Die Produktpolitik von HARIBO in der Türkei

Unter Berücksichtigung kultureller Einflussfaktoren


Bachelorarbeit, 2012

54 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Kultur und interkulturelles Marketing
2.1 Kulturdefinition
2.2 Operationalisierung der Kultur
2.2.1 Erscheinungsformen der Kultur nach Charles E. Osgood
2.2.2 Das Modell der Kulturzwiebel
2.3 Elemente der Kultur und deren Bedeutung für das internationale Marketing
2.4 Begriffsabgrenzung internationales und interkulturelles Marketing
2.4.1 Internationales Marketing
2.4.2 Interkulturelles Marketing
2.4.3 Begriffsabgrenzung

3. Die Bedeutung der Kultur für die Produktpolitik
3.1 Orientierungssysteme zur Entscheidung zwischen Standardisierung und Differenzierung des Marketing-Mix
3.1.1 Das marketingspezifische E.P.R.G.-Schema
3.1.2 Das interkulturelle K.M.R.G.-Schema
3.1.3 Die differenzierte Standardisierung
3.2 Kulturabhängigkeit von Produkten
3.2.1 Kulturfreie und kulturgebundene Produkte
3.2.2 Produktanpassungen
3.3 Einfluss der Kultur auf die Markenpolitik
3.3.1 Markierung
3.3.2 Verpackung
3.3.3 Internationale Markenstrategie
3.4 Die Bedeutung der kulturellen Einflussfaktoren der Türkei für die Produktpolitik

4. Die Produktpolitik von Haribo auf dem türkischen Markt
4.1 Die Produktprogrammgestaltung
4.1.1 Zeitliche Sicht
4.1.2 Sachliche Sicht
4.1.3 Die Dimensionen des Produktprogramms
4.1.4 Die Produktprogrammentscheidungen
4.2 Die Markenpolitik von Haribo in der Türkei
4.2.1 Die Markenstrategie im horizontalen Wettbewerb
4.2.2 Das Markensystem
4.2.3 Das Markenbild
4.2.4 Die Markenstrategie im internationalen Wettbewerb

5. Schlussbetrachtung

LITERATURVERZEICHNIS

INTERNETQUELLEN

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Erscheinungsformen der Kultur

Abbildung 2: Nation und Kultur als Bezugsgröße des „internationalen“ Marketings

Abbildung 3: Kulturgebundenheit und Standardisierungspotenzial von Produkten

Abbildung 4: Internationale produktpolitische Strategien

Abbildung 5: Auszug aus der Programmstruktur von Haribo

Abbildung 6: Markenstrategie von Haribo

Abbildung 7: Strategische Optionen für Marken- und Produktkombinationen

Abbildung 8: Das kombinierte Schrift- und Bildlogo von Haribo

Abbildung 9: Elemente des Markenbilds im Vergleich

1. Einleitung

In Zeiten einer immer weiter voranschreitenden Globalisierung - begünstigt durch den Abbau von Handelshemmnissen, der Bildung regionaler Handelsab- kommen, technischen Fortschritt u.a. Einflussfaktoren - wagen immer mehr na- tionale Unternehmen den Markteintritt in ausländische Ländermärkte. Spätes- tens nach einer Sättigung des heimischen Absatzmarkts sehen viele Unter- nehmen in der Internationalisierung durch die Erschließung neuer Absatzmärkte eine Wachstumschance.1

Doch die Entscheidung „going international“ bringt nicht nur Chancen mit sich, sondern auch Risiken sowie ein erhöhtes Maß an Dynamik für das Marketing. Um einen erfolgreichen Markteintritt auf dem neu zu erschließenden Länder- markt zu ermöglichen, ist es für das Unternehmen unverzichtbar, sich über na- tionale Gegebenheiten zu informieren und diese in den Marketingstrategien zu berücksichtigen.2

Damit verbunden ist die zentrale Entscheidung zwischen Standardisierung und Differenzierung der Marketinginstrumente. Während bei einer Standardisierung die Marketinginstrumente auf verschiedenen Ländermärkten identisch oder na- hezu identisch eingesetzt werden, zeichnet sich die Differenzierung durch den an die spezifischen Besonderheiten der verschiedenen Ländermärkte ange- passten Marketing-Mix aus. Dies muss allerdings nicht für alle Marketinginstru- mente in gleicher Weise erfolgen, vielmehr können für die einzelnen Marke- tinginstrumente verschiedene Standardisierungs- bzw. Differenzierungsniveaus gewählt werden. Häufig kommt es außerdem zu einer Zwischenform der beiden Extrempunkte, der sogenannten differenzierten Standardisierung. Der Grund- gedanke hierbei ist soviel Standardisierung wie möglich, so viel Differenzierung wie nötig.3

