Der Motivation für die Wahl des Themas dieser Bachelorarbeit liegt der allgemein als „Krim Krise“ bezeichnete Konflikt zwischen der Ukraine und Russland zugrunde. Dieser fand seinen Anfang als am 23.02.2014 der bisherige Präsident der Ukraine Viktor Janukowitsch in Folge von Protesten gestürzt und eine Interimsregierung eingesetzt wurde. Die zu diesem Zeitpunkt noch zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim steht im Mittelpunkt des Konflikts, bei dem es um die Anbindung des Gebietes an Russland geht. (Süddeutsche Zeitung, 2014). Die Konfliktparteien sind auf der einen Seite die Ukraine, welche politisch und finanziell von der EU und der Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO) unterstützt wird und auf der anderen Seite die Russische Föderation. Kämpfe zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten haben den Konflikt auf die Ebene eines Bürgerkriegs gehoben (Süddeutsche Zeitung, 2014). Vor diesem Hintergrund ist der Schwerpunkt dieser Arbeit die Bearbeitung der Frage, ob Russland die Möglichkeit in Erwägung ziehen könnte seine Erdgaslieferungen in die EU zu stoppen oder dies androhen könnte und welche Folgen eine solche Maßnahme für die beide Seiten hätte. Zunächst finden ein Vergleich sowie eine Analyse der beiden Volkswirtschaften statt, gefolgt von der Beschreibung der politischen Beziehungen. Anhand dieses Vorwissens werden dann alternative Bezugsquellen von Erdgas evaluiert und bestehende Verträge und Abkommen untereinander aufgezählt. Danach folgt ein bedeutender Punkt zur Bearbeitung der zentralen Frage, in dem historische
politische Ereignisse untersucht werden, die Einfluss auf Energielieferungen hatten. Im Anschluss daran erfolgt eine Bewertung und Evaluation der vorher dargelegten Informationen,
verbunden mit dem Aufstellen von Hypothesen und Szenarien, um daraus Handlungsmöglichkeiten abzuleiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vergleich der Wirtschaft Russlands und der Europäischen Union mit Fokus auf Energieex und Importe
2.1 Analyse der russischen Wirtschaft mit Fokus auf Energieexporte
2.2 Analyse der europäischen Wirtschaft mit Fokus auf Energieimporte
3. Politische Beziehungen zwischen Russland und der EU
4. Alternativen zu Gasimporten aus Russland
4.1 Betrachtung alternativer Gaslieferanten: Zentralasien
4.2 Betrachtung alternativer Gaslieferanten: Naher Osten und Afrika
4.3 Betrachtung von Lösungsansätzen zur kurzfristigen Versorgungsüberbrückung: Erdgasspeicher
5. Bestehende Verträge und Abkommen
6. Historische politische Ereignisse mit kurz- sowie langfristigem Einfluss auf Energieex- und importe
6.1 Der Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine im Januar 2006
6.2 Der Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine im Januar 2009
6.3 Die Ölkrise von 1973/1974
7. Untersuchung möglicher Auswirkungen bei Änderung oder Abbruch von Verträgen und Lieferungen
8. Limitationen, aktueller Ausblick sowie Implikationen und Fazit
8.1 Limitationen der Arbeit
8.2 Ausblick auf aktuelle Entwicklungen
8.3 Implikationen für die Forschung und Praxis
8.4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die gegenseitige wirtschaftliche und politische Abhängigkeit zwischen der EU und Russland, mit speziellem Fokus auf Erdgaslieferungen. Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, welche Folgen politisch bedingte Vertragsbrüche oder ein Lieferstopp für beide Seiten hätten, und daraus Handlungsszenarien abzuleiten.
- Analyse der volkswirtschaftlichen Abhängigkeit im Energiesektor
- Bewertung alternativer Gaslieferanten und Versorgungsoptionen
- Auswertung historischer Gaskonflikte und der Ölkrise als Vergleichsmodelle
- Entwicklung von Szenarien für kurz- und langfristige Lieferstopps oder Preisanhebungen
Auszug aus dem Buch
6.3 Die Ölkrise von 1973/1974
Im folgenden Abschnitt wird die Ölkrise von 1973/1973 behandelt, wessen Hauptakteure man in 2 Parteien unterteilen kann. Die westlichen Industrienationen standen den OPEC-Mitgliedsstaaten (Organization of the Petroleum Exporting Countries) gegenüber. Anhand dieses Beispiels wird die Erpressung der westlichen Welt durch Energielieferanten gezeigt, weshalb die Betrachtung dessen von Bedeutung für das weitere Vorgehen innerhalb dieser Arbeit ist.
