Das Verhältnis von Ethik, Recht und Ökonomie in einer modernen praktischen Wirtschaftsethik


Essay, 2013
9 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Ethik
2.1 Der innere Wille zur Beurteilung der Moralität
2.2 Entscheidung zwischen heteronomer Neigung und autonomer Pflicht
2.3 Beurteilungskriterien für die Sittlichkeit

3 Das Verhältnis zwischen Recht und Moral
3.1 Das Recht als Voraussetzung für die individuelle Wirkfreiheit
3.2 Ein Kriterium zur Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht

4 Das Verhältnis zwischen Ökonomie und Recht

5 Fazit

Literatur

1 Problemstellung

Durch den technologischen Fortschritt in den letzten Jahrzehnten kam es zu einem rasanten Wandel in der Weltwirtschaft. Die Globalisierung schreitet immer weiter voran und wir Deutschen, als eine vom Export stark geprägte Nation, vollziehen, gemessen an der Anzahl der Transaktionen, wirtschaftliche Handlungen in einem noch nie dagewesenen Maße. Dabei werden häufig ethische Werte und Normen durch den unbedingten Willen der Nutzen-maximierung schlichtweg außer Acht gelassen. Warum ist das so? Fragen zur Gewinnmaximierung von Unternehmen werden in unserem Bildungssystem meines Erachtens hinreichend behandelt, jedoch Fragen zu einer modernen praktischen Wirtschaftsethik nicht. Vielleicht mehr als je zuvor ist eine moderne praktische Wirtschaftsethik, welche sich mit der moralischen Bewertung wirtschaftlicher Handlungen beschäftigt, notwendig.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich im Folgenden mit einigen grundlegenden Fragen der Wirtschaftsethik beschäftigen. Meine primäre Intention ist dabei das Verhältnis zwischen Moral, Recht und Ökonomie schlüssig darzulegen, um ein Verständnis für sittlich-moralisch gutes Handeln zu schaffen. Meine zentrale Fragestellung lautet: Was ist notwendig um die Wirtschaft aus ethischer Sicht zu verbessern?

2 Ethik

2.1 Der innere Wille zur Beurteilung der Moralität

Unter Ethik verstehe ich die Lehre von der Moral sowie der Sittlichkeit. Die Lehre der Sittlichkeit ist dabei nicht zu verwechseln mit der Sittenlehre, in welcher z.B. die Sitten einer Nation empirisch untersucht werden.

Um die Moralität eines Menschen beurteilen zu können, behaupte ich, bedarf es einer moralischen Untersuchung seiner Sittlichkeit und da diese auch immer eine Frage des inneren Willens ist, folglich, einer Untersuchung seines inneren Willens.

Der innere Wille kann sittlich-moralisch gut oder sittlich-moralisch böse sein. Eine Handlung hingegen kann moralisch gut aber in sittlicher Hinsicht trotzdem böse sein. So kann beispielsweise das Retten eines Ertrinkenden, also die Handlung selbst, zweifelsohne als moralisch gut angesehen werden. Wird der Ertrinkende jedoch nur gerettet, weil er seinem Retter noch Geld schuldet, kann von der Sittlichkeit der Handlung nicht mehr gesprochen werden. Folglich ist es notwendig den inneren Willen nach seiner Moralität zu beurteilen und nicht die bloße Handlung. Sittlich-moralisch gut darf meines Erachtens nicht mit nützlich verwechselt werden, denn eine nützliche Handlung ist moralisch gesehen noch lange nicht gut. Wenn es um den Nutzen geht, so behaupte ich, geht es immer um die Wahl guter Mittel. Bei der Moral hingegen, geht es um sittlich-moralisch gute Zwecke. Der Zweck der Mittel ist die Befriedigung von menschlichen Neigungen und Bedürfnissen. Der Zweck der Moral ist die Moral selbst. Da der Wille die Zwecke sucht und der Verstand die geeigneten Mittel, kann folglich auch nur der Wille sittlich-moralisch bewertet werden. Das Wollen impliziert die Bereitschaft zum Wirken. Vom Wollen zum Wirken gibt es jedoch oftmals keinen hundertprozentigen Übergang. Unsere Handlungen und somit unser Wirken kann von äußeren Faktoren beeinflusst werden. So könnte uns z.B. ein plötzlich auftretender Hexenschuss oder das Festhalten einer anderen Person daran hindern den Ertrinkenden zu retten. Das Misslingen einer physischen Handlung ändert jedoch nichts an der Moralität unseres Willens und alleine dieser ist von entscheidender Bedeutung. Unser Wille ist vollkommen autonom, d.h. durch uns selbst bestimmt. Kein Wirken von außen kann uns daran hindern etwas wirklich zu wollen. Ist der eigene Wille daran schuld, dass man nicht wirkt, bleibt es beim bloßen Wünschen. Wünsche sind meines Erachtens nicht als moralisch anzusehen, denn dem Wünschenden fehlt der Wille zur Tat. Wenn jemand wirklich will, wird er auch alles in seiner Macht stehende dafür tun um zu wirken.

Meine Behauptung es bedarf einer moralischen Untersuchung der Sittlichkeit und somit auch immer des inneren Willens um die Moralität eines Menschen beurteilen zu können ist somit schlüssig.

