Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Basics and General

Antike Philosophie in der Moderne? Gerechtigkeitskonzeptionen nach Platon und John Rawls

Title: Antike Philosophie in der Moderne? Gerechtigkeitskonzeptionen nach Platon und John Rawls

Term Paper , 2014 , 11 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stefan Raß (Author)

Politics - Basics and General
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Begriff der Gerechtigkeit (dikaiosýne) ist seit Jahrtausenden Gegenstand philosophischer Diskussionen. Bis in die Moderne bleibt die Frage nach der Gerechtigkeit kontrovers. Sie wird als Grundnorm menschlichen Zusammenlebens erachtet und dient Staaten als Legitimationsbasis für ihre Judikative. Das Lexikon der philosophischen Begriffe definiert Gerechtigkeit als „eine grundlegende Tugend und ein Grundprinzip des Rechts und des sittlichen Handelns.“ Welche Handlungs- und Rechtsnormen sich daraus ableiten können, bleibt jedoch umstritten.
Wie Gerechtigkeit in einer gesellschaftlichen Ordnung wirksam werden soll wurde schon vor Platon diskutiert, dessen Werke noch bis heute sehr großen Einfluss in die Philosophie haben. Gerechtigkeit ist zentral in seinen Schriften über den Staat mit denen er Überlegungen vieler nachfolgender Denker fundamental prägte. Aus der Sicht des Philosophen Sokrates, dem Lehrer Platons, wird dort in Dialogform die Entstehung einer gerechten Staats- und Gesellschaftsform diskutiert.
1971 leitete John Rawls eine „Renaissance der Gerechtigkeit“ ein und rückte mit seinem Buch Theory of Justice der Begriff der dikaiosýne wieder in den Focus der politischen und Moralphilosophie. Das Thema war jedoch „nicht dem Vergessen entrissen, sondern der Vermutung der Bedeutungslosigkeit für die Gesellschaftstheorie.“
Beide Denker beschäftigen sich mit der Frage was eine gerechte Gesellschaft ausmacht und wie man diese umsetzen kann. Jedoch trennen beide fast zweieinhalbtausend Jahre. Diese Arbeit versucht zu ergründen worin die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden Gerechtigkeitskonzeptionen liegen – Wie viel Platon steckt in Rawls?
Um diese Frage zu beantworten wird eine vergleichende Analyse beider Denkansätze herangezogen. Dies soll die Möglichkeit bieten, Parallelen in der Auffassung von Gerechtigkeit aufzuzeigen, sowie Abweichungen oder konträre Ansichten darzulegen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Philosophenkönig

3. Eine Theorie der Gerechtigkeit

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die Gerechtigkeitskonzeptionen von Platon und John Rawls kritisch zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem Verständnis einer gerechten Gesellschaftsordnung über eine historische Distanz von zweieinhalbtausend Jahren hinweg zu identifizieren und die Frage zu beantworten, wie viel platonisches Denken in der modernen Vertragstheorie von Rawls enthalten ist.

  • Vergleich der platonischen Politeia mit der Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls
  • Analyse der Rolle des Philosophenkönigs bei Platon
  • Untersuchung der Bedeutung des Urzustands und des Schleiers des Nichtwissens bei Rawls
  • Gegenüberstellung von Tugendethik und moderner Vertragstheorie
  • Erörterung der Legitimität und der Zielsetzung gesellschaftlicher Ordnungssysteme

Auszug aus dem Buch

2. Der Philosophenkönig

In Platons Hauptwerk, Politeia wird die Frage was Recht und was Unrecht ist als erstes nach einem Fest zu Ehren einer Göttin diskutiert. Hier sind die Positionen dreier Männer von großer Bedeutung. Kephalos berichtet mit fortgeschrittenem Alter ehrfürchtig vor religiösen Konsequenzen im Jenseits geworden zu sein, die ein ungerechtes Leben im Diesseits nach sich zieht. Er sieht es als gerecht an niemandem etwas schuldig zu bleiben, was als wohlhabender Mann leicht umzusetzen sei. Sokrates entgegnet ihm, dass es jedoch ungerecht sei Unverantwortliches an Unverantwortliche zurückzugeben, da man so vermeidbaren Schaden zufügen würde.

Polymarchos beruft sich auf die Autorität des Dichters Simonides und baut auf die Argumentation seines Vaters Kephalos auf. Es sei gerecht Freunden Gutes zu tun, demnach einem Wahnsinnigen (Unverantwortlicher) keine Waffe (Unverantwortliches) zu geben, jedoch seinen Feinden schuldet man Schlechtes, somit ist es gerecht ihnen zu schaden. Sokrates entgegnet dem, dass man aufgrund von Fehleinschätzungen durch eine solche Gerechtigkeitsvorstellung leicht einen gerechten Menschen als Feind einschätzen und ihm somit schaden könne.

