Europakritische Stimmen aus verschiedenen europäischen Ländern gab es immer. Der Zuwachs aber, den rechtsradikale Parteien in den vergangenen Jahren im Zuge der Wirtschaftskrise und den Fiskalpakten europaweit verbuchen konnten zeigt, dass nationalistisches Gedankengut in Europa wieder im Aufschwung ist. Ziele der Hetze sind schnell gefunden, die Parteien vom rechten politischen Rand wettern gegen Asylpolitik, Sozialschmarotzer, den Euro, Ausländer und den Islam und zeigen sich in ihrem Erscheinungsbild konservativ und europaskeptisch. Vor allem in Frankreich in Form der „Front national“ (FN) und den Niederlanden durch die „Partei für Freiheit“ (PVV), erleben die ultrarechten einen Aufschwung wie lange nicht, und die nationalistischen Interessen werden öffentlich kundgetan. Auch in Deutschland bildete sich im Jahr 2013 mit der „Alternative für Deutschland“ (AfD) eine europakritische Partei, die sich zwar selbst nicht als rechtspopulistische Partei sieht, aber dennoch als Auffangbecken für rechtsradikale Randgruppierungen dient. Die Fusionierung nationalistischer Kräfte in einer Partei ist in Deutschland – anders als in den meisten Nachbarländern, wie beispielsweise Frankreich, Dänemark und den Niederlanden – noch nicht gelungen (vgl. Oliver Decker, 2012: S.15). Daher stellt sich die Frage, inwieweit der nationalistische Gedanke in der deutschen Bevölkerung vertreten ist, und in welchem Maße dieser öffentlich kommuniziert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Schweigespirale
2.1. Die Schweigespirale: Begriffserklärung „Öffentliche Meinung“
2.2. Die Schweigespirale: Definition und Effekte
2.3. Die Schweigespirale: Die Rolle der Medien
3. Rechtsradikale Einstellung in Deutschland
4. Allgemeine Untersuchung zum Nachweis der Schweigespirale
5. Vorstellung einer Studie zur öffentlichen Kommunikationsbereitschaft
6. Empirische Anwendung
6.1. Repräsentative Bevölkerungsumfragen
6.2. Eisenbahntest
7. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht auf theoretischer Basis, inwieweit die Theorie der Schweigespirale nach Elisabeth Noelle-Neumann auf die öffentliche Kommunikationsbereitschaft bezüglich rechtsradikalen Gedankenguts in Deutschland anwendbar ist und entwickelt hierzu ein hypothetisches Forschungsdesign.
- Grundlagen der Theorie der Schweigespirale und öffentliche Meinung
- Analyse der Verbreitung rechtsradikaler Einstellungen in Deutschland
- Methodische Anforderungen an den Nachweis der Schweigespirale
- Konzeption eines hypothetischen Forschungsdesigns zur Messung der Kommunikationsbereitschaft
- Kritische Reflexion der Eignung des "Eisenbahntests" für das gewählte Themenfeld
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Schweigespirale: Definition und Effekte
Die Hauptannahmen der Theorie der Schweigespirale basieren auf „einer anthropologischen Hypothese über die Bereitschaft von Menschen, in der Öffentlichkeit ihre bzw. überhaupt eine Meinung zu äußern.“ Es wird angenommen, dass Menschen eine soziale Akzeptanz ihrer Umwelt anstreben und in ihrem Umfeld Anschluss und Anerkennung suchen. Dieses Streben wollen sie nicht durch unbedachte Äußerungen gefährden, mit denen sie ins Abseits geraten könnten. Es besteht die Annahme, dass die Abweichung von der Mehrheitsmeinung in sozialer Isolation resultiert, diese wird jedoch von der Mehrheit vermieden, da sie nicht als Außenseiter angesehen werden möchten (vgl. Sander, 2008: S.279). Die Menschen beobachten somit „ständig und ‚quasi-statisch‘ ihre Umwelt und veruschen in puncto Meinungsbildung (z.B. politische Einstellung) Majoritäten bzw. Minoritäten, also Mehrheits- und Mindeheitsmeinungen auszumachen.“
Um Aufschluss über die Meinungsverteilung zu bekommen, haben die Menschen zwei Möglichkeiten: Zum einen der direkte Kontakt mit der Umwelt, durch die Kommunikation mit Freunden, Bekannten und der Familie und zum anderen über den indirekten Kontakt mit den Massenmedien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des erstarkenden nationalistischen Gedankenguts in Europa und Deutschland ein und leitet die Forschungsfrage nach der öffentlichen Kommunikationsbereitschaft dazu ab.
