Der arabische Einfluss in der spanischen Sprache


Studienarbeit, 2011

20 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Von der Conquista bis zum letzten Kleinstaat in Granada – 800 Jahre muslimische Präsenz auf der Iberischen Halbinsel

2. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in al-Andalus

3. Der arabische Artikel al- im Spanischen und der Verlust der Arabismen
3.1. Herkunft und Form des arabischen Artikels
3.2. Der arabische Artikel al- im Spanischen
3.3. Agglutination des arabischen Artikels al- in spanischen Substantiven
3.4. Der Verlust der Arabismen
3.5. Ersetzung der Arabismen durch Synonyme
3.6. Historische Einflüsse
3.7. Kategorien der Verluste der Arabismen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Eines der größten Probleme der modernen Welt stellt die Beziehung zwischen Orient und Okzident dar. Kommunikation und Interaktion der beiden Seiten gestalten sich auf Basis divergent entwickelter Werte- und Normsysteme äußerst schwierig und komplex. Folglich entstehen aufgrund der Globalisierung und Internationalisierung oft Frustration, Missverständnisse und daraus resultierende Ängste.

Sprachliche Barrieren tragen hierzu oftmals ihren Anteil bei. Fehlende Kenntnisse der arabischen Sprache, die den meist verbreiteten westlichen Idiomen in nichts zu ähneln scheint, lassen den arabisch-orientalischen Raum noch fremder wirken. Angesichts dieser Problematik ist es hilfreich, sich der Geschichte zu bedienen, um festzustellen, dass Orient und Okzident nicht immer von einander getrennte Welten gewesen sind. Ein wertvolles Beispiel für den orientalisch-okzidentalischen Kontakt präsentiert die Iberische Halbinsel zwischen dem 8.und 15. Jahrhundert: al-Andalus.

Die knapp acht Jahrhunderte alte arabisch-islamische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel beeinflussten nicht nur die kulturelle Ebene, sondern auch den sprachlichen Bereich, welche zum Teil auch heute noch sichtbar sind. Auf Ebene dieser sprachlichen Beeinflussung möchte die vorliegende Arbeit näher eingehen. Es ist ein Versuch die Bedeutung der arabisch-muslimischen Präsenz auf der Iberischen Halbinsel im Bereich des linguistischen Untersuchungsfeld des Lexikons und der Morphologie darzustellen. Näher eingegangen wird morphologisch auf den arabischen Artikel im Spanischen und lexikalisch auf die verloren gegangenen Arabismen in der spanischen Sprache.

Um einen Einstieg in die Thematik zu gewährleisten, wird zunächst ein geschichtlicher Überblick, die Darstellung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in al- Andalus und ihr Einfluss auf die spanische Sprache gegeben.

Zudem wird der Bereich der Morphologie mit der Herkunft des arabischen Artikels, dem arabischen Artikel im Spanischen und dessen Agglutination analysiert. Ferner geht es um den Verlust der Arabismen im spanischen Lexikon. Hier werden der Ersatz der Arabismen und mögliche historische Einflüsse für den Verlust von Arabismen näher betrachtet. Anschließend folgt eine Einteilung der verloren gegangenen Arabismen in Kategorien.

Final werden die Probleme aus dem morphologisch-lexikalischen Untersuchungsfeld kritisch revidiert und in Kontext zur Beziehung von Orient und Okzident gebracht.

1. Von der Conquista bis zum letzten Kleinstaat in Granada – 800 Jahre muslimische Präsenz auf der Iberischen Halbinsel

Im Jahre 622 n.Chr. erschien einem Mann namens Muhammad in Mekka der Erzengel Gabriel, um ihm Gottes Wort und seine Sendung als Prophet zu verkünden.

Dieses Ereignis hat ca. hundert Jahre später Auswirkungen auf die Iberische Halbinsel, denn die neue Religion, der Islam, breitete sich wie ein Lauffeuer aus und würde bald auch kein Halt vor der Meerenge von Gibraltar machen.

Die ersten arabisch-islamischen Truppen kamen zwischen April und Mai 711 auf die Iberische Halbinsel und begannen den acht Jahre dauernden Eroberungszug mit der Schlacht am Fluss Barbate. Das Reich der damals herrschenden Westgoten war bereits geschwächt und so fiel es nicht schwer mit nur ca. zehn bis zwölftausend Soldaten fast die gesamte Halbinsel einzunehmen. Diese Soldaten waren meist arabisierte und islamisierte berberische Söldner, die von der iberoromanischen Bevölkerung als Befreier von den Westgoten angesehen wurden. Trotz der geringen Anzahl von arabisch-muslimischen Zuwanderern, war die kulturelle Arabisierung, die die Etablierung arabischer Administration und Lebensweisen einschließt, bei den Einheimischen sehr stark (vgl. Cano Aguilar, 1988, 44).

Cordoba und Toledo fielen bereits 711, 712 und 713 Sevilla und Mérida, 714 Saragoza, welches den Zugang zum gesamten Ebro-Tal ermöglichte, und bis 715 waren Städte wie Pamplona, Tarragona, Gerona, sowie Algarve, Málaga, Murcia und Elvíra im Besitz der Araber. Gegen Ende des achten Jahrhunderts bildeten sich die politischen Grenzen, wobei der Duero das islamische Reich al-Andalus vom christlichen Widerstand in den Bergen Asturiens trennte (vgl. Hottinger 1997, 32ff.).

Ab 751 kam es im islamischen Reich zu Kämpfen und Unruhen und Nachfolgekriege, Zwiste innerhalb der herrschenden Familien waren eine ständige Begleitung für das arabische Reich al-Andalus. Nach nur achtzig Jahren Errichtung des Kalifats wurde dessen Ende mit der Revolution von Córdoba eingeleitet. Der Machthaber sah sich den Revolutionären hilflos ausgeliefert, da auch die Bevölkerung nicht mehr hinter ihm stand.

Darauf folgen fast zwanzig Jahre weitere Jahre voller Umstürze und Gegenumstürze, Auflehnungen und Unruhen, was den Niedergang des Kalifats endgültig auslöste. Córdoba konnte nicht mehr länger als einziges Machtzentrum fungieren und al-Andalus brach in sich zusammen. Daraufhin folgte die Zeit der Reinos de taifas, die muslimischen Kleinstaaten auf der Halbinsel. Es entstanden ca. zwanzig Herrschaftszentren um 1031, dessen offene Grenzen sich ständig verschoben.

Streitigkeiten innerhalb der einzelnen Herrschaftsfamilien schwächten al-Andalus und boten sich dem Widerstand aus dem Norden. Im Zuge der Reconquista wurde 1085 Toledo aus muslimischer Herrschaft entrissen. Trotz der Verstärkung durch die Almoraviden, konnten die Christen beinahe das gesamte restliche Gebiet einnehmen. Nur noch ein Muslim konnte sich nach Untergang der Almohaden, ein anderer Berberstamm, die al-Andalus übernahmen, durchsetzen. Der Herrscher Muҫammad b. Yùsuf b. Naòr, Begründer der letzten islamischen Bastion, dem Reino de Granada war formell Machthaber des letzten Staates und entrichtete enorme Tribute an die Christen. Diese Herrschaft fand mit der Vereinigung Spaniens 1469 durch die Heirat Fernandos von Aragón mit Isabella von Kastilien bald ein Ende. 1492 folgte dann die Kapitulation und bedeutete somit auch das Ende der fast 800 Jahre alten, muslimischen Präsenz auf der Iberischen Halbinsel.

2. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in al-Andalus

Durch die muslimische Invasion und Besetzung veränderte sich die bis dahin bestehende Sprachsituation. Das Latein als offizielle Amts- und Kultursprache wurde durch das klassische Arabisch verdrängt. Diese Arabisierung wurde von Süden bis Norden bedingt durch kürzere Präsenzzeiten der Araber in den christlichen Gebieten, stetig schwächer (Ineichen 1997, 23).

In al-Andalus entwickelte sich durch das Zusammenleben verschiedener Ethnien eine bilinguale bzw. multilinguale Gesellschaft. Die Mozaraber waren die unter muslimischer Herrschaft lebenden arabisierten Christen, die nach Hans Wehr „sich den Arabern assimilieren, zum Araber werden, die Sitten der Araber übernehmen“ (Wehr 1976, 541) und waren die treibende Kraft für mündliche Entlehnungen aus dem Arabischen. Viele von ihnen flohen in den Norden und nahmen ihren Dialekt auch in die nicht arabisierten, christlichen Gebiete mit (Ineichen 1997, 20).