Ungeduldig beginnt der junge und emotionale Sophist Thrasymachos sich am Gespräch zu beteiligen. Seiner Ansicht nach ist Gerechtigkeit „der Vorteil des Stärkeren“, das was dem Regierenden zuträglich ist. Er führt an, dass derjenige, der den Vorschriften der Regierenden gehorcht, gerecht handelt. Sokrates entgegnet dem, dass auch Machthaber Fehler machen. Wenn man nun solchen Anweisungen folgt, schadet man dem Machthaber und handelt somit nicht mehr gerecht im Sinne von Thrasymachos Gerechtigkeitsdefinition.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische und philosophische Relevanz des Gerechtigkeitsbegriffs ein und definiert das Ziel der vergleichenden Analyse zwischen Platon und John Rawls.

2. Der Philosophenkönig: Dieses Kapitel erläutert Platons Gerechtigkeitsverständnis in der Politeia, basierend auf einer arbeitsteiligen Gesellschaft unter der Führung eines weisen Machthabers.

3. Eine Theorie der Gerechtigkeit: Dieses Kapitel stellt John Rawls' modernen Ansatz der Gerechtigkeit als Fairness vor, der durch den Urzustand und den Schleier des Nichtwissens charakterisiert ist.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse des Vergleichs zusammen und stellt fest, dass trotz der großen zeitlichen Distanz strukturelle Parallelen in der Argumentationslogik beider Denker bestehen.

Schlüsselwörter

Gerechtigkeit, Platon, John Rawls, Politeia, Theorie der Gerechtigkeit, Philosophenkönig, Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Vertragstheorie, Tugend, Gesellschaftsvertrag, Fairness, politische Philosophie, Moral, Rechtsnormen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einem rechtsphilosophischen Vergleich der Gerechtigkeitskonzeptionen von Platon und John Rawls, um deren unterschiedliche Ansätze über die Jahrtausende hinweg gegenüberzustellen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die antike Staatsphilosophie, insbesondere Platons Politeia, sowie die moderne Vertragstheorie von John Rawls.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob und in welcher Form Parallelen zwischen Platons Vorstellungen von Gerechtigkeit und der modernen Gerechtigkeitstheorie von Rawls existieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine vergleichende Analyse der primären und relevanten sekundären philosophischen Literatur beider Denker.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert Platons Konzept des Philosophenkönigs und der funktionalen Gerechtigkeit sowie Rawls' Modell der „Theory of Justice“, inklusive Urzustand und Fairness-Prinzip.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Gerechtigkeit, Vertragstheorie, Philosophenkönig, Urzustand, Schleier des Nichtwissens und politische Philosophie.

Wie unterscheidet sich Platons Gerechtigkeitsverständnis von dem des Rawls?

Platon begreift Gerechtigkeit als eine hierarchische Ordnung, in der jeder seine zugewiesene Aufgabe erfüllt, während Rawls den Fokus auf Fairness in einem sozialen Vertrag zwischen freien und gleichen Individuen legt.

Welche Rolle spielt der „Schleier des Nichtwissens“ bei Rawls?

Der „Schleier des Nichtwissens“ dient als methodisches Konstrukt, um sicherzustellen, dass rationale Entscheidungen über gesellschaftliche Grundsätze ohne Kenntnis der eigenen sozialen Position oder Fähigkeiten getroffen werden.

Warum wird Platon als „der Zweck heiligt die Mittel“ interpretiert?

Der Autor deutet an, dass Platons System der Philosophenherrschaft eine übergeordnete Ordnung zulasten der individuellen Freiheit priorisiert, was eine moderne Sichtweise auf Gerechtigkeit erschwert.

Excerpt out of 11 pages  - scroll top

Details

Title
Antike Philosophie in der Moderne? Gerechtigkeitskonzeptionen nach Platon und John Rawls
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Hauptströmungen der Politischen Philosophie - Antikes Denken
Grade
1,3
Author
Stefan Raß (Author)
Publication Year
2014
Pages
11
Catalog Number
V282153
ISBN (eBook)
9783656767619
ISBN (Book)
9783656767602
Language
German
Tags
John Rawls Platon Vergleich Theorie Gerechtigkeit Philosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Raß (Author), 2014, Antike Philosophie in der Moderne? Gerechtigkeitskonzeptionen nach Platon und John Rawls, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282153
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  11  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint