Kaneš (Kanesch), heute Kültepe war eine bronzezeitliche Siedlung in Zentral-Anatolien ca. 20 km nordöstlich von heutigem Kayseri. In der Vorburgsiedlung befand sich ein Handelsposten mit reichlichen materialen Belegen zur Verbindung mit dem Altassyrischen Reich. Er war eine Station für Karawanen von und nach Assyrien. Hier wohnten konzentriert auf einem Gelände von 400 X 300m Händler aus Assyrien und ihre Familien, und auch Kaufleute aus Anatolien und Syrien tauchten hier ab und zu. Die Einwohner des karum lebten nach assyrischem Recht, bewahrten auch diversen Kontakten zum einheimischen Brauchtum. Zahlreiche Heiraten zwischen Assyrern und örtlichen Frauen sind durch die Heiratsverträge belegt. Gehandelt wurde vor allem mit assyrischen und babylonischen Textilien, Zinn aus Innerasien und anatolischem Silber und Gold. Die Assyrer transportierten auch Kupfer aus pontischem Raum. Die Wege der Eselskarawanen waren von kleineren Wegestationen (wabaratum) und größeren Handelsniederlassungen (karu) gesäumt. Gegen die Zahlung einer Abgabe (nišatum) und ein Vorverkaufsrecht auf zehn Prozent aller transportierten Waren, zum Beispiel Textilien, garantierten die örtlichen Herrscher die Sicherheit der Kaufleute. Jedoch nur Schutzmaßnahmen vor kleineren Überfällen waren denkbar. Außerdem mussten die Assyrer eine Maut im Wert von zehn Prozent der beförderten Waren zahlen. Es existierten auch Vereinbarungen zum Umgang mit Schmugglern, die diese Abgaben zu umgehen suchten.
Inhaltsverzeichnis
1 Überblick über das Ensemble
2 Archäologische Befunde bezüglich des Handels
3 Waren
4 Finanzen
5 Verwaltungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Strukturen und Abläufe der altassyrischen Handelskolonien, mit einem besonderen Fokus auf Kültepe (karum/Kaneš), um die ökonomischen, rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen dieses frühgeschichtlichen Fernhandelsnetzwerks zu entschlüsseln.
- Die Siedlungsphasen und archäologische Bedeutung von Kültepe.
- Warenströme, insbesondere der Handel mit Textilien, Wolle und Zinn.
- Die Organisation des Finanzwesens, einschließlich Gewichtssystemen und Kreditpraktiken.
- Die Rolle der städtischen Verwaltung sowie spezifischer Ämter wie Eponym und Steward.
- Steuersysteme und die rechtliche Einbettung des Handels in das altassyrische Reich.
Auszug aus dem Buch
1 Überblick über das Ensemble
Kaneš (Kanesch), heute Kültepe war eine bronzezeitliche Siedlung in Zentral-Anatolien ca. 20 km nordöstlich von heutigem Kayseri.
In der Vorburgsiedlung befand sich ein Handelsposten mit reichlichen materialen Belegen zur Verbindung mit dem Altassyrischen Reich. Er war eine Station für Karawanen von und nach Assyrien. Hier wohnten konzentriert auf einem Gelände von 400 X 300m Händler aus Assyrien und ihre Familien, und auch Kaufleute aus Anatolien und Syrien tauchten hier ab und zu. Die Einwohner des karum lebten nach assyrischem Recht, bewahrten auch diversen Kontakten zum einheimischen Brauchtum. Zahlreiche Heiraten zwischen Assyrern und örtlichen Frauen sind durch die Heiratsverträge belegt. Gehandelt wurde vor allem mit assyrischen und babylonischen Textilien, Zinn aus Innerasien und anatolischem Silber und Gold. Die Assyrer transportierten auch Kupfer aus pontischem Raum. Die Wege der Eselskarawanen waren von kleineren Wegestationen (wabaratum) und größeren Handelsniederlassungen (karu) gesäumt. Gegen die Zahlung einer Abgabe (nišatum) und ein Vorverkaufsrecht auf zehn Prozent aller transportierten Waren, zum Beispiel Textilien, garantierten die örtlichen Herrscher die Sicherheit der Kaufleute. Jedoch nur Schutzmaßnahmen vor kleineren Überfällen waren denkbar. Außerdem mussten die Assyrer eine Maut im Wert von zehn Prozent der beförderten Waren zahlen. Es existierten auch Vereinbarungen zum Umgang mit Schmugglern, die diese Abgaben zu umgehen suchten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Überblick über das Ensemble: Dieses Kapitel gibt eine Einführung in die Siedlung Kaneš (Kültepe) als zentralen Handelsposten und erläutert die Interaktion zwischen assyrischen Händlern und lokaler Bevölkerung.
2 Archäologische Befunde bezüglich des Handels: Hier werden die Entdeckung der Tontafeln durch Grabungen sowie die wissenschaftliche Bedeutung der archäologischen Funde für die Erforschung des Handels zusammengefasst.
3 Waren: Das Kapitel analysiert die gehandelten Güter, insbesondere Textilien und Zinn, und untersucht Qualitätsstandards sowie Transportwege über Eselskarawanen.
4 Finanzen: Es wird das altassyrische Gewichtssystem, das Partnerschaftsmodell bei Geschäftsabwicklungen sowie das Konzept von Buchgeld und Kreditwesen detailliert erklärt.
5 Verwaltungen: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle der Märkte, das Amt des Eponymen und Stewards sowie das Steuersystem und die organisatorische Struktur der Kolonie Kaneš.
Schlüsselwörter
Altassyrische Handelskolonien, Kültepe, Kaneš, Karum, Tontafeln, Fernhandel, Zinn, Textilien, Eselskarawanen, Eponym, Steward, Buchgeld, Steuersystem, Wirtschaftsgeschichte, Bronzezeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen System der altassyrischen Handelskolonien, mit besonderem Blick auf die Siedlung Kültepe (Kaneš) in Zentral-Anatolien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Warenverkehr, die Finanz- und Kreditstrukturen, die Verwaltungseinrichtungen sowie die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen des Fernhandels.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die ökonomischen Abläufe und die administrative Organisation zu rekonstruieren, die es den Assyrern ermöglichten, ein florierendes Handelsnetzwerk in Anatolien zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die Auswertung archäologischer Befunde sowie die Analyse der in Kültepe gefundenen Tontafeln und der darauf basierenden ökonomischen Terminologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von gehandelten Waren, Finanzsystemen, Gewichten, Geschäftsverträgen und den Verwaltungsstrukturen vor Ort.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Karum, Eponym, Handelskolonie, altassyrischer Handel, Tontafeln und das Steuersystem der Kolonie.
Warum war die Stadt Assur für den Handel so wichtig?
Assur fungierte als Machtzentrum, das durch die Kontrolle von Waren, Gewichten und durch die Entsendung von Händlern die Standards und rechtlichen Rahmenbedingungen für den gesamten Handelsraum setzte.
Was unterscheidet den Eponymen vom Steward in der Verwaltung?
Der Eponym konzentriert sich stärker auf die finanziellen Aspekte und die Absicherung gegenüber der Stadtverwaltung, während der Steward primär mit der konkreten Regelung und Verwaltung der Warenströme betraut ist.
Welche Bedeutung hatten die Tontafeln für das Finanzwesen?
Die Tontafeln dienten als essenzielle Dokumentationsmittel, um Verträge, Schulden, Steuerabgaben und Handelsumsätze präzise festzuhalten und für das Ausgleichsverfahren zu nutzen.
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- Chali Xu (Autor), 2011, Die Verwaltung der Altassyrischen Handelskolonie Kaneš/Kültepe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282648