Mittelständischen Unternehmen bietet sich meist keine andere Wahl, als sich im internationalen Wettbewerb völlig neu zu positionieren und den Weg der Erschließung neuer prosperierender Märkte im Ausland, den auch die Großunternehmen gehen, einzuschlagen.
Da seit mehreren Jahren im Rahmen der Internationalisierung gerade die Produktionsstandorte Osteuropa und China eine hohe Popularität genießen und im Fokus der wissenschaftlichen Untersuchungen stehen, werden andere aufstrebende Länder und Märkte bei einer Internationalisierungsentscheidung kaum berücksichtigt und ihre Chancen nicht frühzeitig genug erkannt. Eines dieser Länder, das noch nicht die Aufmerksamkeit der Unternehmen und der Wissenschaft auf sich gezogen hat, aber von einigen Experten als ein neuer potenzialträchtiger Zukunftsmarkt bezeichnet wird, ist Russland. Das Land hat sich in den letzten Jahren im Zuge eines Transformationsprozesses grundsätzlich gewandelt und befindet sich in einem Aufschwung. Zurzeit boomt die russische Wirtschaft und ist auf dem besten Wege die Prinzipien der Marktwirtschaft durchzusetzen. Mit den ungesättigten Märkten und der konstant zunehmenden Nachfrage gehört sie seit einigen Jahren zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Vor diesem Hintergrund und wegen der geografischen Nähe zu Deutschland wird Russland hinsichtlich eines unternehmerischen Auslandsengagements immer interessanter und soll in dieser schriftlichen Arbeit als ein möglicher Produktionsstandort für deutsche mittelständische Unternehmen untersucht und bewertet werden. Hiermit soll auch dem Mangel an wissenschaftlichen Untersuchungen hinsichtlich dieses Themas Rechnung getragen werden.
Ausgehend von der Einführung in die Untersuchungsthematik verfolgt diese schriftliche Arbeit das Ziel, einerseits mittelständischen Unternehmen praxisorientierte Hilfestellungen und Handlungsempfehlungen bei dem Aufbau einer Produktion in Russland zu geben, und andererseits das Zielland Russland durch die Analyse der dort vorhandenen Rahmenbedingungen auf die Thematik hin zu bewerten und eine Informationsbasis für weitere Unternehmensentscheidungen zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundsätzliche Rahmenbedingungen in Russland
2.1 Geografische, demografische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen
2.2 Politische und ökonomische Rahmenbedingungen
2.3 Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen
2.4 Russland im weltweiten Maßstab
2.5 Rechtliche Grundlagen
2.5.1 Ausländische Investitionen in der Russischen Föderation
2.5.2 Gewerblicher Rechtsschutz
2.5.3 Unternehmensbesteuerung
2.5.4 Kulturelle und kommunikative Unterschiede
3 Aufbau einer mittelständischen Produktion in Russland
3.1 Direktinvestitionen
3.1.1 Unternehmensgründung und Registrierung
3.1.2 Unternehmenskauf
3.1.3 Joint Venture und der richtige Partner
3.2 Personal
3.2.1 Personalangebot und Qualifikation
3.2.2 Personalkosten
3.2.3 Personalsuche
3.3 Finanzwirtschaftliche Aspekte
3.3.1 Instrumente und Unterstützung in der Finanzierung
3.3.2 Absicherung von Investitions- und Währungsrisiken
3.4 Standortwahl
3.4.1 Standortrating
3.4.2 Die Standorte Moskau und Sankt Petersburg
3.4.3 Sonderwirtschaftszonen
4 Abschließende Betrachtung
4.1 Stärken und Schwächen mittelständischer Unternehmen
4.2 Chancen und Risiken Russlands
4.3 Handlungsempfehlungen
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, deutschen mittelständischen Unternehmen praxisorientierte Hilfestellungen für den Aufbau einer Produktion in Russland zu geben, die dortigen Rahmenbedingungen zu analysieren und eine Informationsgrundlage für strategische Entscheidungen zu schaffen.
