Die Besetzung und Fluktuation in der Clubführung der deutschen Fußball-Bundesliga

Eine empirische Analyse des Trainerteams


Bachelorarbeit, 2014
74 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung in das Thema

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Die Geschichte des Fußballs
2.2 Die Fußball-Bundesliga
2.3 Der Fußballtrainer
2.4 Der Trainerwechsel

3 Forschungsstand und Forschungsfrage
3.1 Aktueller Forschungsstand
3.1.1 Fußball-Bundesliga
3.1.2 Andere Sportarten / Fußballligen
3.2 Forschungsfragen

4 Daten und Methoden
4.1 Daten
4.2 Methoden
4.2.1 Operationalisierung des Erfolgs
4.2.2 Operationalisierung des Trainerwechsels

5 Ergebnisse der empirischen Analyse
5.1 Tabellenplatz
5.2 Punkte
5.3 Diskussion der Ergebnisse

6 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die Stellung des DFB bei der Organisation der 1. & 2. Bundesliga

Abb. 2: Zuschauerzahlen in der 1. Bundesliga

Abb. 3: Entwicklung der Preise für TV-Rechte

Abb. 4: Inter-/ intrasaisonale Wechsel auf der Position des Chef-Trainers

Abb. 5: Inter-/ intrasaisonale Wechsel auf der Position des Co-Trainers

Abb. 6: Häufigkeitsverteilung der Chef-Trainerwechsel pro Spieltag

Abb. 7: Häufigkeitsverteilung der Co-Trainerwechsel pro Spieltag

Abb. 8: Häufigkeitsverteilung der Trainerwechsel pro Tabellenplatz

Abb. 9: Chef-Trainerwechsel intersaisonal, Tabellenplätze

Abb. 10: Chef-Trainerwechsel intrasaisonal, Tabellenplätze

Abb. 11: Co-Trainerwechsel intersaisonal, Tabellenplätze

Abb. 12: Co-Trainerwechsel intrasaisonal, Tabellenplätze

Abb. 13: Chef-Trainerwechsel intersaisonal, Punkte

Abb. 14: Chef-Trainerwechsel intrasaisonal, Punkte

Abb. 15: Co-Trainer intersaisonal, Punkte

Abb. 16: Co-Trainer intrasaisonal, Punkte

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung in das Thema

„Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt“. Diese Zeile aus dem WM-Song der deutschen Fußballnationalmannschaft von 1974 charakterisiert die Stellung des Fußballs in der Gesellschaft. Fußball ist nicht zuletzt seit Gründung der Fußball-Bundesliga 1963 bis heute mit weitem Abstand Sportart Nummer 1 in Deutschland und schafft es Jahr für Jahr viele Menschen in die Stadien oder vor die Fernsehgeräte zu ziehen. Konnte die Bundesliga in ihrem Gründungsjahr immerhin bereits 6,6 Millionen Menschen in die Stadien locken, hat sich diese Zahl in der abgelaufenen Spielsaison 2013 / 2014 auf 13,2 Millionen Zuschauer mehr als verdoppelt.[1]

Die Ursachen für die tiefe Verankerung in der Gesellschaft liegen in der immer stärker werdenden Professionalisierung und Kommerzialisierung. So hat sich der professionelle Fußball von einer Sportart zu einem gewaltigen Wirtschaftsgeschäft und die Vereine zu großen Wirtschaftsunternehmen entwickelt.[2] Im aktuellen „Bundesliga Report 2014“ präsentiert die Deutsche Fußball-Liga für 2013 eine Bilanzsumme aller 18 Vereine der 1. Bundesliga i. H. von 1,83 Milliarden Euro.[3] Im Vergleich zur Vorsaison entspricht dies einem Anstieg von 4% und dem neunten Umsatzanstieg in Folge. Acht der 18 Bundesligisten weisen einen Einzelumsatz von mehr als 100 Millionen Euro auf.