2.2 Entscheidung zwischen heteronomer Neigung und autonomer Pflicht

Ich behaupte, wir sollten uns autonom bestimmen und uns nicht heteronom bestimmen lassen.

Eine Person, welche sich nicht autonom bestimmt ist logischerweise heteronom bestimmt. Das Motiv dafür, dass wir uns nicht autonom sondern heteronom bestimmen lassen basiert immer auf der Abwägung der eigenen Lust-/Unlustbilanz. Faulheit oder Feigheit können z.B. hierfür die Beweggründe sein. Nach meiner Auffassung ist eine heteronome Moral keine wirkliche Moral, denn es ist grundsätzlich moralisch sich autonom zu bestimmen. Man sollte immer so wollen wie man wollen soll und wenn man nichts soll darf man worauf man Lust hat. Es kommt sozusagen immer auf die sittliche Maxime des Willens an.

Ich behaupte ferner, dass wir im Konfliktfall die Pflicht über die Neigung stellen sollten.

Das sinnliche Begehren, die Neigung, ist meines Erachtens zufällig und komperativ allgemein. Unsere Neigungen sind nicht durch unseren Willen sondern durch unsere Natur vorgegeben. Das sittliche Begehren hingegen, die moralische Pflicht, ist notwendig und unbedingt allgemein. Man kann sich ohne weiteres vorstellen, dass ein Anderer ein anderes sinnliches Lustempfinden hat, jedoch nicht, dass ein Anderer eine andere moralische sittliche Pflicht hat. Trotzdem stellt die Pflicht kein Müssen dar, denn sie zwingt uns nicht zum moralischen Handeln, sondern nötigt uns nur zum notwendigen Sollen. Genauso verhält es sich nach meiner Auffassung mit dem Sittengesetz. Es nötigt uns zu einer moralischen Handlung, zwingt uns jedoch nicht. Wenn ein Wesen nur die Neigung als Motivklasse hat wird es sich immer nach seiner stärksten Neigung richten, es wäre sozusagen von seiner Neigung durchdeterminiert. Ein solches vernunftloses Wesen kann nach meinem Verständnis niemals wirklich frei sein. Es ist ein reines Triebwesen ohne jegliche Würde. Die Urfreiheit und somit auch die Würde des Menschen besteht meines Erachtens darin, frei darüber entscheiden zu können, ob er neigungs- oder pflichtmotiviert handelt. Der Mensch als endliches Vernunft- und Freiheitswesen hat immer die Möglichkeit zwischen den beiden Motivklassen zu wählen. Es liegt in seiner eigenen Macht sich selbst zu bestimmen oder sich fremdbestimmen zu lassen. So kann er z.B. einer Aufforderung oder Erwartung eines Mitmenschen entsprechen, sich sozusagen heteronom bestimmen lassen oder aber sich autonom durch seine eigene Einsicht bestimmen. Beispiel: Soll ich in Bangladesch Kleidung durch Kinderarbeit herstellen lassen oder nicht? Rein ökonomisch betrachtet, als reine Kosten-Nutzen-Entscheidung, ist die Frage höchstwahrscheinlich mit „Ja“ zu beantworten. In einem solchen Fall ließe man sich von seiner Neigung fremdbestimmen, man wäre sozusagen durch die eigene Lust den Nutzen zu steigern heteronom bestimmt. Angenommen man entscheidet sich nur dagegen weil eine andere Person sagt, dass man das nicht machen sollte, ist man immer noch durch die Neigung heteronom bestimmt. Entscheidet man sich jedoch bewusst dagegen, durch die eigene Einsicht, dass Kinderarbeit aus moralischen Gründen nicht zu rechtfertigen ist, handelt man pflichtmotiviert und autonom. Der Mensch kann sich meines Erachtens nicht für das Befriedigen einer Neigung achten, sondern nur für ein notwendiges Sollen. Der „Held“ aus den Erzählungen ist immer derjenige, welcher die Pflicht über die Neigung stellt. Jeder Mensch weiß, dass er die Pflicht über die Neigung stellen muss. Man kann nicht vernünftig einsehen die heteronome Neigung über die autonome Pflicht stellen zu sollen.

Es ist folglich unsere sittliche Pflicht uns autonom zu bestimmen und so zu wollen wie es unsere eigene sittliche praktische Vernunft uns gebietet. Im Konfliktfall sollten wir die Pflicht immer über die Neigung stellen.

2.3 Beurteilungskriterien für die Sittlichkeit

Meine Argumentationen haben bisher gezeigt, dass es um moralisch zu sein entscheidend ist einen sittlichen Willen zu haben, sich autonom zu bestimmen und so zu wollen wie es die eigene sittliche praktische Vernunft gebietet. Meines Erachtens stellt sich aber immer noch die Frage, wie wir denn in einer konkreten Konfliktsituation wirklich sollen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Ethik, Recht und Ökonomie in einer modernen praktischen Wirtschaftsethik
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V282401
ISBN (eBook)
9783656778288
ISBN (Buch)
9783656773887
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Moral, Recht, Ökonomie, Wirtschaftsethik
Arbeit zitieren
Master of Science (M.Sc.) Andreas Vogl (Autor), 2013, Das Verhältnis von Ethik, Recht und Ökonomie in einer modernen praktischen Wirtschaftsethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282401

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