Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Ages of World Wars

Häftlinge als Schauspieler: Das Theater in den sowjetischen Arbeitslagern der 1920er und 1930er Jahre

Title: Häftlinge als Schauspieler: Das Theater in den sowjetischen Arbeitslagern der 1920er und 1930er Jahre

Master's Thesis , 2013 , 140 Pages , Grade: 1

Autor:in: Stefan Klatev (Author)

History of Europe - Ages of World Wars
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Besserungsarbeitslager sind eines der wesentlichen Merkmale der kommunistischen, insbesondere der stalinistischen Herrschaft. Diese Lager und der damit zusammenhängende Repressionsapparat sind unter dem Synonym GULAG in die Weltgeschichte eingegangen. Sie dienten seit der Oktoberrevolution bis Ende der achtziger Jahre der Unterdrückung politischer Gegner und Isolierung von Arbeitern, Bauern und Kriminellen.
Einer der unbekanntesten, aber verbreitetsten Bereiche der Besserungsarbeitslager war das Theater. Es wurde zum Zweck der Umerziehung von der Lagerverwaltung für die Häftlinge organisiert. Das offizielle Vorhaben dieser Umerziehung war, die Lagerinsassen mit politischer und kultureller Erziehung für die Rückkehr in die kommunistische Gesellschaft vorzubereiten.
Das erste Ziel dieser Arbeit ist, das Wesen des Theaters im GULAG in den zwanziger und dreißiger Jahren zu erörtern. Das beinhaltet einerseits die Auseinandersetzung mit dem Ablauf der Aufführungen, den beteiligten Personen und den Zuschauern. Andererseits soll herausfinden werden, in welchen Lagern es Theateraufführungen mit Häftlingen gab. Von den Solovecki-Inseln ist die aktive Beteiligung der Häftlinge bekannt, doch darüber hinaus nur wenig.
Das zweite Ziel ist die Beantwortung der Frage: welches Ziel haben diese Aufführungen in Wirklichkeit gehabt? Es soll erforscht werden, inwieweit Kunst im Theater als solche relevant war, und welchen Stellenwert ideologische Umerziehung in den dargebotenen Theaterstücken einnahm. Verfolgte die Lagerverwaltung bei den Aufführungen eigene Interessen?
Als Primärquellen wurden in dieser Arbeit hauptsächlich lagerinterne Zeitungen und Zeitschriften sowie Erinnerungsliteratur der Häftlinge verwendet. Die Sekundärquellen beschäftigen sich größtenteils mit den Besserungsarbeitslagern im Allgemeinen, weil es wenige spezifische Arbeiten über Häftlinge als Schauspieler gibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Eine kurze Geschichte der sowjetischen Besserungsarbeitslager

