Die Auswirkung von Feindbildern auf politische Entwicklungen am Beispiel der Terroranschläge vom 11. September in Amerika


Hausarbeit, 2013

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Feindbildkonstruktion
2.1 Die Genese und Bedeutung von Feindbildern …
2.2 Islamischer Terrorismus als Auslöser des Feindbilds Islam

3. Die Konstruktion und Reaktion der USA auf das Feindbild des islamischen Terrorismus..10
3.1 Politische Instrumentalisierung des Feindbildes
3.2 Reaktion und Sicherheitsmaßnahmen der USA

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die politische, sowie mediale Konstruktion einer dauerhaften Bedrohung in der Bevölkerung der USA hatte schon zur Besiedlungszeit der USA einen wichtigen Charakter eingenommen. Zu dieser Zeit wurden die Indianer auch als Red Scare bezeichnet und dazu genutzt, die Bevölkerung gegen einen potentiellen Feind zu einen und somit den Verlauf der Besiedlung, sowie die damit verbundene Zusammenarbeit zu vereinfachen. Zur Zeit des Kalten Krieges galt dann der Kommunismus der UdSSR als Bedrohung, die den American Way of Life angeblich bedrohte.1

Die am 09.11.2001 verübten Terroranschläge in New York und Washington waren maßgebend für ein sich von diesem Zeitpunkt an immer stärker entwickelndes Feindbild im Bezug auf den Islamischen Terrorismus.2 Durch den religiös geprägten islamistischen Hintergrund der Terroristen, geriet der Islam immer stärker ins Blickfeld der Medien und der Öffentlichkeit welche den islamischen Glauben im Allgemeinen als eine terrorsymphatisierende Religion stigmatisieren könnte.3 Die Anschläge standen dabei so stark im medialen Bewusstsein, dass sie als eine Art Kriegserklärung gegen die gesamte westliche Welt aufgefasst wurden.4 Die durch den Angriff offenbarte Handlungsunfähigkeit einer Weltmacht gegenüber eines unberechenbaren Akteurs hatte zur Folge, dass es zu einem globalen Überdenken und Erneuern des staatlichen Sicherheitsapparates im Bereich der Terrorismusbekämpfung kam.5 Durch die Schaffung neuer Bundesbehörden wie dem Department of Homeland Security und dem Gesetzespaket PATRIOT ACT, welche im Laufe der Arbeit noch näher erläutert werden, sollte die erste Weichenstellung für einen erfolgreichen Krieg gegen den Terrorismus gewährleistet werden.6

Unter Berücksichtigung der ausgeweiteten Sicherheitsmaßnahmen und Gesetzespakete in den USA nach dem 11. September ergibt sich folgende Forschungsfrage: Wie entstehenFeindbilder und wie werden diese, am Beispiel der Gesetzespakete undSicherheitsmaßnahmen der USA , politisch instrumentalisiert?

Zur Beantwortung dieser Forschungsfrage ergibt sich folgende methodische Vorgehensweise: Zunächst werden die Umstände und Bedingungen, unter denen Feindbilder entstehen können in ihrer Grundstruktur erläutert. Darauf aufbauend wird anhand der Geschehnisse von 9/11 die Entwicklung eines omnipräsenten Feindbildes im Bezug auf den islamischen Terrorismus und den Islam selbst illustriert (Kapitel 2). Im dritten Kapitel wird dann die politische Inszenierung und Instrumentalisierung dieses Feindbildes durch die USA veranschaulicht. Anschließend wird die damit verbundene Erneuerung, sowie der Ausbau des staatlichen Sicherheitsapparates und die Legitimationsgrundlage für neue Gesetzespakete analysiert (Kapitel 3). Zuletzt werden die wichtigsten Kernpunkte resümiert um die darauf aufbauende Forschungsfrage zu beantworten (Kapitel 4).

