Die Finanzkrise geht um und hinterlässt ein Chaos in Deutschland: nach dem Zusammenbruch des Bankensektors, verursacht durch den Bankrott der Investmentbank Lehman Brothers in den USA und den damit verbundenen Folgen für den Rest der Wirtschaft, stehen viele Staaten vor einem Scherbenhaufen. Gleichzeitig wird die Arbeitslosenquote vermutlich enorm ansteigen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob man das Schicksal dieser Menschen zumindest bedingt aufhalten kann.
Zunächst wird der rein theoretische Sachverhalt der Phillips-Kurve geklärt: Wie kam Phillips auf seine Grundgedanken und wie wurde der Sachverhalt im Laufe der Zeit erweitert oder verändert? Verhält sich die Phillips-Kurve immer gleich oder gibt es dabei Ausnahmen? Zum Schluss wird ein Bogen zur Praxis gespannt, in dem versucht wird, den Nutzen, der sich für Konsumenten, Unternehmen und auch Wirtschaftspolitiker daraus ergibt, herauszustellen. Und auf diese Art können wir auch die Probleme der Krise besser verstehen lernen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Originäre und modifizierte Phillips-Kurve
2.2 Unterschiede
3. Empirie und Veränderung
3.1 Problematik der Empirie / Instabilität der Phillips-Kurve
3.2 Kurzfristige und langfristige Phillips-Kurve
4. Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen
4.1 Arbeitnehmer und Arbeitgeber
4.2 Aggregiertes Angebot und Angebotsschocks
4.3 Der OPEC-Fall
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen, die empirische Validität und die wirtschaftspolitischen Implikationen der Phillips-Kurve. Ziel ist es, den Zielkonflikt zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation vor dem Hintergrund der Finanzkrise zu analysieren und zu hinterfragen, inwiefern dieses makroökonomische Instrument als Grundlage für wirtschaftspolitisches Handeln dienen kann.
- Theoretische Entwicklung von der ursprünglichen zur modifizierten Phillips-Kurve
- Unterscheidung zwischen kurzfristigen Trade-offs und langfristiger Instabilität
- Bedeutung von Inflationserwartungen und adaptiver Erwartungsbildung
- Einfluss von Angebotsschocks am Beispiel der historischen OPEC-Krise
- Grenzen der Konjunkturpolitik bei der gleichzeitigen Senkung von Arbeitslosigkeit und Inflation
Auszug aus dem Buch
2.2 Unterschiede
Zwischen originärer und modifizierter Phillips-Kurve werden generell drei Unterschiede genannt (vgl. Mankiw 2003, S.417f.):
Samuelson und Solow änderten die Achsenbeschriftung von Phillips‘ ursprünglichem Gedanken der Lohninflation ab und verwendeten fortan den Begriff der Preisinflation. Dieser Unterschied ist nicht gravierend, da in Zeiten steigender Preise auch Löhne parallel ähnlich schnell steigen.
Milton Friedman und Edmund Phelps, zwei amerikanische Ökonomen, erweiterten die Phillips-Kurve um den Aspekt der Inflationserwartungen. Sie entwickelten das Modell unvollkommener Information und unterstrichen damit die Bedeutung von Erwartungen für das Gesamtangebot. Bezogen auf die Phillips-Kurve bedeutet dieser Zusammenhang, dass die Lohnsetzer aufgrund von prognostizierten Inflationsraten Löhne unterschiedlich terminieren werden. Dieser Vorgang wird auch adaptive Erwartungsbildung genannt. Eine konstant steigende Rate der Inflation in den letzten Jahren lässt also vermuten, dass dieser Vorgang auch so bleibt.
Als dritten Aspekt nennt Mankiw die Berücksichtigung von Angebotsschocks. Im Zusammenhang mit der OPEC, die Anfang der siebziger Jahre die Erdölpreise stark ansteigen ließ, wurden Wirtschaftswissenschaftler auf Angebotsschocks aufmerksam. Der enorme Preisanstieg erhöht die Produktionskosten verschiedener Unternehmen und führt zu einem Rückgang der angebotenen Gütermenge.
Auf den OPEC-Schock wird im späteren Kapitel „Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen“ noch einmal genauer eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Problematik der Finanzkrise und Vorstellung des Zielkonflikts zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit nach Phillips.
2. Theoretischer Hintergrund: Erläuterung der historischen Entstehung der Phillips-Kurve und der zentralen Modifikationen durch verschiedene Ökonomen.
2.1 Originäre und modifizierte Phillips-Kurve: Darstellung der statistischen Grundlagen und der Transformation zur konvexen Kurvenform.
2.2 Unterschiede: Analyse der drei wesentlichen Differenzen zwischen der ursprünglichen und der erweiterten Phillips-Kurve.
3. Empirie und Veränderung: Untersuchung der empirischen Anwendbarkeit und der Herausforderungen bei der praktischen Validierung.
3.1 Problematik der Empirie / Instabilität der Phillips-Kurve: Diskussion darüber, warum kein langfristig stabiler Verlauf der Kurve empirisch nachweisbar ist.
3.2 Kurzfristige und langfristige Phillips-Kurve: Erläuterung der Unterscheidung zwischen kurzfristigem Trade-off und der natürlichen Arbeitslosigkeit.
4. Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen: Aufzeigen der Handlungsmöglichkeiten und Grenzen für politische Akteure unter Berücksichtigung der Inflations-Arbeitslosigkeits-Problematik.
4.1 Arbeitnehmer und Arbeitgeber: Beleuchtung der verschiedenen Perspektiven von Lohnsetzern auf Inflation und Reallohn.
4.2 Aggregiertes Angebot und Angebotsschocks: Einordnung der Phillips-Kurve in das Modell von aggregierter Nachfrage und Angebot.
4.3 Der OPEC-Fall: Historische Betrachtung eines klassischen Angebotsschocks und dessen Auswirkungen auf Inflation und Beschäftigung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Phillips-Kurve als nützliches, aber komplexes Instrument der Makroökonomie.
Schlüsselwörter
Phillips-Kurve, Inflation, Arbeitslosigkeit, Finanzkrise, Trade-off, Inflationserwartungen, Angebotsschock, OPEC, Nominallohn, Reallohn, Konjunkturpolitik, Makroökonomie, Vollbeschäftigung, Preisniveaustabilität, adaptive Erwartungsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die makroökonomische Theorie der Phillips-Kurve, welche den Zusammenhang zwischen der Inflationsrate und der Arbeitslosenquote untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind der theoretische Wandel der Phillips-Kurve, die Schwierigkeiten ihrer empirischen Messung sowie die wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen in Krisenzeiten.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie der Zielkonflikt zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit zu verstehen ist und ob dieser als verlässliche Basis für die Konjunkturpolitik dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Untersuchung historischer empirischer Daten und Modelle (wie dem OPEC-Schock).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen, die empirischen Instabilitäten der Kurve sowie der Einfluss von externen Schocks und Erwartungsbildung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Phillips-Kurve, Inflation, Arbeitslosigkeit, Angebotsschock, Inflationserwartungen und makroökonomische Steuerung.
Warum ist die Phillips-Kurve laut Autor keine verlässliche Grundlage für die Konjunkturpolitik?
Der Autor verweist darauf, dass empirisch kein langfristig stabiler Verlauf der Phillips-Kurve ermittelt werden konnte, was sie als starres Steuerungsinstrument unbrauchbar macht.
Welche Rolle spielt die OPEC für das Verständnis von Angebotsschocks?
Die OPEC-Krise dient als klassisches Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, wie externe Kostenschocks (Ölpreise) sowohl Inflation als auch Arbeitslosigkeit beeinflussen und die Phillips-Kurve verschieben.
- Citar trabajo
- Daniel Hasler (Autor), 2009, Die Phillips-Kurve. Theoretischer Hintergrund, Empirie und wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282631