Die Entscheidung, welche Strategie im Internationalisierungsprozess verfolgt werden soll, wird jedoch nicht von den Unternehmen alleine getroffen. Sie wird vielmehr durch das Produkt an sich sowie die Gegebenheiten des Zielmarkts beeinflusst. Während die Erwartungen an Industriegüter wie Maschinen oder High-Tech Geräte wie Digitalkameras weltweit nahezu identisch sind, unterscheiden sich diese oftmals deutlich, wenn es bspw. um den Mittagsimbiss im Schnellrestaurant geht.4

Ein ausländischer Zielmarkt unterscheidet sich häufig jedoch nicht nur hinsicht- lich der Sprache, einer anderen Wettbewerbssituation oder den rechtlichen Bestimmungen vom Heimatmarkt. Das Verhalten der Nachfrager wird vielmehr noch von weiteren kulturellen Aspekten als der Sprache beeinflusst, welche im internationalen Marketing oft vernachlässigt werden. So sind die Angehörigen einer Kultur u.a. durch kulturspezifische Normen und Werte geprägt, welche sich in ihren Verhaltensweisen widerspiegeln und von anderen Kulturen unter- schieden.5

Die Berücksichtigung der kulturellen Aspekte eines Zielmarkts ist das Kernelement des interkulturellen Marketings und unverzichtbar für die internationale Markteinführung von kultursensiblen Gütern. Inwiefern sich die Kultur auf deren Produktpolitik auswirkt, soll in dieser Ausarbeitung aufgezeigt werden. Hierzu wird die Produktpolitik des Unternehmens Haribo betrachtet, welches als Hersteller von Süßwaren ein kultursensibles Gut in den türkischen Markt eingeführt hat. Das Unternehmen hat somit einen Markt betreten, welcher sich kulturell relativ stark von seinem deutschen Heimatmarkt unterscheidet. Aus diesem Grund werden in dieser Ausarbeitung sowohl die Aspekte des internationalen als auch des interkulturellen Marketings berücksichtigt.

Um zu verstehen, wie sich die Kultur auf ein Produkt auswirkt, ist es vorerst nötig, den Begriff der Kultur als solcher zu definieren, während die Ansätze zu Operationalisierung helfen sollen, diesen zu veranschaulichen. Eine anschließende Erläuterung wesentlicher Elemente der Kultur stellt einen ersten Zusammenhang zum internationalen Marketing her, welches anschließend vom interkulturellen Marketing abgegrenzt wird.

Ziel des dritten Kapitels ist es, die Bedeutung der Kultur für die Produktpolitik im Allgemeinen aufzuzeigen. Anhand des E.P.R.G.- und des K.M.R.G.-Schemas werden zwei verschiedene Entscheidungsmodelle hinsichtlich der Standardisierung und Differenzierung des Marketing-Mix erklärt. Des Weiteren wird auf das Mischmodell der differenzierten Standardisierung eingegangen. Es folgt anschließend eine Darstellung der Kulturabhängigkeit von Produkten sowie des Einflusses der Kultur auf die Markenpolitik.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der konkreten Untersuchung der von Ha- ribo verfolgten Produktpolitik in der Türkei hinsichtlich der Produktprogrammge- staltung sowie der Markenpolitik. Es soll herausgestellt werden, welche Vorge- hensweise das Unternehmen Haribo in der Türkei verfolgt. Zentral stellt sich hierbei die Frage, inwiefern Aspekte der Produktpolitik bei Markteintritt an den Ländermarkt angepasst, also differenziert wurden und welche Elemente denen auf dem deutschen Markt entsprechen. Der Fokus liegt hierbei auf der Betrach- tung der Hauptproduktkategorie, den Haribo Fruchtgummis, bzw. dem Haupt- produkt, dem Haribo Goldbären. Die Vorgehensweise bzgl. der Haribo Chamal- lows und Maoam Produkte wird weitgehend vernachlässigt.

Die finale Schlussbetrachtung stellt eine Zusammenfassung der in Kapitel 4 gewonnenen Erkenntnisse über die Produktpolitik von Haribo in der Türkei dar. Es soll verdeutlicht werden, welche marktspezifischen Anpassungen Haribo vornehmen musste und wie sich diese auf dessen bisher möglichst einheitliche internationale Strategie ausgewirkt haben.

2. Kultur und interkulturelles Marketing

Um ein Grundverständnis des interkulturellen Marketings zu schaffen und dieses vom internationalen Marketing abzugrenzen zu können, ist es vorerst nötig, den Begriff Kultur als solchen zu kennen und zu verstehen. Dazu soll der Begriff Kultur an sich definiert werden und verschiedene Ansätze zur Operationalisierung sowie wesentliche Elemente der Kultur vorgestellt werden.

2.1 Kulturdefinition

Seinen Ursprung hat der Begriff Kultur im lateinischen Wort „cultura“, welches übersetzt die Bedeutung „Bodenpflege“ oder „Bebauung“ besitzt. Es ist jedoch bis heute nicht möglich, diesen Begriff eindeutig zu definieren. Dies liegt zum einen an seinem dynamischen Charakter, aufgrund dessen er sich immer wieder verändert,6 und zum anderen daran, dass in der Vergangenheit verschiedene Wissenschaftsdisziplinen den Begriff Kultur für sich definierten, diese jedoch jeweils unterschiedliche Auffassungen hatten.7

Bereits 1952 zählten die Anthropologen Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn 164 verschiedene Definitionen von Kultur, Paul Herbig 1998 sogar 450.8 Eine Synthese dieser verschiedenen Definitionen bildet die folgende Definition von Kutschker und Schmid:

„Kultur ist die Gesamtheit der Grundannahmen, Werte, Normen, Einstellungen und Überzeugungen einer sozialen Einheit, die sich in einer Vielzahl von Verhaltensweisen und Artefakten ausdrückt und sich als Antwort auf die vielfältigen Anforderungen, die an diese soziale Einheit gestellt werden, im Laufe der Zeit herausgebildet hat.“9

Nach Geert Hofstede kann man Kultur außerdem als mentale Programmierung sehen, welche sich der Mensch im Laufe seines Lebens aneignet. Vor allem in der Kindheit festigen sich bestimmte Denk-, Fühl- und Handlungsmuster in sei- nem Kopf, welche sein Verhalten bestimmen. Kultur ist also erlernt und nicht angeboren. Besonderen Einfluss auf die Bildung dieser mentalen Programme hat demzufolge das soziale Umfeld, in dem der Mensch aufwächst, also Familie, Nachbarschaft, Schule, Jugendgruppen, Arbeitsplatz, etc.10

Der Begriff der Kultur dient des Weiteren als ein Abgrenzungskriterium für eine Gruppe von Menschen, welche durch gemeinsame Werte mit einander verbun- den und gleichzeitig von anderen Kulturen mit anderen Werten abgegrenzt werden.11 Dieser kann auf eine Region, Nation, Stadt oder auch ein Unterneh- men angewandt werden. Hierbei gilt es zu beachten, dass bestimmte Kulturen aufgrund ihrer jahrhundertelangen Existenz durchaus auch über Ländergrenzen hinweg existieren.12

2.2 Operationalisierung der Kultur

Die eigene Kultur ist für Menschen wie das Wasser für die Fische. Solange der Fisch im Wasser ist, bleibt dieses für ihn unbemerkt. Wird er allerdings aus seiner gewohnten Umgebung entnommen, spürt er dies deutlich.13

Ähnliches ist beim Menschen zu beobachten. Die eigene Kultur, die sich auf das Wertesystem der Gesellschaft stützt, in welche der Mensch hineingeboren wurde, wird von diesem in der Regel als selbstverständlich gesehen. Eigenhei- ten und Besonderheiten werden ihm erst dann bewusst, wenn er sich in andere Kulturen begibt.14 Um eine Vorstellung von den Erscheinungsformen der Kultur einer Gesellschaft zu bekommen, werden in den beiden folgenden Unterpunk- ten dieses Kapitels zwei Modelle zur Veranschaulichung der Kultur vorgestellt.