2 Feindbildkonstruktion

Im folgenden Teil soll der Prozess der Entstehung und Erzeugung eines Feindbildes, sowie dessen Eigenschaften und Funktionen analysiert werden. Desweiteren soll illustriert werden, wie sich aufgrund eines islamischen Terrorismus ein Feindbild gegen den gesamten Islam herauskristallisiert und welche medialen, politischen und gesellschaftlichen Prozesse dazu beitragen.

2.1 Die Genese und Bedeutung von Feindbildern

Der Begriff des Feindbildes ist im allgemeinen Sprachgebrauch relativ ungenau definiert bzw. unpräzise formuliert, da er eine Vielzahl von verschiedensten Faktoren mit einbezieht und analog auch zu den Begriffen Vorurteil und Stereotyp steht.7 Charakteristisch für die Entstehung eines Feindbildes ist die „ beobachterspezifische Konstruktion der Realität“8 die durch ein ideologisch geprägtes Denken der Konstrukteure bedingt wird. Die Erzeugung eines Feindbildes versucht somit eine sprachliche Diskreditierung des definierten Feind zu realisieren.9

Dabei kristallisieren sich zwei Typen der Feindbildkonstruktion heraus und zwar die realitätsbezogene Orientierung und die konstruktionsbezogne Orientierung. Die realitätsbezogne Orientierung basiert auf der Realität, die für den Konstrukteur als wahr angenommen wird, was aber einen starken subjektiven Charakter mit sich bringt, da die Realität durch die persönliche Meinung des Konstrukteurs stark verzerrt wird. Dieses falsche Bild kann sich jedoch im Endeffekt nicht auf reale Fakten stützen und wird auch letztendlich durch diese untergraben. Das Feindbild wird aus dieser Sicht als eine Täuschung der Realität wahrgenommen. Die konstruktionsbezogne Orientierung beruht darauf, dass aus grundlegenden Überlegungen keine Realitätsprüfung des erzeugten Bildes vorgenommen wird. Die Vertreter wollen nicht an der Wahrheit der Realität messen, sondern am Prozess ihrer Entstehung und Ausprägung. Im Fokus steht nicht der Wahrheitsgehalt eines Feindbildes oder den Gegner als falsch zu entlarven, es wird auch nicht versucht eventuelle falsche Fakten zu hinterfragen. Das konstruierte Bild wird mit allen verbindlichen Charakteristika des Feindes als geltend hingenommen. Diese Form der Konstruktion überwiegt größtenteils in der Feinddarstellung. Hierbei werden nur negative Vorstellungen des Gegners vermittelt. Dieser wird nicht als unterschiedliche Individuen gesehen, sondern als ein, auf die zugeschriebenen Charakteristika, generalisiertes Kollektiv.10 Dabei entwickelt das Feindbild vor allem einen dichotomen Charakter, indem es nur zwischen „gut“ und „böse“ unterscheidet. Es entsteht eine Zuweisung von bestimmten sozialen Rollen und den damit verbundenen Eigenschaften. Der Gegner wird somit in ein bestimmtes Schema fest hinein kategorisiert.. Dabei werden dem verfeindeten Kollektiv meist nur negative Eigenschaften zugeschrieben die im Gegensatz zu den positiven Eigenschaften der eigenen Gruppe stehen.11 Der Feind wird dadurch sozial degradiert, wodurch die eigene Gruppe mit einer positiven Identität verbunden wird durch die letztendlich auch ein Einheitsgefühl geschaffen wird.12 Die Kategorisierung des Wahrgenommenen spielt dabei eine wichtige Rolle, um Antiphatie gegen den Feind stärker zu strukturieren und zu kanalisieren. Diese Art der Kategorisierung wird auch erst dann zu einem Feindbild, wenn diese mit den negativen Attributen verknüpft und durch Dramatisierung und übertriebene Darstellung bewertet wird.13

Dies führt dazu, dass ein Feindbild zu einer Maxime heranwächst, an der sich ein Kollektiv in seinen Handlungen und Sichtweisen orientiert, obwohl diese Darstellung stark realitätsverzerrend ist sein können.

