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Die Moral und Immoral des Marquis de Sade

Und warum diese ein extremistischer Beitrag zur Aufklärung sind

Titre: Die Moral und Immoral des Marquis de Sade

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2008 , 15 Pages , Note: 2,3

Autor:in: Markus Uehleke (Auteur)

Histoire de l'Europe - Moyen Âge, Temps modernes
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Was auch immer man für Assoziationen bei dem Namen de Sade haben mag, viel zu häufig werden seine philosophischen und politischen Gedanken dabei ausgeblendet, wenn nicht gar vollständig durch den Rahmen seiner geschilderten Perversitäten entwertet. Die Lektüre von de Sade ist äußerst anstrengend, die Texte zwar von beachtlicher Länge, aber ebenso monoton in der Sprache, wie scheinbar endlos repetitiv in der Handlung. Und dennoch steht ein System hinter den Ausführungen seiner Orgien und die ausschweifende Moral, die von einer einfachen Promiskuität bis zum tödlichen Verbrechen reicht, wird zwischen den Episoden des Aktes ausführlich zu begründen versucht. In der vorliegenden Arbeit stütze ich mich vor allem auf die Schrift de Sades „Die Philosophie im Boudoir“, speziell deren enthaltenes, etwa 40-seitiges Pamphlet mit dem Titel „Franzosen, noch eine kleine Anstrengung, wenn ihr Republikaner sein wollt“, welches ein paar Jahre nach der französischen Revolution von 1789 verfasst und publiziert wurde. De Sade breitet darin seine moralischen Ansichten, wie sie ihm nützlich für einen republikanischen Staat erscheinen aus, wobei er niemals eine strenge deduktive Methode in seinen Schlüssen vermissen lässt, ebenso wenig wie er Rücksicht walten lässt, für etwaige Dissidenten seiner theoretischen Staatsform. Seine Ideen, die wohl nicht nur dem heutigen Leser teilweise äußerst abwegig, überzogen und extremistisch vorkommen werden, weisen ein extrem ambivalentes Verhältnis unter dem Gesichtspunkt aufklärerischen Denkens auf. Zwar ist seine Methode die eines rationalistischen und patriotischen Denkers, obgleich die Ergebnisse seiner Überlegungen die eines aufgeklärten Geistes bei Weitem übersteigt. Er verliert sich durch sein liberales Denken in Extrempositionen und bricht damit der Aufklärung selbst die Spitze ab. Bei Horkheimer und Adorno, nebst Kant und Nietzsche, noch zu den
„unerbittlichen Vollendern der Aufklärung“ (Dialektik der Aufklärung, S.6) gezählt, modifiziert sich sein Denken trotz aller stringenten Argumentation zu einer misanthropischen Ablehnung des ethischen Logos durch die systematisierte, und eben deshalb auch haltlos gewordene, Übersteigerung desselbigen. Die Intention hinter dieser Arbeit ist es also, die moralischen Maximen de Sades herauszustellen, um diese anschließend unter dem Gesichtspunkt eines aufklärerischen Denkens zu bewerten.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sades Religionskritik

2.1 Zur Praxis der Moralkritik

2.2 Der „Wert“ des Verbrechens

3. Freiheit und Aufklärung

3.1 Presse- und Meinungsfreiheit

4. Moral und Pädagogik

4.1 Moral und Sexualität

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die moralphilosophischen Ansätze des Marquis de Sade im Kontext der Aufklärung. Ziel ist es, Sades radikale und extremistische Thesen, wie sie insbesondere im Pamphlet „Franzosen, noch eine kleine Anstrengung, wenn ihr Republikaner sein wollt“ dargelegt werden, zu analysieren und unter Einbeziehung der „Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer und Adorno kritisch zu bewerten.

  • Die systematische Religionskritik des Marquis de Sade.
  • Die moralische Rechtfertigung von Verbrechen in einem republikanischen Staat.
  • Die Ambivalenz von Freiheit, Aufklärung und deren Regression in den Anarchismus.
  • Die Umdeutung humanistischer Ideale in einen radikalen Egoismus und Hedonismus.
  • Die Rolle der Sexualmoral und staatlicher Pädagogik im Denken de Sades.

Auszug aus dem Buch

2.2 Der „Wert“ des Verbrechens

De Sades Ablehnung von jeglichem christlichen Ideal geht nun soweit, dass er einen hier zu bestimmenden „Wert“ des Mordes, Diebstahles, der Vergewaltigung, des Inzestes, der Sodomie, Prostitution und Rassenzucht nicht nur ethisch zu rechtfertigen beweist, sondern diesen auch für das zwischenmenschliche Leben in einer Gesellschaft empfiehlt. Man solle beispielsweise nicht den Dieb, sondern den Bestohlenen bestrafen, weil dieser unachtsam gewesen ist, während der Dieb noch den Ausgleich der Güter befördert. Den Mord stellt er als natürliche Handlung dar, indem er die Hassgefühle, die dem Mörder eingegeben werden, von der Natur herkommend begründet.

De Sade vertritt also ein deterministisch-naturalistisches Welt- und Menschenbild, was an den beiden folgenden Zitaten festgemacht werden soll: „[…] da die Natur uns nämlich nach Maßgabe unserer Anlagen oder, philosophisch gesprochen, nach Maßgabe ihres Bedürfnisses nach dem einen oder dem anderen gleichermaßen Laster oder Tugenden eingibt […]“ (Rep., S.404). So darf auch das Gesetz, das einzig der Mensch geschaffen hat, sich nicht dieselben Fehltritte wie die Natur des Menschen leisten und da es ohnehin „[…] nicht dieselben Motive [wie der Mensch] hat, kann es unmöglich die gleichen Rechte haben.“ (vgl. Rep., S.407).