Diese hohen Umsatzsteigerungen können in erster Linie mit einer immer stärkeren Präsenz des Fußballs in den Medien begründet werden. Konnte die 1. Bundesliga in ihren Gründungsjahren noch keine Einnahmen aus der TV-Vermarktung erzielen, wurden in der Saison 2000 / 2001 bereits rund 355 Millionen Euro erzielt. In der Saison 2003 / 2004 wurden rund 460 Millionen Euro vereinnahmt.[4] Aktuell werden durch die Vermarktung der Medienrechte an TV-Anstalten und an Web-Anbieter Einnahmen i. H. von 626 Millionen Euro pro Saison bis 2017 eingenommen.[5]

Einhergehend mit den starken Umsatzanstiegen erhöhen sich die Gehälter der Spieler und Trainer. Um in jeder Saison national – und auch international – konkurrenzfähig zu sein, versuchen sich die Vereine mit neuen Spielern zu verstärken, mit der Folge, dass auch die Ablösesummen jedes Jahr neue Höchststände erreichen. Der teuerste Einkauf datiert aus dem Jahr 2012, als Javier Martínez von Athletic Bilbao für 40 Millionen Euro zum FC Bayern München gewechselt ist.[6] Teuerster Transfer innerhalb der 1. Bundesliga war 2013 der Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern München für 37 Millionen Euro.[7]

Wie bei normalen Wirtschaftsunternehmen auch, wird der Verein am Erfolg gemessen. Dies gilt insbesondere für die Vereinsführung, die sich in die kaufmännisch-organisatorische und die sportliche Führung aufteilt.[8] Für die sportliche Führung ist i. d. R. der Chef-Trainer mit seinem Trainerstab verantwortlich. Bleibt der sportliche Erfolg aus, wird der Trainer als sportlicher Leiter häufig in Frage gestellt. Speziell nach Misserfolgen der Mannschaft wird der Trainerwechsel von den Medien, Fachleuten sowie den Zuschauern als gutes Mittel betrachtet, um wieder erfolgreich zu werden. Der Trainer ist also das schwächste Glied in der Kette.[9]

In der abgelaufenen Spielzeit 2013 / 2014 haben wieder einmal zahlreiche Trainerwechsel stattgefunden. Die Ursachen sind unterschiedlich. Einige Vereine haben mit dem Trainerwechsel versucht, einen Abwärtstrend zu stoppen und den Verbleib des Vereins in der 1. Bundesliga zu schaffen. Während der VfB Stuttgart und der Hamburger SV den Klassenerhalt sichern konnten, war der 1. FC Nürnberg mit dieser Maßnahme nicht erfolgreich. Neben diesen Wechseln innerhalb der Saison wurden auch nach Abschluss der Spielzeit Trainerwechsel vollzogen. Zu nennen ist hier z. B. die Beendigung des Arbeitsverhältnisses von Thomas Tuchel beim 1. FSV Mainz 05. Da der Verein in der abgelaufenen Spielzeit Platz 7 erreichen konnte und damit teilnahmeberechtigt für die Qualifikationsrunde zur Europa League in der kommenden Spielsaison sein wird, ist fraglich, ob mangelnder Erfolg der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses gewesen ist.

Das Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob der Trainerwechsel Auswirkungen auf den sportlichen Erfolg einer Mannschaft der Bundesliga hat. Die Untersuchung erfolgt anhand einer empirischen Analyse. Grundlage dafür sind die vergangenen 10 Spielzeiten der Mannschaften aus der aktuellen Saison der 1. Bundesliga, ergänzt um die Traditionsmannschaften 1. FC Köln, 1. FC Kaiserslautern, TSV 1860 München und FC St. Pauli.

In Kapitel 2 wird die Entwicklung und die Kommerzialisierung des Fußballs und der Fußball-Bundesliga von ihrer Gründung bis heute dargestellt.

Der aktuelle Forschungsstand in der Literatur wird in Kapitel 3 beschrieben. Es wird sowohl ein Bezug zum Stand der Forschung im Fußball als auch zu anderen Sportarten hergestellt. Die empirische Untersuchung folgt in den Kapiteln 4 und 5. Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Datenerhebung und den verwendeten Methoden. Kapitel 5 enthält die Ergebnisse der empirischen Analyse.

