Einleitung
Die folgende Ausarbeitung des Referates „Sterbebegleitung bei Kindern – Kinderhospize in Deutschland“ hat das Ziel, die Idee der Hospizbewegung im Allgemeinen und die Bedeutung der Hospize für Kinder im Besonderen darzustellen.
In Deutschland sterben täglich Kinder an Krankheiten, durch Unfälle oder aufgrund einer bestehenden Behinderung. Viele Eltern sind mit der Aufgabe, ihre Kinder zu Hause in ihren letzten Tagen oder Wochen zu begleiten, überfordert. Sie stehen oftmals alleine da und erhalten keine adäquate Hilfe von aussen. Oft bleibt daher die letzte Möglichkeit, die Kinder in der Obhut eines Krankenhauses sterben zu lassen. Wie jedoch viele Erwachsene so möchten auch die meisten Kinder in der ihnen vertrauten Umgebung ihre letzte Lebenszeit verbringen. Um ihnen dies ermöglichen zu können, ist es unabdingbar, dass sich die Hospizbewegung vermehrt auch dieser Gruppe zuwendet. Denn gerade hier bestehen noch viele gesellschaftliche Tabugrenzen, die es zu überwinden gilt. In unserer Arbeit möchten wir einen groben Einblick liefern, wie dies geschehen kann.
Wir werden hierzu zunächst einmal klären, was der Begriff „Hospiz“ beinhaltet, wie er sich im Laufe der Geschichte entwickelt hat und welches die grundlegenden Gedanken der Bewegung sind. Danach folgt als konkretes Beispiel für ein Kinderhospiz, die Vorstellung des Hospizes „Haus Balthasar“ in Olpe. Neben der Beschreibung der Einrichtung werden wir auch eine Familie vorstellen, die häufiger Gast in diesem Haus ist.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hospiz – eine Begriffsklärung
3 Geschichte der Hospizbewegung
3.1 Hospize in den letzten 2000 Jahren
3.2 St.Christopher
4 Grundgedanken und Leitbilder der Hospizbewegung
4.1 Sterben heute - ein Tabuthema der Gesellschaft
4.2 Die vier Dimensionen des Lebens
4.3 Der Tod als natürlicher Bestandteil im Leben
4.4 Die Grundelemente eines Hospizprogramms
4.5 Aufnahmekriterien in ein Hospiz
4.6 Organisationsformen des Hospizes
5 Kinderhospize
5.1 Geschichte und Entstehung der Kinderhospize
5.2.1 Kinderhospiz Balthasar - das erste Deutsche Kinderhospiz
5.2.2 Die Gäste
6 Schlusswort
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, das Konzept der Hospizbewegung im Allgemeinen sowie deren spezifische Bedeutung und Umsetzung für die Sterbebegleitung bei Kindern in Deutschland aufzuzeigen. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie ein humaner Umgang mit dem Sterben in einer Gesellschaft, die dieses Thema oft tabuisiert, durch Hospizstrukturen gelingen kann.
- Historische Entwicklung der Hospizbewegung über die letzten 2000 Jahre.
- Erarbeitung der Grundgedanken und Leitbilder sowie der Dimensionen des Lebens bei der Sterbebegleitung.
- Strukturelle Analyse von Hospizprogrammen und deren Aufnahmekriterien.
- Darstellung der Kinderhospizarbeit am Beispiel des "Haus Balthasar" in Olpe.
Auszug aus dem Buch
5.2.2 Die Gäste
Spazieren gehen, einfach nur laufen, stundenlang. Den Kopf völlig leer, Vakuum im Hirn. Nichts sagen, nichts denken, nur laufen. ‚ Das ist wie Weihnachten und Ostern auf eine Tag‘, sagt Else Schmitz. Sie sitzt am Mittagstisch und erzählt von heute Morgen, als sie durch den Wald zur Talsperre gegangen ist. Da habe sie es tatsächlich wieder einmal geschafft, den Kopf frei zu kriegen, schwärmt sie: ‚Ich habe nur nicht gewusst, wo ich mit meinen Händen hin soll.‘ Die Hände nämlich hat sie normalerweise bei ihrem 15-jährigen Sohn Michael (KSTA, Nr.101, 2000, S. 3).
Michael ist häufig zu Gast im Haus Balthasar. Der 15-jährige Junge leidet unter GM1-Gangliosidose, einer unheilbaren Stoffwechselkrankheit, die das zentrale Nervensystem beeinträchtigt und bereits in frühen Jahren zum Tode führen kann.