Der am 6. Oktober 1973 ausgebrochene Yom-Kippur-Krieg zwischen Israel und Ägypten markierte den Beginn einer Ölkrise in den westlichen Industriestaaten, weil in der Folge die OPEC-Mitgliedsstaaten zum einen den Preis für von ihnen gefördertes Öl anhoben und zum anderen die OAPEC-Mitgliedstaaten (Organization of Arab Petroleum Exporting Countries) die Ölproduktion sukzessive herabsetzten. Die Ölförderländer nutzten diese Maßnahmen als Mittel, um politischen Einfluss auf den Konflikt zwischen Israel, das von den U.S.A. finanziell unterstützt wurde, zu nehmen und um Einfluss und Stärke gegenüber den internationalen Ölkonzernen zu demonstrieren (Ilie, 2006: 1). Mit Bezug auf diese Krise, die am 10. Juli 1974 mit der Aufhebung des Embargos gegen die Niederlande endete, ist zu erwähnen, dass zu keiner Zeit eine Knappheit von Öl auf dem Weltmarkt existierte, da die Fehlmengen durch zusätzlich geförderte Volumina aus nicht-arabischen Ländern ausgeglichen wurden (Kepplinger & Roth Herbert, 1979: 287). Die diversen Sparmaßnahmen und ungeplant hektischen Verhaltensweisen der westlichen Industrienationen lassen sich eher durch eine damalig herrschende Unsicherheit und unzureichende Informationspolitik hinsichtlich der vorhandenen Ölmengen begründen (Göbel, 2013: 29). Als Folge dieser Krise stiegen die Preise für Öl stark an und die OPEC-Mitgliedsstaaten kontrollierten die Entwicklungen am Ölmarkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland und untersucht dessen Auswirkungen auf die Erdgaslieferungen in die EU.
2. Vergleich der Wirtschaft Russlands und der Europäischen Union mit Fokus auf Energieex und Importe: Eine ökonomische Analyse verdeutlicht die hohe gegenseitige Abhängigkeit durch russische Energieexporte und europäische Importe.
3. Politische Beziehungen zwischen Russland und der EU: Das Kapitel beleuchtet das Spannungsfeld zwischen den politischen Zielen der EU und den wirtschaftlichen Interessen bei der Energieversorgung.
4. Alternativen zu Gasimporten aus Russland: Es werden Möglichkeiten der Diversifizierung durch neue Lieferanten und kurzfristige Kapazitätsanpassungen durch Erdgasspeicher evaluiert.
5. Bestehende Verträge und Abkommen: Untersuchung der vertraglichen Bindungen zwischen Russland und der EU sowie der strategischen Rolle von Unternehmen wie Gazprom.
6. Historische politische Ereignisse mit kurz- sowie langfristigem Einfluss auf Energieex- und importe: Analyse von Gaskonflikten und der Ölkrise zur Ableitung von Verhaltensmustern für Energiesicherheitsfragen.
7. Untersuchung möglicher Auswirkungen bei Änderung oder Abbruch von Verträgen und Lieferungen: Auf Basis vorangegangener Analysen werden vier Szenarien für potenzielle Lieferstopps oder Preisänderungen entwickelt.
8. Limitationen, aktueller Ausblick sowie Implikationen und Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung aktueller politischer Ereignisse wie Sanktionen.
Schlüsselwörter
Russland, Europäische Union, Erdgas, Energieversorgung, Energiesicherheit, Lieferstopp, Abhängigkeit, Gazprom, Diversifizierung, Ölkrise, Gaskonflikt, Wirtschaftssanktionen, Energiepolitik, Verträge, Versorgungssicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die energetische Abhängigkeit zwischen der EU und Russland und bewertet die Risiken eines Lieferstopps sowie die Folgen politisch bedingter Vertragsbrüche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Wirtschaftliche Verflechtung, Energiesicherheit, Diversifizierungsstrategien bei der Gasversorgung und der Einfluss politischer Konflikte auf den Energiemarkt.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Wie groß ist die gegenseitige Abhängigkeit zwischen der EU und Russland bei Erdgaslieferungen und welche Auswirkungen hätten politisch bedingte Lieferunterbrechungen auf beide Parteien?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse von ökonomischen Statistiken, bestehenden Verträgen und historischen Fallbeispielen (Gaskonflikte, Ölkrise), um daraus theoretische Szenarien abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst den ökonomischen Vergleich der Akteure, die Analyse politischer Beziehungen, die Prüfung alternativer Bezugsquellen, die Auswertung von Verträgen und die historische Untersuchung von Krisenszenarien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Russland, EU, Erdgas, Energiesicherheit, Gazprom und Diversifizierung sind die zentralen Begriffe.
Inwieweit spielt die Ölkrise der 70er Jahre für diese Arbeit eine Rolle?
Sie dient als historisches Vergleichsmodell, um zu verstehen, wie Industriestaaten auf Liefererpressungen reagieren und welche Anpassungsprozesse in der Industrie und Energiepolitik initiiert werden.
Warum ist die Ratifizierung des Energiecharta-Vertrags durch Russland wichtig?
Die fehlende Ratifizierung verhindert rechtliche Sicherheiten für ausländische Investitionen im russischen Energiesektor, was das Risiko für Energieunternehmen bei der Erschließung neuer Felder erhöht.
- Citar trabajo
- Yannic Obeloer (Autor), 2014, Russische Gaslieferungen an die EU, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281612