Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Assistenzhunde zu der Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft beitragen. Dabei wird besonders der Einsatz von Blindenführhunden untersucht und diskutiert.
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick darüber zu schaffen, wie sich die Teilhabe blinder Menschen in der Metropolregion Nürnberg an der Gesellschaft darstellt und welche Rolle ihr Blindenführhund dabei spielt.
Da sich zu diesem Thema nur wenig aktuelle Fachliteratur finden lässt, soll sie durch die individuellen Erfahrungen der Betroffenen ergänzt werden. Diese wurden mittels leitfadengestützter Interviews erhoben. Zudem werden Situationen geschildert, in denen das Verhalten der Mitmenschen beobachtet wurde.
Im Ergebnis zeigt sich, dass der Blindenführhund für die Menschen mit Seheinschränkung eine wesentliche Unterstützung im Alltag darstellt. Wobei die Führhundehalter sich allerdings nicht bedingungslos als in die Gesellschaft inkludiert erleben, da sie durch das Verhalten ihrer Mitmenschen mit neuen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Dies lässt sich beispielsweise in dem rücksichtslosen Benehmen anderer Hundehalter, die ihr Tier nicht zurückrufen, erkennen. Zudem stellt das Verbot einiger Ladenbesitzer das Geschäft mit einem Führhund zu betreten ein großes Problem dar.
Des Weiteren sind in den meisten Städten immer noch zahlreiche Barrieren vorhanden. Auch wenn sich deren Ausprägung auf andere Bereiche, wie die rutschigen Böden in den öffentlichen Verkehrsmitteln und den Müll auf den Straßen, verschoben hat.
Blinde Menschen erfahren zwar durch einen Führhund bereits Verbesserungen in ihrer Selbständigkeit und im Kontakt mit den Mitmenschen. Vor allem im Hinblick auf das Handlungsbedürfnis der Sozialen Arbeit besteht aber noch ein hoher Bedarf an Veränderung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fachliche Grundlagen
2.1 Inklusion
2.1.1 Begriffsbestimmung
2.1.2 Abgrenzung zu Integration
2.2 Menschen mit Behinderung
2.2.1 Begriffsbestimmung
2.2.2 Arten der Behinderung
2.2.3 Fokus: Sehschädigung
2.3 Assistenzhunde als Helfer für Menschen mit Behinderungen
2.3.1 Begriffsbestimmung
2.3.2 Einsatzbereiche von Assistenzhunden
2.4 Blindenführhunde als erweitertes Wahrnehmungsorgan
2.4.1 Begriffsbestimmung
2.4.2 Ausbildung eines Blindenführhundes
2.4.3 Rechtliche Stellung des Blindenführhundes
2.4.4 Möglichkeiten des Einsatzes eines Blindenführhundes
2.4.5 Grenzen des Einsatzes eines Blindenführhundes
2.4.6 Inklusionserfolge durch den Blindenführhund
3. Methodisches Vorgehen
3.1 Leitfadengestütztes Interview
3.2 Beobachtung
3.3 Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund als Zugang zu Befragungspartnern
3.4 Erhebungsort
3.5 Auswertung
4. Befragungen
4.1 Interview Frau F.
4.1.1 Beschreibung der Interviewpartnerin
4.1.2 Darstellung der Interviewsituation
4.1.3 Inhaltliche Erkenntnisse
4.2 Interview Herr B.
4.2.1 Beschreibung des Interviewpartners
4.2.2 Darstellung der Interviewsituation
4.2.3 Inhaltliche Erkenntnisse
4.3 Interview Herr H.
4.3.1 Beschreibung des Interviewpartners
4.3.2 Darstellung der Interviewsituation
4.3.3 Inhaltliche Erkenntnisse
4.4 Zusammenfassung
4.4.1 Vergleichende Betrachtung der Ergebnisse
4.4.2 Vergleich der aus der Erhebung gewonnenen Erkenntnisse mit der Literatur
5. Beobachtungen
5.1 Beobachtung Frau F.
5.1.1 Darstellung der Beobachtungssituation
5.1.2 Inhaltliche Erkenntnisse
5.2 Beobachtung Herr B.
5.2.1 Darstellung der Beobachtungssituation
5.2.2 Inhaltliche Erkenntnisse
5.3 Beobachtung Herr H.
5.3.1 Darstellung der Beobachtungssituation
5.3.2 Inhaltliche Erkenntnisse
5.4 Zusammenfassung
5.4.1 Vergleichende Betrachtung der Ergebnisse
5.4.2 Vergleich der aus der Erhebung gewonnenen Erkenntnisse mit der Literatur
6. Handlungsbedürfnis der Sozialen Arbeit
6.1 Öffentlichkeitsarbeit als Schlüssel zur Gesellschaft
6.2 Handhabung der Sozialen Arbeit
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Rolle von Assistenzhunden, insbesondere Blindenführhunden, bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft. Ziel ist es, die Auswirkungen des Einsatzes dieser Tiere auf die Teilhabe blinder Menschen in der Metropolregion Nürnberg durch empirische Untersuchung und Diskussion zu beleuchten und daraus Handlungsbedarfe für die Soziale Arbeit abzuleiten.