Seit der Diagnose im Jahre 1994 hat Michael stark abgebaut und die Belastung für die gesamte Familie wird immer grösser. Michael kann nicht mehr laufen, hat seine Fähigkeit zu sprechen verloren und benötigt bei allen Dingen des täglichen Lebens Hilfe. Diese Hilfe bekam er bislang allein durch seine Familie, d.h. durch Herrn und Frau Schmitz, so wie durch seinen zwei Jahre älteren Bruder Christian.
Die Eröffnung des Hospizes bedeutete für die ganze Familie eine enorme Entlastung. Gerade in der Ferienzeit, wenn Michael nicht in die Schule gehen kann, bietet Haus Balthasar ein Möglichkeit, hier Erholung zu finden. Michael wird gut umsorgt und die Eltern haben endlich mal Zeit für sich und auch ihren älteren Sohn, der sonst häufig hinter Michaels Bedürfnissen zurück treten musste. Sie finden hier ähnlich Betroffene, mit denen sie sich austauschen können, die sie verstehen. Es wird ihnen Verständnis für ihre Situation entgegengebracht und Hilfe angeboten. Diese Hilfe kann sowohl vom qualifizierten Personal der Einrichtung als auch von anderen Eltern kommen, die durch persönliche Erfahrungen, reich an Ideen geworden sind, wie zum Beispiel bestimmte Probleme zu bewältigen sind.
All dies macht das Hospiz für Familie Schmitz zu einem Rückzugsort, den sie noch oft gemeinsam mit Michael aufsuchen möchten und an dem er irgendwann einmal auch seine letzten Lebenstage verbringen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Idee der Hospizbewegung und die besondere Relevanz der Sterbebegleitung für Kinder darzustellen.
2 Hospiz – eine Begriffsklärung: Dieses Kapitel erläutert die sprachliche und inhaltliche Herkunft des Begriffs "Hospiz" und grenzt diesen von traditionellen Krankenhauskonzepten ab.
3 Geschichte der Hospizbewegung: Hier wird die historische Entwicklung der Hospizbewegung seit dem 4. Jahrhundert bis hin zum modernen St. Christopher's Hospice beleuchtet.
4 Grundgedanken und Leitbilder der Hospizbewegung: Dieses Kapitel behandelt zentrale Themen wie Sterben als Tabuthema, die vier Dimensionen des Lebens und die essenziellen Grundelemente eines Hospizprogramms.
5 Kinderhospize: Es wird die spezielle Notwendigkeit von Kinderhospizen dargelegt und das "Haus Balthasar" in Olpe als praktisches Beispiel eingeführt.
6 Schlusswort: Das Fazit unterstreicht die Bedeutung der Hospizarbeit und fordert eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben in der Lehrerbildung.
7 Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit verwendeten Quellen, Fachbücher und Zeitschriftenartikel.
Schlüsselwörter
Hospizbewegung, Sterbebegleitung, Kinderhospiz, Haus Balthasar, Palliativmedizin, Hospizprogramm, Lebensbilanz, Sterben, Tod, Tabuthema, ganzheitliche Betreuung, Trauerarbeit, unheilbare Krankheit, interdisziplinäres Team, Kindeswohl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Hospizbewegung und deren zentralem Anliegen, sterbenden Menschen, insbesondere Kindern, ein würdevolles Umfeld zu schaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten gehören die historische Entwicklung der Hospizbewegung, die ethischen und psychologischen Dimensionen des Lebensendes sowie die organisatorischen Aspekte der Hospizarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Idee der Hospizbewegung zu erläutern und aufzuzeigen, wie durch eine ganzheitliche Betreuung ein menschenwürdiges Sterben ermöglicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die geschichtliche Daten und existierende Konzepte der Hospizbewegung theoretisch aufbereitet und mit einem praktischen Fallbeispiel verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Erläuterung der Grundpfeiler eines Hospizprogramms und eine detaillierte Vorstellung der Kinderhospiz-Situation in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text am besten?
Zentrale Begriffe sind Hospizbewegung, Kinderhospiz, Sterbebegleitung, ganzheitliche Betreuung, Palliativmedizin und interdisziplinäre Teamarbeit.
Was zeichnet das Kinderhospiz "Haus Balthasar" besonders aus?
Es ist das erste deutsche Kinderhospiz, das ein ganzheitliches Betreuungskonzept für die gesamte Familie anbietet und durch eine Mischung aus Pflegesätzen und Spenden finanziert wird.
Wie unterscheidet sich die Betreuung im Kinderhospiz von der in Erwachsenenhospizen?
Während die Grundprinzipien ähnlich sind, wird im Kinderhospiz ein besonderer Fokus auf die Bedürfnisse der gesamten Familie sowie der Geschwisterkinder gelegt.
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- Catrin Schmitz (Author), 2000, Sterbebegleitung bei Kindern - Kinderhospize in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2817