Die Konstruktion eines Feindbildes wird meist in Krisenzeiten oder Ausnahmezuständen innerhalb eines Staates begünstigt. Medien und Politik schaffen ein künstliches Feindbild, welches innerhalb der Bevölkerung die Gegenwart einer starken Bedrohung verstärken soll. Dies hat zur Folge, dass ein stärkerer Wunsch nach Führung in dieser angeblichen prekären Lage vom Staat gewünscht ist und die nötige Zustimmung für bestimmte Gegenmaßnahmen, die in Zeiten des Friedens vielleicht kritisiert werden würden, durchzusetzen und diese mit Rückhalt der Bevölkerung zu legitimieren.14

„ Je größer die geglaubte Bedrohung durch einen tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner ist

(…), desto größer scheint der Bedarf nach starker Führung“.15 Dieses Zitat verdeutlicht, inwiefern ein Feindbild die Bevölkerung beeinflusst, indem es den Blick von eventuellen innenpolitischen Problemen ablenkt und die durch diese Probleme entstandene Frustration auf den Feind projiziert.16 Dies führt zu einem Inklusions- und Exklusionsprozess, wodurch eine Verfestigung des Zusammenhalts bewirkt wird und somit eine Stabilität der Aufrechterhaltung eines Feindbildes gewährleistet ist.17 Durch den Versuch Chaos und Unübersichtlichkeit weltlicher und politischer Geschehnisse einen unumstoßbaren Charakter der Eindeutigkeit zu verleihen, wird die Komplexität der etwaigen Lösungsansätze und der damit verbundenen Optionen auf ein Minimum beschränkt, im Extremfall auch auf die Vernichtung des Feindes.18 Es entsteht somit eine Realität, die nur durch dichotome Extreme zu beschreiben ist, welche in den Köpfen der Feindlager fest verankert sind.19

Die daraus entstehende gesellschaftliche Macht von Feindbildern ist sehr groß, da diese als selbstverständlich angesehen werden. Durch ihren Charakter der Allgemeingültigkeit besitzen sie eine große Resistenz gegenüber Kritik und werden durch dieses aufgebaute, kollektive Schutzschild zu einem starken Mittel des Herrschafts- und Machtausbaus für Staat oder auch einzelne, führende Vertreter einer ideologischen Feindbildkonstruktion.20 „ Je intensiver und dogmatischer ein bestimmtes Feindbild ist, desto mehr werden Personen, die daran glauben, es gar nicht für ein Feindbild halten, sondern ihre dämonisierenden und verächtlichen Wahrnehmungen als unverfälschte Wiedergabe objektiv feststehender Gegebenheiten missverstehen“.21 Die Verachtung und jegliche damit einhergehende Maßnahme gegen den angeblichen Feind werden, durch die allgemeingültige Annahme über die Richtigkeit dieses Bildes, legitimiert. Ein weiterer Punkt der zur Stabilität von Feindbildern beiträgt, ist die Beweisbarkeit von Stereotypen, bzw. den einzelnen zugeschriebenen Eigenschaften dieses Stereotyps. Trifft nur ein zugesprochenes, negatives Charakteristikum auf eine Person im feindlichen Kollektiv zu, wird das konstruierte Feindbild unweigerlich bestätigt und somit wiederum letztendlich auf jedes Individuum im Kollektiv generalisiert. Somit kann ein Feindbild auch in diesem Sinne nicht diskreditiert werden, da die stigmatisierenden Charakteristika mindestens in einem Individuum des feindlichen Kollektivs bestätigt werden können. Die negative Konnotation einer kleinen Gruppe wird dann zu unrecht auf die Gesamtheit verallgemeinert.22 Davon ausgehend bilden sich mehrere zentrale Charakteristika eines Feindbildes heraus, die im folgenden noch einmal zusammenfassend erläutert werden sollen. Zentral ist das Nullsummendenken, der Dialog mit dem Feind über eine eventuelle friedliche Lösung wird komplett ausgeschlossen, da das Handeln des Gegners als nicht nachvollziehbar und absolut illegitim angesehen wird. Es erfolgt eine allgemeingültige Generalisierung und Stigmatisierung durch negativ konnotierte Charakteristika, die im Gegensatz zur Eigengruppe stehen. Die Fremdgruppe wird in ihrem Dasein entmenschlicht und dämonisiert und verliert somit jede Existenzberechtigung in den Augen des gegnerischen Kollektivs. Durch diesen Vorgang sichert sich die Eigengruppe vor jeglicher Kritik ab, da gegen einen solchen Feind quasi jede Art von Mittel als legitim angesehen werden kann. Jeder Widerstand oder jede Kritik aus den eigenen Reihen wird mit sofortigem Ausschluss aus dem Kollektiv geahndet, wodurch die Stabilität des eigenen Kollektivs nochmals gestärkt und gesichert wird.23