In Kapitel 6 werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Die Geschichte des Fußballs

Angefangen hat die Geschichte des Fußballs angeblich um 3.000 v. Chr. in China, als der damalige Herrscher Chinas, Huang-ti, seine Soldaten mit dem Spiel ts´uh kü (kü = der Ball; ts´uh = mit dem Fuß treten) fit und agil halten wollte.[10] Hinweise auf eine Art Fußballspiel gibt es auch bei den Mayas und den Azteken.[11]

Im 19. Jahrhundert wurden in England die ersten Regeln des heute bekannten Fußballspiels festgelegt. 1857 wird dort mit dem FC Sheffield der weltweit erste reine Fußballclub gegründet.[12] 1863 schließlich wurde in London mit der Football Association (FA) der erste Fußballverband gegründet und ein einheitliches Regelwerk festgelegt.[13] Die erste Form einer Profi-Liga entstand mit der „Football League“ 1888.[14]

Aus England wurde der Fußball durch die engen Handelsbeziehungen nach Deutschland exportiert. 1880 wurde mit dem Bremer Football Club der erste reine Fußballverein in Deutschland gegründet.[15] 1900 folgte die Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der 1902 die erste Deutsche Fußballmeisterschaft ausspielen ließ.[16] Seit 1950 hat der DFB seinen Sitz in Frankfurt/Main und bildet die Dachorganisation des deutschen Fußballs. Ordentliche Mitglieder des DFB sind die fünf Regionalverbände Westdeutscher, Süddeutscher, Norddeutscher, Südwestdeutscher und Nordostdeutscher Fußballverband.[17] Die Fußballvereine sind als Mitglieder der jeweiligen Landesverbände nicht direkt dem DFB angehörig.

Ein weiteres ordentliches Mitglied des DFB ist der Ligaverband – dieser ist der Zusammenschluss der lizensierten Vereine und Kapitalgesellschaften der 1. und 2. Bundesliga.[18]

Die Organisationsstruktur des DFB soll mit nachfolgender Abbildung verdeutlicht werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Stellung des DFB bei der Organisation der 1. & 2. Bundesliga[19]

Heute hat der DFB in Deutschland mehr als 6,8 Millionen Mitglieder in knapp 26.000 Vereinen mit nahezu 170.000 Mannschaften.[20]

2.2 Die Fußball-Bundesliga

Nach der Gründung der ersten professionellen Fußballliga 1888 in England wurden in den 1920er Jahren in Spanien und Italien ebenfalls landesweite Profi-Ligen eingeführt.[21] Erning definiert einen Professionellen im Sport als eine Person, „die eine Sportart berufsmäßig und somit fachmännisch ausübt“.[22] Heinemann definiert die Professionalisierung als „die Unterwerfung des Sports oder des Sportlers unter die Anforderungen und Gesetzmäßigkeiten von Beruf und Markt“.[23]

Während Länder in anderen Teilen Europas bereits die ersten Profi-Ligen gegründet hatten, wurde in Deutschland noch der Amateurgedanke hochgehalten. Zwar gab es bereits seit den 1930er Jahren die Idee der Einführung einer deutschen Profiliga, die aufgrund der geänderten politischen Lage aber nicht umgesetzt werden konnte.[24] Deutscher Fußballmeister wurde, wer sich zunächst in den regionalen Oberligen durchsetzte, sich anschließend über diverse überregionale Spielrunden für das Finale qualifizierte und dieses dann gewann.

1962 schließlich wurde auch in Deutschland auf dem Bundestag des DFB in Dortmund beschlossen „ab dem 01.08.1963 eine zentrale Spielklasse mit Lizenzspielern unter der Leitung des DFB einzuführen“.[25] Das Ziel der Professionalisierung des Fußballs in Deutschland lag darin, auch international wieder konkurrenzfähiger zu werden, was in der Folge durch Erfolge von Vereinsmannschaften auf europäischer Ebene und der Nationalmannschaft auch erreicht werden konnte. Neu war damit eine eingleisige Liga, deren Mannschaften jeweils zweimal pro Spielzeit, in Hin- und Rückrunde, mit wechselndem Heimrecht aufeinander trafen.[26] Deutscher Meister wurde der Verein mit den meisten erzielten Gewinnpunkten. Für die schlechtesten Vereine wurde eine automatische Abstiegsregelung eingeführt.[27] Zunächst wurden 16 Mannschaften aus dem Bewerberfeld von 46 ehemaligen Oberligisten für die erste Spielsaison der Bundesliga bestimmt. Grundvoraussetzung war etwa, dass der Verein einen Jahresumsatz von mindestens 400.000 DM und ein Stadion mit Flutlichtanlage und einer Kapazität von mindestens 35.000 Zuschauern vorweisen konnte.[28] Später wurde das Teilnehmerfeld auf 18 Mannschaften aufgestockt.

Mit der Einführung einer Profi-Liga wurde vom DFB auf dem vorgenannten Bundestag 1962 auch der Status des Lizenzspielers beschlossen. Bis dahin galt die Regelung, dass Fußballer als Amateure maximal 400 DM monatlich erhalten durften.[29] Bis 1972 galt eine Obergrenze von 1.200 DM, die allerdings häufig umgangen wurde. Seither können Vereine und Spieler ihre Gehälter frei aushandeln. Aktuell verdienen einzelne Spieler in der Bundesliga bis zu 10 Millionen Euro pro Saison.[30]

Bis 1998 waren die Clubs der 1. Bundesliga traditionell gemeinnützige, aber nicht wirtschaftlich ausgerichtete Vereine.[31] Die kommerzielle Entwicklung hat seit Gründung der Bundesliga aber enorm zugelegt und lässt die einst gemeinnützigen Sportvereine zu kommerzialisierten Dienstleistern werden.[32] Mit der Kommerzialisierung ist auch die Akzeptanz des Fußballs in der Gesellschaft gestiegen.[33] Dies wird am Beispiel der Entwicklung der Zuschauerzahlen dargestellt. Die Zuschauerzahlen konnten seit Gründung der Bundesliga nahezu verdoppelt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Zuschauerzahlen in der 1. Bundesliga[34]

Seit 2001 sind die lizensierten Fußballvereine der 1. und der 2. Bundesliga oder deren Kapitalgesellschaften im Ligaverband (genauer: Die Liga-Fußballverband e. V.) zusammengeschlossen.[35] Die Deutsche-Fußball Liga GmbH (DFL) leitet als Tochtergesellschaft des Ligaverbandes das operative Geschäft, also die Geschäftsbereiche Spielbetrieb, Vermarktung und Lizensierung.[36] Zum Geschäftsbereich Spielbetrieb gehören insbesondere die Durchführung des Spielbetriebs der beiden Lizenzligen 1. und 2. Bundesliga. Über den Geschäftsbereich Vermarktung vergibt die DFL Übertragungsrechte der Lizenzligen für Fernsehen, Hörfunk und Internet. Der Geschäftsbereich Lizensierung umfasst die jährliche Lizenzvergabe für die an den beiden Lizenzligen teilnehmenden Vereine. Geregelt ist die Lizensierung im sog. „Ligastatut“, das auch den Bereich der Lizenzordnung umfasst.[37] Die in der Lizenzordnung zu erfüllenden Punkte umfassen sportliche, rechtliche, personelle, administrative, infrastrukturelle, sicherheitstechnische, finanzielle und medientechnische Kriterien.[38] Um eine Teilnahme am Spielbetrieb für die gesamte Spielsaison garantieren zu können, wird auf die Einhaltung des Liquiditätskriteriums besonderer Wert gelegt. Das Regelwerk der Lizensierung ist ein geeignetes Kontrollinstrument, damit der Ligaverband wirtschaftliche Kontrolle über die Vereine weiterhin ausüben kann und Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden können.[39]

Auswirkungen der professionellen Vermarktung zeigen sich insbesondere in der Entwicklung der Preise für die TV-Rechte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Entwicklung der Preise für TV-Rechte[40]

