Ausarbeitung der Thesen:
1. Carpentier stellt Bezüge zwischen seiner Hauptfigur Columbus und Dante her. Dabei kehrt er den Stoff der Divina Commedia jedoch in parodistischer Manier um.
Carpentier nimmt im dritten Kapitel seines Romans El arpa y la sombra immer wieder Bezug auf den Stoff der Divina Commedia und die historische Person des Dichters Dante...
2. Carpentier erörtert im dritten Kapitel verschiedenste Positionen zu Columbus und zielt damit auf eine Entglorifizierung der Entdeckerfigur ab.
Während der Verhandlung zu Columbus’ Beatifikationsverfahren in La sombra treten mehrere historische Persönlichkeiten als Schatten in Erscheinung, die alle für oder gegen den Admiral Zeugnis ablegen. Die Grenzen von Raum und Zeit sind hierbei aufgelöst, es kommen Personen aus unterschiedlichen Epochen und Nationen zu Wort, indem ihre Werke zu oder über Columbus zitiert werden...
Inhaltsverzeichnis
1. Carpentier stellt Bezüge zwischen seiner Hauptfigur Columbus und Dante her. Dabei kehrt er den Stoff der Divina Commedia jedoch in parodistischer Manier um.
2. Carpentier erörtert im dritten Kapitel verschiedenste Positionen zu Columbus und zielt damit auf eine Entglorifizierung der Entdeckerfigur ab.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die intertextuellen Bezüge und die parodistische Auseinandersetzung mit Dante Alighieris Divina Commedia in Alejo Carpentiers Roman El arpa y la sombra, um die Demystifizierung der historischen Figur des Christoph Columbus zu untersuchen.
- Intertextualität und literarische Parodie
- Parallelisierung von Dante und Columbus
- Das fiktive Beatifikationsverfahren als Disput
- Entglorifizierung der Entdeckerfigur
- Die Darstellung von Menschlichkeit und Fehlbarkeit
Auszug aus dem Buch
Carpentier stellt Bezüge zwischen seiner Hauptfigur Columbus und Dante her. Dabei kehrt er den Stoff der Divina Commedia jedoch in parodistischer Manier um.
Carpentier nimmt im dritten Kapitel seines Romans El arpa y la sombra immer wieder Bezug auf den Stoff der Divina Commedia und die historische Person des Dichters Dante.
Zu Beginn fällt das Motiv der Schattenhaftigkeit auf, welches das gesamte Kapitel durchzieht. Dieses wird bereits durch ein Zitat aus der Divina Commedia evident, welches über dem gesamten Kapitel steht und den Text so von Anfang an in einen Interpretationsrahmen setzt. “Tu non dimandi chè spiriti son queste que tu vedi?“ (Dante, Inferno, IV; zit. nach Carpentier 2010: 151) fragt Vergil im Inferno seinen Schützling Dante, und nimmt Bezug auf die verdammten Seelen, die körperlos, geisterhaft die Unterwelt bevölkern. Columbus hingegen nimmt die Beurteiler seines Beatifikationsverfahren als „Unsichtbare“ wahr, und nur er allein ist in der Lage, diese schattenhaften Gestalten zu sehen. Ihr geisterhafter Charakter wird umso deutlicher, da sie sich verflüchtigen, sobald der Präsident des Verfahrens die biblischen Worte „Fiat lux!“ ausspricht (Carpentier 2010: 173). Die verdammten Seelen im Inferno und Purgatorio kann nur Dante als der einzige Lebende sehen; ein Privileg, welches seinen Status als „Auserwählter“ – in seinem Fall für eine Jenseitsreise – markiert, den Columbus ebenso besitzt. Letzterer war nämlich dazu ausersehen, eine einzigartige Entdeckungstat zu vollbringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Carpentier stellt Bezüge zwischen seiner Hauptfigur Columbus und Dante her. Dabei kehrt er den Stoff der Divina Commedia jedoch in parodistischer Manier um.: In diesem Kapitel wird aufgezeigt, wie Carpentier durch das Motiv der Jenseitsreise und die Parallelen zwischen Columbus und Dante den literarischen Stoff parodiert, indem er Columbus das Paradiso verwehrt.
2. Carpentier erörtert im dritten Kapitel verschiedenste Positionen zu Columbus und zielt damit auf eine Entglorifizierung der Entdeckerfigur ab.: Hier werden die unterschiedlichen historischen Rezeptionen von Columbus durch verschiedene Persönlichkeiten analysiert, um zu verdeutlichen, wie Carpentier den Heldenmythos dekonstruiert und den Entdecker als fehlbaren Menschen darstellt.
Schlüsselwörter
Alejo Carpentier, El arpa y la sombra, Christoph Columbus, Dante Alighieri, Divina Commedia, Intertextualität, Parodie, Entglorifizierung, Beatifikationsverfahren, Schattenhaftigkeit, Paradiso, Inferno, Literaturkritik, Demystifizierung, Kolonialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verwendung von Intertextualität in Alejo Carpentiers Roman El arpa y la sombra, insbesondere die kritische Auseinandersetzung mit der Figur des Christoph Columbus durch den Vergleich mit Dantes Divina Commedia.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die literarische Umkehrung klassischer Motive, die kritische Revision historischer Entdeckerfiguren und die Auflösung der Grenze zwischen Mythos und historischer Realität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Carpentier durch parodistische Techniken und einen polyphonen Disput die traditionelle Glorifizierung von Columbus zerschlägt und ihn als einen zutiefst menschlichen, unerlösten Schatten darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die intertextuelle Verweise im Text identifiziert und im Kontext der Columbus-Rezeption sowie der lateinamerikanischen Literaturtheorie interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das fiktive Beatifikationsverfahren, in dem historische Persönlichkeiten unterschiedliche Sichtweisen auf Columbus präsentieren, und arbeitet die gezielte Entmystifizierung der Entdeckerfigur heraus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Intertextualität, Entglorifizierung, Beatifikationsverfahren, Dante-Rezeption und die Dekonstruktion des historischen Columbus-Mythos.
Welche Rolle spielt Beatriz für Columbus in Carpentiers Roman?
Im Gegensatz zu Dantes Beatrice, die als seligmachende Führerin fungiert, wird Beatriz bei Carpentier zu einem Hindernis für die Seligsprechung und unterstreicht Columbus’ Verhaftung in der irdischen Welt.
Warum endet Columbus' Reise bei Carpentier im „Inferno“?
Da Columbus sich als historisch fehlbare Figur erweist und die „neue Welt“ als irdisches, unerlöstes Territorium wahrgenommen wird, bleibt ihm der Aufstieg ins Paradiso verwehrt, wodurch er in einem permanenten Zustand der Schattenhaftigkeit verharrt.
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- B. A. Helene Hofmann (Author), 2013, Intertextualität in Alejo Carpentiers "El arpa y la sombra", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281339