Multi-Ownership als Finanzierungsinstrument der österreichischen Hotellerie


Masterarbeit, 2013

123 Seiten, Note: 2


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

II. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

III. TABELLENVERZEICHNIS

IV. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG
1.1. Ausgangslage
1.2. problemstellung
1.3. Zielsetzung
1.4. Forschungsleitende Frage
1.5. Methodisches Vorgehen
1.6. Struktur der Arbeit

2. GRUNDLAGEN DER FINANZIERUNG
2.1. Begriffsbestimmung Finanzierung
2.2. Begriffsbestimmung Kapital
2.2.1. Eigenkapital
2.2.2. Fremdkapital
2.2.3. Abgrenzung Eigen- und Fremdkapital
2.3. Finanzwirtschaftliche Ziele
2.3.1. Rentabilität
2.3.2. Liquidität
2.3.3. Sicherheit
2.3.4. Unabhängigkeit
2.3.5. Mobilität
2.3.6. Wertorientierte Ziele
2.4. Finanzwirtschaftliche Aufgaben
2.4.1. Kapitalbedarfsermittlung
2.4.2. Kapitalbeschaffung
2.4.3. Kapitalverwendung
2.4.4. Kapital- und Vermögensstrukturierung

3. FINANZIERUNG IN DER ÖSTERREICHISCHEN HOTELLERIE
3.1. Begriffsbestimmung Hotellerie
3.2. Besonderheiten der touristischen Dienstleistung
3.3. Die österreichische Hotellerie
3.4. Einteilung der Hotellerie
3.4.1. Ketten- und Individualhotellerie
3.4.2. Klassifikation nach Angebots- und Qualitätskategorien
3.5. Finanzierung in der Hotellerie
3.5.1. Finanzierungsinstrumente der Hotellerie
3.5.1.1. Innenfinanzierung
3.5.1.2. Außenfinanzierung
3.5.1.3. Mezzanine-Finanzierung
3.5.2. Kapitalstruktur
3.5.2.1. Eigenkapitalquote
3.5.2.2. Anlagenintensität
3.5.3. Rentabilität
3.5.3.1. Gesamtkapitalrentabilität
3.5.3.2. Eigenkapitalrentabilität
3.5.3.3. Umsatzrentabilität
3.5.4. Liquidität
3.5.4.1. Dynamischer Verschuldungsgrad
3.5.4.1. Cashflow
3.6. Finanzierungsproblematik der Hotellerie
3.6.1. Hintergründe und Einführung von Basel I - III
3.6.2. Der Ratingprozess
3.6.3. Konsequenzen für die Hotellerie
3.6.4. Anforderungen an die Hotellerie
3.7. Fazit

4. MULTI-OWNERSHIp
4.1. Begriffsbestimmung
4.2. Herkunft und Marktentwicklung
4.3. Formen des Multi-Ownerships
4.3.1. Contractual Timeshare
4.3.2. Deeded Title Timeshare
4.3.3. Undivided Title Interests
4.4. Immobilienmanagement in der Hotellerie
4.4.1. Besonderheiten der Immobilie
4.4.2. Besonderheiten der Hotelimmobilie
4.4.3. Hotel Asset Management
4.5. Hybride Beherbergungsbetriebe
4.6. Rechtliche Grundlagen
4.7. Motive der Vertragsparteien
4.8. Multi-Ownership als Finanzierungmodell
4.8.1. Vertrauenswürdigkeit
4.8.2. Vertrieb und Weiterverkauf
4.8.3. Kosten
4.8.4. Kettenhotellerie versus Individualhotellerie
4.9. Fazit

5. EMpIRISCHER TEIL
5.1. Methodik
5.1.1. Qualitative Forschung – Experteninterviews
5.1.2. Eignung und Begründung der Wahl
5.1.3. Methodenkritik
5.2. Forschungsdesign
5.2.1. Ziel der Untersuchung
5.2.2. Datenerhebung
5.2.3. Expertenauswahl
5.3. Forschungsergebnisse
5.3.1. Auswertungsmethode
5.3.2. Darstellung der Ergebnisse
5.3.3. Interpretation der Forschungsergebnisse
5.4. Limitationen der empirischen Untersuchung

6. ANFORDERUNGSKATALOG

7. KONKLUSION
7.1. Schlussbetrachtung
7.2. Ausblick

V. BIBLIOGRApHIE

VI. ANHANG A

II. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Begriffsausweitung Finanzierung

Abbildung 2: Hauptpositionen einer Bilanz.

Abbildung 3: Du-pont-Schema.

Abbildung 4: Schematisierter Wirkungszusammenhang zw. Gewinn u. Liquidität..

Abbildung 5: Entwicklung des Kapitalbedarfs

Abbildung 6: Systematik von Innen- und Außenfinanzierung

Abbildung 7: Finanzierungsregeln

Abbildung 8: Unterschiedliche Auffassungen der goldenen Bilanzregel

Abbildung 9: Verteilung der Nächtigungen in Österreich auf die Unterkunftsarten

Abbildung 10: Entwicklung der Klassifizierung in der österreichischen Hotellerie

Abbildung 11: Kapitalstruktur der 4/5-Sterne-Hotellerie in Österreich 2011.

Abbildung 12: Eigenkapitalanteil der österreichischen Wirtschaftssparten

Abbildung 13: Eigenkapitalquote der österreichischen Hotellerie

Abbildung 14: Anlagenintensität im Branchenvergleich

Abbildung 15: Break-Even-Kurve

Abbildung 16: Return on Assets (ROA) der österreichischen Hotellerie.

Abbildung 17: Return on Equity (ROE) im Branchenvergleich

Abbildung 18: Umsatzrentabilität (GOp in prozent zum Umsatz) Hotellerie

Abbildung 19: Umsatzrentabilität nach Finanzergebnis im Branchenvergleich

Abbildung 20: Fiktive Schuldentilgungsdauer der österreichischen Hotellerie

Abbildung 21: Entwicklung des Cashflows nach Zinsen und 3-Monats-Euribor

Abbildung 22: Spektrum der unterschiedlichen Arten des Multi-Ownership

Abbildung 23: Arten des Timesharings

Abbildung 24: Strukturierungsmodell der hybriden Beherbergungsformen.

Abbildung 25: Hybride Beherbergungsformen

Abbildung 26: Struktur empirischer sozialwissenschaftlicher Forschungsprozesse.

Abbildung 27: prozess der induktiven Kategorienbildung

Abbildung 28: Word Cloud – Multi-Ownership

III. TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Differenzierungsmerkmale von Eigenkapital und Fremdkapital

Tabelle 2: Rentabilitätskennzahlen im Überblick

Tabelle 3: Liquiditätskennzahlen

Tabelle 4: Investitionsrechenarten

Tabelle 5: Differenzierung der Beherbergungsbetriebe

Tabelle 6: Auszüge der Hotelklassifizierung

Tabelle 7: Ratingklassen

Tabelle 8: Multi-Ownership-Definitionen

Tabelle 9: Zusammenfassende Differenzierung der Multi-Ownership-Modelle

Tabelle 10: Kategoriensystem

Tabelle 11: Auswertung: Kategorie: Allgemeine Aussagen

Tabelle 12: Auswertung: Kategorie: Marke.