Als die Bundesliga gegründet wurde, mussten die Vereine noch Geld für die Übertragungsleistung bezahlen.[41] Von der Öffnung des TV-Marktes und der Zulassung von privaten Sendern profitierte auch die Bundesliga. Mit der zentralen Vermarktung der Medienechte durch eine Sportagentur (UFA) und dem Einstieg des Pay-TV Senders Premiere konnten jeweils Preissprünge realisiert werden. 2000 / 2001 stiegen die Erlöse auf rund 355 Millionen Euro. Nachdem die DFL die Rechtevermarktung übernommen hat, konnten einerseits die Erlöse stetig weiter gesteigert und andererseits das Angebot weiter ausgebaut werden. Mittlerweile können über das Pay-TV-Angebot von Sky alle Spiele der 1. und der 2. Bundesliga live empfangen werden. 2016 / 2017 werden nach dem aktuellen Vertragswerk 673 Millionen Euro vereinnahmt. Die Verteilung der Fernsehgelder erfolgt über die DFL an die Vereine.

In ihrem aktuellen Jahresreport berichtet die DFL von immer neuen Rekorden. So konnte in der Spielzeit 2012 / 2013 zum neunten Mal in Folge der Umsatzerlös gesteigert werden. Die Bundesliga setzt 2,17 Milliarden Euro um und ist damit die zweitstärkste Liga in Europa. Seit Gründung des Ligaverbandes und der DFL hat sich der Umsatz damit verdoppelt.[42] Bereits 2008 vermeldete die DFL, dass alle 18 Bundesligisten schwarze Zahlen schreiben[43]. In der Saison 2011 / 2012 haben die 36 Proficlubs insgesamt fast 800 Mio. € an Steuern gezahlt.[44]

Die Vereine der 1. und 2. Bundesliga werden, gemessen am Umsatz, immer mehr zu mittelständischen Wirtschaftsunternehmen. Es rücken also neben dem sportlichen Erfolg weitere Erfolgsfaktoren, wie wirtschaftlicher und ideeller Erfolg, in den Mittelpunkt.[45] Der sportliche Erfolg bleibt weiterhin der größte Erfolgsfaktor, da die anderen Faktoren nicht ohne den sportlichen Erfolg bestehen können.[46] Dennoch sollte ein Verein sowohl sportlichen als auch wirtschaftlichen Erfolg anstreben.[47] Denn andersherum kann mit einer gewissen finanziellen Ausstattung und einem wirtschaftlich orientierten Management sportlicher Erfolg erzielt werden.[48] Um die wichtigsten ökonomischen Ziele, Stabilität und Umsatzmaximierung, zu erreichen, kann ein professionelles und wirtschaftlich orientiertes Controllingsystem hilfreich sein.[49]

Bislang ist es den Vereinen aber noch nicht abschließend gelungen, die Vereinsstrukturen an die Anforderungen von modernen Wirtschaftsunternehmen anzupassen und z. B. moderne Managementmethoden, wie einen Controlling-Bereich innerhalb des Unternehmens, aufzubauen.[50] Vor einigen Jahren lag das Hauptaugenmerk von Sportvereinen auf der Steigerung des Umsatzes und erst nachrangig auf Gewinn- oder Wertmaximierung.[51] Mittlerweile haben einige Vereine aber bereits die Weichen für den Aufbau professioneller Unternehmensstrukturen gestellt und bereiten den Aufbau einer controllinggestützten Unternehmensführung vor oder wenden diese bereits an.[52] Diese Öffnung der Vereine zum Einsatz betriebswirtschaftlicher Managementansätze scheint nötig zu sein, um langfristig im Wettbewerb bestehen zu können.[53]

2.3 Der Fußballtrainer

Definitionen für den Fußballtrainer lassen sich in der Literatur einige finden. Koch definiert ihn als einen „speziell ausgebildeten Sportlehrerkader, der die Entwicklung der Mannschaft zum Kollektiv leitet, die Spieler trainiert, sie auf Wettkämpfe vorbereitet, während dieser betreut und darüber hinaus viele organisatorische Aufgaben einleiten oder lösen muss“.[54]

