Motorische Entwicklung von Kindern am Beispiel der Fähigkeit zu Malen


Projektarbeit, 2011

34 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abstract

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Vorgehensweise und Untersuchungsmethode
1.3 Abgrenzung des Themengebietes

2 Hauptteil
2.1 Motorische Entwicklung des Kindes
2.1.1 Phase 1
2.1.2 Phase 2
2.1.3 Phase 3
2.1.4 Phase 4
2.2 Empirische Untersuchung
2.2.1 Rahmenbedingungen
2.2.2 Festlegung der Beobachtungsschwerpunkte
2.2.3 Untersuchungsergebnisse

3 Auswertung
3.1 Zuordnung des motorischen Entwicklungsstandes
3.2 Vergleich der Ergebnisse
3.3 Kritische Einschätzung/ Bewertung und persönliches Fazit

4 Anhang
4.1 Literaturverzeichnis
4.2 Beobachtungsbogen
4.3 Fotos
4.4 Interview

Abstract

Das Thema dieser Arbeit verbindet die motorische Entwicklung des Kindes mit der Fähigkeit zu Malen. Deshalb wird die Fragestellung behandelt: Korrespondiert die Fähigkeit zu malen mit dem jeweiligen Entwicklungsstand eines Kindes? Die aufgestellte Hypothese lautet: Die Entwicklungsphase der Motorik entspricht der Entwicklungsphase des Malens.

Um die Hypothese zu überprüfen, wird die motorische Entwicklung des Kindes dargelegt und eine quantitativ empirische Untersuchung vorgestellt. Sie wurde in einer Kunstschule in einem Kurs mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren durchgeführt. Zunächst werden die Beobachtungsschwerpunkte des Untersuchungsbogens1 erläutert. Die Mal- und Bastelergebnisse der Kursteilnehmer werden den Kategorien „herausragend“, „durchschnittlich“ und „ausreichend“ zugeordnet. Anschließend werden die Beobachtungen bezüglich der Motorik von drei Kindern vorgestellt und ebenfalls diesen Kategorien zugeteilt. Dadurch kann in der Auswertung ein Vergleich zwischen dem Entwicklungsstand zu Malen und dem motorischen Entwicklungsstadium gezogen werden.

Diese Gegenüberstellung unterstützt die Hypothese, da in allen drei Fällen die Kategorisierung der Mal- und Bastelergebnisse, der Kategorisierung des motorischen Entwicklungsstandes entsprach.

1 Einleitung

Die motorische Entwicklung von Kindern kann aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. In einem sind sich alle Fachleute einig: Bewegung ist in erheblichem Maße unverzichtbar für die gesamte Entwicklung des Menschen und dadurch für Biologen, Pädagogen und Psychologen von großem Interesse. Trotzdem ist es für jeden anderen aufschlussreich zu verstehen, was sich bei einem Kind an Motorik entwickelt, damit es ein selbstbestimmter Mensch werden kann. Man könnte annehmen, dass die Fähigkeit zur kontrollierten und bewussten Bewegung etwas völlig Selbstverständliches ist, jedoch ist es ein aufwändiger, komplizierter Entwicklungsvorgang. Doch gerade dieser führt dazu, dass ein Mensch durch seine Motorik die Freiheit erlangen kann, eine souveräne Existenz im Rahmen seiner Möglichkeiten zu führen. Um den Prozess dahin zu verdeutlichen, beschäftigt sich diese Arbeit mit dem Zusammenhang zwischen der Fähigkeit zu Malen, also sich kreativ auszudrücken und dem jeweiligen motorischen Entwicklungsstadium. Denn so wie die Motorik, „verläuft auch die zeichnerische Entwicklung als Prozess und ist eng mit dem allgemeinen Entwicklung eines Kindes verbunden“2. Ob Malen und kreatives Schaffen überhaupt einen signifikanten Einfluss auf die Motorik haben, ist nicht nachgewiesen. Ohne weiter auf die Fachwissenschaft einzugehen, kann aber behauptet werden, es müsse ein Mindestmaß an bewusst gesteuerter Motorik vorhanden sein, um überhaupt einen Stift bzw. Pinsel zu führen, eine Figur auszuschneiden oder mit Fingerfarben etc. hantieren zu können.