Tabelle 13: Auswertung: Kategorie: Standort

Tabelle 14: Auswertung: Kategorie: Finanzierung

Tabelle 15: Auswertung: Kategorie: Vertrieb

Tabelle 16: Auswertung: Kategorie: Dienstleistung/Servicierung

Tabelle 17: Auswertung: Kategorie: Kompetenzen.

Tabelle 18: Auswertung: Kategorie: Immobilie.

Tabelle 19: Auswertung: Kategorie: Rechtliche Gestaltung.

Tabelle 20: Auswertung: Kategorie: Motiv des Käufers.

Tabelle 21: Auswertung: Kategorie: Ketten- versus Individualhotellerie

Tabelle 22: Auswertung: Kategorie: Destinationsentwicklung

Tabelle 23: Auswertung: Kategorie: Verhältnis Anteilseigner/Hotelier

Tabelle 24: Auswertung: Kategorie: Betriebsgröße.

Tabelle 25: Auswertung: Erfolgsfaktoren für Multi-Ownership

Tabelle 26: Anforderungskatalog

IV. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINLEITUNG

1.1. Ausgangslage

Im österreichischen Tourismus wurde 2012 insgesamt ein direkter Wertschöpfungseffekt von 17 Mrd. Euro erzielt, damit erwirtschaftete diese Branche einen 5,5-prozentigen Anteil an der Gesamtwertschöpfung (BIp) (vgl. Statistik Austria, 2013a, online). Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft wird ebenso durch den Beschäftigungseffekt deutlich. Laut den Ergebnissen des TSA-Beschäftigungsmoduls (TSA-BM) waren im Jahr 2011 254.500 selbstständige und unselbstständige personen (gemessen in Vollzeitäquivalenten – VZÄ) im Tourismus tätig, was einem Anteil von 7,2 prozent aller Erwerbstätigen in Österreich entspricht (vgl. Statistik Austria, 2013c, online).

1.2. problemstellung

Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft, insbesondere die Hotellerie, ist tendenziell durch eine hohe Anlagenintensität sowie einer von der Auslastung unabhängigen Fixkosten-Intensität geprägt (vgl. Schumacher/Wiesinger, 2009, S. 4; Bieger/Laesser, 2007a, S. 169) und bringt dadurch besondere strukturelle Auswirkungen auf den Sektor mit sich. Das Betriebsvermögen der österreichischen Tourismusunternehmen ist zu 91 prozent durch Fremdkapital finanziert, wobei der Bankensektor mit 60 prozent die bedeutendste Fremdkapitalquelle darstellt (vgl. Wallner, 2008, S. 18). Zudem ist die Rentabilität von Hotelbetrieben aufgrund der hohen Errichtungs- sowie Betriebskosten im Vergleich zu anderen Branchen niedrig. Durch die geltenden Kapitaladäquanz-Richtlinien für Banken durch „Basel“ haben sich die Anforderungen an die Hotellerie verändert, da Banken ihre Konditionen aufgrund der Solvabilitätsverordnung (Verordnung über die angemessene Eigenmittelausstattung) verstärkt nach der Bonität ihrer Kunden differenzieren. Diese Entwicklung führt dazu, dass Kredite für kleine und mittlere Unternehmen in der Hotellerie erschwert zugänglich sind (vgl. Hartl, 2007, S. 150; Stadler, 2004, S. 14; Bernet/Bieger, 1999, S. 12f), da Banken sich verpflichten, entsprechend dem Risiko und der Eigenkapitalhinterlegung Zinszuschläge einzuberechnen. Dies führt zur deutlichen Verteuerung bzw. Nicht-Gewährung von Krediten an die Hotellerie (vgl. ÖHT, 2004, online). Eine gesunde Bilanzrelation zwischen Eigen- und Fremdkapital ist daher ausschlaggebend für die Bonität und somit Kapitalkosten eines jeden Unternehmens. Durch diese Entwicklung werden alternative Finanzierungsinstrumente zur Verbesserung der Eigenkapitalausstattung in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen (vgl. Hartl, 2007, S. 161).

Alternative Finanzierungsformen zum klassischen Bankkredit wurden in den letzten Jahren in Österreich vermehrt in Anspruch genommen, so ist der Bank-Finanzierungsanteil in den letzten Jahren reduziert und durch Eigenkapital- bzw. Leasingfinanzierung ersetzt worden. Alternative Finanzierungsinstrumente wie die Beteiligungsfinanzierung mit Eigenkapitalcharakter werden in der Branche genutzt, wobei weiteres potenzial besteht (vgl. Hartl, 2008, S. 43f). Im Bereich der alternativen Finanzierungsmodelle gibt es weiteren Forschungsbedarf, da in der Literatur bisher besonders über Multi-Ownership-Modelle und deren Anwendbarkeit auf die österreichische Hotellerie wenig diskutiert wurde.

1.3. Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, die problematik der Kapitalstruktur in der Hotellerie aufzugreifen und ein neues Instrument zur Verbesserung der Eigenkapitalbeschaffung vorzustellen. Der Autor geht hierbei auf das Multi-Ownership-Modell als alternatives Eigenkapital-Finanzierungs-Instrument ein und wird dessen Erfolgsfaktoren für die österreichische Hotellerie aufzeigen. Ein weiteres Ziel ist, basierend auf Theorie und Erkenntnissen der Experteninterviews, einen Anforderungskatalog für die praktische Anwendung des Modells zu erstellen.

1.4. Forschungsleitende Frage

Inwieweit stellt das Multi-Ownership-Modell ein geeignetes Instrument zur Eigenkapitalaufbringung in der Hotellerie dar?

1.5. Methodisches Vorgehen

In dieser Arbeit wird durch eine empirische Untersuchung die Frage geklärt, inwieweit das Multi-Ownership-Modell ein geeignetes Instrument für die Eigenkapitalaufbringung darstellt. Dafür werden Experteninterviews durchgeführt, um abschließend einen Anforderungskatalog erstellen zu können.

1.6. Struktur der Arbeit

Zu Beginn der Arbeit werden die Grundlagen der Finanzierung kurz dargestellt, um darauf basierend im dritten Kapitel die Finanzierung in der Hotellerie zu diskutieren. Dabei werden die Kapitalstruktur sowie unterschiedliche Kennzahlen beschrieben, jenen anderer Branchen gegenübergestellt und mit ihnen verglichen. Im dritten Kapitel wird insbesondere auf die Eigenhinterlegungsvorschriften von „Basel“ und deren Auswirkungen auf die Hotellerie eingegangen sowie Anforderungen an die Branche abgeleitet. Das dritte Kapitel wird umfangreich diskutiert, da der Autor es für notwendig erachtet, die Finanzierungsproblematik der Hotellerie sowie deren Ursachen und Zusammenhänge detailliert darzustellen. Dieser Teil der Arbeit soll für die Auswirkungen auf die Branche sensibilisieren und die Notwendigkeit alternativer Finanzierungsinstrumente verdeutlichen. Im vierten Kapitel wird zu Beginn der Begriff Multi-Ownership abgegrenzt und in weiterer Folge die unterschiedlichen Multi-Ownership-Modelle als alternativer Ansatz zur Eigenkapitalaufbringung vorgestellt. Zudem werden hybride Beherbergungsmodelle sowie die Themen Immobilienmanagement, rechtliche Grundlagen, Motive der Kunden, usw. diskutiert.

