Mitarbeiterbegleitung. Wenn ich dieses Wort in irgendeinem Zusammenhang gehört habe, hatte ich meistens ein schlechtes Gewissen. Dieser Bereich gehört zwar in meinen Dienstauftrag, trotzdem hatte ich oft das Gefühl, dass er zu kurz kam. In Gesprächen mit anderen Hauptamtlichen ist mir aufgefallen, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht. Das ist unter anderem sicherlich das Ergebnis von falschen Vorstellungen sowie der Unkenntnis im Bereich der Mitarbeiterbegleitung.
Doch was ist Mitarbeiterbegleitung eigentlich? Ist sie wirklich wichtig oder ist sie nur ein belastender Mehraufwand für beide Seiten? Welche Chancen und Grenzen hat Mitarbeiterbegleitung? Gibt es nur ‚die eine‘ Möglichkeit oder ist Mitarbeiterbegleitung vielfältig?
Diese Arbeit soll diese Fragen beantworten. Ich lege bewusst einen Schwerpunkt auf die Begleitung der bereits vorhandenen Mitarbeiter, nicht die Gewinnung von neuen Mitarbeitern. Es geht vor allem um die Begleitung, das heißt zudem Förderung von jungen Mitarbeitern im Alter von 14-22 Jahren, die punktuell oder regelmäßig als Mitarbeiter im Dienst in der Gemeindearbeit stehen. Die Mitarbeiter können als Mitarbeiter ohne Verantwortung für andere Mitarbeiter fungieren sowie in Leitungsaufgaben stehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition von Begleitung
2.1 Intensität in der Begleitung
3 Biblisch-theologische Begründung und biblische Methoden
3.1 Der biblische Auftrag
3.2 Biblische Beispiele für die Begleitung von Menschen und Mitarbeitern
3.2.1 Passive Begleitung
3.2.1.1 Historische und biblische Person
3.2.1.2 Zeitgenössische Person
3.2.1.3 Unbewusste Person
3.2.2 Das gelegentliche Begleiten
3.2.3 Intensive Begleitung
4 Entwicklung und Lebenswelt von Jugendlichen
4.1 Jugendliche und ihre Lebenswelt
4.2 Entwicklungspsychologische Erkenntnisse
4.3 Die Herausforderung als junger Mitarbeiter
5 Chancen und Grenzen der Mitarbeiterbegleitung
5.1 Voraussetzungen eines Begleiters
5.2 Chancen für Mitarbeiter
5.2.1 Geistliche Entwicklung
5.2.2 Persönliche Entwicklung
5.2.3 Fachliche Entwicklung
5.3 Chancen für Begleiter
5.4 Grenzen für Mitarbeiter
5.5 Grenzen für Begleiter
6 Grundlagen für die Mitarbeiterbegleitung
7 Methoden der Mitarbeiterbegleitung
8 Schlussfolgerungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung, Chancen und Herausforderungen der gezielten Begleitung junger Mitarbeiter (14-22 Jahre) in der kirchlichen Gemeindearbeit, mit dem Ziel, praktische Ansätze für eine fundierte Mitarbeiterförderung zu entwickeln.
- Biblisch-theologische Fundierung von Begleitbeziehungen
- Entwicklungspsychologische Aspekte der Jugendphase und deren Relevanz für die Begleitung
- Analyse von Chancen und Grenzen (Risiken) der Mitarbeiterbegleitung
- Entwicklung praktischer Methoden zur Begleitung und Förderung von ehrenamtlichen Mitarbeitern
Auszug aus dem Buch
3.2.4 Intensive Begleitung
AT: Mose und Josua – Elia und Elisa
Die intensive Beziehung zwischen Mose und Josua war gottgewollt. Josua sollte Moses Nachfolger werden und brauchte dafür Ermutigung und ein gutes Vorbild, um das Handwerkzeug für die zukünftige Leiterschaft zu erlernen (vgl. Deut 1,38).
Mit seinem demütigen Wesen war Mose genau der richtige Begleiter für Josua: Er teilte die Verantwortung, aber ebenfalls die Ehre und Autorität mit Josua im gemeinsamen Dienst.
Elisa entschied sich freiwillig für diese intensive Begleitung, die zu einer sehr persönlichen, väterlichen Beziehung wurde. „Mein Vater, mein Vater! Du Beschützer und Führer Israels“ (2. Könige 2,12 - Hfa) schreit Elisa, als Elia entrückt wird. Nicht nur diese enge Verbindung, sondern ebenso die große Achtung vor Elia wird deutlich.
