In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat das Thema der sozialen und ökologischen Verantwortung von Unternehmen sowohl in der öffentlichen Diskussion als auch in der Wissenschaft immer mehr an Bedeutung gewonnen und die Unternehmen sehen sich einem wachsenden Druck ausgesetzt, CSR-Prinzipien in ihrem Handel zu berücksichtigen. Die Öffentlichkeit und vor allem die Konsumenten beobachten kritisch das Handeln der Firmen und richten ihre Kaufentscheidungen danach aus und auch der Staat fordert in zunehmendem Maße von den Unternehmen eine Verantwortungsübernahme im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Problemen. [...] Führende Politiker wie beispielsweise der damalige SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering tadelten die „international wachsende Macht des Kapitals“ und die totale „Ökonomisierung eines kurzatmigen Profit-Handelns“ und forderten die Unternehmen auf, sich für ihre Arbeitnehmer und für ihren Standort verantwortlich zu fühlen.
Entgegen dieser Aufforderung seitens der Politik steht jedoch die Ansicht von Milton Friedman, der die Profit-Maximierung als die einzig wirkliche gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmens betrachtet. Zudem vertreten viele Ökonomen die Ansicht, dass die Maximierung des Shareholder-Values die einzige einer marktwirtschaftlichen Ordnung entsprechende Leitmaxime der Unternehmenspolitik ist.
Dessen ungeachtet scheinen jedoch auch immer mehr Unternehmen der Überzeugung zu sein, dass eine alleinige Fokussierung auf die wirtschaftliche Leistung des Unternehmens nicht mehr zeitgemäß ist und integrieren deswegen soziale und ökologische Aspekte in ihre strategische Unternehmensausrichtung.
Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, welche Gründe Unternehmen dazu veranlassen, sich dem Thema CSR zu widmen und welche Argumente es gibt, die dagegen sprechen. In den folgenden Abschnitten wird außerdem erläutert, auf welche Weise in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden hat. Denn während in der Vergangenheit der Fokus der Unternehmensführung zumeist allein auf der Maximierung des Aktienkurses und den Interessen der Shareholder lag, werden in der Gegenwart zunehmend verschiedene Anspruchsgruppen bei Unternehmensentscheidungen berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Ethische Begründung von CSR
2. Ablehnung von CSR auf Basis der Shareholder-Theorie
3. Befürwortung von CSR auf Basis der Stakeholder-Theorie
4. CSR als Instrument zur Generierung von Wettbewerbsvorteilen
5. Weitere theoretische Begründungen von CSR
6. Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beweggründe von Unternehmen, sich der Corporate Social Responsibility (CSR) zu widmen, und beleuchtet die kontroversen Debatten zwischen verschiedenen theoretischen Positionen. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen der klassischen Profitmaximierung und einer modernen, stakeholderorientierten Unternehmensführung zu analysieren.
- Ethik und moralische Verpflichtungen von Unternehmen
- Die Shareholder-Theorie nach Milton Friedman als Gegenposition
- Die Stakeholder-Theorie und ihre Bedeutung für die Unternehmensstrategie
- CSR als Instrument zur langfristigen Steigerung des Unternehmenswerts
- Ressourcenansatz und Transaktionskostentheorie als theoretische Fundamente
Auszug aus dem Buch
2. Ablehnung von CSR auf Basis der Shareholder-Theorie
Im Jahr 1970 schrieb Milton Friedman, einer der wohl bekanntesten Gegner des CSR-Konzeptes, den oft zitierten Satz „The social responsibility of business is to increase its profits“ (Friedman, 1970). Laut Friedman hat ein Unternehmen in einer freien Marktwirtschaft nur eine einzige gesellschaftliche Verpflichtung und die lautet, innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen so viel Profit wie möglich zu machen (vgl. Friedman 1970). Friedman verlieh damit einer Meinung Ausdruck, der in der Vergangenheit viele Unternehmensmanager zugestimmt haben (vgl. Kolstad 2006, S. 1) und die in der Wissenschaft als neo-klassische Sichtweise in der Shareholder-Theorie zum Ausdruck gebracht wird (vgl. van Marrewijk 2003, S.96; Bird et al. 2007). Die Kernpunkte dieser Theorie werden in diesem Kapitel dargelegt.