- Inklusionskonzepte und Definitionen von Behinderung
- Rolle und Ausbildung von Blindenführhunden
- Empirische Untersuchung des Alltags von Führhundehaltern
- Barrieren und Inklusionserfolge im urbanen Raum
- Vergleichende Analyse der Studienergebnisse mit der Fachliteratur
- Implikationen für die Soziale Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Begriffsbestimmung
Der Blindenführhund ist in der Lage, den blinden oder sehbehinderten Menschen durch seinen Alltag zu führen. Dabei kann er „die Mobilität seines visuell beeinträchtigten Besitzers [..] erweitern indem er dessen fehlende bzw. eingeschränkte Wahrnehmung kompensiert.“ Voraussetzung ist eine gewisse natürliche Veranlagung und die tadellose Ausbildung der Hunde.
Der Hund beschützt seinen Besitzer vor gefährlichen Situationen, wie z.B. Hindernissen. Er zeigt diese an, auch wenn sie wesentlich größer sind als der Hund selbst. Außerdem trägt er zu der Orientierung des Menschen mit Sehbeeinträchtigung bei, indem er die Standorte gewisser Objekte ankündigt, dies können Ampeln, Treppen, Sitzbänke usw. sein. Der Blindenführhund besitzt durch sein außergewöhnliches Ortsgedächtnis zudem die Fähigkeit seinen Besitzer zu bestimmten Zielen (z.B. Bäcker, Supermarkt) zu bringen. Wenn ein Führhund zusammen mit seinem Halter unterwegs ist, werden sie als Gespann bezeichnet.
Der Blindenführhund war einer der ersten Assistenzhunde, die ausgebildet wurden, um im ersten Weltkrieg erblindete Kriegsveteranen zu unterstützen. Überlieferungen zeigen allerdings, dass einzelne Personen, wie Josef Reisinger, bereits 1788 seinen Hund „so adäquat für seine eigenen Bedürfnisse abrichtete, dass seine Blindheit oft angezweifelt wurde.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Schwierigkeiten von Menschen mit Sehbeeinträchtigung und hinterfragt das Potenzial von Assistenzhunden als Inklusionsmaßnahme.
2. Fachliche Grundlagen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Inklusion und Behinderung und erläutert die Bedeutung sowie die rechtliche und praktische Stellung von Blindenführhunden.
3. Methodisches Vorgehen: Hier wird die Orientierung an der qualitativen Sozialforschung dargelegt, insbesondere die Durchführung von leitfadengestützten Interviews und Feldbeobachtungen.
4. Befragungen: Dieser Teil präsentiert die Ergebnisse der geführten Interviews mit drei Führhundehaltern, wobei deren individuelle Erfahrungen im Alltag analysiert werden.
5. Beobachtungen: Das Kapitel beschreibt durchgeführte Feldbeobachtungen in alltäglichen Situationen und setzt diese in Bezug zu den Interviewergebnissen.
6. Handlungsbedürfnis der Sozialen Arbeit: Hier werden auf Basis der empirischen Daten konkrete Ansatzpunkte für die Soziale Arbeit abgeleitet, primär im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, reflektiert den Forschungsprozess und diskutiert die zukünftige Entwicklung, inklusive technischer Alternativen.
Schlüsselwörter
Inklusion, Blindenführhund, Assistenzhund, Sehbehinderung, Soziale Arbeit, Barrierefreiheit, Partizipation, Mobilitätshilfe, qualitative Forschung, Alltag, Nürnberg, Führhundewesen, Selbstständigkeit, Diskriminierung, Öffentlichkeitsarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle von Assistenzhunden bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung, mit einem besonderen Fokus auf den Einsatz von Blindenführhunden im Alltag blinder Menschen in der Metropolregion Nürnberg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Inklusionsverständnis, die Lebenssituation blinder Menschen, die rechtliche und praktische Bedeutung von Blindenführhunden sowie der Handlungsbedarf für die Soziale Arbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die Teilhabe blinder Menschen in Nürnberg zu geben und herauszuarbeiten, welchen Beitrag ein Blindenführhund zur Inklusion leistet und welche Hindernisse bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin orientiert sich an der qualitativen Sozialforschung und nutzt leitfadengestützte Interviews sowie offene Feldbeobachtungen, um die persönlichen Erfahrungen der Betroffenen zu erheben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die methodische Vorgehensweise, die Darstellung der Befragungen und Beobachtungen sowie eine abschließende Analyse und Diskussion der Ergebnisse im Kontext der Fachliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Inklusion, Blindenführhund, Sehbehinderung, Barrierefreiheit, Soziale Arbeit, Partizipation und Mobilitätshilfe.
Wie beurteilen die Interviewpartner die blindengerechte Gestaltung von Nürnberg?
Die Einschätzung ist differenziert; während Bodenindikatoren als positiv hervorgehoben werden, werden fehlende Tastampeln und das Verhalten von Mitmenschen als Barrieren wahrgenommen.
Warum ist das Thema "Öffentlichkeitsarbeit" für die Soziale Arbeit in diesem Kontext so wichtig?
Öffentlichkeitsarbeit ist entscheidend, um die weit verbreitete Unwissenheit über die Rolle und Rechte von Blindenführhunden abzubauen und das Fehlverhalten Dritter (z.B. Zutrittsverweigerung in Läden) zu reduzieren.
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- Madleen Morina (Autor), 2014, Die Rolle von Assistenzhunden bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281285