Im empirischen Teil werden teilstrukturierte Experteninterviews für die Beantwortung der Forschungsfrage herangezogen. Aufgrund des explorativen Charakters dieser Arbeit ist die intersubjektive Erfassung von Sinnzusammenhängen durch qualitative Forschung zielführender als durch quantitative Instrumente. Die zehn durchzuführenden Experteninterviews werden mit Bankexperten, Beratern, sowie Managern von Ketten- und Individualhotels geführt. Die Experteninterviews werden transkribiert und mittels Inhaltsanalyse induktive Kategorien gebildet, um so relevante Faktoren für die Anwendbarkeit von Multi-Ownership Modellen zu generieren. Die Erkenntnisse aus den Interviews dienen als Basis für die Erstellung eines Anforderungskataloges für die praktische Anwendung von Multi-Ownership in der Hotellerie.

2. GRUNDLAGEN DER FINANZIERUNG

Um eine allgemeine Grundlage für alle weiterführenden Kapitel zu schaffen, werden in dieser Arbeit zunächst die Grundlagen der Finanzierung kurz und übersichtlich beschrieben. Dabei werden notwendige Begriffsbestimmungen getroffen und finanzwirtschaftliche Ziele wie Rentabilität, Liquidität und Sicherheit diskutiert. Abschließend werden finanzwirtschaftliche Aufgaben der Kapitalbedarfs-Ermittlung,-Beschaffung, -Verwendung sowie -Strukturierung dargestellt.

2.1. Begriffsbestimmung Finanzierung

Weder in der Literatur noch in der praxis wird aufgrund der unterschiedlichen Ausdehnung des Finanzierungsbegriffes eine einheitliche Definition verwendet. Aus diesem Grund ist es für diese Arbeit zunächst notwendig den Begriff der Finanzierung klar abzugrenzen (vgl. Däumler/Grabe, 2008, S. 24).

Laut Schumacher und Wiesinger (vgl. 2009, S. 21f) umfasst der Finanzierungbegriff die Beschaffung und Bereitstellung von Geld- und Sachmitteln, welche für eine Investitionstätigkeit notwendig sind.

Köhler und Zöller (vgl. 2012, S. 24) dehnen den Begriff der Finanzierung aus und verstehen neben der Beschaffung und Bereitstellung von Kapital auch die Fremdkapitaltilgung und die Kapitalumschichtung als Teil der Begriffsdefinition.

Becker (vgl. 2010, S. 125) definiert den Finanzierungsbegriff im engeren Sinne als Beschaffung von Geld und geldwerten Gütern. Im weiter gefassten Begriff werden zusätzlich Umschichtung, Sicherung und Reduzierung von Kapital als Teil der Finanzierung betrachtet.

Vergleicht man diese drei Definitionen, so wird die Begriffsausweitung deutlich. Der Finanzierungsbegriff hat sich mit der Zeit weiterentwickelt, von einer relativ eng gefassten zu einer umfassenden Definition. In Abbildung 1 wird diese Begriffserweiterung dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Begriffsausweitung Finanzierung. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus Busse, 2003, S. 59.

Der Autor schließt sich der 4. Begriffserweiterung laut Busse an und definiert Finanzierung als unternehmenszielgerichtete Deckung von Kapitalbedarf. Durch diese weiter gefasste Begriffsdefinition werden sowohl die Aspekte der Kapitalbeschaffung und Kapitalabflüsse bzw. Tilgungen als auch die Kapitalstrukturpolitik impliziert. Unter unternehmenszielgerichteter Deckung von Kapital wird die liquiditäts- und rentabilitätsorientierte Gestaltung von Zahlungsströmen verstanden (vgl. Busse, 2003, S. 60).

2.2. Begriffsbestimmung Kapital

Kapital ist ein weitläufiger ökonomischer Begriff, welcher in der Literatur unterschiedlich definiert wird. Aufgrund des betriebswirtschaftlichen Themas dieser Arbeit wird auf die Definition von Geldkapital zurückgegriffen. Im Rahmen der Finanzierung lässt sich Geldkapital als monetärer Wert, der für Investitionszwecke bereitgestellt wird, definieren. Dieser Wert zeigt sich in der passivseite (Mittelherkunft) der Bilanz, wohingegen die Aktivseite die Mittelverwendung darstellt (vgl. Fischbach/Wollenberg, 2007, S. 40f). Abbildung 2 zeigt den Aufbau einer Bilanz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Hauptpositionen einer Bilanz. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus Däumler/Grabe, 2008, S. 28.

2.2.1. Eigenkapital

Da es sich beim Eigenkapital nicht um frei verfügbare Finanzierungsmittel (Eigenmittel) handelt, wird der Begriff in Finanzierungsfragen häufig missverstanden. Eigenkapital wird als reine bilanzielle Saldogröße definiert, welche die Differenz (Residualgröße) zwischen allen Vermögensgegenständen (Aktivseite der Bilanz) und dem Fremdkapital (passivseite der Bilanz) darstellt. Mit dieser rechnerischen Größe lässt sich somit nicht auf die tatsächlichen Eigenmittel bzw. liquiden Mittels schließen (vgl. Bitz/Stark, 2008, S. 218; Däumler/Grabe, 2008, S. 28).

Eigenkapital drückt primär den Grad der Stabilität des Unternehmens und somit die Fähigkeit, wirtschaftlich schwache perioden zu überstehen, aus. Eine Zunahme des Eigenkapitals indiziert aus Sicht der Gläubiger eine verbesserte Haftungssituation, da diese Größe einen Überschuss der Haftungsmasse und somit einen Indikator für Stabilität darstellt. Eine ausreichende Eigenkapitalquote ist neben anderen Faktoren aufgrund der Solvabilitätsverordnungen (Eigenkapitals-Hinterlegungspflicht für Banken lt. Basel) Grundlage für die Kreditwürdigkeit/Bonität eines Unternehmens. Durch eine erhöhte Eigenkapitalquote ergibt sich nicht nur eine bessere Bonität, sondern auch eine erhöhte Bereitschaft der Investoren, finanzielle Mittel bereitzustellen (vgl. Bitz/Stark, 2008, S. 218; Schumacher/Wiesinger, 2009, S. 32).

2.2.2. Fremdkapital

Unter Fremdkapital werden Ansprüche Dritter (Kapitalgeber) gegenüber dem Unternehmen (Kapitalnehmer) welche zu einem festgelegten späteren Zeitpunkt zu begleichen sind, verstanden (vgl. Däumler/Grabe, 2008, S. 28). Das Fremdkapital steht wie das Eigenkapital auf der passivseite einer Bilanz und stellt die gesamten Verbindlichkeiten eines Unternehmens dar (vgl. Feucht, 2001, S. 106).

2.2.3. Abgrenzung Eigen- und Fremdkapital

Um die Abgrenzung zwischen Eigen- und Fremdkapital zu verdeutlichen, werden die in der Literatur diskutierten Eigenschaften anhand folgender Tabelle dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Differenzierungsmerkmale von Eigenkapital und Fremdkapital. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus Busse, 2003, S. 40; platzer/Riess, 2004, S. 157; Leitinger et al., 2000, S. 64.

2.3. Finanzwirtschaftliche Ziele

Finanzwirtschaftliche Ziele werden von den allgemeinen Unternehmenszielen deduziert und somit im Sinne der Eigentümerinteressen gestaltet. Das grundlegendste und zugleich wichtigste finanzwirtschaftliche Ziel eines jeden Unternehmens ist die Existenzsicherung am Markt. Die finanzwirtschaftliche Absicherung wird durch Kenngrößen wie Rentabilität, Liquidität, Sicherheit, Unabhängigkeit und Mobilität gesteuert (vgl. Rehkugler, 2007, S. 14; Busse, 2003, S. 13).

2.3.1. Rentabilität

„Rentabilitätskennzahlen sind relative Kennzahlen, die eine Erfolgsgröße in Relation zum eingesetzten Kapital setzen.“ (Ewert/Wagenhofer, 2008, S. 526) Anders ausgedrückt stellt die Rentabilität die Verzinsung des im Unternehmen eingesetzten Kapitals dar. Die langfristige Rentabilitätsmaximierung wird sowohl in der Literatur als auch in der praxis als wichtigstes finanzwirtschaftliches Ziel bezeichnet (vgl. Becker, 2010, S. 9; Busse, 2003, S. 13f). Die wichtigsten Rentabilitätskennzahlen sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Rentabilitätskennzahlen im Überblick. Quelle: Busse, 2003, S. 14.

Die Aussagekraft der Rentabilitätskennzahlen wird oft kritisch betrachtet, da die aus der Gewinn- und Verlustrechnung und der Bilanz herangezogenen Werte aus bilanzpolitischen Gründen verfälscht sein können und somit nicht die tatsächliche Ertragskraft des Unternehmens darstellen (vgl. Becker, 2010, S. 10). Zudem ist es wichtig, bei Finanzierungsentscheidungen das Zusammenspiel zwischen Gesamt- und Eigenkapitalrentabilität unter Berücksichtigung des Leverage-Effekts zu verstehen. Der Leverage-Effekt beschreibt das prinzip der Erhöhung von Eigenkapitalrentabilität gegenüber der Gesamtkapitalrentabilität durch wachsende Verschuldung. Damit dieser Hebeleffekt (Leverage = Hebelkraft) eintritt, muss jedoch die Gesamtkapitalrentabilität höher sein als die Fremdkapitalkosten (vgl. Bieg/Kußmaul, 2012, S. 11; Groll, 2004, S. 34).

Der Return on Investment (ROI) ist eine beliebte und häufig verwendete Zielgröße zur Messung der Rendite und ähnelt sehr der Gesamtkapitalrentabilität. Wie in Abbildung 3 bereits dargestellt, drückt der ROI das Verhältnis von Gewinn (Jahresüberschuss + Zinsaufwand) zu Gesamtkapital aus. Zudem ist der ROI Teil desDu-pont-Schemas (Kennzahlenbaum) und wird durch die Multiplikation von Umsatzrentabilität und Kapitalumschlag ermittelt. Durch diesen Kennzahlenbaum werden der Wirkungszusammenhang zwischen der Markt- und Kapitalebene sowie deren Auswirkung auf den ROI verdeutlicht (vgl. Schumacher/Wiesinger, 2009, S. 202f; Busse, 2003, S. 840).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Du-pont-Schema. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Busse, 2003, S. 841.

2.3.2. Liquidität

Eine wichtige Kernaufgabe der finanzwirtschaftlichen Steuerung ist die Sicherstellung der Liquidität (vgl. Däumler/Grabe, 2008, S. 39). Das prinzip des finanziellen Gleichgewichtes (Liquiditätspostulat) wird von Däumler und Grabe (2008, S. 41) wie folgt beschrieben: „Eine Unternehmung ist in einer bestimmten periode liquide, wenn sie alle in der betreffenden periode fällig werdenden Zahlungsverpflichtungen erfüllen kann.“

Um die Liquidität und somit das finanzwirtschaftliche Gleichgewicht zwischen Ein- und Auszahlungen zu sichern ist es notwendig, einen finanziellen puffer einzukalkulieren. Sowohl eine zu hohe als auch eine zu niedrige Liquidität sollte dabei vermieden werden, da diese die Rentabilität durch die Opportunitätskosten entgangener Renditen merklich verringern könnte. Dadurch wird verdeutlicht, dass es sich bei Rentabilität und Liquidität um zwei konkurrierende finanzwirtschaftliche Ziele handelt (vgl. Däumler/Grabe, 2008, S. 41f; Busse, 2003, S. 22). Abbildung 4 zeigt das Zusammenspiel der beiden Größen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Schematisierter Wirkungszusammenhang zwischen Gewinn und Liquidität. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Busse, 2003, S. 23.

- punkt A: ausreichende Liquidität und Gewinn
- punkt B: geringere Liquidität jedoch höherer Gewinn
- punkt C: ausreichende Liquidität und Verlust, der langfristig Eigenkapital reduziert und zu einem negativen Eigenkapital (Überschuldung) führt

Im Finanzmanagement wird in der Regel die Steigerung der Rentabilität als primärziel und die Liquidität als zwingende Nebenbedingung zur Existenzsicherung des Unternehmens verstanden. Während wirtschaftlich schwierigen perioden wird die Hierarchie der beiden finanzwirtschaftlichen Ziele umgedreht, da eine ausreichende Liquidität eine essentielle Voraussetzung für das Überleben des Unternehmens ist (vgl. pape, 2011, S. 20).

Grundlegend wird die Liquidität durch statische und dynamische Kenngrößen dargestellt. Das Deckungsverhältnis von kurzfristigem Vermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten wird als statische Liquidität bezeichnet. Die auf bilanziellen Werten basierende statische Liquidität stellt die Fähigkeit dar, zu einem bestimmten Zeitpunkt (Bilanzstichtag) den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die statische Liquidität wird aufgrund der disponiblen monetären Mittel in unterschiedlichen Graden dargestellt (vgl. Schumacher/Wiesinger, 2008, S. 66; Schäfer, 2002, S. 39):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Liquiditätskennzahlen. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Schumacher/Wiesinger, 2008, S. 66; Schäfer, 2002, S. 39.

Den statischen Kennzahlen wird in der Literatur eine eingeschränkte Aussagekraft über den tatsächlichen Liquiditätszustand zugeschrieben, da die Kenngrößen auf einen in der Vergangenheit liegenden Bilanzstichtag bezogen sind und die dargestellten Liquiditätsströme nicht unmittelbar den Bilanzposten entnommen werden können. Infolgedessen werden für die prognose und Beurteilung der Liquidität eines Unternehmens neben den statischen auch stromgrößenorientierte, dynamische Kennziffern herangezogen. Der Cashflow stellt dabei die bekannteste dynamische Kennziffer dar und basiert auf Zahlen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Im Unterschied zu den statischen Kennzahlen beziehen sich die dynamischen auf Zahlungsströme, welche sich aus der Differenz zwischen einnahmewirksamen Erträgen und ausgabewirksamen Aufwendungen ergeben (vgl. Schumacher/Wiesinger, 2008, S. 66f; Schäfer, 2002, S. 40):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.3. Sicherheit

Das finanzwirtschaftliche Ziel der Sicherheit bezieht sich auf die Gefahr des Verlustes bzw. auf das finanzielle Risiko, korreliert mit der Rentabilität und muss daher unter Berücksichtigung von Liquiditäts- und Stabilitätsgründen gegenseitig abgestimmt werden. Aus den Abhängigkeiten zwischen den beiden finanzwirtschaftlichen Zielen ergeben sich Spannungen, insbesondere bei der Kapitalbeschaffung durch die Bedeutung des Leverage-Risikos und der Kapitalverwendung durch die unsicheren und schwankenden Liquiditätsüberschüsse (vgl. Becker, 2010, S. 19f).