2. Grundlagen der Schweigespirale: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente der Schweigespirale, definiert öffentliche Meinung und analysiert die Rolle der Massenmedien sowie die psychologischen Mechanismen der Isolationsfurcht.
3. Rechtsradikale Einstellung in Deutschland: Hier wird der Begriff des Rechtsradikalismus definiert und anhand der "Mitte-Studie" der Friedrich-Ebert-Stiftung der aktuelle Stand rechtsextremer Einstellungen in Deutschland dargestellt.
4. Allgemeine Untersuchung zum Nachweis der Schweigespirale: Dieses Kapitel arbeitet die notwendigen Bedingungen heraus, unter denen die Theorie der Schweigespirale auf ein Thema angewendet werden kann, insbesondere hinsichtlich gesellschaftlicher Relevanz und Wertgeladenheit.
5. Vorstellung einer Studie zur öffentlichen Kommunikationsbereitschaft: Es erfolgt die Beleuchtung einer bestehenden Studie von Fuchs, Gerhards und Neidhardt, die die Theorie der Schweigespirale am Beispiel der deutschen Asylpolitik testete.
6. Empirische Anwendung: In diesem Kapitel wird ein hypothetisches Forschungsdesign entwickelt, das mittels Bevölkerungsumfragen und dem "Eisenbahntest" die Kommunikationsbereitschaft bei rechtsextremen Positionen messbar machen soll.
7. Fazit: Das Fazit reflektiert kritisch das entworfene Forschungsdesign und kommt zu dem Schluss, dass die isolierte Situation einer Zugfahrt die komplexe Dynamik der Schweigespirale im Alltag nur begrenzt abbilden kann.
Schlüsselwörter
Schweigespirale, Öffentliche Meinung, Rechtsradikalismus, Kommunikationsbereitschaft, Isolationsangst, Eisenbahntest, Mitte-Studie, politische Kommunikation, Meinungsbildung, Massenmedien, Forschungsdesign, rechtsextreme Einstellung, Wertgeladenheit, Konformitätsdruck, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Menschen mit rechtsradikalem Gedankengut in Deutschland ihre eigene Meinung im öffentlichen Raum kommunizieren oder aus Angst vor sozialer Ausgrenzung verschweigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Theorie der Schweigespirale nach Noelle-Neumann, die Verbreitung rechtsradikaler Einstellungen in Deutschland sowie die methodische Erfassung von Kommunikationsbereitschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein theoretisches und hypothetisches Forschungsdesign zu entwerfen, mit dem untersucht werden kann, ob und unter welchen Umständen Menschen sich trauen, öffentlich rechtsradikale Meinungen zu äußern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalyse zur theoretischen Herleitung und konzipiert ein empirisches Design, das auf quantitativen Umfragen zur Themenrelevanz und dem von Noelle-Neumann entwickelten "Eisenbahntest" basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Schweigespirale, eine Bestandsaufnahme zum Rechtsradikalismus in Deutschland, die Analyse von Voraussetzungen für den Nachweis der Schweigespirale und die Präsentation eines eigenen Forschungsdesigns.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Schweigespirale, Öffentliche Meinung, Rechtsradikalismus, Kommunikationsbereitschaft und Isolationsangst.
Warum spielt das Thema "Wertgeladenheit" eine wichtige Rolle für die Untersuchung?
Die Wertgeladenheit ist notwendig, damit ein Thema moralisch aufgeladen wird. Nur bei moralisch debattierten Themen kann eine Person durch ihre Ansicht Prestige verlieren, was erst die für die Theorie entscheidende Isolationsfurcht auslöst.
Welche Schwachstellen identifiziert der Autor am "Eisenbahntest" als Forschungsdesign?
Der Autor kritisiert, dass ein Eisenbahnabteil nur einen sehr begrenzten, kurzzeitigen Rahmen bietet. Dieser ist nicht vergleichbar mit dem täglichen Umfeld (Familie, Arbeit), in dem der Druck der öffentlichen Meinung und die Angst vor Isolation wesentlich stärker wirken.
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- Nils Fricke (Author), 2014, Die Schweigespirale als Methode zur Untersuchung von rechtsradikalem Gedankengut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281979