Die Musik im Film "Die Rote Violine"

Eine musikalische Analyse


Seminararbeit, 2013

8 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Die Musik im Film „Die rote Violine“

Die Musik im Film „Die rote Violine“ stammt von dem New Yorker Komponisten John Corigliano (geboren 1938 in New York City). Er ist in einer Familie aufgewachsen, in der Musik immer eine große Rolle spielte, da sowohl seine Mutter, als auch sein Vater Berufsmusiker waren. Die Filmmusik für „Die rote Violine“ war für ihn eine besondere Arbeit, da Corigliano eigentlich besser bekannt ist für seine Orchesterwerke und Konzerte. Doch genau das war für ihn der Reiz das Angebot, die Filmmusik für „Die rote Violine“ zu schreiben, anzunehmen: Der Produzent bot ihm an, ein Stück für Orchester und Solo Violine zu schreiben. Daraus entstanden dann eine Chaconne und die Red Violin Caprices, jeweils für Orchester und Solo Violine, woraus sich die Musik im Film ableiten lässt.

Der Geiger Joshua Bell spielte alle Stellen im Film für Solo Violine auf seiner Stradivari ein, begleitet von dem Philharmonia Orchestera unter der Leitung von Esa-Pekka Salonen. Der Anspruch an die Qualität der Filmmusik war also hoch. Um Bells Virtuosität voll ausschöpfen und gezielt einsetzen zu können, arbeitete Corigliano eng mit dem Solo-Geiger zusammen an der Komposition. Für seine Filmmusik wurde John Corigliano im Jahr 2000 mit einem Oscar ausgezeichnet.

Zusätzliche Musik im Film, wie zum Beispiel die der Szene im Waisenhaus, wenn die Geschichte der Weitergabe der roten Violine von Kind zu Kind beginnt, stammt von André-Ernest-Modeste Grétry, einem belgisch-französischem Komponisten. Er lebte in der Zeit von 1741-1813 und schreib unter anderem einige Opern, aber auch Streichquartette. Mit Grétry war also ein Komponist gefunden, der etwa in dem Zeitraum gelebt hatte, in dem Kaspar Weiss im Film nach Wien gebracht wurde (1793). Die Reise nach Wien ist somit auch ein bildlicher Übergang in eine neue musikalische Epoche: Mit Bachs Tod 1750 legt man in etwa das Ende der Barockzeit fest und kann dann von der Epoche der Wiener Klassik sprechen.

Für die Komposition der Filmmusik musste John Corigliano umgekehrt vorgehen: Bevor der Film gedreht werden konnte, musste die Musik schon bestehen, da sie der zentrale Bestandteil des Films ist. Die eigentliche Vorgehensweise wär die Musik an den fertigen Film anzulegen.

So schrieb Corigliano zunächst ein eingängiges Thema, aus dem er dann mehrere Variationen komponierte, die das Thema dem Charakter der jeweiligen Situation im Film angepasst und somit in Form und Harmonik variiert: „The Red Violin Caprices“. In seinen Capricen ahmt er treffsicher bestimmte Musikstile zeitlich authentisch nach und baut so geschickt aus einem Thema die gesamte Filmmusik. Auf die Capricen soll später noch genauer eingegangen werden.

Neben den Capricen komponierte Corigliano eine Chaconne für Solo Violine und Orchester, die sich ebenfalls aus dem gleichen Thema ableitet. Die Chaconne bezieht sich auf das Legen der Tarot-Karten, sprich auf die Rahmenhandlung dieses Episodenfilms. Die Rückblenden spielen jeweils in Cremona zu der Zeit, in der Anna schwanger war, Angst vor der Geburt ihres Kindes hatte und sich deshalb von einer alten Frau die Karten legen ließ.

Über die geschickte Kompositionskunst Coriglianos hat Christoph Schlüren, ein Dirigent und Coach für Solisten, folgendes gesagt:

„[...] am meisten fasziniert mich seine Fähigkeit, die Form zu beherrschen. Von daher versteht er auch jeden Stil und kann sich frei darin bewegen, ohne den geringsten Makel, egal ob Barock, Klassik oder Virtuosenromantik. Er ist heute einer der wenigen Komponisten auf einem so hohen Niveau. Und wenn er atonale Klänge benutzt, dann geschieht das 'aus tonalen Gründen'. Das geht zurück auf Mahler, auf dessen zerreißende formale Expansion. Tonalität gehört doch dazu, die hält es zusammen. So kommt sein Können mehr noch als in der Filmmusik in der Chaconne zum Tragen, in der Konzentration auf die zusammenhängend erlebte Großform.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Musik im Film "Die Rote Violine"
Untertitel
Eine musikalische Analyse
Hochschule
Universität Wien  (Theater-, Film- und Medienwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
8
Katalognummer
V281674
ISBN (eBook)
9783656762430
ISBN (Buch)
9783656762454
Dateigröße
696 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filmusik, Die rote Violine
Arbeit zitieren
Marie Johannsen (Autor), 2013, Die Musik im Film "Die Rote Violine", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281674

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Musik im Film "Die Rote Violine"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden