Coming-Out. Identitätsentwicklung homosexueller Jugendlicher und Unterstützungsangebote durch Soziale Arbeit


Studienarbeit, 2014
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Homosexualität
2.1 Begriffsklärung
2.2 Dimensionen der Homosexualität
2.3 Statistische Daten über die Häufigkeit homosexueller Jugendlicher
2.4 Situation homosexueller Jugendlicher in Deutschland

3. Identitätsentwicklung im Jugendalter
3.1 Jugend
3.2 Identität
3.3 Adoleszenz
3.4 Entwicklungsaufgaben
3.5 Veränderte Lebenssituation

4. Das Coming-Out
4.1 Coming-Out: ein Phasenmodell nach Vivienne Cass
4.2 Negative Entwicklungsfaktoren

5. Unterstützungsmaßen während des Coming–Outs
5.1 Soziale Gruppenarbeit in Form von „Coming-Out-Gruppen“
5.2 Schulsozialarbeit

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Begriff Jugend verbindet jeder eigene Erfahrungen, Erinnerungen und Vorstellungen. Dies liegt daran, dass jeder diese Lebensphase schon selbst durchlebt hat und eventuell selbst Kinder hat, die diese Phase gerade durchleben (vgl. Göppel, 2005, S.1).

Innerhalb dieser Phase findet eine Vielzahl von Prozessen statt, durch die der Jugendliche sich nicht nur körperlich sondern auch psychisch entwickelt, um eine eigene Identität aufzubauen. Dies bezieht sich auch auf die sexuelle Orientierung. Die Jugendlichen erkennen in diesem Lebensabschnitt zu welchem Geschlecht sie sich hingezogen fühlen.

Während meiner Jugend erfolgten bei mir das Erkennen meiner Homosexualität und die Auseinandersetzung mit dem Coming-Out. Ein langer Prozess des Erkennens und des damit Abfindens begann. Dies war hart und schwer für mich vor allem aus dem Grund, weil ich niemanden hatte dem es auch so ging bzw. niemanden hatte mit dem ich darüber sprechen konnte und weil die Reaktionen meines persönlichen Umfeldes nicht nur positiv ausfielen.

Wie kann man Jugendlichen, die sich heute in der gleichen Situation befinden wie ich damals unterstützen und welche Beratungs- bzw. Unterstützungsangebote kann Soziale Arbeit anbieten? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen zunächst die Grundbegriffe Homosexualität und Identitätsentwicklung näher betrachtet und auf das Jugendalter bezogen werden. Darauffolgend findet eine Auseinandersetzung mit den Phasen des Coming-Outs und der erschwerten Entwicklungsbedingungen homosexueller Jugendlicher während dieses Prozesses statt, bevor mögliche Unterstützungsangebote vorgestellt werden.

In der vorliegenden Arbeit beziehe ich mich auf Jugendliche, die sich in der Entwicklungsphase der Adoleszenz (vgl. 3.3) befinden. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit, wird bei allen Personenbezeichnungen, nur die männliche Form verwendet; die weibliche ist auch immer mit gemeint.

2. Homosexualität

Grundsätzlich neigen wir Menschen dazu in Schubladen zu denken und zu verallgemeinern – so auch in Bezug auf homosexuelle Menschen. Klar kennt man den schwulen Modeschöpfer aus dem Fernsehen oder vielleicht sogar den schwulen Friseur von nebenan und zieht aus diesen Begegnungen sein Wissen und seine Schlüsse. Aber dass es eine große Vielfalt unter Homosexuellen gibt, dass es eben nicht nur den typischen extrovertierten Schwulen gibt, wird oft nicht gesehen. Es wird vergessen, dass Homosexuelle verschiedenartige Menschen sind, mit den unterschiedlichsten Charaktereigenschaften und nur die Dimension der „sexuellen Orientierung“ identisch ist. Aber wir wissen ja wie „die“ sind und „die“ sind alle gleich (vgl. Rauchfleisch. 2011. S.13ff).

Zu Beginn dieses Kapitels soll der Begriff der Homosexualität einer Klärung unterzogen werden. Nachfolgend werden statistische Daten zur Häufigkeit und der momentanen Situation homosexueller Jugendlicher aufgezeigt. Ein besonderer Blick wird dabei auf den Bereich der Schule und der darin stattfindenden Bullying Attacken (vgl. 2.4) gerichtet.

