Chinesische Einwanderer in Neuseeland. Isolation oder Integration?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Neuseeland - eine bikulturelle Nation?

2 Historischer Überblick zur Einwanderung mit Fokus auf China als Her- kunftsland
2.1 Erste Immigration: Diskriminierung und Bande zum Mutterland (1860er bis 1940)
2.2 Assimilationsdruck und Isolation (nach 1950)
2.3 Integration der ethnischen Identität in Immigrationsdiskurse (ab 1980er)

3 Identitätsstiftende Einfl üsse auf und durch Chinese New Zealanders
3.1 transnationale Bindungen und ökonomische Implikationen
3.2 Positionierung innerhalb der neuseeländischen Bevölkerung

4 ”One country, many peoples”- heutiger Diskurs um Multikulturalität in Neuseeland

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung: Neuseeland - eine bikulturelle Nation?

”Kiaora!WillkommeninNeuseeland!”(newzealand.com)Nichtnurimtouristischen Kontext, dem diese zweisprachige Begrüßung entnommen ist, wird ein Bild von Neu- seeland kultiviert, das neben den englischsprachigen Pakeha mit der Exotik der indigenen Maori wirbt.

Rein historisch gesehen war diese Aufteilung bei der Besiedlung Neuseelands An- fang des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts das erklärte Ziel. Es sollte eine Art ”better Britain”geschaffen werden (Sinclair 1986: 79), deren Siedler besten- falls angelsächsischer Herkunft und damit idealtypische Weiße waren. Als eigentli- ches Gründungsdokument dieser entstehenden Nation wird häufig der 1840 unter- schriebene Vertrag von Waitangi angeführt, der auch heute noch für manche als Beleg der fundamentalen Bikulturalität der Nation aus Maori und Pakeha, also Nicht-Maori, dient.

In der Realität gestaltet sich die Identitätskonstruktion Neuseelands wesentlich komplexer, als dieses dualistische Prinzip suggerieren mag. Nicht erst durch den sprunghaften Anstieg primär asiatischer Immigranten Ende des 20. Jahrhunderts wur- de die Bevölkerungskomposition innerhalb weniger Jahre dramatisch verändert. Be- reits viele Jahre zuvor galt es, in Politik, Alltag und Identitätsdiskursen die Einflüsse, welche die Anwesenheit von Immigranten anderer Herkunftsländer als Großbritanni- en mit sich brachte, auszuhandeln.

Die vorliegende Arbeit soll mit Fokus auf die Chinesen, als eine der wichtigsten anderen Bevölkerungsgruppen, einen ersten Eindruck verschaffen, welche Mechanis- men der Integration und Isolation in Gang traten und treten, wenn es um die Aushand- lung sowohl der eigenen wie auch der neuseeländischen Identität als Ganzes geht.

Um die Relevanz und Ausmaße der chinesischen Immigration im Verlauf der Ge- schichte besser abschätzen und einordnen zu können, dient der erste Teil der vorlie- genden Arbeit als ein historischer Überblick. Im zweiten Teil werden einige Aspekte untersucht, welche für die Aushandlung der eigenen Identität der Einwanderer zum Tragen kommen. Dazu zählen einerseits die transnationalen Bindungen zum Mutter- land, als auch die zugrunde liegenden ökonomischen Verflechtungen von Neuseeland und Asien insgesamt. Gerade der zweite Punkt geht in den letzten Abschnitt über, in dem eruiert werden soll, wie sich die Chinesen innerhalb der neuseeländischen Bevölkerung positionieren und wie beispielsweise die Beziehung zu den Maori charakterisiert werden kann. Der Schluss dient als eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und als Ausblick zu dem komplexen Aushandlungsprozess um Multikulturalität in Neuseeland.

2 Historischer Überblick zur Einwanderung mit Fo kus auf China als Herkunftsland

Die Geschichte der Besiedlung Neuseelands ist in mehr als nur einer Hinsicht als außergewöhnlich zu bewerten: einerseits mit Hinblick auf den sehr späten Zeitpunkt seiner Entdeckung und Besiedlung, welche durch staatliche Unterstützung bei der Überfahrtusw.erstum1840anBedeutunggewann (Ministry for Culture and Heritage 2013). Andererseits verfügte es bis nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund der jahre- lang aufrecht erhaltenen Immigrationsrestriktionen über eine der homogensten Sied- lergesellschaften überhaupt (Dürr 2010: 36 und Greif 1995: 36)), die sich primär aus Großbritannien speiste. Auch das Selbstverständnis der Siedler blieb auf das Mutter- land ausgerichtet und spiegelte sich in dem Umgang mit anderen Immigranten wider, welche Neuseeland in weit geringerem Ausmaß erreichten (Phillips 2013). Zu einer dieser Gruppen sind die Chinesen zu rechnen, welche in der heutigen Bevölkerungs- struktur mittlerweile die zentrale Position nach den Siedlern britischer Herkunft und den Maori einnehmen.