- Analyse der russischen ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für Investoren
- Bewertung strategischer Optionen wie Unternehmensgründung, Kauf oder Joint Venture
- Untersuchung des Personalmarktes, der Finanzierungsaspekte und Standortfaktoren
- Darstellung interkultureller Besonderheiten bei der Geschäftsführung
Auszug aus dem Buch
2.5.4 Kulturelle und kommunikative Unterschiede
Die Kultur ist für ein Land, eine Nation oder eine Gesellschaft ein kennzeichnendes Orientierungssystem, das das Wahrnehmen, Denken, Handeln und Wertschätzen aller Einwohner oder Mitglieder beeinflusst und deren Zugehörigkeit definiert. Die meisten Einwohner Russlands zählen zu dem slawischen Kulturkreis. In einigen abgelegenen russischen Republiken und autonomen Gebieten existieren aber auch weitere eigenständige asiatische, byzantinische und tatarische Kulturarten. Zudem ist das gesamte Land noch tiefgehend von der langen Zeit der sowjetischen Herrschaft und dem sozialistischen Wertesystem geprägt. Daraus resultieren mischkulturelle Verhaltensmuster in der Kommunikation und Verhandlungsführung, die für ausländische Geschäftsleute undurchsichtig und nicht nachvollziehbar zu seien scheinen. Doch es gibt viele allgemein gültige Verhaltensregeln, nach denen sich unerfahrene deutsche Mittelständler richten können, und deren Kenntnis die gleiche Beachtung wie das Wissen über die russischen ökonomischen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen verdient.
Russland ist ein großes Land, das auf seine Kultur und Sprache sehr stolz ist. Von den Ausländern, die ins Land kommen, wird unausgesprochen verlangt, dass sie sich mit der russischen Sprache auseinander setzen. Obwohl einige russische Geschäftsleute auch der englischen und deutschen Sprache mächtig sind, sind fundierte Kenntnisse in der russischen Sprache eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche und zukunftsträchtige Produktion in Russland.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert den internationalen Wettbewerbsdruck, der KMUs zur Expansion zwingt, und identifiziert Russland als bisher unterschätzten, aber potenzialreichen Zielmarkt.
2 Grundsätzliche Rahmenbedingungen in Russland: Dieses Kapitel analysiert geografische, infrastrukturelle, politische und wirtschaftliche Faktoren sowie die rechtlichen Grundlagen und kulturellen Unterschiede in Russland.
3 Aufbau einer mittelständischen Produktion in Russland: Hier werden spezifische Instrumente für Direktinvestitionen, Personalmanagement, Finanzierung und Standortwahl detailliert dargestellt.
4 Abschließende Betrachtung: Dieses Kapitel stellt die Stärken und Schwächen mittelständischer Unternehmen den Chancen und Risiken des russischen Marktes gegenüber und leitet Handlungsempfehlungen ab.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass eine erfolgreiche Produktion in Russland nur durch fremde Unterstützung und eine stufenweise Internationalisierungsstrategie realisierbar ist.
Schlüsselwörter
Russland, Mittelstand, Produktion, Internationalisierung, Direktinvestitionen, Joint Venture, Unternehmenskauf, Standortwahl, Personal, Finanzierung, Rechtsrahmen, Steuersystem, Interkulturelles Management, Wirtschaftsentwicklung, Transformationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen für deutsche mittelständische Unternehmen, die in Russland eine eigene Produktion aufbauen möchten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die russischen Rahmenbedingungen, rechtliche Aspekte wie Besteuerung, Personalsuche, Finanzierungsstrategien und die Bewertung von Standorten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, praxisnahe Handlungsempfehlungen zu formulieren und eine Informationsgrundlage für deutsche KMUs zu schaffen, um erfolgreich in Russland zu produzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, Auswertungen relevanter Indizes und Statistiken sowie die Darstellung regulatorischer Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rahmenbedingungen und die Untersuchung praktischer Umsetzungsinstrumente für eine Markterschließung, inklusive Standortratings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Mittelstand, Direktinvestitionen, Russland, Internationalisierung, Personalsuche und Finanzwirtschaft.
Welche Bedeutung hat der persönliche Faktor in Russland laut Autor?
Beziehungen, Vertrauen und ein persönlicher Kontakt zur Administration oder lokalen Partnern sind laut Autor im Russlandgeschäft für den Erfolg unverzichtbar.
Warum wird eine stufenweise Internationalisierung empfohlen?
Aufgrund begrenzter Ressourcen und der Komplexität des Marktes empfiehlt der Autor ein sukzessives Vorgehen, um Risiken zu minimieren und Erfahrungen zu sammeln.
- Citar trabajo
- Diplom-Betriebswirt Roman Karl (Autor), 2007, Der Aufbau einer mittelständischen Produktion in Russland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282260