Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu einem allmählichen Umbruch in der Unterwäscheindustrie. Die Frauen und die Modeindustrie bewegten sich weg von den Miederwaren – hin zu Büstenhaltern und Dessous. Die Erfindung der Dessous, zu denen auch die Büstenhalter zählen, veränderte die Beziehung der Frau zu ihrer Unterwäsche und zu ihrem Körper, bis hin zu ihrem Auftreten. Die Weiterentwicklung von Unterwäsche bedingte nicht nur die Erfindung von Dessous, sondern es entstand auch eine ganze neue Form der Weiblichkeit.
Aber eigentlich ist der Begriff ‚Dessous‘ nur die Kreation und Benutzung eines neuen Wortes. Die Bedeutung des Wortes ging weg von dem „Vokabular einer ehefähigen, mütterlichen und häuslichen Weiblichkeit“ , hin zu etwas Erotischem, Verbotenem und Geheimnisvollen. Die Weiterentwicklung der Unterwäsche veränderte nicht nur das Aussehen der Frau, sondern auch ihr ganzes gesellschaftliches Rollenverhältnis. Diese Entwicklung war jedoch gesellschaftlich gefordert.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Veränderung der Weiblichkeit
2. Erfindung oder Wiederentdeckung? – Der Büstenhalter
3. Der erste Weltkrieg
4. Revolution der Genderrollen zwischen den Kriegen
5. Weltwirtschaftskrise
6. Der zweite Weltkrieg
7. Die 50er Jahre und der andauernde Einfluss des zweiten Weltkrieges
8. Fazit
9. Literatur- und Quellenverzeichnis
9.1. Literatur
9.2. Internetseiten
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der weiblichen Unterwäsche im Kontext gesellschaftlicher Extremsituationen, insbesondere während der beiden Weltkriege, und analysiert, wie dieser Wandel das weibliche Körperbild sowie die Emanzipation der Frau beeinflusst hat.
- Die historische Entwicklung vom Korsett zum Büstenhalter als Symbol der Befreiung.
- Die Auswirkungen von Krieg und Weltwirtschaftskrise auf gesellschaftliche Normen.
- Der Zusammenhang zwischen Kleidung, Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Identität.
- Die Rolle neuer Materialien wie Nylon und Lycra in der Unterwäscheproduktion.
- Der Einfluss von Schönheitsidealen und medialen Vorbildern auf die Mode.
Auszug aus dem Buch
3. Der erste Weltkrieg
Die gesellschaftlichen Rollenverhältnisse zwischen Mann und Frau veränderten sich während des ersten Weltkriegs stark, denn Frauen mussten wegen der Kriegssituation einige Männerarbeiten übernehmen. Durch diesen Umstand übernahmen Frauen auch Teile des männlichen Kleidungsstils, weil dieser für ihre neuen Tätigkeiten arbeitsfreundlicher und funktionaler war.10 Da das Korsett für die körperlichen Arbeiten ein großes Hemmnis darstellte, reduzierte sich dieses auf einen einfachen Hüfthalter, der von der Taille bis zur Leiste oder auch manchmal bis zur Mitte des Oberschenkels reichte.11 Durch die Befreiung des Oberkörpers ersetzte der Bürstenhalter die Grundfunktion des früheren hochgeschlossenen Korsetts.12
Jedoch lockerten sich auch schon vor dem ersten Weltkrieg die Kleiderregeln der Frauen besonders durch die aufkommende Sport- und Freizeitmode. Vieles wurde hiervon während des länger als erwartet andauernden Krieges aufgenommen und vermischte sich mit dem ‚Soldaten-Stil‘.13 Nach der Befreiung von dem Korsett, das sich nun als Hüftgürtel etablierte, wurde der Drang nach Bewegungsfreiheit immer größer und sämtliche Bestandteile der Unterwäsche mussten sich diesem unterwerfen. Dadurch wurde die Unterwäsche praktischer und kürzer gestaltet.14 Letztendlich wurde nicht nur die Unterwäsche kürzer, sondern auch der Rocksaum schob sich allmählich weiter nach oben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Veränderung der Weiblichkeit: Dieses Kapitel thematisiert den allmählichen Umbruch in der Unterwäscheindustrie und die damit einhergehende neue Form der Weiblichkeit.
2. Erfindung oder Wiederentdeckung? – Der Büstenhalter: Hier wird der historische Stellenwert des Büstenhalters und seine zunehmende Akzeptanz gegenüber dem Korsett beleuchtet.
3. Der erste Weltkrieg: Der Fokus liegt auf der kriegsbedingten Notwendigkeit funktionaler Kleidung und der damit verbundenen Emanzipation der Frau durch den Verzicht auf einschränkende Miederwaren.
4. Revolution der Genderrollen zwischen den Kriegen: Das Kapitel analysiert den Garconne-Stil und die Verschiebung der Geschlechtergrenzen durch eine neue, androgynere Mode.
5. Weltwirtschaftskrise: Hier wird die Rückkehr zu traditionelleren Rollenbildern und die erneute Anpassung der Mode an konservativere Werte beschrieben.
6. Der zweite Weltkrieg: Dieses Kapitel betrachtet die Auswirkungen des Nationalsozialismus und des Kriegsmangels auf die Unterwäsche sowie die Etablierung des Büstenhalters als Standard.
7. Die 50er Jahre und der andauernde Einfluss des zweiten Weltkrieges: Es wird untersucht, wie nach dem Krieg ein neues Wohlstandsbedürfnis auf ein konservatives Rollenbild traf und die Mode beeinflusste.
8. Fazit: Eine abschließende Betrachtung des Wechselverhältnisses zwischen Körper, Gesellschaft und dem Wandel der Kleidung im Zeitverlauf.
9. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Unterwäsche, Korsett, Büstenhalter, Weltkriege, Modeindustrie, Frauenrolle, Emanzipation, Körperideal, Garconne-Stil, Weltwirtschaftskrise, Nylon, Lycra, Gesellschaft, Zivilisation, Geschlechterrollen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den gesellschaftlichen und modischen Wandel der weiblichen Unterwäsche unter dem Einfluss von Krisenzeiten wie den Weltkriegen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Übergang vom Korsett zum Büstenhalter, die Veränderung der Geschlechterrollen und die Wechselwirkung zwischen Mode und gesellschaftlichen Normen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich das Verständnis von Weiblichkeit und Körperlichkeit durch den Einfluss gesellschaftlicher Extremsituationen im Zeitraum von 1890 bis 1960 gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche und historische Analyse, die Fachliteratur und Zeitzeugnisse zur Mode- und Sozialgeschichte auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg über die Zwanziger Jahre und die Weltwirtschaftskrise bis hin zu den Fünfziger Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Unterwäsche, Emanzipation, Körperideal, Modeindustrie, Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Wandel.
Warum war das Korsett aus Sicht des Autors ein Symbol der Unterdrückung?
Das Korsett formte den Körper nach männlichen Vorstellungen und diente als physisches Symbol für die damalige gesellschaftliche Unterordnung der Frau.
Welche Rolle spielten neue Materialien für die Modeentwicklung?
Synthetische Materialien wie Nylon und Lycra ermöglichten eine leichtere, praktischere und für breitere Bevölkerungsschichten erschwingliche Unterwäsche.
- Quote paper
- Hannah Bauer (Author), 2014, Vom Korsett zum Büstenhalter. Einfluss gesellschaftlicher Extremsituationen am Beispiel der zwei Weltkriege auf den Unterwäschemarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282127