Die Geschichte des Turmbaus zu Babel nimmt einen nur sehr kurzen Abschnitt von neun Versen im ersten Buch Mose im Alten Testament ein. Dennoch hat diese kurze Erwähnung Künstler vom Mittelalter bis in moderne Zeiten inspiriert, die Erzählung vom gigantischen Bauwerk bildlich umzusetzen.
Es gibt nur wenige Quellen, die von seinem tatsächlichen Aussehen berichten. Durch diesen Umstand entstand ein nahezu unbegrenzter Gestaltungsraum für Künstler, die sich vornahmen, den Turm bildlich darzustellen.
So ging das Motiv durch verschiedene Epochen. In der Folgenden Arbeit werden Turmdarstellungen aus dem Zeitraum zwischen dem 15. Jahrhundert und dem 18. Jahrhundert untersucht. Es werden nicht nur die Unterschiede zwischen den Wer-ken, aber auch ihre Gemeinsamkeiten untersucht.
Ebenso wird auf die Symbolik und die Bedeutung des Turmes eingegangen, die dieser in den verschiedenen Werken einnimmt.
Hierbei wird darauf ausgegangen, dass sich die Perspektive auf den Turm und seine Geschichte im Laufe der Zeit verändert und dass verschiedene Schwerpunk-te gesetzt werden. Dennoch kann es Elemente geben, die sich im Laufe der Dar-stellungsgeschichte herausgebildet haben und an denen sich verschiedene Künstler bedienen.
Diese Thesen sind in den folgenden Bildanalysen zu prüfen, nachdem zunächst kurz auf die Überlieferung des Turmbaus und der Verbindung des Babelturms mit den Weltwundern der Antike eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überlieferung und die Verbindung mit Weltwunderdarstellungen
3. Die Darstellungen des Turms von Babel in der Bildkunst zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert
3.1. Darstellung aus der Bouquechardiére-Handschrift
3.2. Pieter Bruegel der Ältere: Der Turmbau zu Babel
3.3. Lucas van Valckenborch: Turmbau zu Babel
3.4. Hendrick van Cleve: Turmbau zu Babel
3.5. Monsú Desiderio: Der Turmbau zu Babel
4. Schluss
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die künstlerische Darstellung des Turmbaus zu Babel in einem Zeitraum vom 15. bis zum 18. Jahrhundert, um Gemeinsamkeiten und stilistische Wandlungen in der Ikonographie sowie die zugrunde liegende Symbolik und Bedeutung des Bauwerks im jeweiligen historischen Kontext zu analysieren.
- Entwicklung der Babelturm-Ikonographie von der mittelalterlichen Buchmalerei bis zur Barockzeit.
- Vergleich der monumentalen Bauweise mit den antiken Weltwundern.
- Analyse der Rolle des Herrschers Nimrod in der bildnerischen Erzählung.
- Bedeutung der Architekturvisionen als Reflexion menschlicher Schaffenskraft und Hybris.
- Einfluss politischer und religiöser Verhältnisse auf die künstlerische Umsetzung.
Auszug aus dem Buch
Pieter Bruegel der Ältere: Der Turmbau zu Babel
Im 16. Jahrhundert bildete sich in den Niederlanden eine stark abgewandelte Darstellungsweise des Turmbaus heraus. Pieter Bruegel der Ältere gehörte hierbei zu den Malern, die den größten Einfluss auf die Turmbaubilder der folgenden Jahrhunderte hatten. Seine Turmbaudarstellungen fanden viele Nachahmer und wirkten stilbildend.
Das noch heute bekannteste Werk ist „Der Turmbau zu Babel“ (Abb.2), welches um 1563 entstanden ist und heute im Wiener Kunsthistorischen Museum hängt. Gegenüber den Miniaturen aus dem Mittelalter hat das Gemälde mit 114x155 cm nicht nur ein wesentlich größeres Format, sondern es wurde auch mit einem komplett anderen Schwerpunkt umgesetzt.
Hier dominiert der monumentale Turm die Bildfläche, geht am oberen Rand sogar über die Bildfläche hinaus. Diese Größe, sowie der runde Grundriss des Turmes sind unübliche Elemente in der bisherigen Darstellungstradition. Ein möglicher Ursprung für das gewandelte Aussehen könnte die Begeisterung für antike Architektur sein, welche in der Renaissance aufflammte. Die Ähnlichkeit zwischen Bruegels Turm und dem Kolosseum in Rom sind unmissverständlich.
Die linke Seite des Turms wirkt weitgehend fertiggestellt, während auf der rechten Seite noch das Innenleben aus rotem Backstein zu sehen ist. Dieser Teil scheint bei näherer Betrachtung fast schon wieder im Verfall begriffen zu sein. Auffällig ist hier der Fels, der auf der Mittelachse des Bildes aus der Fassade des Bauwerkes herausragt, sowie die kleineren Steinformationen, die im unfertigen Teil auf der rechten Turmseite liegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die biblische Geschichte des Babelturms ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die ikonographische Entwicklung dieses Motivs zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert zu untersuchen.