1.1 Fragestellung

Während der gesamten Kindheit sind erkennbare Veränderungen in den kindlichen Bewegungsformen auszumachen: Der Säugling kann plötzlich kriechen und krabbeln und später sogar die ersten Schritte machen. Dieser Entwicklungsprozess wird durch angeborene und externe Einflüsse bedingt. Dadurch wird individuell ablaufendes motorisches Lernen ermöglicht. Das Thema der Arbeit verknüpft diesen Prozess mit der Fähigkeit zu Malen und es ergibt sich die Fragestellung: Entspricht das jeweilige motorische Stadium eines Kindes dessen Fähigkeit zu Malen3 ?

Ausgehend von dieser Frage ergibt sich die Hypothese, dass die kindliche motorische Entwicklungsphase einer bestimmten Entwicklungsphase zu Malen entspricht. Dies soll in der vorliegenden Facharbeit untersucht werden.

1.2 Vorgehensweise und Untersuchungsmethode

In dieser Arbeit wird die motorische Entwicklung vorrangig nach dem Werk „Die motorische und perzeptuelle Entwicklung des Kindes“, 1976 von Britta Holle erläutert. Dieses beschreibt die Entwicklung der menschlichen Motorik. Im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren, legt die Autorin diesen sehr konkret und praktisch dar. Ihre Intention ist, den Eltern ein Handbuch für die Arbeit mit ihrem Kind an die Hand zu geben. Zur Beantwortung der Fragestellung ist diese direkte Beschreibung der Weiterentwicklung vielfältiger Bewegungen unentbehrlich.

Um das motorische Entwicklungsstadium anhand der Fähigkeit zu Malen überprüfen zu können, wurde eine quantitative, empirische Untersuchung mit Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren in einer Kunstschule durchgeführt. Aus den vorgestellten theoretischen Grundlagen werden einige Aspekte herausgegriffen und in einem Beobachtungsbogen zusammengefasst. Nach ihm werden die Kinder beobachtet. Die Ergebnisse davon, sowie die Mal- und Bastelergebnisse können im Anhang eingesehen werden. Im ersten Teil werden dann die Mal- und Bastelergebnisse drei Kategorien zugeordnet. Die Beobachtungen zu dem motorischen Entwicklungsstand werden in drei Einzelfallanalysen dargelegt und ebenfalls nach den Kategorien eingeordnet.

Durch dieses Vorgehen ist es möglich, die Mal- und Bastelergebnisse mit den Beobachtungen zu ihrem jeweiligen motorischen Entwicklungsstadium im Bezug auf ihr Alter zu vergleichen, um die Hypothese zu unterstützen bzw. zu widerlegen.

Ergänzend wurde ein Interview mit der Förderschullehrerin Anja Neukamp, die an der Wilhelm-Schaade-Förderschule tätig ist, geführt. Es ermöglichte einen besseren Einblick in das Thema der motorischen Behinderung und deren Abgrenzung von der normalen Entwicklung.

1.3 Abgrenzung des Themengebietes

Da diese Arbeit in ihrem Umfang begrenzt ist, können einige Aspekte des Themas nicht berücksichtigt werden. Zum Beispiel nahm an einem der besuchten Kurse ein Mädchen mit Down-Syndrom teil, jedoch kann im Rahmen der Facharbeit nicht auf die motorischen Behinderungen von Kindern oder Retardierungen eingegangen werden. In dem Interview4 ist mehr zu diesem Thema zu erfahren.

Auch war es nicht möglich näher auf die „äußeren Umwelteinflüsse und den Einflüssen des sozialen Umfeldes einzugehen, die eine Entwicklung stark begünstigen oder retardieren können“5 und vor allem auch nicht auf die Bedeutung der modernen Medien wie Computer etc.

2 Hauptteil

2.1 Motorische Entwicklung des Kindes

Der motorische Entwicklungsprozess des Menschen ist kein vorherbestimmter und in feste Schritte zu unterteilender Vorgang, sondern im wesentlichen von der „Erbanlage, den Umwelteinflüssen, also wie anregend und bewegungsfreundlich die Umgebung ist, und den Sozialisationsbedingungen, also die familiäre und soziale Situation, in die das Kind hinein wächst“ 6, abhängig.