2.1 Begriffsklärung

Der Begriff „Homosexualität“ setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern „homo“= „gleich“ und „sexus“= Geschlecht zusammen (vgl. Lüthens. 2010. S.8) und bedeutet so viel wie Gleichgeschlechtlichkeit/sexuelle Erregung durch das gleiche Geschlecht.

Eine eindeutig wissenschaftliche Definition für den Begriff Homosexualität zu finden, ist extrem schwierig (vgl. Plöderl. 2005. S.2). In Fachbüchern findet man u.a. diese Definition:

„[Homosexuelles Verhalten ist der] physische Kontakt zwischen zwei Personen gleichen Geschlechtes, dessen sexuelle Natur von beiden erkannt wird und der normalerweise in sexueller Erregung endet […]

[Homosexuelles Empfinden] könnte definiert werden als das Verlangen für ein solchen [physischen] Kontakt und / oder bewusste sexuelle Erregung beim Denken an oder Sehen von Personen gleichen Geschlechtes“ (Gebhard ebd.)

Diese Definition legt ihren Fokus aber nur auf eine Ebene der Homosexualität, nämlich die sexuelle. Was ist mit Jugendlichen die sich ihrer sexuellen Orientierung bewusst sind aber diese aus Angst vor Ablehnung nicht ausleben? Sind diese nicht homosexuell? Oder umgekehrt, was ist mit den Jugendlichen die aus reiner Neugier gleichgeschlechtliche Erfahrungen gesammelt haben, aber danach in einer heterosexuellen Beziehung glücklich leben? Sind sie nun als homosexuell zu bezeichnen (vgl. a.a.O. S.5f.)? Diese Beispiele zeigen auf, dass es sinnvoll ist, Homosexualität nicht nur auf die sexuelle Ebene zu reduzieren, sondern andere Ebenen bzw. Dimensionen in die Definition mit einzubeziehen (vgl. Lüthens. 2010. S.8f.).

2.2 Dimensionen der Homosexualität

Wie gerade schon erwähnt, ist es nicht möglich Homosexualität alleine auf die sexuelle Dimension zu beschränken. Andere Bereiche spielen neben der sexuellen Dimension eine große Rolle. Diese sollen nachfolgend kurz erläutert werden.

Sexuelles Verhalten

Hierbei geht es, wie oben in „Gebhards“ Definition beschrieben, um den physischen sexuellen Kontakt zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Personen. Das Problematische an dieser Definition ist, dass der Begriff des „sexuellen Kontaktes“ nicht näher definiert ist. So ist die Bedeutung des Begriffes „sexueller Kontakt“ abhängig von der Zeit, der Kultur und des Individuums und wird daher oft unterschiedlich gedeutet (vgl. Plöderl. 2005. S.5f). Plöderl definiert diesen Begriff wie folgt:

„Homosexuelles Verhalten einer Person X liegt vor, wenn die Person X mit zumindest einer anderen Person Y gleichen Geschlechts einer Sexualpraktik ausübt.“ (ebd.)

Selbstidentifizierung

Plöderls Definition zum Thema „Selbstidentifizierung“ lautet:

„Homosexuelle Selbstidentifikation einer Person X liegt vor, wenn Person X sich als homosexuell bezeichnet.“ (ebd.)

Da Homosexualität teilweise noch immer negativ besetzt ist, kann es zu einer Angst vor sozialer Ausgrenzung bei homosexuellen Personen führen. Es kann zur Folge haben, dass die Homosexualität und das Ausleben dieser unterdrückt werden. Ob und wann sich ein homosexueller Jugendlicher zu seiner Homosexualität bekennt, ist stark abhängig vom sozialen und gesellschaftlichen Umfeld, in dem er sich bewegt. Häufig findet eine Selbstidentifikation erst einige Jahre nach dem ersten gleichgeschlechtlichen Sexualkontakt statt (vgl. ebd.).

Homosexuelles Erleben

Auf dieser Ebene werden die kognitiven und/oder emotionalen Aspekte der Homosexualität berücksichtigt. Darunter fallen z.B. „Verliebt sein“ ins eigene Geschlecht, romantische Gefühle, homosexuelle Gedanken und Fantasien und sexuelle Anziehungskraft (vgl. a.a.O. S.7). Plöderl definiert den Begriff so:

„Homosexuelles Erleben einer Person X liegt vor, wenn die Person X zumindest eine Person gleichen Geschlechtes mental repräsentiert, und wenn diese Repräsentation entweder mit sexueller Erregung oder romantischen- oder Verliebtheitsgefühlen einhergeht oder dazu führt.“ (ebd.)

