Manuele Fiors "Fräulein Else" ist eine Adaption der gleichnamigen Novelle von Arthur Schnitzler. Der Vorlagentext zeichnet sich durch die stilistische Besonderheit aus, durchgängig in der Erzähltechnik des inneren Monologs verfasst zu sein. Die Adaption einer solchen Geschichte in einem graphischen Medium birgt verschiedene Problematiken, die in der Hausarbeit näher untersucht werden.
Die Hausarbeit erforscht, wie Manuele Fior das Zeigen von Literatur in seiner Graphic Novel bewerkstelligt.
In einem ersten Schritt wird zunächst ein kurzer Blick auf die Geschichte der Literaturadaptionen in Graphic Novels sowie den Forschungsstand über das Medium des Comics geworfen. Anschließend wird der Terminus der Adaption näher erläutert und die sich hieraus für die Analyse ergebenen Problematiken zur Diskussion gebracht. Hiernach wird die Transformation von Fior näher in den Blick genommen und insbesondere erzähltheoretische Schwierigkeiten, die sich aufgrund der Überführung der Novelle in ein graphisches Medium ergeben, erörtert. Diese werden in einem weiteren Schritt exemplarisch an der zentralen Szene der Erzählung veranschaulicht. Zuletzt werden sämtliche aufgeworfene Probleme auf die Graphic Novel bezogen und so veranschaulicht, wie Fior die Transformation des Originals gelungen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Graphic Novels und Literaturadaptionen: Ein Überblick
3. Der Begriff der Adaption
4. Fräulein Else
4.1. Die Erzähltechnik des inneren Monologs
4.2. Der Perspektivwechsel bei der Adaption
5. Elses Entblößung
5.1 Zitation der Noten von Robert Schumanns Carnaval
5.2 Die Enthüllung
5.3 Elses Zusammenbruch
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Manuele Fior die literarische Vorlage "Fräulein Else" von Arthur Schnitzler in eine Graphic Novel transformiert, wobei der Fokus auf den narrativen und erzähltheoretischen Problemen dieser Medienadaption liegt.
- Analyse der Transformation von Literatur in das Medium Comic
- Untersuchung der Umsetzung der Erzähltechnik des inneren Monologs
- Evaluation des Perspektivwechsels von einer Innen- zu einer Außenperspektive
- Diskussion der formalen und inhaltlichen Anpassungen am Beispiel zentraler Szenen
- Vergleich der medialen Ausdrucksmittel (z.B. Farbgebung, musikalische Zitate)
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Erzähltechnik des inneren Monologs
Eine Schwierigkeit bei der Adaption der schnitzlerschen Novelle besteht in der Erzählinstanz, beziehungsweise in dem Fehlen derselben. Die Vorlage ist, wie bereits genannt, in der Erzähltechnik des inneren Monologs verfasst. Das hat zur Folge, dass der Leser die äußere Ereignisfolge mithilfe der Gedanken der Protagonistin zusammenfügen muss. Er ist demnach vollständig auf sie angewiesen, die Äußerungen können nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft und fehlende Angaben können nicht ergänzt werden.
In der Novelle wird beispielsweise nicht der Schluss des Briefes der Mutter wiedergegeben: „[...] und sei tausendmal“ (AS S. 11, 15). Die Erwartung des Lesers, das Briefende bei der zweiten Nennung doch noch zu erfahren, wird mit Elses Äußerung „ja, das weiß ich schon“ (ebd., S. 15) enttäuscht. Zugleich werden dem Rezipienten hierbei die Grenzen seines Erfahrungshorizontes der Erzählung offenbart, er muss sich den Schluss selbst denken. Der Comic indes lässt das Ende nicht aus, der Brief wird durch das Wort „geküsst“ ergänzt (MF S. 23). Manuele Fior hat sich hier auf das Spiel mit dem Leser nicht eingelassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Graphic-Novel-Adaption von Arthur Schnitzlers "Fräulein Else" durch Manuele Fior ein und skizziert die methodische Vorgehensweise.
2. Graphic Novels und Literaturadaptionen: Ein Überblick: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über Literaturadaptionen im Comicformat und diskutiert die Entwicklung des Begriffs "Graphic Novel".
3. Der Begriff der Adaption: Hier wird der theoretische Rahmen für den Begriff der Adaption abgesteckt und eine Klassifizierung in "bewahrende", "modifizierende" und "freie" Bearbeitungen vorgenommen.
4. Fräulein Else: Dieses Kapitel stellt das Werk vor und analysiert grundlegende Aspekte der Adaption, insbesondere die Erzähltechnik und den Perspektivwechsel.
4.1. Die Erzähltechnik des inneren Monologs: Eine detaillierte Untersuchung der Schwierigkeiten bei der Übertragung der spezifischen Erzählhaltung Schnitzlers in ein visuelles Medium.
4.2. Der Perspektivwechsel bei der Adaption: Dieses Unterkapitel erörtert die erzähltheoretischen Probleme, die sich durch die Verschiebung der Perspektive von innen nach außen ergeben.
5. Elses Entblößung: Eine exemplarische Analyse der Schlüsselszene der Novelle und ihrer visuellen Umsetzung im Comic.
5.1 Zitation der Noten von Robert Schumanns Carnaval: Untersuchung der Funktion und Platzierung der musikalischen Zitate als "Fremdkörper" im Comic.
5.2 Die Enthüllung: Analyse der zeichnerischen Umsetzung des Aktes der Entblößung und der damit verbundenen Blickregie.
5.3 Elses Zusammenbruch: Analyse der Darstellung von Bewusstlosigkeit und Ohnmacht im Vergleich zur textuellen Vorlage.
6. Fazit: Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengefasst und die Adaption von Fior kritisch eingeordnet.
Schlüsselwörter
Fräulein Else, Manuele Fior, Arthur Schnitzler, Graphic Novel, Literaturadaption, innerer Monolog, Perspektivwechsel, Erzähltheorie, Adaptation, Comic, visuelle Erzähltechnik, Werktreue, Bildende Kunst, Robert Schumann, Carnaval
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Graphic-Novel-Adaption des Werkes "Fräulein Else" von Arthur Schnitzler durch den Zeichner Manuele Fior hinsichtlich ihrer formalen und erzähltheoretischen Umsetzung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Fragen der Literaturadaption, die Schwierigkeiten bei der Übertragung des inneren Monologs in ein visuelles Medium und die Veränderung der Erzählperspektive.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erforschen, wie Manuele Fior das "Zeigen" von Literatur im Comic bewerkstelligt und inwieweit seine Arbeit als "bewahrende" oder "modifizierende" Adaption des Originals eingestuft werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt erzähltheoretische Ansätze, insbesondere die Erzähltheorie von Stanzel, um die Transformation von Literatur in ein hybrides Medium aus Text und Bild kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung zum Begriff der Adaption sowie in eine tiefgehende Analyse von Fiors Werk, wobei zentrale Aspekte wie Erzähltechnik, Perspektive, Symbolik und die spezifische Umsetzung der Entblößungsszene untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Graphic Novel, innerer Monolog, Adaption, Perspektivwechsel sowie der konkrete Bezug auf die Werke von Schnitzler und Fior.
Wie geht die Graphic Novel mit dem inneren Monolog der literarischen Vorlage um?
Fior nimmt umfangreiche Texttilgungen vor und konzentriert sich verstärkt auf die Bebilderung der äußeren Handlung, wodurch das Innere der Protagonistin für den Leser weniger unmittelbar zugänglich ist als in der literarischen Vorlage.
Welche Rolle spielt die Musik in der Adaption?
Die Notenzitate aus Robert Schumanns "Carnaval" dienen als formale und inhaltliche Brücke, werden jedoch im Comic als "Fremdkörper" außerhalb der Panels platziert, was die Unbestimmtheit des Erzählers unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Julia Hans (Autor:in), 2014, Das Zeigen von Literatur in Manuele Fiors Graphic Novel "Fräulein Else", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281421