„Zwischen der Entwicklung motorischer Fertigkeiten und der Entwicklung gesamtmenschlicher Fähigkeiten bestehen enge Wechselbeziehungen“7. Deshalb ist die Motorik niemals als unabhängiger und in sich geschlossener Bereich zu betrachten, sondern immer im Kontext der gesamtmenschlichen Ontogenese.

Der motorische Werdegang des Menschen beginnt auch nicht erst mit der Geburt, denn „schon in der pränatalen Phase lassen sich vielfältige Reflexbewegungen beobachten“8.

Wesentliche Teile der theoretischen motorischen Entwicklung werden basierend auf dem Werk von Holle erläutert. Die Entwicklung der menschlichen Motorik wird dort in vier Phasen eingeteilt:

1. Phase: Bei Neugeborenen lassen sich zunächst unterschiedlichste Reflexbewegungen beobachten, die ohne Mitwirken des Cortex (Hirnrinde) ausgeführt werden, da dieser noch nicht ausreichend entwickelt ist, um eine Kontrolle über die Bewegungen zu übernehmen. Diese Bewegungen werden subcortikale Bewegungen genannt.
2. Phase: Der Säugling führt symmetrische, wenig motivierte Bewegungen aus, an denen der Cortex zunehmend beteiligt wird; bspw. wird die unbeteiligte Hand mit bewegt, während mit der anderen nach etwas gegriffen wird.
3. Phase: Das Kind macht grobmotorische und bewusst ausgeführte Bewegungen, die vom Cortex gesteuert werden.
4. Phase: Vielfältige und elementare Bewegungsformen werden vervollkommnet und können so routiniert ausgeführt werden, dass der Cortex nicht mehr beansprucht wird und das Kind nicht mehr über die Bewegung nachdenken muss.

Holle stellt die motorische Entwicklung von der ersten Woche bis zu einem Alter von fünf bis sechs Jahren anhand einer Vielzahl von Aspekten dar. Diese Arbeit beschränkt sich auf die nachfolgenden sechs Gesichtspunkte, die insbesondere für das Malen von Bedeutung sind:

Greifen,

Sehen und visuelle Perzeption,

Richtungs- und Raumwahrnehmung,

Auge-Hand-Koordination,

Stellungs- und Muskelsinn, kinästhetische Perzeption

Sitzen

2.1.1 Phase 1

Subcortikale Reflexbewegungen (1. – 6. Woche)

In der ersten Woche ist vor allem der Handgreifreflex auffällig. Dem Neugeborenen ist es nicht möglich loszulassen. „Alle Reflexe werden über die Stammganglien (subcortikale Zentren) gesteuert“9. Sie geschehen ohne Einfluss des Cortex, da dieser noch nicht ausreichend entwickelt ist, um die Kontrolle über die Bewegungen zu übernehmen. Diese werden subcortikale Bewegungen genannt. Laut Neukamp werden sie Schritt für Schritt abgebaut. Denn obwohl „der Mensch (…) zum Zeitpunkt seiner Geburt schon alle Nervenzellen“10 hat, sind die „motorische Zentren der Großhirnrinde und die Pyramidenbahnen“11 noch nicht funktionsfähig. „Hauptsächlich in dem ersten und zweiten Lebensjahr entwickeln sich die Nervenzellen, Synapsen sorgen für den Aufbau und Funktionsweise des Zentralnervensystems“12.

Der Säugling reagiert auf diffuses Licht, zeigt den sogenannten Blinzel-Reflex und schaut der Mutter kurz in die Augen.

Eine Richtungswahrnehmung ist nur insofern vorhanden, als dass er ansatzweise die Richtung, aus der Reize wie Geräusche oder Licht kommen, bestimmt, indem er den Kopf dorthin dreht.

Den eigenen Körper nimmt er durch Berührungen der Mutter oder durch das Nuckeln an den eigenen Fingern wahr.

2.1.2 Phase 2

Symmetrische Bewegungen (6. – 38. Woche)

Die Hand lässt sich im zweiten Monat von einer anderen Person aus dem Greifreflex strecken. Das erste willentliche Umfassen eines Gegenstandes gelingt nur, wenn der Gegenstand die Hand berührt. Der Säugling tut dies mit den ulnaren Fingern (Klein-, Ring- und Mittelfinger) und der Handfläche, sowie unter Mitbewegung der unbeteiligten Hand.

Vor diesem ersten Zugreifen kann er in der sechsen und achten Woche kurz einen Gegenstand mit den Augen fixieren, da der Cortex weiter entwickelt worden ist.

Hebt sich ein bewegtes Objekt ausreichend vom Grund ab, verfolgt er ihn oder wendet den Kopf einem Geräusch zu. Dies ist ab dem zweiten Monat zu beobachten.

Das Strampeln wird als Massenbewegung bezeichnet, weil die einzelne Bewegung durch den Muskel- und Stellungssinn noch nicht differenziert werden kann. Es ist in die zweite Phase einzuordnen, tritt aber schon ab der zweiten Woche auf. Knapp drei Monate danach, spielt der Säugling schon mit seinen Händen und betrachtet sie.

2.1.3 Phase 3

Motivierte Bewegungen (3 ½ - 15 Monate)

Am Anfang dieser Phase ist das Halten eines Gegenstandes mit der ganzen Hand möglich, einen Monat später kann das Kleinkind Dinge bewusst aber mit Schwierigkeiten loslassen. Die linke und die rechte Hand können parallel bewegt werden; bspw. wenn der Säugling etwas mit der einen Hand gibt und der anderen nimmt. Ab dem fünften Monat setzt der radial- palmare Griff (daumenwärts mit Handfläche) ein. Motiviert greift er nach einem Objekt und haut es in senkrechten grobmotorischen Bewegungen auf eine Fläche. Zwei Monate darauf schleudert er alles zu Boden. Er greift auch mit den Fingern kräftig und beginnt den Pinzettengriff im achten bis neunten Monat zu nutzen. Danach wird ebenfalls die horizontale Bewegungsrichtung integriert, und der Pinzettengriff verfeinert sich immer mehr im elften und zwölften Monat. Die Probleme beim Loslassen eines Gegenstandes sind mit dem ersten Lebensjahr nicht mehr vorhanden. Das Kleinkind umfasst einen Bleistift mit der ganzen Hand und dreht diese dabei ein (pronierter Quergriff). Bis zum fünfzehnten Monat hat es auch gelernt alleine mit einem Löffel zu essen, wegen fehlender Routine kleckert es aber oft.

Die Fixation der Augen funktioniert ab dem dritten Monat, wenn der Säugling einen Gegenstand willentlich betrachten bzw. verfolgen kann und dieser sich im Kreis bewegt. Zwei Monate später fasst er nach dem, was er sieht und kann schon bald rasch wechselnd fixieren. Ab dem siebten Monat sieht er nach Dingen, die zu Boden fallen und erkennt bestimmte Gegenstände wieder. Mit einem Jahr kann das Kleinkind dies auch, wenn es ihn von verschiedenen Seiten und Blickrichtungen oder vor einem anderen Hintergrund sieht.

Eine Neuerung in der Richtungs- und Raumwahrnehmung ist erst im fünften Monat zu beobachten, wenn der Säugling bewusst etwas ansieht und danach greift (siehe oben). Dafür muss er die Distanz von sich aus zum Gegenstand wahrnehmen und einschätzen können. Er streckt die Arme in die Richtung der Person, von der er in den Arm genommen werden will. Dies geschieht im achten und neunten Monat das erste Mal. Es steckt etwas später die Finger in alles hinein. Das Kind krabbelt in eine bestimmte Richtung und realisiert, dass es dabei eine Entfernung zurücklegt. Es findet einfach verdeckte Dinge und versteht ab dem fünfzehnten Monat, dass ein Ball außerhalb seiner Sicht rollen kann. Ein grundsätzliches Richtungs- und Raumverständnis ist von nun an vorhanden, jedoch erweiterbar.

Zwei Monate lang hat der Säugling mit seinen Händen gespielt, nun kann er dies auch mit den Füßen. Er nimmt außerdem seine anderen Köpergliedmaßen wahr. Vom sechsten Monat an reagiert er auf sein eigenes Spiegelbild durch Lächeln und Berührungen. Die Zehen steckt er mit sieben bis acht Monaten in den Mund, da dieser jetzt das wichtigste Sinnesorgan ist und das Kind seinen Körper auf diese Weise entdeckt. Durch dieses Bewusstsein, der kinästhetischen Perzeption, weiß er mit ca. zwölf Monaten, dass er die Arme und kurz darauf auch die Beine nach vorne zu strecken hat, wenn die Mutter ihn ankleidet.

Um sitzen zu können, muss der Vestibularsinn (Gleichgewichtssinn) ausreichend ausgeprägt sein und die übrige Motorik den Säugling dazu befähigen, sich abstützen zu können. Damit beginnt er mit durchschnittlich sieben Monaten. Innerhalb von zwei Monaten ist langes Sitzen mit geradem Rücken möglich, sowie Lehnen nach vorne und zur Seite. Im Zeitraum vom neunten bis elften Monat lernt der Säugling aus einer liegenden Position in eine sitzende und umgekehrt zu gelangen. Außerdem stützt er sich bald zusätzlich nach hinten ab. Mit einem Jahr ist die Sitzposition für das Kleinkind gut einnehmbar, es muss sich aber durch das Abstützen mit den Händen darin halten. Diese wird nun Stück für Stück in der vierten Phase als alltägliche und einfache Bewegung integriert.

2.1.4 Phase 4

Routinierte Bewegungsformen (15. Monat – 5/6 Jahre)

„Das Wesen des Menschen in seiner Kindheit ist Arbeit, Schaffen, Bewegen, Probieren, Erfahren, Erleben, um ohne Unterlass im Medium der Wirklichkeit zu lernen.“13 Diese Phase liegt besonders im Kindergartenalter vom dritten bis sechsten bzw. siebten Jahr, in der vielfältige Bewegungsmuster eingeübt werden. Denn nur durch das Ausprobieren können sich Bewegungsabläufe automatisieren, nur durch das Sprechen und andauerndes Fragenstellen lernt das Kind, sich richtig auszudrücken, durch die eigenen Bewegungen eignet es sich die Fähigkeit an, Strecken abzuschätzen und Umwege oder Abkürzungen zu finden. So erfährt es sich und die Welt um sich herum auf individuelle Weise.

Das Greifen und Halten des Löffels wurde in der dritten Phase erlernt. Nun wird die Bewegung vervollkommnet, sodass das Kind nicht mehr (so oft) kleckert und es trinkt alleine aus einem Becher. Das Werfen erfolgt noch ohne bestimmtes Ziel. Im zweiten und dritten Lebensjahr kann es dies dann. Das Kind spezialisiert den Quergriff, indem es den Zeigefinger zum Führen nutzt. Mit drei bis vier Jahren setzt der Pinselgriff (Fingergriff) ein, der u.a. gut geeignet für das Schreiben an einer Tafel ist. Das Fangen eines großen Balles ist mit beiden Händen möglich. Ab dem vierten Lebensjahr entwickelt sich diese Fähigkeit soweit, dass auch schon ein kleinerer Ball gefangen werden kann. Mit frühestens fünf Jahren ist der „erwachsene“ Griff beim Malen, Zeichnen und Essen zu beobachten. Alle weiteren Greiftechniken werden verfeinert und routinierter.

Die Fähigkeit, Dinge wiederzuerkennen, ist so ausgeprägt, dass das Kind mit achtzehn Monaten ein Bild richtig herum drehen kann. Ein halbes Jahr später kann es eine Farbe, zumeist Rot, benennen und geometrische Figuren den passenden Löchern zuordnen und Bauklötze dem Aussehen nach sortieren. Die Fixation geschieht ohne Probleme und ab dem vierten Jahr ist das Erfassen eines Gegenstandes mit den Augen in Höhe, Breite und Tiefe möglich. Zu diesem Farb- und Formengedächtnis kommen einfache Verkehrszeichen und Zahlsymbole hinzu.

