Mit dem Begriff Jugend verbindet jeder eigene Erfahrungen, Erinnerungen und Vorstellungen. Dies liegt daran, dass jeder diese Lebensphase schon selbst durchlebt hat und eventuell selbst Kinder hat, die diese Phase gerade durchleben (vgl. Göppel, 2005, S.1).
Innerhalb dieser Phase findet eine Vielzahl von Prozessen statt, durch die der Jugendliche sich nicht nur körperlich sondern auch psychisch entwickelt, um eine eigene Identität aufzubauen. Dies bezieht sich auch auf die sexuelle Orientierung. Die Jugendlichen erkennen in diesem Lebensabschnitt zu welchem Geschlecht sie sich hingezogen fühlen.
Wie kann man Jugendliche, die sich heute in dieser Situation befinden unterstützen und welche Beratungs- bzw. Unterstützungsangebote kann Soziale Arbeit anbieten? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen zunächst die Grundbegriffe Homosexualität und Identitätsentwicklung näher betrachtet und auf das Jugendalter bezogen werden. Darauffolgend findet eine Auseinandersetzung mit den Phasen des Coming-Outs und den erschwerten Entwicklungsbedingungen homosexueller Jugendlicher während dieses Prozesses statt, bevor mögliche Unterstützungsangebote vorgestellt werden.
In der vorliegenden Arbeit beziehe ich mich auf Jugendliche, die sich in der Entwicklungsphase der Adoleszenz (vgl. 3.3) befinden. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit, wird bei allen Personenbezeichnungen, nur die männliche Form verwendet; die weibliche ist auch immer mit gemeint.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Homosexualität
2.1 Begriffsklärung
2.2 Dimensionen der Homosexualität
2.3 Statistische Daten über die Häufigkeit homosexueller Jugendlicher
2.4 Situation homosexueller Jugendlicher in Deutschland
3. Identitätsentwicklung im Jugendalter
3.1 Jugend
3.2 Identität
3.3 Adoleszenz
3.4 Entwicklungsaufgaben
3.5 Veränderte Lebenssituation
4. Das Coming-Out
4.1 Coming-Out: ein Phasenmodell nach Vivienne Cass
4.2 Negative Entwicklungsfaktoren
5. Unterstützungsmaßen während des Coming–Outs
5.1 Soziale Gruppenarbeit in Form von „Coming-Out-Gruppen“
5.2 Schulsozialarbeit
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Identitätsentwicklung homosexueller Jugendlicher und beleuchtet die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Unterstützung während des Coming-Out-Prozesses, insbesondere im schulischen Kontext.
- Identitätsentwicklung im Jugendalter und Adoleszenz
- Prozess des Coming-Outs nach Vivienne Cass
- Diskriminierungserfahrungen und Bullying im schulischen Umfeld
- Bedeutung von Coming-Out-Gruppen als Beratungsform
- Handlungsansätze für die Schulsozialarbeit
Auszug aus dem Buch
4.1 Coming-Out: ein Phasenmodell nach Vivienne Cass
Als Coming-Out wird die Bewusstwerdung der eigenen Homosexualität und der Entscheidung für den dazugehörigen Lebensstil mit entsprechender Geschlechtspartnerwahl verstanden (vgl. Kolanowski in Watzlawik/Heine 2009. S.102). Die Entwicklungsaufgabe des Coming-Outs lässt sich in zwei Teilabschnitte aufteilen. Zum einen in den Bereich des „inneren“ Coming-Outs, wo es darum geht, dass der Jugendliche für sich selbst erkennt und akzeptiert, dass er homosexuell ist. Zum anderen gibt es den Bereich des „äußeren“ Coming Outs. Dabei muss der Jugendliche sich vor anderen Personen (Familie, Freunde und Klassenkameraden) zur eigenen Homosexualität bekennen (vgl. a.a.O. S.79).