Wie sich der Umgang mit diesen Immigranten im Laufe der Geschichte wandel- te, sich in Einwanderungsgesetzen und dem Formieren eines Nationalgefühls nieder- schlug sowie Identitätsdiskurse beeinflusste, soll nun in den folgenden Abschnitten erläutert werden.

2.1 Erste Immigration: Diskriminierung und Bande zum Mutter land (1860er bis 1940)

Der Ursprung erster nennenswerter chinesischer Immigration steht in engem Zusam- menhang mit den Goldfunden 1861 in Otago , die die offiziell ausgesprochene Einla- dung der Dunedin Chamber of Commerce an chinesische Goldgräber mit sich brachte (Ip 2003: 96; Greif 1995: 24 und Dürr 2010: 36). Nach anfänglich recht positiver Aufnahme begann die Stimmung in der Bevölkerung mit dem Ende des Goldrausches und der Verschlechterung der wirtschaftlichen Gesamtsituation zu Ungunsten der Neuankömmlinge zu kippen und sich teilweise gar gewaltsam zu entladen. Dies wurde auf empfundenen Wettbewerb mit den Chinesen zurückgeführt, die sich tatsächlich in ökonomischen Nischen meist selbstständig als Gemüsegärtner und Wäschereibesitzer betätigten (Liu, McCreanor, McIntosh und Teaiwa 2005: 177).

Die Aversionen gipfelten 1881 in der Einführung einer ”poll tax”, sprich einer Kopfsteuer, speziell für chinesische Immigranten, wodurch deren Anzahl in Neusee land drastisch gesenkt werden sollte. Hintergrund dieser Maßnahmen ist die auf ”Ras- senkategorisierung”basierende inoffizielle ”White New Zealand Policy”, welche für viele Jahrzehnte den öffentlichen Diskurs beherrschen und Rassismus schüren sollte, da ”for most New Zealanders, a sense of belonging was tied to ’whiteness‘”(2005: 144 nach Murphy 2003). Die damit zu erzielende Bewahrung einer ”reinenRas- se”britischer Herkunft (Božić 2003: 304) äußerte sich auch in der Stigmatisierung der Chinesen als ”Yellow Peril”, also als ”gelbeGefahr”,fürdieidealtypischeneu- seeländische Bevölkerung (Liu, McCreanor, McIntosh und Teaiwa 2005: 26 f).

In Zusammenhang mit ihren vorherigen Berufen als Goldgräber und den in die- ser Zeit vorherrschenden Stereotypen wurden die Chinesen als durchweg verderblich aufgefasst: sie seien unsauber, Überträger von Krankheiten und dem Glücksspiel so- wie Opium verfallen (Dürr 2010: 41 und Greif 1995: 25). Der Umstand, dass viele der vorwiegend männlichen Chinesen Geldsendungen an die Zurückgebliebenen nach China tätigten, verlieh dem Vorurteil, sie würden die Wirtschaft schwächen, weitere Tragweite.

Innerhalb der chinesischen Gemeinde wurde der Aufenthalt in Neuseeland im Ide- alfall als nur temporär angesehen, der Zweck rein wirtschaftlich definiert und als End- ziel die Rückkehr ins Mutterland China angestrebt, dem die eigentliche Loyalität und damit auch Identität zugeordnet wurde (Liu, McCreanor, McIntosh und Teaiwa 2005: 177ff). Obwohl sich anders als in anderen Ländern aufgrund der räumlichen Distan- zen keine Chinatowns entwickelten, so formierten sich doch Hilfsorganisationen und quasi-politische Allianzen, wie die Chee Kung Tong, die diesen internen Zusammen- halt widerspiegelten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Chinesische Einwanderer in Neuseeland. Isolation oder Integration?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Kulturen und Identitäten in Aotearoa Neuseeland
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V281949
ISBN (eBook)
9783656765455
ISBN (Buch)
9783656765486
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neuseeland, Einwanderer, Isolation, Integration
Arbeit zitieren
Verena Knerich (Autor), 2014, Chinesische Einwanderer in Neuseeland. Isolation oder Integration?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281949

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