2.2.1 Erscheinungsformen der Kultur nach Charles E. Osgood

Nach Charles E. Osgood besteht Kultur aus zwei Ebenen, einer sichtbaren / beobachtbaren (Percepta) und einer unsichtbaren / nicht beobachtbaren (Concepta). Diese beiden Ebenen lassen sich zusätzlich noch einmal in materielle Elemente und immaterielle Elemente differenzieren, was zu drei Erscheinungsformen der Kultur führt.15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Erscheinungsformen der Kultur

Quelle: Müller/Gelbrich (2004), S. 68.

Die materielle Kultur beinhaltet Elemente, die unmittelbar wahrnehmbar bzw. sichtbar sind. Dazu zählen u.a. Musik, Kunst, Kleidung, Literatur und Symbo- le.16

Unter soziale Kultur fallen beobachtbare, immaterielle Artefakte, wie z.B. Begrüßungsrituale.17

Die mentale Kultur beinhaltet hingegen nicht-beobachtbare Artefakte wie z.B. Werte, Normen, Grundannahmen, Religion und Glaube, welche durch u.a. Befragungen gemessen werden können.18

Die genannten Erscheinungsformen der Kultur können mit einem Eisberg ver- glichen werden, dessen Großteil sich unter dem Wasser befindet und somit nicht sichtbar ist. Der kleinere Teil der Kultur, also Sprache, Symbole, Kleidung, Rituale, etc. bildet die sichtbare Spitze, während dessen größter Teil, die Wert- vorstellungen, Denkweisen, Normen und Einstellungen, unter Wasser verbor- gen bleiben.19

2.2.2 Das Modell der Kulturzwiebel

Eine weitere häufig genutzte Metapher zur Veranschaulichung von Kultur ist die der Kulturzwiebel. Demnach stellen die Häute einer Zwiebel die verschiedenen Komponenten der Kultur dar. An der Oberfläche sind auch hier die sichtbaren Elemente der Kultur, während sich die tiefergehenden Bestandteile der Kultur im Inneren der Zwiebel verbergen. Diese werden erst dann sichtbar, wenn die äußeren Schichten abgeschält werden.20

Die äußerste und somit direkt sichtbare Schicht stellen die Symbole dar. Hierzu zählen Worte, Gesten, Objekte und Bilder, deren bestimmte Bedeutung in der Regel nur von Angehörigen der gleichen Kultur erkannt wird. Auch die Worte einer Sprache sowie Kleidung, Flaggen und Statussymbole gehören in diese äußere Schicht.21

Die zweite Schicht der Kulturzwiebel beinhaltet die Helden einer Kultur. Diese können tot oder lebendig, real oder fiktiv sein und haben Eigenschaften, welche in der Kultur ein hohes Ansehen genießen.22

Rituale bilden die dritte Schicht der Zwiebel. Sie zeigen sich durch kollektive Aktivitäten, welche aus sozialen Gründen innerhalb einer bestimmten Kultur als notwendig angesehen werden. Das wohl bekannteste Ritual ist das Begrü- ßungsverhalten innerhalb der Kulturen. Während man sich bspw. in Deutsch- land mit Händeschütteln begrüßt, verbeugen sich Japaner zur Begrüßung.23

Werte und Normen bilden die vierte Haut der Zwiebel und sind dessen erste verborgene Schicht. Werte sind fest verankerte geistige Einstellungen, welchen Normen zugrunde liegen.24 Normen hingegen sind festgeschriebene Prinzipien, die sich durch grundlegende kollektive Überzeugung der Kultur zeigen.25

Die Grundannahmen einer Kultur stellen den Kern der Kulturzwiebel dar. Diese sind auf elementare Überlebensfragen eines Volkes zurückzuführen. Ein Beispiel ist hier die amerikanische Gleichberechtigungskultur, welche ihre Grundlagen in der Kolonialisierung des Landes durch Immigranten mit damals absoluter Chancengleichheit hat.26

2.3 Elemente der Kultur und deren Bedeutung für das inter- nationale Marketing

Kulturen weisen verschiedene Bestandteile auf, welche besonders für internati- onal tätige Unternehmen von Bedeutung sind. Da kulturelle Faktoren eine we- sentliche Determinante des Verhaltens und der Bedürfnisse von Menschen dar- stellen, prägen sie deren Verbraucherverhalten.27 Wie sehr Unternehmen diese Elemente berücksichtigen müssen, ist davon abhängig, in welcher Form und mit welchen Produkten und / oder Dienstleistungen sie auf dem ausländischen Markt vertreten sind (Vgl. Kapitel 3.2.1). Zu den Elementen der Kultur zählen:28

- Sprache: Die Sprache ist das Kernelement jeder Kultur, da sich diese hauptsächlich über Sprache vermittelt. Hierzu gehört neben der verbalen Sprachform auch die nonverbale Kommunikation, welche essentiell ist, um den kulturellen Kontext zu verstehen.29 Die Sprache einer Kultur ist bspw. in der Markenpolitik von besonderer Bedeutung.30
- Religion: Die Religion bildet in vielen Kulturen die Basis für Normen und Werte. Auf ihr stützen sich die Verhaltensgrundlagen der Gesellschaft, weshalb eine Berücksichtigung der religiösen Besonderheiten unabdingbar für das Marketing ist. Bspw. haben aus Religionen resultierende Restriktionen, wie ein Verbot des Konsums von Alkohol, besonderen Einfluss auf die Produktpolitik eines Unternehmens.31
- Werte und Einstellungen: Werte sind gemeinsame Überzeugungen o- der Normen, welche von Individuen verinnerlicht wurden. Einstellungen basieren auf diesen Werten und wirken sich auf die Entscheidungen der Individuen aus. Hierunter fällt zum Beispiel das Abwehrverhalten einer Kultur gegenüber Produkten aus dem Ausland. Den Werten und Einstel- lungen einer Kultur ist genauso große Beachtung zu schenken, wie der Religion.32
- Verhalten und Gewohnheiten: Sich über unterschiedliche Verhaltens- und Gewohnheitsmuster im Klaren zu sein, ist für erfolgreiche Geschäftsverhandlungen zwischen internationalen Geschäftspartnern besonders wichtig. Des Weiteren sollte man im internationalen Marketing die verschiedenen Kundenbedürfnisse sowie das Kauf- und Konsumverhalten der unterschiedlichen Kulturen berücksichtigen.33
- Materielle Elemente: Die materiellen Elemente einer Kultur resultieren aus deren Technologie und spiegeln sich in der Verfügbarkeit und Eig- nung der wirtschaftlichen, sozialen, finanziellen und vertrieblichen Infra- strukturen wider, welche u.a. einen Einfluss auf das Nachfrageverhalten einer Kultur haben. So werden bspw. veraltete Handytechnologien in Entwicklungsländern wie Kenia stark nachgefragt, während diese in In- dustrieländern fast vollständig durch sogenannte „Smartphones“ ersetzt wurden.34
- Ästhetik: Jede Kultur hat eine eigene Auffassung von gutem Ge- schmack und Schönheit. Dies betrifft zum einen Produkte wie Kosmetik Kleidung und Schmuck aber z.B. auch Werbefiguren.35
- Bildung: Der Aspekt der Bildung ist für international agierende Unter- nehmen besonders hinsichtlich der Einstellung von qualifiziertem Personal im ausländischen Zielmarkt zu beachten.36
- Soziale Struktur: Hierunter versteht man die Beziehung, in der die Menschen einer Kultur zueinander stehen. So unterscheidet sich bei- spielsweise das Verständnis der engeren Familienstruktur von Kultur zu Kultur. Während in manchen Kulturen nur die Eltern mit ihren Kindern in einem Haushalt leben, wohnen in anderen Kulturen mehrere Generatio- nen zusammen, was einen deutlichen Einfluss auf das Konsum- und Einkaufverhalten hat. So werden bspw. Großfamilien Produkte, welche sie häufig benötigen und verwenden in Großpackungen bevorzugen, während Ein- oder Zweipersonenhaushalte kleine Verkaufseinheiten vor- ziehen werden.37

2.4 Begriffsabgrenzung internationales und interkulturelles Marketing

2.4.1 Internationales Marketing

In der Literatur finden sich viele verschiedene Definitionen des internationalen Marketings, jedoch gibt es bisher noch keine einheitliche Auslegung. Trotz unterschiedlicher Auffassungen, hat der Großteil der Definitionen eines gemein: die Darstellung des internationalen Marketings als grenzüberschreitende Koordinierung der Marketingaktivitäten in mehr als einem Land.38

Meffert, Burmann und Becker definieren den Begriff des internationalen Marketings folgendermaßen:

