Das Nachmittagsfernsehen bietet heutzutage eine breite Auswahl vermeintlich „authentischer“ Sendungen an. Von „Mitten im Leben“ bis „Schwiegertochter gesucht“, hier ist den meisten Zuschauern klar, dass die suggerierte Authentizität, meist mehr schlecht als recht, inszeniert ist. Wo die Unterscheidung zwischen Echtheit und Inszenierung bei diesem Format nicht allzu schwer zu fallen scheint, besteht bei YouTube-Videos eine dem Zuschauer meist unbewusste Problematik. Denn sprechen wir den amateurhaften Videos nicht automatisch eine gewisse Glaubwürdigkeit zu? Weshalb glauben wir eher einem Webvideo, in dem ein Nutzer ein Produkt testet, als der entsprechenden Werbung? Diese Arbeit soll die Problematik um die Authentizität von YouTube-Videos vorstellen und letztendlich untersuchen, ob die Videoplattform YouTube durch den starken Trend zu professionellen Videos das Attribut der Authentizität verliert.
Im Folgenden soll zuerst der Begriff der Authentizität untersucht werden und der damit verbundene Wunsch nach Authentizität in der heutigen Gesellschaft. Danach soll genauer auf die Problematik von Authentizität bei YouTube eingegangen werden. Um zu zeigen, welche Eigenschaften ein Video authentisch wirken lassen, sollen die Authentisierungsstrategien nach Näser betrachtet werden und im Anschluss untersucht werden, aus welchen Gründen Authentizität in unserer Gesellschaft inszeniert wird. Auf der Grundlage dessen soll dann im Anschluss am Beispiel der Let's-Play-Videos die Frage analysiert werden, ob durch den starken Trend zu professionellen Videos mit dem Verlust des Amateurcharakters auch die Authentizität der Videos verloren geht.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Problematik um YouTube und Authentizität
2 YouTube: Zwischen Authentizität und Inszenierung
2.1 Authentizität aus kulturwissenschaftlicher Perspektive
2.2 Authentizität bei YouTube
2.2.1 Authentisierungsstrategien nach Näser
2.2.2 Die Inszenierung von Authentizität
2.3 Trend zu Professionellen Produktionen als Leitbild bei YouTube
2.4 Analyse der Auswirkung der Professionalisierung auf den Authentizitätscharakter von YouTube am Gegentrend der Let's Plays
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Spannung zwischen dem Wunsch nach Authentizität auf der Videoplattform YouTube und dem zunehmenden Trend zur Professionalisierung von Inhalten, wobei der Fokus insbesondere auf der Frage liegt, ob der Amateurcharakter für das Authentizitätsempfinden der Zuschauer unverzichtbar ist.
- Kulturwissenschaftliche Grundlagen der Authentizität
- Authentisierungsstrategien in Webvideos
- Rolle der Selbstinszenierung im Sinne von Erving Goffman
- Einfluss der Professionalisierung auf die Nutzerwahrnehmung
- Analyse des Let's-Play-Formats als Gegenströmung
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Authentisierungsstrategien nach Näser
In Authentizität 2.0 – Kulturanthropologische Überlegungen zur Suche nach „Echtheit“ im Videoportal YouTube zeigt Torsten Näser Authentisierungsstrategien auf, die einen starken Einfluss darauf haben, ob wir Videotagebücher als authentisch empfinden.
Zu den audiovisuellen Merkmalen, die auf Authentizität hindeuten, gehört nach Näser eine „in der Farb- und Schattierungswiedergabe nicht zu perfekte, amateurhafte Webcam-Optik“ sowie eine „fast schon stereotype, meist halbnahe Einstellungsgröße, die den sich an die Community wendenden Nutzer – scheinbar am Schreibtisch vor dem PC sitzend – etwa bis zur Höhe des Bauchnabels zeigt“ (Näser 2008:10). Weitere Erzeuger von Authentizität liegen in der Aufnahmeperspektive der Webcam, die meist neben dem Monitor angebracht ist, in mäßigem Ton und der nicht vorhandenen Nachbearbeitung der Videos. Die Aufnahmequalität der Videos verleiht den meisten Amateurvideos die gewisse Authentizität.