Man sieht hieran deutlich die Abhängigkeit der Veranlagung des Individuums und seiner Unfähigkeit der moralischen Rechtfertigung. Die Genetik determiniert nach de Sade das Verhalten jedes Einzelnen, weshalb es auch hinfällig wird, dass es Gesetze für die Allgemeinheit geben könnte. Dieses Weltbild kehrt sich nun zur mitleidslosen Willenlosigkeit des Menschen, womit er bereits den Wandel vom Primaten der Vernunft zum mechanisierten Handlungsmenschen durchscheinen lässt, also wiederum einer Inversion von Aufklärung und Gegenaufklärung entgegenkommt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt de Sades Denken in den Kontext der Aufklärung und definiert die Intention, seine moralischen Maximen anhand der Schrift „Die Philosophie im Boudoir“ zu untersuchen.

2. Sades Religionskritik: Dieses Kapitel analysiert Sades Forderung nach der totalen Ablehnung des Christentums und dessen Ersetzung durch einen radikalen Atheismus im Sinne einer republikanischen Staatsführung.

2.1 Zur Praxis der Moralkritik: Hier wird Sades Ablehnung religiöser Institutionen und die Empfehlung des Spottes als Mittel gegen religiöse Autoritäten vertieft, wobei auch die Thematisierung der Religionsfreiheit als aufklärerisches Element beleuchtet wird.

2.2 Der „Wert“ des Verbrechens: Dieses Kapitel untersucht die deterministische Rechtfertigung von Verbrechen durch de Sade, der Mord und andere Gewaltakte als natürliche und notwendige Prozesse für eine freie Nation umdeutet.

3. Freiheit und Aufklärung: Das Kapitel betrachtet die praktischen Konsequenzen von Sades Freiheitsbegriff, der durch die radikale Abwesenheit von Verboten in einen totalitären Anarchismus mündet.

3.1 Presse- und Meinungsfreiheit: Hier wird Sades Forderung nach einer grenzenlosen Presse- und Meinungsfreiheit diskutiert, die als Mittel zur Zerstörung sittlicher Konventionen und zur Etablierung des Atheismus dient.

4. Moral und Pädagogik: Dieses Kapitel thematisiert Sades Vorstellungen zur Erziehung, insbesondere die Geburtenselektion und die Abkehr von humanistischen Idealen zugunsten eines radikalen Egoismus.

4.1 Moral und Sexualität: Der Autor erläutert hier Sades Regression aufklärerischer Werte anhand seiner Sexualmoral, die Prostitution und Promiskuität als natürliche und staatlich zu fördernde Freiheiten darstellt.

5. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass de Sades Philosophie die Aufklärung unerbittlich zu Ende führt und dabei in einen destruktiven, totalitären Anarchismus umschlägt.

Schlüsselwörter

Marquis de Sade, Aufklärung, Religionskritik, Atheismus, Republikanismus, Moral, Verbrechen, Determinismus, Pädagogik, Sexualmoral, Anarchismus, Dialektik der Aufklärung, Egoismus, Gegenaufklärung, Freiheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die philosophischen und politischen Schriften des Marquis de Sade, um aufzuzeigen, wie er aufklärerische Prinzipien in einen extremistischen Kontext überführt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind Religionskritik, die Umdeutung moralischer Werte, die radikale Auslegung von Freiheit und Gleichheit sowie die Rolle von Erziehung und Sexualität im republikanischen Staat.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die moralischen Maximen de Sades herauszuarbeiten und unter Berücksichtigung der „Dialektik der Aufklärung“ zu bewerten, warum seine Denkweise als „unerbittlicher Vollender“ der Aufklärung verstanden werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine textimmanente Analyse der Schrift „Die Philosophie im Boudoir“ und zieht als wichtigste Sekundärliteratur die „Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer und Adorno heran.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt systematisch Sades Religionskritik, seine Rechtfertigung von Verbrechen, seine radikalen Auffassungen zu Freiheit und Presse, sowie seine Ansichten zur Erziehung und zur Sexualmoral.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern gehören Marquis de Sade, Aufklärung, Religionskritik, Anarchismus, radikaler Egoismus und die Dialektik der Aufklärung.

Warum hält de Sade Verbrechen für notwendig?

De Sade begründet dies durch ein deterministisch-naturalistisches Weltbild, in dem Verbrechen als notwendige Prozesse der Natur bzw. als regulierende Faktoren der Demographie in einem republikanischen Staat gesehen werden.

Wie bewertet der Autor den totalitären Charakter von Sades System?

Der Autor stellt fest, dass Sades radikale Freiheit im Endeffekt zu einem totalitären Machtsystem führt, in dem die propagierten Freiheiten durch eine strenge staatliche Kontrolle und Verpflichtungen ersetzt werden.

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Résumé des informations

Titre
Die Moral und Immoral des Marquis de Sade
Sous-titre
Und warum diese ein extremistischer Beitrag zur Aufklärung sind
Université
University of Bamberg  (Lehrstuhl für Neuere Geschichte)
Cours
Europäische Aufklärung
Note
2,3
Auteur
Markus Uehleke (Auteur)
Année de publication
2008
Pages
15
N° de catalogue
V281989
ISBN (ebook)
9783656759164
ISBN (Livre)
9783656759171
Langue
allemand
mots-clé
Aufklärung Sade Moral Dialektik Frankfurter Schule Adorno
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Markus Uehleke (Auteur), 2008, Die Moral und Immoral des Marquis de Sade, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281989
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Extrait de  15  pages
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