„Internationales Marketing ist die bewusst markt- und kompetenzorien- tierte Führung des gesamten Unternehmens in mehr als einem Land zur Steigerung des Unternehmenserfolges über alle Ländermärkte hin- weg.“39

Auf Grund des grenzüberschreitenden Agierens auf mindestens zwei Länder- märkten steht das Unternehmen, und damit verbunden das internationale Mar- keting, im Vergleich zum nationalen Marketing geänderten Bedingungen gegen- über. Einflussfaktoren wie die veränderte Art der Informationsbeschaffung, ein anderes Verbraucherverhalten und unterschiedliche rechtliche Bestimmung im Zielland gestalten das internationale Marketing kom-plexer und flexibler. Diese und andere Bedingungen verlangen es u.a., die ausländischen Verbraucher zu erfassen und ihre Bedürfnisse zu ermitteln, die Märkte und das Marktumfeld zu analysieren sowie Entscheidungen da-rüber zu treffen, welche Märkte bearbei- tet und ob bzw. wie die Marketingaktivitäten an diese Märkte angepasst werden sollen.40

[...]


1 Vgl. Meffert/Bolz (1998), S. 15.

2 Vgl. Mennicken (2000), S. 16.

3 Vgl. Meffert/Burmann/Becker (2010), S. 25-29.

4 Vgl. Cuber (2008), S. 17 ff.

5 Vgl. Emrich (2009), S. 33 ff.

6 Vgl. Emrich (2009), S. 11.

7 Vgl. Kutschker/Schmid (2011), S. 674.

8 Vgl. Emrich (2009), S. 11.

9 Kutschker/Schmid (2011), S. 674.

10 Vgl. Hofstede (2006), S. 2ff.

11 Vgl. Meckl (2006), S. 265.

12 Vgl. Baack/Harris/Baack (2013), S.118 f.

13 Vgl. Meier/Roehr (2004), S. 257.

14 Vgl. Emrich (2009), S. 40.

15 Vgl. Kutschker/Schmid (2011), S. 675.

16 Vgl. Cuber (2008), S. 32.

17 Vgl. Müller/Gelbrich (2004), S. 68.

18 Vgl. Cuber (2008), S. 32.

19 Vgl. Perlitz (2004), S. 250 f.

20 Vgl. Meier/Roehr (2004), S. 259.

21 Vgl. Hofstede (2006), S. 7 f.

22 Vgl. Meier/Roehr (2004), S. 260.

23 Vgl. Rothlauf (2006), S. 24.

24 Vgl. Lindner (2004), S. 62.

25 Vgl. Emrich (2009), S. 42.

26 Vgl. Meier/Roehr (2004), S. 261.

27 Vgl. Albaum/Strandskov/Duerr (2001), S. 91.

28 Vgl. Czinkota/Ronkainen/Zvobgo (2011), S. 51 f.

29 Vgl. Emrich (2009), S. 17.

30 Vgl. Vieregg (2009), S. 166.

31 Vgl. Czinkota/Ronkainen/Zvobgo (2011), S. 54 f.

32 Vgl. Czinkota/Ronkainen/Zvobgo (2011), S. 57.

33 Vgl. Czinkota/Ronkainen/Zvobgo (2011), S. 58 f.

34 Vgl. Czinkota/Ronkainen/Zvobgo (2011), S. 59 f.

35 Vgl. Baack/Harris/Baack (2013), S.127 f.

36 Vgl. Czinkota/Ronkainen/Zvobgo (2011), S. 62.

37 Vgl. Czinkota/Ronkainen/Zvobgo (2011), S. 62.

38 Vgl. Meffert/Burmann/Becker (2010), S. 33 f.

39 Meffert/Burmann/Becker (2010), S. 34.

40 Vgl. Bruns (2003), S. 26 ff.

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Die Produktpolitik von HARIBO in der Türkei
Untertitel
Unter Berücksichtigung kultureller Einflussfaktoren
Hochschule
Fachhochschule Nordhausen
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
54
Katalognummer
V282690
ISBN (eBook)
9783656822790
ISBN (Buch)
9783656822783
Dateigröße
1139 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Haribo, Türkei, Produktpolitik
Arbeit zitieren
Sabine Seitz (Autor), 2012, Die Produktpolitik von HARIBO in der Türkei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282690

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