Es gab zahlreiche Bewohner auf der Halbinsel, welche die Religion der Eroberer übernahmen und die Gruppe der Musalima bildeten, das vom arabischen Wort sallima ‘sich ergeben, sich unterwerfen‘ kommt (Wehr 1976, 387) und dessen Nachkommen Muladíes genannt wurden. Die Muladíes wurden unter Arabern geboren und aufgezogen, waren aber nicht von rein arabischem Blut (Wehr 1997, 975).

Die zwangskonvertierten Mauren in der Zeit nach der Reconquista wurden Morisken genannt. Sie verwendeten Arabisch weiter als ihre Muttersprache. Im Jahre 1609 wurden diese durch die spanische Krone ausgewiesen und damit endete der arabisch-spanische Sprachkontakt auf der Iberischen Halbinsel (Kiesler 1994, 29).

Eine wichtige Rolle spielten auch die Juden und das Hebräische, da diese Texte in der Übersetzerschule von Toledo unter Erzbischof Raimund und Alfonso el Sabio vom Arabischen ins Romanische übersetzten, bevor diese weiter ins Latein übertragen wurden (Ineichen 1997, 58).

Somit stellte al-Andalus ein Herrschaftsgebiet dar, das voll von sprachlicher Vielfalt und Varietäten war, vom Vulgärarabisch, klassischem Arabisch, Mozarabisch bis hin zu romanischen Dialekten, zum klassischen Latein und zum Hebräischen.

3. Der arabische Artikel al- im Spanischen und der Verlust der Arabismen

3.1. Herkunft und Form des arabischen Artikels

Wie sich diese sprachliche Vielfalt auf das Spanische ausgewirkte, ist nun näher zu betrachten. Dabei soll der Teilbereich der Lexikologie und der arabische Artikel al- eine besondere Stellung einnehmen.

Im Vergleich zum Hebräischen und Altnordarabischen bildete das Arabische den Artikel mit Hilfe von anderen Demonstrativen. Es ist schwierig alle Formen auf einen einzigen Partikel festzulegen, um die Herkunft des arabischen Artikels zu verdeutlichen (vgl. Winet 2006, 221).

Der Ursprung des vorangestellten Artikels legt das „Arabisch-Hebräische“ (hebreoárabe), das tausend v.Chr. zu datieren ist. Bezüglich der Formen hält man eine diatopische Verteilung von hal- , al und am fest (vgl. Winet 2006, 221).

Im Numerus und Genus ist der arabische Artikel unveränderlich. Dennoch gibt es im Gebrauch drei formale Veränderungen. Zunächst einmal existiert der Fall, bei dem das liquide, laterale l vom al- nach den Regeln des klassischen Lateins an vierzehn Konsonanten und zwar an die Okklusive t, d, t und an die Frikative t, d, z, s, ṣ, š, ḍ, ẓ und an das laterale l und r, assimiliert wird. Dabei bezieht sich diese Assimilation nur auf die Aussprache und nicht auf die Graphie. Des Weiteren verschwinden in einem Satz nach einem Vokal das hamza und der Vokal in der Aussprache und der vorangegangene Vokal vereint sich mit dem liquiden Lateral. Zuletzt ist noch zu berücksichtigen, dass der Artikel al- mit einem –i ergänzt wird, sobald das folgende Substantiv mit einem alif al-wasl anfängt.

Demnach erscheint der arabische Artikel in sechs verschiedenen Formen; ͗ al-, ͗aC:[assimiliert], - l -, -C:[assimiliert], ͗ali -, und – li -, was die folgenden Beispiele verdeutlichen; ͗ al-qamar, was mit la luna zu übersetzen ist, ͗ al-šams, was mit elsol zu übersetzen ist, sakata al-mu ͗allim, was mit elprofesor se calló zu übersetzen ist und sakataas-sulṭān, was mit elsultan se calló und ͗ al- ͗ ism, was mit elnombre zu übersetzen ist. Die letzte und sechste Formfinden wir in dakara ͗al- ͗ ism, was mit mencionóelnombre zu übersetzen ist.

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der arabische Einfluss in der spanischen Sprache
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Romanistik)
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V282515
ISBN (eBook)
9783656817192
ISBN (Buch)
9783656856535
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, sprache
Arbeit zitieren
Anonym (Autor), 2011, Der arabische Einfluss in der spanischen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282515

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