Für Patsantáras ist es die Hauptaufgabe des Trainers sportlichen Erfolg zu haben. Um diesen zu erreichen, führt er Leistungsoptimierung bzw. Leistungsmaximierung als allgemeingültige Ziele an.[55] Nienaber/Lütke-Wenning/Schewe sehen übereinstimmend die Ausbildung der anvertrauten Spieler und die „Optimierung ihres physiologischen und psychologischen Leistungsniveaus im Hinblick auf Wettkampfsituationen“ als Hauptaufgabe für einen Trainer an.[56]

Bisanz/Gerisch teilen die Kompetenzbereiche und Aufgaben eines Fußballtrainers unter dem Oberbegriff „Führungskompetenz“ in vier Bereiche ein:[57]

Fachkompetenz ® Der Trainer besitzt idealerweise umfangreiches Fachwissen und Praxiserfahrung. Er besitzt Kenntnisse über Trainingsplanung und Trainingsgestaltung, Mannschaftsaufbau und Mannschaftsführung sowie Spielanalyse und Spielvorbereitung.

Sozialkompetenz ® Der Trainer berücksichtigt die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Persönlichkeit und die sozialen Verhältnisse seiner Spieler.

Organisationskompetenz ® Für den sportlichen Bereich hat der Trainer idealerweise Planungs- und Organisationsfähigkeit, z. B. in Bezug auf zu organisierende Trainingslager, den Aufbau von Trainingseinheiten oder die Trainingssystematik.

Vermittlungskompetenz ® Ein Trainer muss die Fähigkeit mitbringen, Lern- und Leistungsprozesse bei einzelnen Spielern und / oder der ganzen Mannschaft zu entwickeln.

Haas betont, dass der Trainer für den sportlichen Erfolg der Mannschaft verantwortlich ist.[58] Als Erfolgsmaßstab definiert er daher die konkreten Platzierungen der Mannschaft in einer Saison. Dieser Erfolg ist durch Benchmarking mit vergleichbaren Teams zu analysieren.

2.4 Der Trainerwechsel

Der Trainer bestimmt durch seine Qualität und Fähigkeit der Trainingsgestaltung in entscheidendem Maße das Spielniveau der Mannschaft.[59] Allerdings wird insbesondere der Trainer, nicht zuletzt durch die immer stärker werdende Kommerzialisierung des Fußballs, einem immer höheren Erwartungs- und Erfolgsdruck ausgesetzt. Es wird bereits vor einer Spielsaison häufig medial und öffentlich diskutiert, welcher Trainer als erster entlassen wird. So titelte die Bild-Zeitung über die erste Trainerentlassung nach bereits drei Spieltagen der abgelaufenen Spielsaison 2013 / 2014 mit der Überschrift „Stuttgart feuert Labbadia“.[60] Häufig werden in privaten Tipprunden oder auf Wettportalen im Internet sogar Wetten auf die erste Trainerentlassung bzw. auf bestimmte Trainerentlassungen angenommen.[61] Sportlicher Misserfolg ist einer der Hauptgründe für einen Trainerwechsel vor Vertragsablauf. Um auf öffentliche Kritik von Fans und Medien zu reagieren, wird mit dem Trainer die sportliche Führungsperson auswechselt – die Vereinsführung erhofft sich dadurch eine Leistungssteigerung der Mannschaft.[62]

Die Gründe für Trainerwechsel sind vielfältig. So kann ein Trainerwechsel mit Ablauf des geschlossenen Vertrages erfolgen. Vertragsablauf und Ende einer Spielsaison stimmen dabei i. d. R. überein. Wie zuvor beschrieben, kann der Trainer aber auch vorzeitig von seinen Aufgaben freigestellt werden, sowohl auf eigenen Wunsch, als auch auf Wunsch der Verantwortlichen.

Wird der Vergleich zu einem Wirtschaftsunternehmen gezogen, ist dort der Vorstandsvorsitz meist der Höhepunkt einer Karriere – der Vorstandsvorsitzende scheidet i. d. R. nur durch Krankheit, Tod oder Rente aus diesem Vertragsverhältnis aus.[63] Fußballtrainer wechseln dagegen häufig ihren Arbeitgeber. Es werden befristete, mehrjährige Arbeitsverträge mit den Vereinen geschlossen. Bei einem vorzeitigen Ende des Vertragsverhältnisses können hohe Abfindungszahlungen fällig werden. Verein und Trainer streben eine längere gemeinsame Zusammenarbeit also zumindest an. Die Vielzahl an Trainerwechseln während der Vertragslaufzeit zeigen aber ein anderes Bild.[64] Nach Beendigung des Vertragsverhältnisses wechselt ein Trainer i. d. R. zu einem anderen Verein. So kann ein Fußballtrainer am Ende seiner Karriere häufig mehrere Trainerstationen vorweisen.[65]

Ein Co-Trainer, der auch als Assistenztrainer bezeichnet wird, unterstützt seinen verantwortlichen Chef-Trainer bei der Bewältigung seines umfangreichen Aufgabengebietes.[66] Häufig ist die Position des Co-Trainers die erste Anstellung nach Abschluss einer Trainerausbildung. Hier sollen Erfahrungen gesammelt und die zuvor beschriebenen Kompetenzen erworben werden, um später einmal die Stelle eines Chef-Trainers zu übernehmen.

Interimstrainer übernehmen die Stelle des Chef-Trainers i. d. R. für einen kurzen Zeitraum von einigen Tagen. Wurde ein Chef-Trainer freigestellt und es steht noch kein neuer Trainer zur Verfügung, springt der Interimstrainer als Zwischenlösung ein, um die Aufgaben des Chef-Trainers befristet zu übernehmen.

3 Forschungsstand und Forschungsfrage

In der Vergangenheit wurde der Mannschaftssport bereits mehrfach in wissenschaftlichen Studien untersucht. Diese Studien wurden aus verschiedenen Blickwinkeln (ökonomische, organisatorische oder sozialpsychologische Relevanz) erstellt. Bezogen auf die Forschungsfrage, ob Trainerwechsel Einfluss auf den Erfolg von Sportmannschaften haben, wurden zahlreiche empirische Analysen angefertigt. Im Folgenden soll ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand gegeben werden.

3.1 Aktueller Forschungsstand

3.1.1 Fußball-Bundesliga

Mit dem Effekt, den ein Trainerwechsel innerhalb der Spielsaison auf den Erfolg einer Fußballmannschaft der Bundesliga hat, hat sich bereits Gabler 1975 beschäftigt.[67] Er hat die 45 Trainerwechsel innerhalb einer Spielsaison seit Beginn der Bundesliga 1963 / 1964 bis zur Saison 1973 / 1974 unter der Forschungsfrage analysiert, ob bei einem Trainerwechsel mit einer Leistungssteigerung der betroffenen Mannschaft gerechnet werden kann. Als Ergebnis hält er fest, dass jeweils eine Zeit des negativen Erfolgs zum Trainerwechsel geführt hat und der Trainer damit zum „Sündenbock“ des Misserfolgs geworden ist.[68] Innerhalb der ersten drei Spieltage nach dem Trainerwechsel konnte er eine signifikante Ergebnisverbesserung feststellen, die sich aber bei weiterer Betrachtung der Spieltage vier bis sechs und sieben bis neun nach der Trainerentlassung nicht bestätigen konnte.[69] Allerdings reichte die kurzfristige Leistungssteigerung direkt nach dem Trainerwechsel aus, um den durchschnittlichen Erfolg nach dem Trainerwechsel höher bewerten zu können als vorher.[70]

[...]


[1] vgl. o. V. (2014a).

[2] vgl. Littkemann/Sunderdiek (2002), S.67.

[3] vgl. DFL (2014), S. 24.

[4] vgl. Hübl/Swieter (2002), S.39.

[5] vgl. o. V. (2014b).

[6] vgl. Stolpe (2013), S.214.

[7] vgl. Stolpe (2013), S.214.

[8] vgl. Empacher (2000), S. 49f.

[9] vgl. Patsantáras (1994), S. 227.

[10] vgl. Reiter (2009), S.8.

[11] vgl. Reiter (2009), S.9.

[12] vgl. Reiter (2009), S. 20.

