Die Absicht dieser Arbeit ist es, die Methode des erkenntnistheoretischen kartesianischen Rationalismus darzustellen, um diesen anschließend kritisch aus dem Blickwinkel der Gegenwart zu reflektieren. Hierzu habe ich mich vorrangig auf Descartes‘ „Discours de la methode…“ und seine „Meditationes de Prima Philosophia“ gestützt, da sich in diesen Texten die wichtigsten theoretischen Passagen zu seiner wissenschaftlichen Arbeit finden lassen. Descartes selbst stellt einen enorm hohen Anspruch an seine Methode, wenn er schreibt: „Es haben schließlich einige Leute erfahren, dass ich eine gewisse Methode ausgearbeitet habe, um jedes beliebige wissenschaftliche Problem aufzulösen – keine neue Methode freilich, denn nichts ist älter als die Wahrheit, aber doch eine Methode, deren ich mich offensichtlich in andern Fragen nicht ohne Erfolg bediente.“. Was diese Methode nun verspricht und wirklich halten kann, soll im Folgenden herausgearbeitet werden, denn selbst wenn nichts älter als die Wahrheit wäre, so ist noch lange nicht geklärt, wie man die Wahrheit erkennen kann, was ebenso stutzend macht, als wenn Descartes versichert, mittels seiner Methode jedes beliebe wissenschaftliche Problem lösen zu können. Festhalten lässt sich aber sicherlich, dass selbst wenn Descartes seine Methode nicht als neu bezeichnet, diese doch bahnbrechend für seine Zeit war und auch in den folgenden Jahrhunderten einen enormen Einfluss nicht nur auf die Philosophie, sondern aufgrund seiner methodologischen Überlegungen allgemein auf sämtliche Wissenschaften hatte. Eben weil Descartes ein klassischer Eckpfeiler der Erkenntnistheorie ist, fällt sein Name auch sicher heute noch in der Diskussion um die richtige Methode, Wissen zu erlangen und die Wahrheit zu erkennen. Was Descartes nun genau in seiner Methodologie festgelegt hatte, wird im Hauptteil dieser Arbeit dargelegt; zunächst jedoch möchte ich mit einigen grundlegenden Erläuterungen beginnen, nämlich, was der Rationalismus allgemein bedeutet, woher diese Überlegung stammt und schließlich, wie er eine praktische Anwendung in den Wissenschaften erfährt.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort/Intention der Arbeit
2.1 Allgemeine Definition des Rationalismus
2.2 Entwicklung des Rationalismus bis Descartes
2.3 Praktische Anwendung
2.4 Der kartesische Rationalismus als erkenntnistheoretische Methode
a) Der methodische Zweifel
b) Analytisches Verfahren
c) Das Cogito
d) Ein böser Geist?
e) Das Traumargument
f) Gott
2.5 Abgrenzung zum Empirismus
a) Descartes’ Position zum Empirismus
b) Das Wachsbeispiel
c) Die „idea innatae“
d) Tabellarische Gegenüberstellung von Rationalismus und Empirismus
3. Zur Begründung einer neuzeitlichen Methode
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die erkenntnistheoretische Methode des kartesianischen Rationalismus darzustellen und diese aus einer zeitgenössischen Perspektive kritisch zu reflektieren, wobei insbesondere die Frage nach der Begründung sicheren Wissens im Zentrum steht.