2.3 Statistische Daten über die Häufigkeit homosexueller Jugendlicher

Die Gesamtheit aller in der Bundesrepublik Deutschland lebenden homosexuellen Jugendlichen ist nicht wirklich bekannt (vgl. Krell. 2013. S.7). Wissenschaftler gehen allgemein momentan von ca. fünf bis zehn Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Nimmt man die kleinere Zahl von fünf Prozent und geht von einer Klassenstärke von ca. 20 Schülern aus, so gibt es in jeder Klasse mindestens einen homosexuellen Jugendlichen (vgl. Bade. 2008. S.23f.).

Die Datenerhebung zu diesem Thema gestaltet sich jedoch schwierig. Dies liegt zum einen an verschieden Schwierigkeiten der Datenerhebung. So wird wie schon unter 2.1 beschrieben Homosexualität in Fragebögen häufig nur auf die sexuelle Dimension reduziert und andere völlig außer Acht gelassen (vgl. ebd.). Zum anderen findet ein äußeres Outing erst später oder gar nicht und wenn dann meist nur in ausgewählten sozialen Kontexten statt (vgl. Krell. 2013. S.14).

2.4 Situation homosexueller Jugendlicher in Deutschland

Meine Ergebnisse zu diesem Punkt beziehen sich auf die erst kürzlich abgeschlossene Pilotstudie „Lebenssituationen und Diskriminierungserfahrungen von homosexuellen Jugendlichen in Deutschland“ von Dr. Claudia Krell. Zu dieser Studie ist zu sagen, dass sie nur in einem kleinen Rahmen als Pilotstudie durchgeführt worden ist, an der bisher 74 Jugendliche teilgenommen haben. Sie wird jetzt aber in einem großen Rahmen weitergeführt. Die Ergebnisse wurden in Form von Experteninterviews (Homosexuelle Jugendliche / Mitarbeiter aus verschieden Institutionen) sowie einem Onlinefragebogen erhoben. Aus diesem Grund können die Ergebnisse nicht verallgemeinert werden, trotzdem lassen sich aus dieser Studie Tendenzen auf die aktuelle Situation herauslesen (vgl. a.a.O. S.15ff.).

Die Studie ergab, dass ca. 85 % der befragten Jugendlichen schon mindestens einmal Diskriminierung oder Bullying wegen ihrer sexuellen Orientierung erfahren haben, am häufigsten in verbaler Form oder durch Cybermobbing (vgl. a.a.O. S.10). Als Ort, in dem sie am häufigsten Bullying erfahren haben, nannten die Betroffenen die Institution Schule oder das eigene Elternhaus (vgl. ebd.). Es wird beschrieben, dass gerade in unbeobachteten Situationen innerhalb der Schule (Pause, in den Fluren, bei Lehrerwechsel und/oder beim Umziehen im Sportunterricht) die meisten verbalen Übergriffe stattgefunden haben (vgl. a.a.O. S.11).

Weitere Studien haben gezeigt, dass Schule mittlerweile der zweitwichtigste Entwicklungsraum junger Menschen nach der Familie geworden ist. Durch die steigende Tendenz der Ganztagsschulen werden familiäre und gesellschaftliche Probleme sowie Reibereien innerhalb der eigens gewählten Peergroups vermehrt in Schulen ausgetragen. Begründen lässt sich dies damit, dass Schule perfekte Voraussetzungen bietet um andere Jugendliche zu schikanieren (vgl. Jannan. 2008. S.13).

Zum einen hat Schule eigene Regeln, die meist in einer Schulordnung festgelegt sind. Das Einhalten dieser ist von Lehrer zu Lehrer jedoch sehr unterschiedlich. Dies hat die Wirkung, dass Schüler die Schule als kontrollschwachen Raum erleben, in dem sie eigene Regeln aufstellen können (vgl. a.a.O. S.12). Zum anderen können Schüler, die unter negativen Handlungen leiden, sich räumlich sowie zeitlich dem Täter kaum entziehen. Der häufige Wechsel von Lehrkräfte und Räumen sowie die großen Pausenhöfe und Schulflure erleichtern es dem Täter unbemerkt zu agieren (vgl. a.a.O. S.13).

Auch von Experten wird die Schule als problematischen bzw. diskriminierenden Ort bezeichnet. Dies läge zum Teil daran, dass das Thema „Homosexualität“ in Schulen nur wenig präsent ist oder schlimmer noch in Schulbüchern oder Unterrichtsinhalten noch immer negativ dargestellt wird (vgl. Krell. 2013. S.39).

Als häufigste Gründe für Bullying wurden Homophobie auf Seiten der Täter und ein Abweichen des heteronormativen Rollenbildes bei den Opfern (Aussehen/Verhalten) genannt (vgl. a.a.O. S.38).

Teuschel/Heuschen definieren Bullying wie nachfolgend:

„Von Bullying spricht man, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher negativen Handlungen durch einen oder mehrere andere Kinder oder Jugendliche ausgesetzt ist. Die Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen, sind durch ein Machtungleichgewicht deutlich reduziert, sodass eine Täter-Opfer-Konstellation vorliegt. Die negativen Handlungen erfolgen regelmäßig (mindestens einmal pro Woche) und über einen längeren Zeitraum (ein Vierteljahr oder länger). Bei ungebremstem Verlauf führt Bullying grundsätzlich zu einer Beeinträchtigung der psychischen Befindlichkeit bzw. Gesundheit beim Opfer. Besonders schwerwiegende (traumatisierende) negative Handlungen können die Bedeutung von Frequenz und Dauer deutlich relativieren und bereits bei seltenem bzw. kurzzeitigem (unter Umständen sogar einmaligem) Auftreten zu gesundheitlichen Schädigungen führen.“ (Teuschel / Heuschen, 2013 S. 34f.)

Diese Definition verknüpft und konkretisiert Altbekanntes mit praktischen Alltageserfahrungen aus dem Bereich des Bullying. Desweitern legt diese Definition einen großen Stellenwert auf die zeitliche Komponente sowie die Intensität der Attacken (vgl. ebd.).

3. Identitätsentwicklung im Jugendalter

Wie in der Einleitung schon erwähnt, kennt jeder von sich selbst das Chaos in Bezug auf Gefühle, Verhalten usw., das die Zeit der Jugend mit sich bringt. Die Identität eines Menschen wird im Jugendalter maßgeblich geprägt.

Zu Beginn dieses Kapitels werden die relevanten Begriffe wie Jugend, Identität und Adoleszenz geklärt. Danach wird beschrieben, welchen Aufgaben sich ein Jugendlicher innerhalb seiner Identitätsentwicklung stellen muss. Abschließend wird das Coming-Out erläutert und es soll aufgezeigt werden, welche Schwierigkeit dies für die betroffenen Jugendlichen im Bereich der Identitätsentwicklung mit sich bringen kann.

3.1 Jugend

In der Regel beschreibt der Begriff „Jugend“ den Zeitraum eines Menschen zwischen der Phase der Kindheit und der des Erwachsenseins. Eine einheitliche Definition für den Begriff gibt es jedoch nicht. Je nach Fachbereich (Recht, Psychologie, Soziologie) werden dem Begriff Jugend andere Maßstäbe angelegt. In meiner Arbeit beziehe ich mich auf den Fachbereich Psychologie. Dieser setzt den Schwerpunkt auf die emotionale und kognitive Entwicklung der Identitätsbildung (vgl. Wächter in Nomos. 2011. S.469).

3.2 Identität

Auch der Begriff Identität wird in unterschiedlichen Kontexten verwendet und hat mehrere Bedeutungen. Im Fachlexikon der Sozialen Arbeit von K. Fröhlich – Gildhoff wird der Begriff wie folgt definiert:

„Der Begriff der I. wird in den unterschiedlichen Wissenschaftstraditionen sehr verschieden betrachtet. Grundsätzlich geht es um die Einheit oder Unverwechselbarkeit eines → Individuums oder einer → Gruppe, um spezifische Merkmale oder Charakteristika, anhand derer sich das Individuum bzw. die Gruppe beschreiben lassen oder sich selbst beschreibt. Das Individuum vergewissert sich seiner selbst in der fortwährenden, selbstreflexiven Auseinandersetzung mit der Einschätzung seiner Person durch andere anhand der Fragen: „Wer bin ich“? und „Was will ich“? I. bringt die Orientierung des Individuums in der Zeit auch hinsichtlich seiner sozialen Stellung, seines Berufes, seiner politischen Überzeugung etc. […] Entwicklungspsychologisch wird der Phase des → Jugendalters eine besondere Bedeutung für die I.bildung zugesprochen, wenngleich die Grundlagen der I. schon ab der frühen Kindheit gelegt werden. […]“ (Fröhlich-Gildhoff in Nomos 2011. S.441)

Nach Hurrelmann/Quenzel kann bei einem Jugendlichen von Identität gesprochen werden, wenn er über verschiedenen Handlungssituationen und über unterschiedliche lebensgeschichtliche Schritte der eigenen Entwicklung hinweg eine Dauerhaftigkeit des Selbsterlebens wahrt. Dafür muss bei dem jungen Mensch Selbstwahrnehmung, Selbstbewertung und Selbstreflexion entwickelt sein. Demnach ist Identität das Erleben des „Sich-Selbst-Gleichseins“ (vgl. Hurrelmann/Quenzel. 2013. S.33).

Als ein Teilaspekt der persönlichen Identität wird die sexuelle Identität genannt (vgl. Kolanowski in Watzlawik / Heine 2009. S.101). Darunter versteht man das Auseinandersetzen und Akzeptieren der körperlichen Veränderungen sowie das Ausreifen der Sexualität (vgl. a.a.O. S.105). Dies wird von Hurrelmann auch als eine eigenständige Entwicklungsaufgabe (Binden) beschrieben. Eine ausführliche Darstellung der Entwicklungsaufgaben findet sich in Kapitel 3.4

Innerhalb der Reifung der sexuellen Identität entwickelt sich die sexuelle Orientierung (vgl. a.a.O. S. 101). Diese hat ihren Ausgangspunkt in der Pubertät bzw. frühen Adoleszenz. Durch die Bildung der Geschlechtshormone kommt es bei den Jugendlichen nun zu emotionalen, erotischen und sexuellen Wünschen. Diese können nun auf das andere oder das gleiche Geschlecht gerichtet sein und manifestieren sich durch sexuelle Präferenzen. Ausgelebt wird dies durch sexuelle Phantasien bis hin zum sexuellen Kontakt (vgl. a.a.O. S.101f.).

3.3 Adoleszenz

Der Begriff „Adoleszenz“ stammt aus dem Lateinischen (adolescere) und bedeutet so viel wie heranwachsen (vgl. a.a.O. S.3). Die Adoleszenz beschreibt den Entwicklungszeitraum zwischen der Kindheit und dem Erwachsensein. Der Beginn der Adoleszenz wird eingeleitet durch die Pubertät. Häufig werden diese beiden Begriffe verwechselt. Jedoch sind beide klar voneinander zu trennen. Die Pubertät ist ein Teilbereich der Adoleszenz, es ist die Phase der sexuellen Reifung eines Jugendlichen. Zeitlich beginnt diese Phase zwischen zehn und vierzehn Jahren. Die Pubertät ist gekennzeichnet durch körperliche (Brustwachstum, Einsetzen der Schambehaarung, erster Samenerguss, Monatsblutung usw.) aber auch psychische (Stimmungsschwankungen, Rückzug von den Eltern usw.) Veränderungen, ausgelöst durch das Einsetzen der Geschlechtshormone und den massiven Veränderungen innerhalb des Gehirnes. Diese Abläufe innerhalb des Körpers laufen bei den Jugendlichen unterschiedlich ab. So beginnt die Pubertät bei Mädchen meist ein Jahr früher als bei den Jungen (vgl. Crone. 2011. S.17f.).

Hier wird schon ersichtlich, dass der Beginn der Adoleszenz sehr individuell abläuft. Dies zieht sich durch bis zum Ende, welches eintritt, wenn eine relativ eigenständige Lebenssituation erreicht ist (vgl. Lüthens. 2010. S.4). Der Zeitraum, in dem die Adoleszenz verläuft, beträgt ca. zehn Jahre, in denen eine Vielzahl von Entwicklungsprozessen ablaufen, die nachfolgend dargestellt werden.

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Coming-Out. Identitätsentwicklung homosexueller Jugendlicher und Unterstützungsangebote durch Soziale Arbeit
Hochschule
Hochschule Fulda
Veranstaltung
Theorieprojekte im Studiengang Bachelor Soziale Arbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
25
Katalognummer
V282410
ISBN (eBook)
9783668087835
ISBN (Buch)
9783668087842
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Coming-Out, Homosexualität, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Timo Roll (Autor), 2014, Coming-Out. Identitätsentwicklung homosexueller Jugendlicher und Unterstützungsangebote durch Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282410

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