Auch die Richtungs- und Raumwahrnehmung spielt eine wichtige Rolle, wenn das Kind dem Bild ein „oben“ und „unten“ zuweist, weil es durch sie erst zu diesem Verständnis kommt. Mit zwei Jahren kann es waagerechte und senkrechte Striche zeichnen. Es versteht die Richtungsangaben „hinauf – hinunter – zur Seite“, sowie die Raumangaben „in – auf – über – unter“. In diesem Alter ist das Erfassen einer Dimension eines Gegenstandes möglich, was sich aber im vierten Lebensjahr ändert (siehe oben). Von da an reagiert das Kind auch auf Worte wie „vor – zurück“, „hinter – vor“ und später „mitten in“, ohne darüber nachdenken zu müssen.14

Dank der Fähigkeit, Gegenstände fixieren und gezielt greifen zu können, baut es mit einem Jahr einen Turm aus zwei Bauklötzen. Mit achtzehn bis vierundzwanzig Monaten hat sich die Koordination zwischen den Augen und der Hand so verbessert, dass es drei bis vier Klötze aufeinander stapelt, ungefähr ein Jahr danach schon sechs bis acht Stück. Es gießt ein Getränk in eine Tasse, ohne etwas zu verschütten und zieht sich bereits einige Kleidungsstücke selbstständig an. Mit dem dritten bis vierten Jahr sind Augen und Händen so aufeinander abgestimmt, dass das Kind exakt und schnell stapelt, so dass bis zu neun Klötzchen aufeinander stehen. Mit vier bis fünf Jahren reicht diese Koordination, um eine Figur zu zeichnen. In den letzten beiden Jahren dieser Phase kleidet sich das Kind ganz alleine an und kann Bildvorlagen ausmalen.

Nachdem das Kleinkind in der vorherigen Phase grundsätzlich seinen Körper erst einmal wahrnehmen lernte, ist es sich vom achtzehnten bis vierundzwanzigsten Monat dessen so bewusst, dass es auf einzelne Körperteile zeigen kann. Dann lernt es, sie zu benennen und kennt außerdem sein Geschlecht. Gewichte teilt es nun in leicht und schwer ein. Es versucht auch im Alter von zwei bis drei Jahren zunehmend, eine richtige Person mit Rumpf, Armen, Beinen und Kopf zu zeichnen und erlebt den ersten Erfolg dabei mit fünf bis sechs Jahren.

[...]


1 Siehe Anhang, S. 21-26

2 Vgl. LEBÈUS 1993, S. 24

3 Der Begriff wurde für diese Arbeit auf das allgemeine kreative Schaffen, bspw. Basteln erweitert.

4 Siehe Anhang, S.29 ffff.

5 Hartmann, Sport verstehen – Sport erleben (Lehmanns Media) 2010, S. 60

6 Vgl. Hartmann, Sport verstehen – Sport erleben (Lehmanns Media) 2010, S. 60

7 Holle 1982, S. 27

8 Vgl. Hartmann, Sport verstehen – Sport erleben (Lehmanns Media) 2010, S. 62

9 Vgl. Sport verstehen – Sport erleben (Lehmanns Media) 2010, S. 60

10 Söll 1982, S. 33

11 Sport verstehen – Sport erleben (Lehmanns Media) 2010, S. 60

12 Vgl. Sport verstehen – Sport erleben (Lehmanns Media) 2010, S. 60

13 Kerschensteiner in Söll 1982, S. 67

14 Siehe Anhang, S. 28 (Materialien des Mittwochkurses)

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Motorische Entwicklung von Kindern am Beispiel der Fähigkeit zu Malen
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
34
Katalognummer
V281558
ISBN (eBook)
9783656860730
ISBN (Buch)
9783656860747
Dateigröße
2332 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Motorik, Kind, Malen, Kreativität, kindliche Entwicklung, Basteln
Arbeit zitieren
Karlotta Schultz (Autor:in), 2011, Motorische Entwicklung von Kindern am Beispiel der Fähigkeit zu Malen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281558

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