Unter finanzwirtschaftlichen Risiken werden laut Olfert und Reichel folgende punkte verstanden (vgl. 2005, S. 54):

- Risiko von Zinsschwankungen
- Risiko des Kapitalausfalls
- Risiko von Inflation/Deflation

Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass Unternehmen mit einer hohen Schwankungsanfälligkeit ihrer Erfolge bzw. unsicheren Märkten sich weniger stark verschulden sollten. Im Gegensatz dazu können Unternehmen mit einem geringeren leistungswirtschaftlichen Risiko eine verstärkte Verschuldungspolitik verfolgen (vgl. pape, 2011, S. 21).

2.3.4. Unabhängigkeit

Das Ziel der Unabhängigkeit (Dispositionsfreiheit) ist eine wesentliche Ergänzung zu den bereits dargestellten finanzwirtschaftlichen Zielen. Grundsätzlich handelt der Unternehmer unter Berücksichtigung der Dispositionsfreiheit bei der Kapitalbeschaffung so, dass das Unternehmen nicht durch die Einflussnahme Dritter beeinträchtigt wird. Wird dem Unternehmen durch bisherige oder neue Gesellschafter Eigenkapital zugeführt, so werden in der Regel Mitsprache-, Kontroll- und Stimmrechte gewährt. Auch durch die Kreditfinanzierung wird die Dispositionsfreiheit und Flexibilität des Unternehmens eingeschränkt, da Kapitalgeber Informations- und Mitspracherechte einfordern. Empirische Studien zeigen, dass besonders mittelständische Unternehmen das Ziel der Unabhängigkeit auch zu Ungunsten anderer Ziele wie beispielsweise der Rentabilität erhalten bzw. anstreben wollen. Wie die bereits genannten finanzwirtschaftlichen Ziele kollidiert auch das Unabhängigkeitsstreben mit den anderen Zielen (vgl. Bieg/Kußmaul, 2012, S. 17f; Becker, 2010, S. 25; pape, 2011, S. 22).

2.3.5. Mobilität

Das finanzwirtschaftliche Ziel der Mobilität versteht sich als Fähigkeit auf unternehmensinterne und -externe Veränderungen zu reagieren, ohne dabei in ein liquiditätsbezogenes Ungleichgewicht zu geraten. Dabei spielt der Zugang zu freien Liquiditätsreserven eine zentrale Rolle. Zudem ist unter Berücksichtigung des finanzwirtschaftlichen Ziels der Mobilität zu beachten, dass zu lange Kapitalbindungsdauern zu vermeiden sind, Überliquidität gewünscht ist und Kapitalkosten flexibel gestaltet werden sollten (vgl. Schierenbeck/Lister, 2002, S. 409; Schumacher/Wiesinger, 2009, S. 68).

2.3.6. Wertorientierte Ziele

Entsprechend dem Grundgedanken, den Unternehmenswert langfristig zu maximieren, beziehen sich wertorientierte Ziele auf den Marktwert des Eigenkapitals. Das Shareholder-Value-Konzept steht hierbei im Mittelpunkt und beurteilt unternehmerische Entscheidungen danach, ob und inwieweit sie den Unternehmenswert (Value) für die Anteilseigner (Shareholder) steigern kann. Dabei bezieht sich der Shareholder-Ansatz nicht auf Vergangenheitswerte aus der Bilanz, sondern auf zukünftig zu erwartende Werte. Der Shareholder-Value wird anhand von Kennzahlen wie dem Economic Value Added (EVA) und dem Discounted Cashflow bestimmt und gemessen (vgl. Becker, 2010, S. 26; Becker/peppmeier, 2001, S. 42ff).

2.4. Finanzwirtschaftliche Aufgaben

Aufgrund rechtlicher und betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit muss jedes Unternehmen zu jeder Zeit den verfügbaren Finanzmittelbestand an das Volumen der fälligen Ausgaben adaptieren und somit die Liquidität sicherstellen. Neben dieser finanzwirtschaftlichen Mindestaufgabe ist das Finanzmanagement verantwortlich für die Ermittlung des Kapitalbedarfes, die Beschaffung der finanziellen Mittel, die Kapitalverwendung in Form von Investitionen sowie die Verwaltung von Zahlungsströmen (vgl. Eilenberger/Ernst/Toebbe, 2013, S. 9f).

2.4.1. Kapitalbedarfsermittlung

„Kapitalbedarf ist der Bedarf der Unternehmung an geldwertmäßigen Mitteln, das heißt, der Bedarf an Sach- und Finanzmitteln zur Erfüllung betrieblicher Ziele.“ (Busse, 2003, S. 41)

Die Ermittlung des Kapitalbedarfes basiert auf dem Zugang und Abgang liquider Mittel, bzw. auf Ein- und Auszahlungsströme eines Unternehmens. Kapitalbedarf besteht somit, wenn diese Zahlungsströme zeitlich nicht deckungsgleich sind. Insbesondere bei neuen Unternehmen und Investitionen fallen in der Gründungs- und Anlaufphase zunächst Auszahlungen an, denen inadäquat Einzahlungen gegenüberstehen. Aufgrund der betragsmäßigen und zeitlichen Fluktuation des Kapitalbedarfs ist die Erstellung einer Kapitalbedarfsrechnung essentiell. Somit behält das Unternehmen den Überblick über die Zahlungsströme und kann rechtzeitig auf Kapitalengpässe reagieren. Neben dem üblichen (positiven) Kapitalbedarf kann sich auch ein negativer Kapitalbedarf (Kapitalüberschuss) bilden, der gegebenenfalls aus Rentabilitätsgründen am Kapitalmarkt angelegt werden sollte (vgl. Hentze/Heinecke/Kammel, 2001, S. 422; Däumler/Grabe, 2008, S. 42-47).

Im Zuge der Kapitalbedarfsrechnung ist es notwendig, zwischen Brutto- und Nettokapitalbedarf zu differenzieren. Der Bruttokapitalbedarf ergibt sich aus der Summe aller Auszahlungen in einer definierten periode. Im Unterschied dazu stellt der Nettokapitalbedarf die Summe aller Auszahlungen abzüglich aller Einzahlungen in einem definierten Zeitraum dar. In der Regel erfolgt die Finanzierung durch den Nettokapitalbedarf. Lediglich in Sonderfällen, wie Unternehmensgründungen und Sanierungen, wird der Bruttokapitalbedarf herangezogen (vgl. Eilenberger/Ernst/Toebe, 2013, S. 11; Busse, 2003, S. 45).

In Abbildung 5 wird die Bedeutung der Kapitalbedarfsermittlung grafisch dargestellt. In der Illustration ist ersichtlich, dass sich bis zur elften periode (t) aufgrund der kumulierten Ausgaben (∑a) ein positiver Kapitalbedarf ergibt. Nach Ablauf der zwölften periode übersteigen die kumulierten Einnahmen (∑e) die kumulierten Ausgaben, sodass ein negativer Kapitalbedarf entsteht und überschüssige Geldmittel vorhanden sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Entwicklung des Kapitalbedarfs. Quelle: Däumler/Grabe, 2008, S. 47.

2.4.2. Kapitalbeschaffung

Aufgabe der Kapitalbeschaffung ist es, den Kapitalbedarf des Unternehmens zu den geringst möglichen Finanzierungskosten und unter Berücksichtigung der kongruenten Befristung zu decken. Bei der Kapitalbeschaffung stellt sich primär die Frage, ob die Mittel unternehmensintern (Innenfinanzierung) oder durch externe Finanzierungsquellen (Außenfinanzierung) im ausreichenden Ausmaß gedeckt werdensollen. Dabei bestehen insbesondere bei der Unternehmensgründung und Sanierung aufgrund von Finanzmarktstrukturen und eingeschränkter Leistungsfähigkeit marktbedingte Beschränkungen, die eine unzureichende Kapitalbeschaffung zur Folge haben können (vgl. Eilenberger/Ernst/Toebe, 2013, S. 10-14). Im Kapitel 3.5. wird näher auf die Kapitalrationierungsproblematik der Hotellerie eingegangen. Weiters werden die Gründe für den beschränkten Kapitalmarktzugang sowie dessen Folgen für die Hotellerie erläutert. In Abbildung 6 werden die klassischen Kapitalbeschaffungsformen der Innen-, Außen– und Mezzanine-Finanzierung, welche in Kapitel 3.5. in Bezug auf die Hotellerie ausführlich erklärt werden, dargestellt.

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Abbildung 6: Systematik von Innen- und Außenfinanzierung. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus Däumler/Grabe, 2008, S. 35; Schumacher/Wiesinger, 2008, S. 35f; Becker, 2010, S. 129.

2.4.3. Kapitalverwendung

Hinsichtlich der Kapitalverwendung gibt es grundsätzlich zwei Handlungsalternativen. Einerseits können die finanziellen Mittel im eigenen Unternehmen durch Investitionen gebunden und dadurch verzinst werden, andererseits gibt es die Möglichkeit, die Mittel außerhalb des Unternehmens bei Finanzierungsinstituten rentabel anzulegen (vgl. Eilenberger/Ernst/Toebe, 2013, S. 14). Die Entscheidung, die finanziellen Mittel durch Investitionen unternehmensintern zu binden hat eine große strategische Bedeutung, da eine solche Entscheidung eine langfristige und schwer reversible Wirkung mit sich bringt. Aus diesem Grund werden für Investitionsentscheidungen mathematische Verfahren zu Hilfe genommen. Dabei wird zwischen statischen und dynamischen Investitionsrechenverfahren unterschieden (vgl. Busse, 2003, S. 929ff). Tabelle 4 stellt die unterschiedlichen statischen als auch dynamischen Investitionsrechenverfahren dar:

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Tabelle 4: Investitionsrechenarten. Modifiziert nach Schumacher/Wiesinger, 2009, S. 137.

Die Kapitalrationierungsproblematik begrenzt die Finanzmittel am Kapitalmarkt und so können Investitionsentscheidungen vielfach nicht aufgrund von allgemeinen Entscheidungsregeln wie dem höchsten Kapitalwert oder Zinsfuß getroffen werden. Somit werden Entscheidungen zur Kapitalverwendung basierend auf prioritäts-regeln, die Investitionen nach der Bedeutung für den Betriebsablauf reihen, getroffen. Aufgrund dieser notwendigen Vorgehensweise entsteht zwischen Dinglichkeit und Rentabilität ein Zielkonflikt (vgl. Eilenberger/Ernst/Toebe, 2013, S. 15).

2.4.4. Kapital- und Vermögensstrukturierung

Um das für den langfristen Unternehmensbestand notwendige finanzielle Gleichgewicht von Kapital- und Vermögensstrukturen sichern und optimieren zu können, werden horizontale und vertikale Finanzierungsregeln definiert. Diese Strukturen spielen insbesondere in Bezug auf die Kreditwürdigkeitsprüfung der Finanzierungsinstitute eine entscheidende Rolle. Abbildung 7 zeigt die beiden Finanzierungsregeln und deren Bezug auf die Bilanz (vgl. Busse, 2003, S. 907; Eilenberger/Ernst/Toebe, 2013, S. 15).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Finanzierungsregeln. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus Busse, 2003, S. 907.

Die horizontale Finanzierungsregel, auch goldene Bilanzregel genannt, kommt der Forderung des prinzips der Fristenkongruenz zwischen Kapitalbindung und Kapitalverwendung nach. Dabei werden in der Literatur unterschiedliche Auffassungen (siehe Abbildung 8) vertreten (vgl. Mensch, 2008, S. 180; Eilenberger/Ernst/Toebe, 2013, S. 15; Wöhe et al., 2011, S. 38):

- Laut der engeren und zugleich älteren Fassung der goldenen Bilanzregel sollte Anlagevermögen durch Eigenkapital finanziert werden.
- Die heute gängige weitere Fassung der goldenen Bilanzregel besagt, dass das Anlagevermögen inklusive langfristiges Umlaufvermögen durch Eigenkapital inklusive langfristiges Fremdkapital finanziert werden sollte.

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Abbildung 8: Unterschiedliche Auffassungen der goldenen Bilanzregel. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus Wöhne et al., 2011, S. 38.

Neben dem prinzip der Fristenkongruenz ist für die Kapitalstruktur auch eine ausgeglichene Relation zwischen Eigen- und Fremdkapital notwendig. Das ausgeglichene Kapitalverhältnis wird durch die vertikale Finanzierungsregel beschrieben, wonach im Idealfall das Eigenkapital zum äquivalenten Teil durch Fremdkapital gedeckt sein soll (1:1-Regel). Ergibt sich zwischen Eigen- und Fremdkapital ein Verhältnis von 1:2, so wird dies aus Bankenperspektive als gesund und ein Verhältnis von 1:3 als zulässig bezeichnet. Diese Finanzierungsregel zeigt zudem den Verschuldungsgrad des Unternehmens (Fremdkapital/Eigenkapital*100). Betrachtet man die vertikale Finanzierungsregel unter Berücksichtigung von erfolgswirtschaftlichen Faktoren wie der Eigenkapitalrentabilität, so relativiert sich diese, da sich die Rentabilität durch eine erhöhte Verschuldung durch Fremdkapital positiv entwickelt kann (Leverage-Effekt – siehe Kapitel 2.3.1.) (vgl. Busse, 2003, S. 907; Eilenberger/Ernst/Toebe, 2013, S. 17-19).

Die beiden Finanzierungsregeln werden stark kritisiert und deren Eignung zur Sicherung des finanzwirtschaftlichen Gleichgewichts abgesprochen. Gründe dafür sind unter anderem die fehlende zeitliche Betrachtung der Ein- und Auszahlungen der verschiedenen Bilanzposten, die aus der Bilanz entnommenen veralteten Daten und die oft nicht erkennbare Liquidierbarkeit und Fristigkeit der Bilanzpositionen (vgl. Wöhe et al., 2011, S. 38f; Busse, 2003, S. 907).

3. FINANZIERUNG IN DERÖSTERREICHISCHEN HOTELLERIE

In diesem Kapitel wird auf die Besonderheiten der Hotellerie hinsichtlich der Finanzierung eingegangen. Basierend auf den im zweiten Kapitel beschriebenen Grundlagen der Finanzierung werden sowohl die in der Hotellerie verwendeten Finanzierungsinstrumente als auch die relevanten Kennzahlen analysiert und diskutiert. Im letzten Teil dieses Kapitels wird insbesondere auf die Solvabilitätsrichtlinien von „Basel“ und deren Auswirkungen eingegangen, sowie zukünftige Anforderungen an die Branche aufgezeigt.

3.1. Begriffsbestimmung Hotellerie

Aufgrund der inhomogenen Leistungsstruktur und unterschiedlichen Leistungsfacetten lässt sich der Begriff „Hotellerie“ betriebswirtschaftlich und rechtlich weder auf internationaler noch auf nationaler Ebene klar definieren. Durch die fehlende einheitliche Definitionsauffassung sind daher zunächst Begriffsabgrenzungen erforderlich (vgl. Henschel, 2008, S. 70; Gardini, 2009, S. 29). In der Literatur wird desÖfteren der Begriff Beherbergungsbetrieb als Sammelbegriff für die unterschiedlichen Beherbergungsgewerbe verwendet (vgl. Dreyer/Dehner, 2003, S. 10). Henschel (vgl. 2008, S. 3) schreibt dazu, dass Beherbergungsbetriebe Bedürfnisse nach Unterkunft und Nahrung außerhalb des eigenen Haushalts befriedigen und somit kurzfristig die Funktion des eigenen Zuhauses übernehmen. Tabelle 5 zeigt die Differenzierung der Beherbergungsbetriebe nach Beherbergungsstätten und sonstigen Beherbergungsstätten sowie die Zuordnung der Hotellerie innerhalb der Beherbergungsstätten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Differenzierung der Beherbergungsbetriebe. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus Henschel, 2008, S. 4.

Henschel bezeichnet das Hotel als Kernstück des Beherbergungsgewerbes und meint dazu: „ Es stellt die funktionale Ganzheit der Einrichtungen dar, die den komplexen Bedarf von Touristen nach Beherbergungs-, Bewirtungs- und Komplementärleistungen während ihres Aufenthaltes am Tourismusort decken. “ (Henschel, 2008, S. 4)

Auf europäischer Ebene war man sich hinsichtlich der Ausarbeitung eines EU-Standards für die Definition von „Hotel“ lange uneinig, konnte jedoch schlussendlich den Standard CEN/ISO 1851:2003 festlegen. Laut dem DIN lautet die Definition von Hotel wie folgt: „Betrieb mit Rezeption, Dienstleistungen und zusätzlichen Einrichtungen, in dem Unterkunft und in den meisten Fällen Mahlzeiten verfügbar sind. “ (vgl. Bieger/Laesser, 2008a, S. 10).

3.2. Besonderheiten der touristischen Dienstleistung

Die Hotellerie ist dem Dienstleistungssektor (tertiärer Sektor) zugeordnet und weist eine Reihe von Besonderheiten hinsichtlich ihres Charakters innerhalb der Dienstleistungsbranche auf (vgl. Gewald, 2001, S. 4). Im Gegensatz zu Sachgütern besteht bei touristischen Dienstleistungen die Besonderheit der Immaterialität, welche aufgrund der daraus resultierenden Unsicherheit einen hohen Informationsbedarf für den Kunden mit sich bringt. Des Weiteren hat die Immaterialität zur Folge, dass das produkt aus Kundensicht abstrakt wirkt und somit die identische Leistung unterschiedlich beurteilt werden kann. Neben der Immaterialität bestehen die Besonderheiten der Nicht-Lagerfähigkeit der Dienstleistung sowie die Simultanität. Diese Simultanität wird als Uno-Actu-prinzip verstanden und beschreibt den zeitlichen und örtlichen Zusammenfall der Dienstleistungserstellung mit der Konsumation durch den Gast. Die Standortgebundenheit, eine weitere Besonderheit der Hoteldienstleistung, bewirkt, dass die Dienstleistung ausschließlich am Hotelstandort nachgefragt und konsumiert werden kann. Die Integration des Kunden als externen Faktor stellt eine weitere wichtige Besonderheit dar und besagt, dass die Hotelleistung erst durch den externen Faktor (Gast) konsumiert werden kann und der Erfolg maßgeblich von der partizipation abhängt (vgl. Meffert/Bruhn, 2006, S. 67f; Dreyer/Dehner, 2003, S. 16; Henschel, 2008, S. 80).

Eine branchenbezogene Besonderheit der Hotellerie besteht weiters in der permanenten Leistungsbereitschaft, wobei sich durch eine saisonal bedingte volatile Nachfrage ungenutzte Kapazitäten (nichtverkaufte Betten) und somit Leerzeiten ergeben, die insbesondere Auswirkungen auf die Kosten mit sich bringen. Neben der volatilen Nachfrage haben der personalintensive direkte Kundenkontakt und die limitierten Rationalisierungsmöglichkeit hinsichtlich des Mitarbeitereinsatzes direkte Auswirkungen auf die Kosten und somit auf die Gewinnstabilität des Unternehmens (vgl. Gewald, 2001, S. 4; Dreyer/Dehner, 2003, S. 17).

Die Hotellerie ist aufgrund des hohen Anlagevermögens besonders kapitalintensiv. Investitionen fallen hierbei nicht nur bei Neuerrichtungen an, sondern insbesondere im Rahmen von Modernisierungen, welche notwendig sind um die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebes sicherzustellen (vgl. Henschel, 2008, S. 264). Neben den Investitionen für Neubauten und Renovierungen sind die hohen Fixkosten wie beispielsweise personalkosten Ursache der hohen Kapitalintensität dieser Branche (vgl. Scheefer, 2008, S. 273).

Die Komplementarität mit anderen touristischen Betrieben stellt eine weitere bedeutende branchenbezogene Besonderheit dar, da die Nachfrage nach Hotelleistungen prinzipiell derivativer Natur ist und als Teil eines touristischen Leistungspaketes konsumiert wird. Somit ist die Hoteldienstleistung im Rahmen der Urlaubsreise neben anderen touristischen Leistungsträgern ein Teil der Wertschöpfungskette (vgl. Gewald, 2001, S. 4; Dreyer/Dehner, 2003, S. 16).

3.3. Die österreichische Hotellerie

Die Hotellerie gilt als wesentlicher Teil der österreichischen Tourismuswirtschaft und konnte im Jahr 2012 laut Tourismussatellitenkonto (TSA) einen prognostizierten direkten Wertschöpfungseffekt von 17 Mrd. Euro erzielen. Somit erzielte diese Branche mit 5,5 prozent des Brutto-Inlands-produkts (BIp) einen wichtigen Beitrag zur österreichischen Wirtschaft (vgl. Statistik Austria, 2013a, online). Unter Berücksichtigung der indirekten Wertschöpfung von 6,8 Mrd. Euro im Jahr 2012 (prognostiziert) konnte ein Wertschöpfungseffekt von insgesamt 7,6 prozent vom BIp erreicht werden (vgl. Statistik Austria, 2013b, online). Die Bedeutung des Tourismus in Österreich wird insbesondere durch den internationalen Vergleich deutlich, denn der durchschnittliche BIp-Anteil der Tourismuswirtschaft im gesamten europäischen Wirtschaftsraum liegt bei 2,1 prozent und somit deutlich unter dem österreichischen Wert (vgl. ÖGZ, 2008, S. 2). Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Tourismusbranche wird insbesondere durch den Beschäftigungseffekt deutlich. Laut den Ergebnissen des TSA-Beschäftigungsmoduls (TSA-BM) waren im Jahr 2011 254.500 selbstständige und unselbstständige personen (gemessen in Vollzeitäquivalenten – VZÄ) im Tourismus tätig. Dies entspricht 7,2 prozent aller Erwerbstätigen in Österreich (vgl. Statistik Austria, 2013c, online).

Wie bereits zu Beginn angeführt, ist die österreichische Tourismuswirtschaft wesentlich von der Hotellerie, insbesondere von klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU), geprägt (vgl. Hartl, 2007, S. 150). Als KMU werden in der Europäischen Union Unternehmen bezeichnet, die weniger als 250 personen beschäftigen und einen geringeren Jahresumsatz als 50 Mio. Euro oder eine geringere Jahresbilanzsumme als 43 Mio. Euro aufweisen (vgl. Europäische Kommission, 2006, S. 5). Laut der Wirtschaftskammer Österreich sind 99,9 prozent der Unternehmen in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft Klein- und Mittelunternehmen und beschäftigen zugleich 88,5 prozent der unselbstständigen personen dieser Branche (vgl. WKO, 2012, online). Werden die Nächtigungen auf die unterschiedlichen Beherbergungsarten aufgeteilt so wird die wirtschaftliche Bedeutung der Hotellerie für den Tourismus deutlich. Im Jahr 2011 fielen 65 % der gesamten Nächtigungen in Österreich in die Kategorie „Hotels und ähnliche Betriebe“ (vgl. Statistik Austria, 2013d, online).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Verteilung der Nächtigungen in Österreich auf die Unterkunftsarten 2011. Eigene Darstellung, Daten entnommen aus Statistik Austria, 2013d, online.

3.4. Einteilung der Hotellerie

Neben der institutionellen Betrachtung von Beherbergungsbetrieben wird nun kurz auf unterschiedliche Ansätze zur Einteilung bzw. Klassifikation der Hotellerie eingegangen um damit den vielschichtigen Begriff und die zahlreichen Hoteltypen möglichst übersichtlich zu skizzieren (vgl. Gardini, 2009, S. 30).

3.4.1. Ketten- und Individualhotellerie

Die Hotellerie kann aus vertriebspolitischer Sicht anhand ihrer Zugehörigkeit zwischen Ketten- bzw. Kooperationshotellerie und Individualhotellerie differenziert werden (vgl. Dettmer, 2005, S. 125).

Unter einer Hotelkette wird dabei eine Gruppe von Hotelbetrieben bzw. -unternehmen verstanden, die organisatorisch unter einheitlicher und zentraler Leitung operieren, marktlich unter gleichem Namen auftreten und hinsichtlich ihres Angebots den gleichen qualitativen Standard bieten.“ (Gardini, 2009, S. 32)

Wesentliches Charakteristikum der Kettenhotellerie ist die Funktionsentkopplung, sprich die Trennung von Kapital/Eigentum bzw. Betreiber/Management. Während in der klassischen Individualhotellerie der Eigentümer beide Funktionen übernimmt entsteht in der Kettenhotellerie durch die funktionelle Entkopplung eine Form der Arbeitsteilung, welche zu einer Risikoteilung zwischen Eigentümer und Betreiber führt. Dieser Umstand bringt für beide parteien Vorteile mit sich. Für den Betreiber den des höheren Return of Investments (ROI) aufgrund es geringeren Kapitalbedarfs, und für den Eigentümer den der professionellen und kompetenten Führung seiner Immobilie. In der praxis existieren unterschiedliche Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Eigentümer und Betreiber in Form von pacht-, Franchise- und Managementverträgen (vgl. Jaeschke/Fuchs, 2008, S. 72; Henschel, 2001, S. 32).

Die Kettenhotellerie weist einige Vorteile gegenüber der kleiner strukturierten Individualhotellerie auf. So bestehen in der Kettenhotellerie größenbedingt Kosten- bzw. Rationalisierungsvorteile die sich auf das Betriebsergebnis auswirken. Zudem entspricht das produkt internen Qualitätskriterien und somit Standards, wodurch der gesunkenen Risikobereitschaft der Gäste entgegengewirkt werden kann. Zudem wird unter Berücksichtigung der Kapitalverzinsung betriebswirtschaftlicher gehandelt und Managementaufgaben durch gestaffeltes Management arbeitsteilig gelöst (vgl. Henschel, 2001, S. 32).

Die Individualhotellerie ist laut Henschel als „...Summe der Einzelunternehmungen zu verstehen, die vom Unternehmer oder der Familie des Unternehmens geführt werden. Das sind i.d.R. Eigentümerbetriebe oder pachtbetriebe.“ (Henschel, 2001, S. 30)

Sowohl das Eigentum als auch das operative Geschäft liegen zumeist im Verantwortungsbereich des Eigentümers, welcher das finanzielle und unternehmerische Risiko und die Managementverantwortung trägt. Bei der Individualhotellerie handelt es sich um den klassischen Klein- und Mittelbetrieb (KMU-Betrieb) der durch eine flache Hierarchie und eine geringe Arbeitsteilung geprägt ist (vgl. Freyer, 2006, S. 148). Der Eigentümer eines Individualhotels kann sich zumeist durch seine Weisungsungebundenheit persönlich entfalten und dabei in der Regel den gesamten Gewinn einbehalten. Durch die intensive Einbindung des Eigentümers in das operative Geschäft hat dieser einen direkten Kundenkontakt und kann oft schneller und flexibler als in der Kettenhotellerie auf Kundenwünsche eingehen und mit individuellen produkten Wettbewerbsvorteile schaffen. Aufgrund der geringen Arbeitsteilung ist der Hotelier von Klein- und Mittelbetrieben jedoch latent überlastet, was oft zu familiären Spannungen führt. Aus finanzwirtschaftlicher Sicht ist die Individualhotellerie aufgrund der Eigenkapitalstruktur häufig mit der Schwierigkeit der Kapitalbeschaffung konfrontiert und durch die Gefahr der Verschuldung und eine daraus resultierende Illiquidität bedroht (vgl. Henschel, 2001, S. 30f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 123 Seiten

Details

Titel
Multi-Ownership als Finanzierungsinstrument der österreichischen Hotellerie
Hochschule
Management Center Innsbruck Internationale Fachhochschulgesellschaft mbH
Note
2
Autor
Jahr
2013
Seiten
123
Katalognummer
V281968
ISBN (eBook)
9783656825029
ISBN (Buch)
9783656825012
Dateigröße
1599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
multi-ownership, finanzierungsinstrument, hotellerie
Arbeit zitieren
Daniel Ganzer (Autor), 2013, Multi-Ownership als Finanzierungsinstrument der österreichischen Hotellerie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281968

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