und die Verbreitung der Bürokratie. Er lobt die „technische Überlegenheit“ und den rationalen Charakter öffentlicher Verwaltungen, der von Regeln und Zweck beherrscht werde, genauso wie das maschinenmäßige Funktionieren der Bürokraten, die ihre regelgebundenen Dienste im Sinne der Allgemeinheit vollzögen.
„Ein voll entwickelter bürokratischer Mechanismus verhält sich zu Diensten der anderen, genau wie eine Maschine zu den nicht mechanischen Arbeiten der Gütererzeugung. Präzision, Schnelligkeit, Eindeutigkeit, Aktenkundigkeit, Kontinuierlichkeit, Diskretion, Einheitlichkeit, straffe Unterordnung, Ersparnisse an Reibung, sachlichen und persönlichen Kosten sind bei streng bürokratischer spezieller monokratischer Verwaltung durch geschulten Einzelbeamte … auf das Optimum gesteigert.“
Auch die moderne Wirtschaftstheorie – vornehmlich die (Neue) Institutionenökonomik und die „Ökonomische Theorie der Politik“ – hat sich in den letzten Jahrzehnten dem Thema der Bürokratie und damit dem Verhalten ihrer Akteure, den Anreizstrukturen und möglichen Problemen beschäftigt und damit das Feld nicht-marktlicher Entscheidungen betreten.
Diese „Außermarktliche Ökonomik“ (Frey, 1991) ist vor allem unter dem Begriff „Public-Choice bekannt. Sie versucht durch die Übertragung des ökonomischen Verhaltensmodells (Homo Oeconomicus) auf diese nicht-marktlichen Gebiete – wie der Bürokratie – Verhaltensweisen und Problematiken zu verstehen. Individuen sind sowohl im Markt, als auch im Staat von Eigeninteresse geleitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ökonomische Theorie der Bürokratie
2.1. Prinzipal-Agent-Ansatz
2.2. Grundmodell der Bürokratie nach Niskanen
2.2.1. Modellannahmen
2.2.2. Ergebnisse
2.2.3. Kritik und Weiterentwicklungen der Theorie
3. Kontrolle und Reform
3.1. Kontrolle
3.2. Reform
4. Fazit – Was Bleibt?
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, bürokratisches Handeln und die damit verbundene staatliche Verschwendung mithilfe der Wirtschaftstheorie zu analysieren, um das Verhalten der beteiligten Akteure zu verstehen und Lösungsansätze zu identifizieren.
- Grundlagen der ökonomischen Theorie der Bürokratie
- Anwendung des Prinzipal-Agent-Ansatzes auf bürokratische Strukturen
- Analyse des Niskanen-Modells und seiner Budgetmaximierungshypothese
- Kritische Würdigung der Modellannahmen
- Untersuchung von Kontrollmechanismen und Reformansätzen (z.B. New-Public-Management)
Auszug aus dem Buch
2.2. GRUNDMODELL DER BÜROKRATIE NACH NISKANEN
William A. Niskanen entwickelte in seinem 1974 erschienenen Werk „Bureaucracy and Representative Government“, mit Hilfe des Public-Choice-Ansatzes, die erste systematische Analyse der Bürokratie. Nach Niskanen zeichnet sich die Bürokratie in ihrem Wesen durch zwei Hauptmerkmale aus:
(i) „Ihre „Eigentümer“ und die darin Beschäftigten eignen sich nichts von der Differenz zwischen Einnahmen und Kosten als persönliches Einkommen an.
(ii) Ein Teil der Einnahmen stammt aus anderen Quellen als dem Verkauf des Outputs zu einem Stückpreis. In einem Satz: Büros sind nicht-gewinnorientierte Organisationen, die zumindest teilweise durch periodische Zuweisungen oder Beiträge finanziert werden.“
Niskanens Bürokratie-Theorie, als Teil der Public-Choice-Theorie, geht von einem methodologischen Individualismus aus, daher spielt der Chefbürokrat eine maßgeblich Rolle bei der Untersuchung des Themengebietes. Es gilt, sein Verhalten und die Einflüsse auf sein Verhalten zu verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der bürokratischen Verschwendung ein und skizziert das Ziel, bürokratisches Handeln wirtschaftstheoretisch zu beleuchten.
2. Ökonomische Theorie der Bürokratie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen wie den Prinzipal-Agent-Ansatz und das Niskanen-Modell zur Erklärung des Akteursverhaltens in der Bürokratie.
3. Kontrolle und Reform: Hier werden Möglichkeiten der externen Kontrolle sowie Reformansätze wie das New-Public-Management diskutiert, um Ineffizienzen in der Verwaltung zu begegnen.
4. Fazit – Was Bleibt?: Das Fazit fasst zusammen, dass die ökonomische Theorie die Verschwendungstendenzen in der Bürokratie erklären kann und betont die Notwendigkeit von Strukturreformen.
Schlüsselwörter
Bürokratie, Verschwendung, Wirtschaftspolitik, Prinzipal-Agent-Ansatz, Niskanen-Modell, Public-Choice, Budgetmaximierung, Informationsasymmetrie, Ineffizienz, New-Public-Management, Privatisierung, Wohlfahrtsverlust, Institutionenökonomik, staatliche Verwaltung, Reform
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen bürokratischer Verschwendung aus der Perspektive der Wirtschaftstheorie und versucht, das Verhalten von Akteuren in öffentlichen Verwaltungen zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die bürokratische Organisation, Anreizstrukturen für Bürokraten, das Problem der Informationsasymmetrie sowie Ansätze zur Effizienzsteigerung durch Reformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen staatlicher Ineffizienz zu gewinnen und auf Basis der Theorie mögliche Lösungsansätze zur Reduktion von Verschwendung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die Public-Choice-Theorie und die Neue Institutionenökonomik, insbesondere auf das Prinzipal-Agent-Modell und die Bürokratie-Theorie nach William A. Niskanen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Fundamenten, der Budgetmaximierungshypothese, der Kritik am Niskanen-Modell sowie mit Strategien zur Kontrolle und Reform öffentlicher Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Bürokratie, Verschwendung, Public-Choice, Budgetmaximierung, Prinzipal-Agent-Ansatz und Effizienz.
Was versteht Niskanen unter dem Niskanen-Gleichgewicht?
Das Niskanen-Gleichgewicht beschreibt einen allokations-ineffizienten Zustand, bei dem eine bürokratische Einheit eine verschwenderische Überproduktion öffentlicher Leistungen erzielt, da sie ihren Spielraum durch Informationsvorsprünge ausnutzt.
Warum ist eine externe Kontrolle der Bürokratie oft ineffektiv?
Laut der Arbeit liegt dies an strukturellen Problemen; Institutionen wie der Rechnungshof unterliegen oft ähnlichen Anreizstrukturen wie die zu prüfenden Bürokraten selbst.
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- Mirian Fabian Breuer (Autor), 2014, Verschwendung in der Bürokratie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281080