- Die systematische Darstellung der Methode von René Descartes
- Die Analyse des methodischen Zweifels und des Cogito-Arguments
- Die Rolle der Metaphysik und Gottes in Descartes' System
- Die kritische Abgrenzung zwischen Rationalismus und Empirismus
Auszug aus dem Buch
Der methodische Zweifel
Er teilt seinem Leser hierzu mit, dass er schon seit frühester Kindheit irritiert war von angeblichen Wahrheiten, die sich in der Realität nicht ohne weiteres bestätigen ließen. In einer metaphorischen Analogie erklärt er, dass er, hätte er in einem Korb voll Äpfeln einen faulen darunter gefunden, so würde er bestimmt diesen Korb umstürzen und jeden einzelnen Apfel genauestens auf Schädigung prüfen, bevor er ihn in sein Behältnis zurücklegen würde. Ebenso möchte er mit seinen Wahrheiten und Erkenntnissen verfahren, die er sein Leben lang ungeprüft mitgeschleppt hatte. Dem Ausleeren des Korbes entspricht hierbei der methodische Zweifel, bei welchem er zunächst alles anzweifeln möchte, was überhaupt nur angezweifelt werden kann, um zu einem sicheren Fundament für ausgehende Erkenntnisse, einem „archimedischem Punkt“ (vgl. Med. S.77/1) zu gelangen. Dieser Zweifel darf aber nicht mit einem Skeptizismus oder einem existenziellen Zweifel verwechselt werden, da Descartes immerzu an ewige Wahrheiten glaubte, seien diese eingeboren oder platonisch ideenhaft. Sein Zweifel soll der Wahrheit dienlich sein und nicht deren Wert oder gar Existenz in Frage stellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort/Intention der Arbeit: Einführung in die Zielsetzung, die erkenntnistheoretische Methode von Descartes kritisch zu beleuchten und auf ihren Einfluss auf die moderne Philosophie zu prüfen.
2.1 Allgemeine Definition des Rationalismus: Definition des Rationalismus als Erkenntnistheorie, die Wissen primär durch Vernunft statt durch Erfahrung begründet.
2.2 Entwicklung des Rationalismus bis Descartes: Historischer Abriss der rationalistischen Denktraditionen von der griechischen Antike bis zum Übergang in die Neuzeit.
2.3 Praktische Anwendung: Erläuterung der deduktiven Methode und deren Bedeutung als Schlussfolgerungsweise vom Allgemeinen auf das Besondere.
2.4 Der kartesische Rationalismus als erkenntnistheoretische Methode: Detaillierte Untersuchung von Descartes' methodischem Vorgehen, inklusive Zweifel, Cogito-Erkenntnis, Gottesbeweis und Traumargument.
2.5 Abgrenzung zum Empirismus: Gegenüberstellung von rationalistischen und empiristischen Erkenntnismodellen sowie Analyse der Unterschiede anhand des Wachsbeispiels.
3. Zur Begründung einer neuzeitlichen Methode: Reflexion über die historische Bedeutung und Wirkung von Descartes' Ansatz für die Aufklärung und die Philosophiegeschichte.
Schlüsselwörter
Rationalismus, Descartes, Erkenntnistheorie, Methodischer Zweifel, Cogito ergo sum, Deduktion, Empirismus, Vernunft, Idee innatae, Tabula rasa, Metaphysik, Wahrheitskriterium, Philosophie der Neuzeit, Erkenntnisprozess, Wachsbeispiel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die erkenntnistheoretische Methode von René Descartes und untersucht, wie dieser versucht, ein unerschütterliches Fundament für wissenschaftliches Wissen zu errichten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den Rationalismus, die Abgrenzung zum Empirismus, die Rolle des methodischen Zweifels und die metaphysische Verankerung des Wissens durch Gott.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung und kritische Reflexion der kartesischen Methode hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit und ihrer Rolle als Wegbereiter der modernen Wissenschaft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Textanalyse der zentralen Werke von Descartes, insbesondere des „Discours de la méthode“ und der „Meditationes de Prima Philosophia“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Rationalismus, die methodischen Schritte Descartes' (Zweifel, Cogito, Gott) und eine vergleichende Analyse gegenüber dem Empirismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Rationalismus, methodischer Zweifel, deduktive Erkenntnis und die erkenntnistheoretische Abgrenzung zum Empirismus charakterisieren.
Wie entkräftet Descartes laut dieser Arbeit das Traumargument?
Descartes schließt darauf, dass selbst im Traum die Bestandteile der Wahrnehmung einen realen Ursprung haben müssen, was die Existenz einer Realität jenseits des Traums stützt.
Welche Rolle spielt Gott in der kartesischen Philosophie?
Gott fungiert als Garant für die Richtigkeit der Erkenntnis; da ein allgütiges Wesen den Menschen nicht täuschen kann, dient seine Vollkommenheit als Basis für die Wahrheit des Wissens.
- Citation du texte
- Markus Uehleke (Auteur), 2008, Der Rationalismus von Descartes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281987