Wichtig sind nach Näser auch die Kommunikationspraktiken der User bei YouTube. So wirkt ein Nutzer authentischer, wenn er mit der Community interagiert, indem er zum Beispiel Fragen beantwortet oder andere Videos bewertet. Die Zuschauer möchten sich mit dem Nutzer identifizieren und erwarten eine regelmäßige Teilnahme und das Hochladen neuer Videos. Besonders der Einblick in die Privatsphäre und auch die Vernetzung mit anderen Plattformen wie Facebook oder Twitter lassen den YouTuber nahbarer und authentischer erscheinen (Näser 2008:11).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Problematik um YouTube und Authentizität: Einführung in die Wahrnehmung von Authentizität bei Webvideos und Darstellung der Forschungsfrage hinsichtlich der Auswirkungen von Professionalisierung.
2 YouTube: Zwischen Authentizität und Inszenierung: Theoretische Untersuchung des Authentizitätsbegriffs und Analyse, wie sich Nutzer auf YouTube selbst inszenieren und durch welche Kriterien Videos als authentisch wahrgenommen werden.
3 Fazit: Zusammenfassende Antwort auf die Forschungsfrage, die verdeutlicht, dass Authentizität weiterhin stark von der individuellen Wahrnehmung des Zuschauers abhängt und durch Professionalisierung nicht zwangsläufig verloren geht.
Schlüsselwörter
YouTube, Authentizität, Professionalisierung, Inszenierung, Let's Plays, Glaubwürdigkeit, Webvideo, Amateurvideos, Identität, Selbstdarstellung, Soziale Medien, Mediale Wahrnehmung, Zuschauererwartung, Content Creation, Influencer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob der zunehmende Trend zu professionell produzierten Videos auf YouTube dazu führt, dass die Plattform ihre ursprüngliche, als authentisch empfundene Qualität verliert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind der kulturwissenschaftliche Authentizitätsbegriff, die Mechanismen der Selbstinszenierung im Internet sowie der Einfluss von Produktionsqualität auf die Glaubwürdigkeit von Content-Creatoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob der Verlust des Amateurcharakters bei YouTube-Videos zwangsläufig mit einem Verlust der Authentizität einhergeht.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit medienwissenschaftlichen und soziologischen Konzepten (u.a. Näser, Goffman) und wendet diese auf aktuelle Trends wie das Let's-Play-Format an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Begriffs der Authentizität, die Untersuchung von Inszenierungsstrategien auf YouTube und eine Fallanalyse des Formats Let's Play als Gegenbewegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Authentizität, Inszenierung, YouTube, Professionalisierung und Glaubwürdigkeit.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Amateuren und Profis auf YouTube?
Die Arbeit differenziert anhand der technischen Ausstattung, der Nachbearbeitung der Videos sowie der wirtschaftlichen Motivation der Nutzer, wobei Let's-Player eine interessante hybride Rolle einnehmen.
Welche Rolle spielt das „Let's-Play“-Format in der Argumentation?
Let's Plays dienen als exemplarisches Gegenbeispiel zum Trend der Professionalisierung, da hier durch Spontanität und persönliche Interaktion eine hohe Authentizität erreicht wird, obwohl die Reichweiten enorm sind.
Warum wird die Rolle der Werbebranche thematisiert?
Die Werbebranche stellt für die Autorin einen Gefahrenfaktor für die Authentizität dar, da kommerzielle Interessen und bezahlte Produktplatzierungen das Bild der „echten“ Meinung des YouTubers untergraben könnten.
Liegt Authentizität laut Fazit wirklich nur im Auge des Betrachters?
Ja, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Authentizität kein objektives Merkmal eines Videos ist, sondern eine Zuschreibung des Rezipienten, die durch verschiedene Signale wie Amateurhaftigkeit oder wahrgenommene Spontanität beeinflusst wird.
- Citation du texte
- Alana Speer (Auteur), 2013, Youtube: Verlust der Authentizität durch Professionalisierung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281192