4. Das sowjetische Arbeitsbesserungsrecht am Anfang der zwanziger Jahren

4.1. Die sowjetische Strafpolitik der dreißiger Jahre im Wandel

4.2. Eine sowjetische Wirklichkeit

5. Die Geschichte der Solovecki-Inseln bis zur Gründung der nördlichen Sonderlager

5.1. Nach der Gründung der Sonderlager

6. Die Lagerpresse

7. Das Theater auf den Solovecki-Inseln: Die Erste Abteilung

7.1. Die kleinen Theatergruppen

7.1.1. Das Theaterkollektiv „ХЛАМ“

7.1.2. Das Theaterkollektiv „Свои“

7.2. Das Ende des Theaters auf den Solovecki-Inseln in den zwanziger Jahren

7.3. Die dreißiger Jahre auf den Solovecki-Inseln

8. Das Theater in Kem'.

8.1. Touren zu den Neben-Lagerpunkten und Baustellen von Kem'

8.2. Weitere Wanderungen

8.3. Die Zerstörung des Theaters in Lodejnoe Pole

9. Lagerschauspieler in der Zeit des Großen Terrors

9.1. Theater im Uchtpečlag

9.2. Das Theater in Vorkuta

10. Das Theater beim Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals

10.1. Das Zentrale Theater des Weißmeer-Ostsee-Kanals und andere Theater

10.2. Die Agitationsbrigaden

11. Conclusio

12. Ausblick

13. Literatur

13.1. Offline

13.1.1. Primärliteratur

13.1.1.1. Zeitungen

13.1.1.2. Zeitschriften

13.1.2. Sekundärliteratur

13.1.2.1. Zeitschriften

13.2. Online

13.2.1. Primärliteratur

13.2.2. Sekundärliteratur

13.3. Audioaufnahmen

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht das Wesen des Theaters in sowjetischen Arbeitsbesserungslagern (GULAG) in den 1920er und 1930er Jahren mit dem Ziel, die Motivation hinter der Organisation dieser Aufführungen sowie deren tatsächliche Relevanz und ideologische Funktion für Häftlinge und Lagerverwaltung zu ergründen.

  • Geschichte und rechtliche Rahmenbedingungen der sowjetischen Arbeitsbesserungslager.
  • Die Rolle des Theaters als Instrument der ideologischen Umerziehung versus Unterhaltung der Lagereliten.
  • Untersuchung spezifischer Theaterstandorte wie Solovecki-Inseln, Kem' und der Weißmeer-Ostsee-Kanal.
  • Analyse der Dynamik zwischen Häftlingen als Schauspielern, der Lagerverwaltung und dem Zwang zur Arbeit.

Auszug aus dem Buch

Das Theater auf den Solovecki-Inseln: Die Erste Abteilung

Den Eindruck des abgebrannten Klosters vergassen die Tschekisten und Häftlinge nicht so schnell, die am 3. Juni 1923 auf dem Schiff „Ямал“ auf die Solovecki-Inseln angekommen waren. Der Komplex hatte Bedachung und Tore eingebüßt, die weißen Wände waren mit Ruß bedeckt, weder die Turmuhr noch die Glocken waren intakt. Die Brandstätte war dem launischen Wetter der Insel ausgesetzt, und niemand hatte sich darum gekümmert.

Das wirkliche Ausmaß der Zerstörung wurde nur langsam sichtbar. Das Überleben hing davon ab, dass der Wiederaufbau bis zum Einbruch des Winters erfolgreich vonstatten ging. Am Wichtigsten war die Reparatur des Elektrizitätswerks, weil die neu angekommenen Gefangenen immer mehr wurden und die Energieversorgung lebenswichtig war. Damit war auch der Weg des späteren Lebensablaufs im Lager eingeschlagen: Arbeit und Schlaf.

Das Theater wurde in großer Geschwindigkeit aufgebaut. Am 23. September 1923 wurde laut Širjaev das erste Theaterstück „Сокровище“ von Ivan Mjasnickij gezeigt. Er erinnert sich an die erstklassige Aufführung der leichten Komödie des Provinzakteurs Sergej Ivan Andreevič Armanov. Dieser großer Mann liebte die Kunst und konnte durch seine Leidenschaft die ganze Bühne einnehmen.

Zusammenfassung der Kapitel

Eine kurze Geschichte der sowjetischen Besserungsarbeitslager: Beschreibt die Entstehung des sowjetischen Lagersystems von den Anfängen nach der Oktoberrevolution bis hin zur Etablierung als wirtschaftlicher Faktor unter Stalin.

Das sowjetische Arbeitsbesserungsrecht am Anfang der zwanziger Jahren: Erläutert die theoretischen Grundlagen des sowjetischen Strafvollzugs, der den Fokus von der bloßen Bestrafung auf eine ideologisch begründete Umerziehung verlagerte.

Die Geschichte der Solovecki-Inseln bis zur Gründung der nördlichen Sonderlager: Analysiert die Entwicklung der Solovecki-Inseln vom religiösen Kloster zur ersten dauerhaften Einrichtung des sowjetischen Lagersystems.

Die Lagerpresse: Untersucht die Bedeutung lagerinterner Zeitungen und Journalen als kulturelles Medium und ihre personelle Verflechtung mit den Theatergruppen.