2. Überlieferung und die Verbindung mit Weltwunderdarstellungen: Das Kapitel beleuchtet, wie der Turm von Babel trotz biblischen Ursprungs als monumentales Bauwerk in die Tradition der Weltwunder eingereiht und durch moralische Deutungen als Symbol der menschlichen Nichtigkeit aufgeladen wurde.
3. Die Darstellungen des Turms von Babel in der Bildkunst zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert: Dieser Hauptteil analysiert spezifische Fallbeispiele, von mittelalterlichen Miniaturen bis hin zu Werken des Manierismus, und zeigt den Wandel von rein illustrativen Darstellungen hin zu monumentalen Architekturvisionen auf.
3.1. Darstellung aus der Bouquechardiére-Handschrift: Dieses Kapitel beschreibt die mittelalterliche Miniatur, die den Fokus auf die göttliche Bestrafung der menschlichen Hybris legt und Nimrod als zentrale Figur in einem moralisch belehrenden Kontext zeigt.
3.2. Pieter Bruegel der Ältere: Der Turmbau zu Babel: Hier wird Bruegels bahnbrechendes Gemälde analysiert, das den Turm als monumentales Bauwerk mit antiken Anleihen inszeniert und eine Ambivalenz zwischen der Bewunderung für menschliche Schaffenskraft und dem Verfallsgedanken aufbaut.
3.3. Lucas van Valckenborch: Turmbau zu Babel: Die Analyse zeigt, wie Valckenborch durch die Darstellung emsigen Treibens und technischer Konstruktionen die menschliche Fähigkeit zur Naturbeherrschung betont, wobei die biblische Kritik am Projekt in den Hintergrund tritt.
3.4. Hendrick van Cleve: Turmbau zu Babel: Dieses Kapitel widmet sich der Kabinettmalerei der Van-Cleve-Gruppe, die den Babelturm als phantastische Architekturvision mit antiken Bezügen inszeniert und die Monumentalität über das moralische Urteil stellt.
3.5. Monsú Desiderio: Der Turmbau zu Babel: Das Kapitel beleuchtet, wie die manieristische Interpretation von François De Nomé und Didier Barra den Turm als bedrohliche und architektonisch komplexe Vision darstellt, die den moralischen Aspekt wieder stärker in das Bildthema zurückholt.
4. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass sich über die Jahrhunderte eine feste Ikonographie etablierte, während sich die Interpretationsschwerpunkte zwischen monumentaler Architekturbegeisterung und moralischer Mahnung verschoben.
Schlüsselwörter
Turmbau zu Babel, Bildkunst, Ikonographie, Mittelalter, Renaissance, Barock, Architekturvision, Nimrod, Monumentalität, biblische Überlieferung, Weltwunder, Pieter Bruegel der Ältere, moralische Interpretation, Baugeschichte, Kunstgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die visuelle Darstellung des Turmbaus zu Babel in der Kunst zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert und analysiert, wie sich die Interpretation des Motivs in diesem Zeitraum verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Ikonographie, der Verbindung zu antiken Weltwundern, der Bedeutung von Architekturvisionen und der symbolischen Darstellung von Macht und menschlichem Streben.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und stilistische Differenzen in den Turmdarstellungen verschiedener Epochen aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit die Perspektive auf das biblische Bauwerk und seine moralische Bedeutung im Wandel der Zeit variiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Bildanalyse, um die Komposition, Symbolik und historischen Einflüsse der ausgewählten Gemälde und Miniaturen systematisch zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden fünf konkrete Bildbeispiele analysiert: von der Bouquechardiére-Handschrift über Werke von Pieter Bruegel d. Ä., Lucas van Valckenborch und Hendrick van Cleve bis hin zu Monsú Desiderio.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Ikonographie, Babelturm, monumentale Architektur, biblische Überlieferung und kunsthistorischer Epochenwandel charakterisieren.
Warum wird der Turm von Babel in dieser Arbeit oft mit den Weltwundern der Antike in Verbindung gebracht?
Der Turm von Babel teilt mit antiken Weltwundern Eigenschaften wie monumentale Größe und ihre Bedeutung als herausragende Bauwerke, weshalb sie in der Kunstgeschichte häufig in einen ähnlichen ikonographischen Kontext gesetzt werden.
Wie verändert sich die Darstellung der Rolle des Herrschers Nimrod im Laufe der untersuchten Jahrhunderte?
Nimrod dient meist als zentrale Bezugsfigur, deren Darstellung und Kleidung sich jedoch an den jeweiligen Zeitgeist anpasst – vom mittelalterlichen Herrscherbild bis hin zum antiken Eroberer oder Tyrannen in der Renaissance.
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- Christin Bartz (Autor), 2014, Die Darstellung des Turmbaus zu Babel in der Bildkunst des 15. bis 18. Jahrhunderts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282268