Der Begriff Shareholder bedeutet im Deutschen Anteilseigner / Aktionär eines Unternehmens. Das Konzept des Shareholder-Value, welches entscheidend von Alfred Rappaport geprägt wurde, konzentriert sich bei der Messung des Unternehmenserfolges auf die Aktienrendite als einzige Messgröße und richtet die gesamte Strategie des Unternehmens auf den Gewinn der Anteilseigner aus (vgl. Demmer 2002; Simon 2000). Begründet wird dies folgendermaßen: Heutzutage sind vor allem bei großen Unternehmen die Eigentümer eines Unternehmens selten zugleich auch die Manager. Vielmehr hat es sich durchgesetzt, dass eine große Zahl von Menschen Anteile an einer Firma erwerben und dann von den Managern erwarten, dass diese im Interesse der Aktionäre handeln (vgl. Crane / Matten 2004, S. 184).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die wachsende Bedeutung von CSR vor dem Hintergrund öffentlichen Drucks und veränderter Erwartungshaltungen an Unternehmen.
1. Ethische Begründung von CSR: Erörterung der moralischen Verpflichtung von Unternehmen als Teil der Gesellschaft, verantwortlich zu handeln.
2. Ablehnung von CSR auf Basis der Shareholder-Theorie: Darstellung der klassischen Sichtweise, die allein die Profitmaximierung im Rahmen der Gesetze als Unternehmenszweck legitimiert.
3. Befürwortung von CSR auf Basis der Stakeholder-Theorie: Analyse des Ansatzes, nach dem Unternehmen auch die Interessen anderer Gruppen berücksichtigen müssen.
4. CSR als Instrument zur Generierung von Wettbewerbsvorteilen: Untersuchung des strategischen Nutzens von CSR, insbesondere in Bezug auf Reputation und Image.
5. Weitere theoretische Begründungen von CSR: Ergänzende wissenschaftliche Erklärungen durch den Ressourcenansatz und die Transaktionskostentheorie.
6. Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen: Synthese der verschiedenen Positionen zum CSR-Konzept und deren Auswirkungen auf die strategische Unternehmensführung.
Schlüsselwörter
Corporate Social Responsibility, CSR, Shareholder-Theorie, Stakeholder-Theorie, Profitmaximierung, Unternehmensethik, Wettbewerbsvorteile, Reputation, Ressourcenansatz, Transaktionskostentheorie, Nachhaltigkeit, Unternehmensführung, Stakeholder, Shareholder-Value, gesellschaftliche Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die verschiedenen Argumentationslinien pro und contra Corporate Social Responsibility (CSR) und die theoretischen Hintergründe, die das Handeln von Unternehmen in diesem Bereich beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die ethische Verantwortung, die ökonomische Ausrichtung an Shareholdern versus Stakeholdern sowie der strategische Mehrwert von CSR für Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Aufarbeitung der theoretischen Debatte um CSR, um zu verstehen, warum sich Unternehmen gesellschaftlich engagieren und welche strategischen Ziele dabei verfolgt werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und verschiedene managementwissenschaftliche Theorien gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die ethische Argumentation, die kritische Sichtweise der Shareholder-Theorie, die Stakeholder-Theorie, den Nutzen für Wettbewerbsvorteile sowie ökonomische Theorien wie den Ressourcenansatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe CSR, Shareholder-Value, Stakeholder-Ansatz, Wettbewerbsvorteile und Unternehmensethik charakterisieren.
Warum lehnt die Shareholder-Theorie CSR-Aktivitäten häufig ab?
Die Theorie sieht darin eine illegitime Verwendung von Unternehmensmitteln, die nicht den Interessen der Anteilseigner entspricht und die Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnte.
Wie trägt die Transaktionskostentheorie zur CSR-Debatte bei?
Sie argumentiert, dass gesellschaftliches Engagement Vertrauen schafft, welches wiederum Transaktionskosten senken kann, da opportunistisches Verhalten reduziert wird.
- Citation du texte
- Diplom-Kauffrau Eva Koscher (Auteur), 2007, Pro- und Contra-Argumente der Corporate Social Responsibility (CSR) im Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282175