Es haben sich schon zahlreiche Forscher mit den Entwicklungsprozessen innerhalb des Coming-Outs beschäftigt und versucht, diese Prozesse in einem Phasenmodel abzubilden. Eines der bekanntesten und sowohl von Wissenschaftlern wie Homosexuellen selbst anerkannt, ist das Modell nach Vivienne Cass (vgl. a.a.O. S.113).
Dieses Model stellt sechs aufeinander aufbauende Stufen dar, in denen es jeweils eine Ungleichheit zwischen der eigenen Identität, dem ausgelebten Verhalten, dem Erleben und dem Fremdbild zu beseitigen gilt. Die Identitätsentwicklung kann einen vorläufigen Abschluss in jeder der durchlebten Phasen finden. (vgl. Plöderl. 2005. S.37) Nachfolgend erläutere ich die sechs Stufen des Stufenmodells.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema, Darstellung der persönlichen Motivation des Autors und Erläuterung der Relevanz von Unterstützungsangeboten durch die Soziale Arbeit.
2. Homosexualität: Klärung des Begriffs, Darstellung der Dimensionen homosexuellen Erlebens sowie Analyse der Lebenssituation und Diskriminierungserfahrungen Jugendlicher in Deutschland.
3. Identitätsentwicklung im Jugendalter: Definition grundlegender Begriffe wie Jugend und Identität sowie Erörterung der altersspezifischen Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz.
4. Das Coming-Out: Detaillierte Darstellung des Phasenmodells nach Vivienne Cass und Erläuterung negativer Entwicklungsfaktoren wie Heteronormativität und Homophobie.
5. Unterstützungsmaßen während des Coming–Outs: Vorstellung konkreter Beratungsansätze der Sozialen Arbeit, insbesondere durch Coming-Out-Gruppen und Schulsozialarbeit.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Problematik und Plädoyer für eine stärkere Integration der Thematik in das Schulsystem.
Schlüsselwörter
Homosexualität, Jugend, Identitätsentwicklung, Adoleszenz, Coming-Out, Sozialarbeit, Schulsozialarbeit, Diskriminierung, Bullying, Heteronormativität, Homophobie, Beratungsangebote, Gruppenarbeit, Identitätsmodell, Adoleszenzphase.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den besonderen Herausforderungen homosexueller Jugendlicher während ihrer Identitätsentwicklung und dem Prozess des Coming-Outs.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die psychologische Identitätsbildung in der Adoleszenz, das Phasenmodell des Coming-Outs nach Vivienne Cass sowie die Rolle der Sozialen Arbeit an Schulen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Beratungs- und Unterstützungsbedarfe zu identifizieren, die Soziale Arbeit leisten kann, um Jugendliche während des Coming-Outs zu stärken und Diskriminierung entgegenzuwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die theoretische Modelle der Psychologie und Soziologie mit aktuellen Studien zur Lebenssituation homosexueller Jugendlicher verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Begriffe, Entwicklung), die Analyse des Coming-Out-Prozesses und die Darstellung praktischer Interventionsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Coming-Out, Identitätsentwicklung, Adoleszenz, Soziale Arbeit, Schulsozialarbeit, Homophobie und Heteronormativität.
Warum ist die Schule als zentraler Ort der Untersuchung gewählt?
Die Schule ist der zweitwichtigste Lebensraum für Jugendliche, an dem sie jedoch am häufigsten Diskriminierungen und Bullying erfahren, was professionelle Unterstützung zwingend erforderlich macht.
Was zeichnet das Modell von Vivienne Cass aus?
Das Modell von Vivienne Cass bildet den individuellen Prozess der Identitätsfindung homosexueller Jugendlicher in sechs aufeinander aufbauenden Stufen ab.
- Citation du texte
- Timo Roll (Auteur), 2014, Coming-Out. Identitätsentwicklung homosexueller Jugendlicher und Unterstützungsangebote durch Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282410