2.2 Islamischer Terrorismus als Auslöser des Feindbilds Islam

Der islamisch - fundamentalistisch motivierte Terrorismus trug dazu bei, dass sich weltweit fälschlicherweise eine Bedrohung durch Muslime im allgemeinen herauskristallisierte. Die eher kleine Gruppe von fundamentalen Islamisten und deren Glauben wurden durch Politik und Medien, vor allem in den Vereinigten Staaten, zu einem Feind pauschalisiert, dessen Ziel es wäre, die Werte der westlichen Welt zu untergraben.24 Die mediale Berichterstattung über die Bedrohung durch Islamisten stieg nach 9/11 stetig an, wodurch sich eine antiislamische Haltung herausbildete.25

[...]


1 Vgl. Jackson 2005, S. 114

2 Vgl. Kaim 2011, S. 5

3 Vgl. Meier-Walser/ Glagow 2001, S. 5

4 Vgl. Kaim 2011, S. 5

5 Vgl. Kahl/ Schmid/ Schneider 2011, S. 14

6 Vgl. Bauer 2002, S.31f

7 Vgl. Berghold 2007, S. 15

8 Pörksen 2005, S. 51

9 Vgl. Pörksen 2005, S. 51

10 Vgl. Pörksen 2005, S. 52f

11 Vgl. Schäfer 2013, S. 127f

12 Diesen Prozess der sozialen Distinktion, indem die Eigengruppe mit positiven Charakteristika und die Fremdgruppe mit negativen Charaktereigenschaften konnotiert wird., untersuchte und beschrieb Norbert Elias in seinem Text Etablierte und Außenseiter (1969)

13 Vgl. Schäfer 2013, S. 130

14 Vgl. Schäfer 2013, S. 130f

15 Schäfer 2013, S. 130

16 Vgl. Schäfer 2013, S.131

17 Vgl. Schlee 2000, S. 5

18 Vgl. Pörksen 2005, S. 54

19 Vgl. Berghold 2007, S. 15

20 Vgl. Berghold 2007, S. 16

21 Berghold 2007, S. 16

22 Vgl. Berghold 2007, S. 18ff

23 Vgl. Berghold 2007, S. 20ff

24 Vgl. Dietrich 1995, S. 1

25 Vgl. Meier-Walser/ Glagow 2001, S. 5

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Details

Titel
Die Auswirkung von Feindbildern auf politische Entwicklungen am Beispiel der Terroranschläge vom 11. September in Amerika
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Soziologie des Terrorismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V282505
ISBN (eBook)
9783656817437
ISBN (Buch)
9783656817420
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkung, feindbildern, entwicklungen, beispiel, terroranschläge, september, amerika
Arbeit zitieren
Max Querbach (Autor), 2013, Die Auswirkung von Feindbildern auf politische Entwicklungen am Beispiel der Terroranschläge vom 11. September in Amerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282505

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