Schüler und Schülerinnen werden bereits in der Oberstufe mit der Berufswahl konfrontiert. Sie beschäftigen sich mit den Fragen, „Wie geht es nach der Schule weiter? Was kommt auf mich zu? Von wem bekomme ich Unterstützung und welche Berufsmöglichkeiten stehen mir zur Wahl?“
An dieser Stelle übernimmt die Schule eine wichtige Aufgabe. Sie bietet den SuS die Möglichkeit, sich langsam in die Phase der Berufsfindung einzufinden und deren verbundene Problematik kennenzulernen.
Vorgesehene Praktikumsphasen gewähren ihnen einen kleinen Einblick in die Berufswelt. Ihnen bietet sich die Möglichkeit, sich im kleinen Rahmen mit der hiesigen Berufswelt vertraut zu machen.
Doch diese Berufserfahrungen, die die SuS in diesem Zeitraum machen können, werden gegenüber der großen Anzahl von Berufsmöglichkeiten und der Berufswahl und Berufswunsch nicht vollumfänglich gerecht. Da sich die Jugendlichen zu diesem Zeitpunkt auch in einer Entwicklungsphase befinden, können sie leicht überfordert sein jetzt schon eine Entscheidung zu fällen, wo sie sich später beruflich im Leben sehen.
An dieser Stelle ist es besonders wichtig, Unterstützung zu erhalten. Unterstützung erfahren sie seitens der Schule, Lehrkräfte, Berufsberatung und dem weiteren sozialen Umfeld. Doch diese Personen sind „fremde“ Personen. Vertrauen und Urteilskraft erhalten sie von ihren Eltern, deshalb spielen die Eltern als Vertrauensperson eine sehr große Rolle.
Die SuS befinden sich nicht nur in der Phase der Berufsfindung ebenso auch in der Phase der Ichfindung. Diese Phase ist kein einmaliger Prozess sondern ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckt.
Sie entwickeln ein Bewusstsein eigener Wahrnehmung ihres Selbst und die bewusste Auseinandersetzung mit der Berufsfindung. Beides vereinen zu können, werden sie dabei durch Anregungen der Lehrer unterstützt. Sie geben den Impuls, die SuS zu motivieren, ihnen Wege zu zeigen, wie sie sich mit ihren Fähigkeiten und Interessen bewusster auseinandersetzen können. Sie zeigen ihnen Wege auf, wie sie sich verwirklichen können. Doch die Eltern nehmen trotzdem die größere Rolle ein. In diesem Bewusstwerdeprozess brauchen die Jugendlichen besonders viel Vertrauen, Beratung und Aufmerksamkeit der Eltern.
Inwiefern die Eltern als Unterstützung wahrgenommen werden und deren Unterstützung berücksichtigt wird, wird nun im weiteren Sinne eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Innere Faktoren des Weges zur Berufsfindung
3. Die Entwicklung der Berufswahl, früher und heute
4. Identitätsentwicklung im familiären Umfeld
5. Die Rolle der Eltern bei der Berufswahl
5.1. Der Berufsfindungsprozess unter Mitwirkung der Eltern
5.2. Welche besondere Rolle spielen die Eltern nun im Prozess der Berufsorientierung
6. Umsetzung in der Praxis
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den maßgeblichen Einfluss des familiären Umfelds, insbesondere der Eltern, auf den komplexen Prozess der beruflichen Orientierung und Identitätsfindung von Jugendlichen in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt.
- Bedeutung der elterlichen Unterstützung bei der Berufswahl
- Wechselwirkung zwischen sozialer Herkunft und Bildungsentscheidungen
- Die Rolle der Eltern als Vorbilder und Vertrauenspersonen
- Herausforderungen der Berufsfindung im Jugendalter (Adoleszenz)
- Optimierungsmöglichkeiten durch die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus
Auszug aus dem Buch
Fallbeispiel nach Christiane Matzke:
Svens Berufsorientierung hat „viel mit eigener Initiative zu tun“. Er besucht die Oberstufe eines Gymnasiums und lebt mit seinem Bruder und seinen Eltern in einer mittelgroßen Stadt in Nordrhein-Westfalen. Der Vater ist gelernter Werkzeugmacher und auch heute noch in dem Beruf tätig, die Mutter ist gelernte Krankenschwester und ebenfalls bis heute als solche beschäftigt. Nach seinem Abitur und dem Wehrdienst will Sven eine duale Ausbildung zum Diplombetriebswirt absolvieren. Er hat sich bereits gut darüber informiert und ist sich sicher, dass ein duales Programm das Richtige für ihn ist.
„Ich finde, das ist schon eine gute Sache.“ Einen Anstoß gab dabei die Schule, die während eines Projekts über verschiedene Studienmöglichkeiten informiert hat, woraufhin Sven seine Entscheidung für ein duales Studium getroffen hat. Inhaltlich lagen seine Berufswünsche immer schon im Wirtschaftsbereich. In der 9. Klasse interessierte er sich für den Beruf des Bankkaufmanns, in der 11. dann für den des Betriebswirts. Er ist sich seinen Interessen und Prioritäten, die er in einem Beruf wählt, schon sicher.“ Ich möchte auf jeden Fall einen Beruf haben, wo ich gefordert bin und auch mit den Menschen zu tun hab.“ Aber auch Spaß an der Sache, Teamarbeit und Herausforderungen sind für ihn wichtige Kriterien im Hinblick auf seinen späteren Beruf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Berufsfindung bei Jugendlichen und die hervorgehobene Rolle der Eltern als wichtige Vertrauenspersonen neben Schule und Lehrkräften.
2. Innere Faktoren des Weges zur Berufsfindung: Beleuchtung des individuellen Reifeprozesses der Jugendlichen auf dem Weg zur Berufswahlreife und der zentralen Rolle der Ich-Findung.
3. Die Entwicklung der Berufswahl, früher und heute: Gegenüberstellung der schicksalhaften Berufswahl in der Zunftwirtschaft mit den heutigen komplexen Anforderungen an Eigenverantwortung und Individualität.
4. Identitätsentwicklung im familiären Umfeld: Analyse der engen Verknüpfung zwischen Identitätsbildung in der Familie und der Fähigkeit, sich beruflich zu orientieren.
5. Die Rolle der Eltern bei der Berufswahl: Untersuchung der verschiedenen Rollen, die Eltern als Unterstützer, Berater oder Vorbilder einnehmen, und deren teils ambivalente Wirkung.
5.1. Der Berufsfindungsprozess unter Mitwirkung der Eltern: Diskussion der elterlichen Mitwirkung im Kontext der pubertären Ablösungsprozesse und der notwendigen Vertrauensbasis.
5.2. Welche besondere Rolle spielen die Eltern nun im Prozess der Berufsorientierung: Untersuchung der Komplexität des elterlichen Einflusses, unterteilt in direkte und indirekte Faktoren sowie den Einfluss der sozialen Herkunft.
6. Umsetzung in der Praxis: Darstellung von Empfehlungen für eine Triade aus Schule, Eltern und Berufsberatung, um den Prozess der Berufsorientierung zu optimieren.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der notwendigen Unterstützung durch Eltern, die Stärken und Interessen des Jugendlichen zu fördern und den individuellen Weg in die Arbeitswelt zu begleiten.
Schlüsselwörter
Berufsfindung, Berufsorientierung, Elternhaus, Identitätsentwicklung, Berufswahlreife, Adoleszenz, Erziehung, Bildungsbiografie, Sozialisation, Berufsberatung, Individuum, Selbstständigkeit, Schichtspezifische Einflüsse, Berufswahl, Familie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einfluss, den Eltern auf den beruflichen Findungsprozess ihrer Kinder während der Jugendphase ausüben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind Identitätsentwicklung, Berufswahlreife, elterliche Vorbildfunktion und der Einfluss sozialer Milieus auf die Bildungsbiografie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, wie Eltern den Berufswahlprozess ihrer Kinder unterstützen oder beeinflussen können, um eine erfolgreiche Integration in die moderne Arbeitswelt zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Forschungsergebnissen zur Bildungs- und Berufsorientierung.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Berufswahl, die psychologischen Aspekte der Ich-Findung und die differenzierten Einflüsse elterlicher Erwartungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Berufsfindung, Berufsorientierung, Elternhaus, Identitätsentwicklung, Adoleszenz und Bildungsbiografie.
Wie gehen Eltern nach Ansicht des Autors am besten mit dem Berufswunsch ihres Kindes um?
Eltern sollten eine offene, unterstützende Rolle einnehmen, die die Interessen und Stärken des Kindes in den Vordergrund stellt, anstatt eigenen Druck auszuüben.
Welche Bedeutung kommt der "Triade" zwischen Schule, Eltern und Arbeitsamt zu?
Diese Triade ist entscheidend, da das Zusammenspiel dieser drei Akteure eine umfassende und fachlich fundierte Begleitung der Jugendlichen in der Berufswahl ermöglicht.
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- Stephanie Brachmann (Author), 2014, Der Einfluss der Eltern bei der beruflichen Sozialisation von Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282018