Neues Testament: Jesus und seine Jünger
Jesus teilte 3 Jahre seines Leben mit seinen Jüngern und prägte sie damit enorm. Er betete für die Auswahl seiner Jünger (vgl. Lk 6,12-16), für sie selbst und ihren Dienst (vgl. Joh 17). Wichtig war ihm, dass seine Jünger feste Persönlichkeiten werden, denn ihr Charakter und ihre Christusähnlichkeit bestimmte ihr gegenwärtiges und zukünftiges Handeln. Er unterrichtete sie im Wort Gottes (vgl. Mt 5-7), bezog sie in seinen Dienst ein und sandte sie voller Vertrauen selbst in den Dienst (vgl. Lk 9,1-6. 10,1-24). Jesus nahm sich Zeit für ihre Fragen (vgl. Lk 11,1-13), war geduldig mit ihnen in ihrem Unverständnis (vgl. Mt 17,17) und vermittelte bei Konflikten (vgl. Lk 22,24-30). Er bereitete sie außerdem auf Widerstand, Ablehnung und Verfolgung vor (vgl. z.B. Joh 15,18-21) und forderte sie heraus z.B. Stellung zu beziehen (vgl. Joh 6,67). In allem war er wertschätzend, beziehungsorientiert, ungezwungen, mobil, lebensnah, selbst nahbar, praktisch, ehrlich und auf Gott ausgerichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Autorin reflektiert ihr eigenes Dienstverständnis und begründet das Anliegen der Arbeit, junge Mitarbeiter zwischen 14 und 22 Jahren zielgerichtet zu fördern.
2 Definition von Begleitung: Es werden begriffliche Grundlagen der Begleitung sowie deren unterschiedliche Intensitätsstufen nach R. Clinton vorgestellt.
3 Biblisch-theologische Begründung und biblische Methoden: Das Kapitel verankert die Mitarbeiterbegleitung im biblischen Auftrag und analysiert exemplarische Begleitmodelle aus Altem und Neuem Testament.
4 Entwicklung und Lebenswelt von Jugendlichen: Hier werden die spezifischen Bedürfnisse von Jugendlichen sowie entwicklungspsychologische Herausforderungen in der heutigen Zeit beleuchtet.
5 Chancen und Grenzen der Mitarbeiterbegleitung: Eine detaillierte Analyse der Potenziale und Risiken für alle Beteiligten, unter Einbeziehung von Voraussetzungen an den Begleiter.
6 Grundlagen für die Mitarbeiterbegleitung: Dieses Kapitel fasst wesentliche Voraussetzungen wie Situationsanalyse, Gebet, Kommunikation und Vorbildfunktion für die Praxis zusammen.
7 Methoden der Mitarbeiterbegleitung: Vorstellung praktischer Werkzeuge wie Mitarbeiterberichte, digitale Kommunikation, Freizeiten und Mentoring-Konzepte.
8 Schlussfolgerungen und Ausblick: Die Autorin zieht Bilanz und leitet persönliche, zukünftige Schritte für ihre eigene Arbeit ab.
Schlüsselwörter
Mitarbeiterbegleitung, Jugendarbeit, Mentoring, Jüngerschaft, Ehrenamt, Persönlichkeitsentwicklung, christliche Gemeindearbeit, Begleitbeziehung, Kompetenzförderung, Jugendseelsorge, christliche Werte, geistliches Wachstum, Vorbildfunktion, Jugendentwicklung, Mitarbeiterführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit und Umsetzung der gezielten Begleitung von jungen, ehrenamtlichen Mitarbeitern in kirchlichen Kontexten, um diese in ihrer persönlichen, geistlichen und fachlichen Entwicklung zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind die biblisch-theologische Begründung von Mentoring-Beziehungen, die Analyse der Lebenswelt und Entwicklungsbedürfnisse von Jugendlichen sowie die Darstellung von Chancen und Gefahren in Begleitungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aus einer fundierten theoretischen Basis heraus praktische Konzepte und Methoden für Mitarbeiterbegleiter zu entwickeln, um Jugendliche im Dienst am Reich Gottes effektiv zu unterstützen und langfristig zu binden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu Mentoring- und Begleitungsansätzen sowie auf der Auswertung biblischer Beispiele, die mit praktischen Erfahrungen aus der gemeindepädagogischen Arbeit verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der biblischen Grundlagen, eine Analyse jugendlicher Lebenswelten, eine systematische Abwägung von Chancen und Grenzen der Begleitung sowie die Erarbeitung konkreter methodischer Ansätze für die Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mitarbeiterbegleitung, Mentoring, Jüngerschaft, Ehrenamt, Persönlichkeitsentwicklung, christliche Gemeindearbeit und Kompetenzförderung.
Wie unterscheidet die Autorin die Intensität von Begleitung?
Unter Rückgriff auf R. Clinton werden drei Stufen definiert: passive Begleitung (z.B. durch Vorbilder), gelegentliche Begleitung (punktueller Rat) und intensive Begleitung (regelmäßig und zielgerichtet).
Welche Gefahren sieht die Autorin bei der Begleitung?
Zu den genannten Gefahren zählen unter anderem der „Messias-Komplex“ (Retter-Mentalität), manipulative Abhängigkeitsverhältnisse, das Überstülpen eigener Ziele sowie das Vernachlässigen von Selbstfürsorge des Begleiters.
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- Helena Krez (Author), 2014, Erfolgreiche Mitarbeiterbegleitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282350