[13] vgl. o.V. (2014f).

[14] vgl. Koller (2006), S. 22.

[15] vgl. DFB (2014)

[16] vgl. DFB (2014)

[17] vgl. Erning (2000), S. 29.

[18] vgl. DFB (2013), S. 13.

[19] vgl. Brast/Stübinger (2002), S. 25.

[20] vgl. DFB-Mitgliederstatistik (2014).

[21] vgl. Hilber/Peitzmeier/Dohr/Hennen/Keldenich/Schnettler/van Zanten (2013), S.14.

[22] vgl. Erning (2000), S. 26.

[23] vgl. Heinemann (1980), S.42.

[24] vgl. Martin (1990), S. 68.

[25] vgl. Stolpe (2013), S. 8.

[26] vgl. Erning (2000), S. 32.

[27] vgl. Erning (2000), S. 32-33.

[28] vgl. Hilber/Peitzmeier/Dohr/Hennen/Keldenich/Schnettler/van Zanten (2013), S.16-17.

[29] vgl. Stolpe (2013), S. 10.

[30] vgl. Stolpe (2013), S. 215.

[31] vgl. Straub (2002), S. 109.

[32] vgl. Keller (2008), S. 2.

[33] vgl. Schulze-Marmeling (1995), S. 236.

[34] vgl. Stolpe (2013), S.11.

[35] vgl. Ligaverband (o. J.b).

[36] vgl. DFL (o.J.).

[37] vgl. Ligaverband (o.J.a).

[38] vgl. Ligaverband (o.J.b).

[39] vgl. Straub/Holzhäuser/Gömmel/Galli (2002), S. 95.

[40] vgl. Stolpe (2013), S.213.

[41] vgl. Schewe/Gaede (2002), S. 137.

[42] vgl. DFL (2014), S. 6.

[43] vgl. o. V. (2014g).

[44] vgl. DFL (2013), S. 16.

[45] vgl. Dworak (2004), S. 23.

[46] vgl. Wehrle/Heinzelmann (2004), S. 352.

[47] vgl. Kohl (2001), S. 32.

[48] vgl. Zeltinger (2004), S. 25.

[49] vgl. Fritz (2006), S.23.

[50] vgl. Dörnemann/Kopp (2000), S. 489.

[51] vgl. Galli/Wagner/Beiersdorfer (2002), S. 214.

[52] vgl. Keller/Langner/Amann (2006), S. 48.

[53] vgl. Schilhaneck (2008), S. 299.

[54] vgl. Koch (1991), S. 74.

[55] vgl. Patsantáras (1994), S. 199.

[56] vgl. Nienaber/Lütke-Wenning/Schewe (2012), S. 335.

[57] vgl. Bisanz/Gerisch (2013), S. 431 f.

[58] vgl. Haas (2006), S. 129.

[59] vgl. Gerisch (1989), S. 12.

[60] vgl. o. V. (2014c).

[61] vgl. o. V. (2014d).

[62] vgl. Gamson/Scotch (1964), S. 69-71.

[63] vgl. Salomo/Teichmann (2002), S. 248f.

[64] vgl. Teichmann (2007), S.76.

[65] vgl. Salomo/Teichmann (2002), S.249.

[66] vgl. Koch (1991), S. 166.

[67] vgl. Gabler (1972).

[68] vgl. Gabler (1972), S. 317.

[69] vgl. Gabler (1972), S. 317.

[70] vgl. Gabler (1972), S. 317.

Ende der Leseprobe aus 74 Seiten

Details

Titel
Die Besetzung und Fluktuation in der Clubführung der deutschen Fußball-Bundesliga
Untertitel
Eine empirische Analyse des Trainerteams
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
74
Katalognummer
V281634
ISBN (eBook)
9783656755654
ISBN (Buch)
9783656756088
Dateigröße
869 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
besetzung, fluktuation, clubführung, fußball-bundesliga, eine, analyse, trainerteams
Arbeit zitieren
André Auer (Autor), 2014, Die Besetzung und Fluktuation in der Clubführung der deutschen Fußball-Bundesliga, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281634

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