Das Theater auf den Solovecki-Inseln: Die Erste Abteilung: Dokumentiert den schnellen Aufbau und das erste künstlerische Programm des Lagertheaters unter schwierigen Bedingungen.

Das Theater in Kem': Beschreibt die Herausforderungen des Theaters nach der Verlegung auf das Festland und den steigenden Druck durch industrielle Anforderungen.

Lagerschauspieler in der Zeit des Großen Terrors: Beleuchtet die Zäsur im künstlerischen Leben durch die Säuberungswellen der 1930er Jahre und den Verlust der intellektuellen Elite.

Das Theater beim Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals: Analysiert die propagandistische Instrumentalisierung des Theaters während der prestigeträchtigen Kanalbauprojekte.

Conclusio: Fasst zusammen, dass das Theater trotz der propagandistischen Instrumentalisierung primär der psychologischen Ablenkung sowohl für die Häftlinge als auch für die Lagerverwaltung diente.

Ausblick: Reflektiert über den aktuellen Forschungsstand und weist auf Defizite in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Rolle von Frauen in den Lagertheatern hin.

Schlüsselwörter

GULAG, Solovecki-Inseln, Sowjetunion, Lagerverwaltung, Umerziehung, Zwangsarbeit, Lagertheater, Lagerpresse, Weißmeer-Ostsee-Kanal, Großer Terror, Politische Gefangene, Kriminelle, Umschmiedung, Kultur, Strafvollzug

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion, Entstehung und Entwicklung des Theaters in sowjetischen Arbeitsbesserungslagern, insbesondere auf den Solovecki-Inseln, während der 1920er und 1930er Jahre.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Geschichte der Gulags, die Rolle der Kultur als Mittel der Umerziehung und Überlebensstrategie der Häftlinge sowie die Instrumentalisierung von Kunst durch die Lagerverwaltung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, zu erörtern, ob die Theateraufführungen tatsächlich der ideologischen Umerziehung dienten oder ob die Lagerverwaltung primär eigene Interessen verfolgte und welche Bedeutung dies für die inhaftierten Schauspieler hatte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung von lagerinternen Zeitungen, Zeitschriften sowie Erinnerungsliteratur von Häftlingen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Fallbeispiele, darunter das Theater der ersten Abteilung auf den Solovecki-Inseln, das Theater in Kem' und das Theater beim Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

GULAG, Solovecki-Inseln, Umerziehung, Zwangsarbeit, Lagertheater, Lagerpresse, Weißmeer-Ostsee-Kanal und Großer Terror.

Welche Bedeutung hatte das Theater für die Lagerverwaltung?

Es diente als propagandistisches Aushängeschild nach außen, um eine „Humanisierung“ des Strafvollzugs vorzutäuschen, und bot der Lagerverwaltung gleichzeitig Unterhaltung im tristen Lageralltag.

Warum war das Theater für die Häftlinge überlebenswichtig?

Die Teilnahme am Theater befreite die Häftlinge oft von der harten körperlichen Arbeit, bot einen Schutzraum für geistigen Austausch und ermöglichte eine psychologische Flucht aus der unmenschlichen Lagerwirklichkeit.

Excerpt out of 140 pages  - scroll top

Details

Title
Häftlinge als Schauspieler: Das Theater in den sowjetischen Arbeitslagern der 1920er und 1930er Jahre
College
University of Vienna  (Institut für Slawistik)
Grade
1
Author
Stefan Klatev (Author)
Publication Year
2013
Pages
140
Catalog Number
V281647
ISBN (eBook)
9783656755746
ISBN (Book)
9783656755753
Language
German
Tags
Soviet Union Russia GULAG Concentration camps Working camps Stalin Solovki theatre Theater Häftlinge
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Klatev (Author), 2013, Häftlinge als Schauspieler: Das Theater in den sowjetischen Arbeitslagern der 1920er und 1930er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281647
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  140  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint