Ist der Pfaffe Amis aus dem Schwankroman des Strickers ein Schelm, Narr oder ein Schalk?


Seminararbeit, 2014

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Kurze Vorstellung des Strickers

3.Kurze Vorstellung des Pfaffen Amis

4. Definition vom Schelm, Narr und Schalk
4.1. Schelm
4.2. Narr
4.3. Schalk

5. Ist Pfaffe Amis ein Schelm, Narr oder Schalk?
5.1. Episode 1: Amis und der Bischof
5.2. Episode 3: Die unsichtbaren Bilder
5.3. Episode 11: Der Edelsteinhändler
5.4. Fazit

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Einer der berühmtesten Narren ist Till Eulenspiegel, der selbst heutzutage noch sehr bekannt ist. Dieser trieb gewissenlos mit jedermann seine Streiche, denn er war seinen Mitmenschen an Witz und Geisteskraft voraus. Letztlich verkörperte Till Eulenspiegel einen Aussätzigen, der mit seiner überlegenen Gerissenheit Schaden verursachte, aber neben Ablehnung auch auf Anerkennung bei den Menschen stieß. Die Geschichte orientierte sich in manchen Kapiteln an den Schwankroman „ Pfaffe Amis“, um welchen es in dieser Hausarbeit handeln wird. Dort geht es ebenfalls um eine durchtriebene Person, die äußerst gerne Schabernack mit seinen Mitmenschen treibt - den Pfaffen Amis. Der Autor Werner Röcke beschreibt den gerissenen Pfaffen und das Umfeld des Protagonisten mit folgenden Worten:

„ Er führt den Betrogenen ihre Leichtgl ä ubigkeit und die von ihnen selbst nicht weiter hinterfragten Ü berzeugungen und Gewohnheiten vor Augen. Amis zerrei ß t die Einheit von Schein und Sein, von Ideal und Wirklichkeit und macht die Brüche der St ä ndegesellschaft [...] sichtbar, die sich bislang in der Ü berzeugung eines gesicherten ordo [unver ä nderbare, von Gott gewollte Werte- und Gesellschaftsordnung] und einer geschlossenen Identit ä t eingerichtet hatte."1

War der Pfaffe wirklich so hinterlistig und führte ahnungslose Menschen hinters Licht? Ziel dieser Arbeit soll es sein, anhand von Definitionen und diversen Episoden zu erkennen, ob der Pfaffe Amis am ehesten einem Schelm, Narr oder Schalk entspricht. Dabei wird erst einmal der Autor und dessen Vita kurz vorgestellt, danach geht der Fokus auf das Werk des Strickers. Anschließend werden kurze Definitionen vom Schelm, Narr und Schalk genauer betrachtet um am Ende dieser Arbeit zu einem klaren Fazit zu kommen.

2. Kurze Vorstellung des Strickers

„ Er hat Klarheit, Sicherheit, Leichtigkeit, er kann darstellen, was er will, er hat auch Humor, wenn ´ s ihm behagt, aber den Humor des Alltags, der Enge: er ist der erste Philister in der deutschen Literatur. Als solcher hat er seiner Zeit etwas Neues geboten [ … ]. “ 2 Mit diesen Worten beschreibt der Autor Gustav Rosenhagen einen der bedeutendsten Dichter des Mittelalters, den Stricker.

Der Autor war vermutlich ein nichtadliger Berufsdichter, der sich selbst „ Strickaere“ nannte.3

Er starb um 12504 und aufgrund der sprachlichen Merkmale in seinen Werken kann man daraus schließen, dass er aus Franken kam, jedoch sind genauere sprachgeographische Einordnungen umstritten. Die wenigen expliziten Ortsangaben in den Werken Strickers deuten darauf hin, dass sein primärer Wirkungsraum in Österreich war. In seinen Werken werden an keiner Stelle ein Auftragsgeber oder andere historische Bezugspersonen genannt; somit ist zu vermuten, dass der Stricker seinen Aufenthaltsort öfters wechselte und wahrscheinlich sein Publikum in Geistlichkeit, dem ländlichen Adel und gegebenenfalls auch im wohlhabenden Bürgertum anzutreffen war. Die Vermutung liegt nahe, dass der Stricker im „ Pfaffen Amis“ mithilfe seiner „ Offenheit des Textes“ in Bezug auf die Variabilität des Textbestandes in den unterschiedlichen Fassungen, seine Gattungszugehörigkeit und die changierende Bewertung des Pfaffen verschiedene, eventuell sogar entgegengesetzte Interessen, Erwartungen und Bedürfnisse seines Publikums ansprechen wollte.5

Sämtliche Darstellungen über den Autor, sowie dessen Vita, sind nicht belegt und basieren nur auf Schlussfolgerungen aus dem Werk des Dichters, was bedeutet, dass sie im Grunde nur vage Vermutungen sind.6 So ist auch die Herkunft seines Namens ungeklärt. Einerseits könnte er auf den Beruf Seiler hinweisen, das heißt den Hersteller von Seilen und Stricken, andererseits könnte damit aber auch der Familienname gemeint sein.7 Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass „ Stricker“ eine metaphorische Umschreibung des Dichters ist und somit auf den Stand eines Fahrenden hinweisen könnte.

Seine Werke kann man in die Zeit zwischen dem zweiten Jahrzehnt und der Mitte des 13. Jahrhunderts einordnen. Seine beiden epischen Hauptwerke sind der Artusroman „Daniel von dem Blühenden Tal“ und der Karl- Roman.8 Der Stricker war der Dichter, der durch den „Pfaffen Amis“ die Gattung des Schwankromans begründete.9 Dazu sei noch zu erwähnen, dass es in den Schwankdichtungen des Strickers ein wichtiges Gattungsmerkmal nicht gibt, und zwar die Offenbarung des Autors zu dem unterhaltenden und belustigenden Zweck seiner Schwänke.10

Relevant für das Verständnis dieses Werkes ist der Blick auf das mittelalterliche Denken, Schreiben und Handeln, welches viel stärker von spontanen Reaktionen und situationsspezifischer Funktionalität als von weitsichtiger Planung und kalkulierbaren Umständen geprägt ist.

3. Kurze Vorstellung des Pfaffen Amis

Beim „Pfaffen Amis“ handelt es sich um den ersten deutschsprachigen Schwankroman, bei welchem inhaltlich lose miteinander verbundene Episoden durch die überlegene Figur des Pfaffen verbunden werden. Hierbei können die meisten der Episoden ohne Minderung der Kausalität relativ willkürlich ausgewechselt oder herausgelassen werden. Es besteht nur eine minimale kausale und inhaltliche Kohärenz zwischen den einzelnen Kapiteln der Schwankhandlung. Wenn man jedoch die Entwicklung des Protagonisten und die Steigerung seiner Taten betrachtet, muss man die Vertauschbarkeit der Episoden mit Vorsicht genießen. Das Werk ist in zehn Handschriften, zwei Fragmenten und einem Druck tradiert. Es enthält ungefähr 2500 Verse und beinhaltet je nach Handschrift elf oder zwölf Einzelepisoden, deren fiktiver biographischer Aufbau durch einen Pro- und einen Epilog komplementiert wird. Aufgrund seiner Schaffenszeit, die zwischen den Jahren 1220 und 1250 datiert wird, lässt sich die Entstehungszeit des „Pfaffen Amis“ in diesem Zeitraum vermuten. Die Überlieferung des Werkes reicht vom Ende des 13. bis Anfang des 16. Jahrhunderts. Die geographische Streuung reicht von Niederösterreich und dem oberen Rheintal im Süden bis in den niederdeutschen Sprachbereich im Norden. Zudem ist zu erwähnen, dass gewisse Parallelen zwischen „ Pfaffe Amis“ und „ Eulenspiegel“ zu erkennen sind. So steht in der Vorrede vom „ Eulenspiegel“ geschrieben, dass es mit zulegung etlicher fabulen des pfaff Amis und des pfaffen von dem Kalen berg abgefasst wurde.11 Tatsächlich stammen ein paar der Schwänke des Eulenspiegels aus den Episoden beim Stricker, jedoch sind viele Episoden stark verändert worden.

Strickers Werk beginnt mit einer Zeitklage, in welcher die schlechten Besonderheiten der Gesellschaft und Zeit mit denen der vorbildlichen, guten, aber zurückliegenden Tage kontrastiert werden. Vermutlich deutet der Dichter am Beginn seiner Geschichte mit den Worten „ ein mere, daz gut den lueten were / fur sorgen und für armuet “ auf die aufkommende Armut unter dem Adel hin.12 Stricker wollte die Schwächen und Laster der Menschen aller Stände und den Werteverfall der höfischen Gesellschaft mithilfe des Paffen Amis kritisieren und offen darlegen. Dabei verfolgte er ernsthafte, moralisierende Ziele13 und spricht den Verlust der höfischen Ideale wie vreude, frumekait, milde und trewe an.14 Erst in Vers 46 wird „Amis“ namentlich eingeführt.

Der Autor Rosenhagen beschreibt Amis mit folgenden Worten: „ er Paffe obsiegt immer und streicht den Gewinn ein, er hat die Lacher und ach die Moral der Geschichte auf seiner Seite. “ 15 Dabei handelt es sich um einen englischen Geistlichen, der in seiner Heimat, in Frankreich und Griechenland Gaunereien verübt. Der Stricker schickt allen Schwänken voraus, dass Amis nur deshalb so erfolgreich ist, weil „ er niht widersazzes vant “.16 Die Schwächen der Bevölkerung weiß Amis erbarmungslos auszunutzen und demonstriert auf diese Weise seine Überlegenheit gegenüber seinen Mitmenschen. Wenn man untersucht, wodurch diese Überlegenheit des Pfaffen über die Bevölkerung entsteht, ist festzustellen, dass diese nicht durch seine intellektuelle Dominanz zu begründen ist, sondern in der Fähigkeit, bei seinen Mitmenschen konkrete Deutungsmuster, Denkschemata und gleichsam programmierte Handlungsabfolgen hervorzurufen.17 Man kann behaupten, dass ein sozial Unterlegener einen sozial Überlegenen durch einen Kniff überwältigt.18 Wenn man die widersprüchlichen Kommentare des Erzählers hinsichtlich des Protagonisten betrachtet, stellt man einerseits fest, dass er als „ erster man, der liegen triegen aneviench “ beschrieben wird.19 Der Autor Michael Schilling weißt aber darauf hin, dass „ die beschworene heile Welt nicht durch die Machenschaften des Pfaffen ihre Unschuld verl ö re [...] wohin Amis auch kommt, das Laster und die Dummheit sind schon da [ … ] “.20 Auf der anderen Seite würdigt der Erzähler die wisheit des Pfaffen und lobt die unbegrenzte milte der Hauptfigur: „ Er vergap so gar, daz er gewan / beide durch ere und durch got, / daz er der milde gebot / zu keinen zeiten ubergie. “ 21 Durch die widersprüchlichen Äußerungen ist es schwer dieses Werk eindeutig zu interpretieren. Grundlegend münden alle Listen und Betrügereien des Pfaffen darin, sich zu bereichern.

[...]


1 Vgl.:Röcke, Werner: Artikel Stricker (2002), in: Lexikon Literatur des Mittelalters, URL: https://www.uni- due.de/mittelneu/index.php?option=com_content&id=258:schwankhelden-pfaffe-amis-inhalt&Itemid=308 (23.09.2014).

2 Vgl.: Rosenhagen, Gustav: Der Pfaffe Amis des Strickers. Hamburg o.J. in: Ehrismann, Gustav: Vom Werden des deutschen Geistes. Berlin, Leipzig: Ealter de Gruyter & Co 1925. S. 158.

3 Vgl.: Von Borries, Ernst und Erika: Deutsche Literaturgeschichte. Band I. Nördlingen: Deutscher Taschenbuch Verlag 1991. S. 238.

4 Der Stricker: Artikel in: Der Brockhaus Literatur. Schriftsteller, Werke, Epochen, Sachbegriffe. hg. Von Eva Beate Bode, Christa Jordan, Reiner Klähn, Christine Schlitt, Leipzig, Mannheim 2004. S.813.

5 Vgl.: Der Stricker: Der Pfaffe Amis. hg. Von Michael Schilling. Stuttgart: Philipp Reclam jun. Stuttgart 1994. S. 193.

6 Ebd.: Nachwort.

7 Vgl.: Der Stricker: Der Pfaffe Amis. S. 178.

8 Vgl.: Birkhan, Helmut: Geschichte der altdeutschen Literatur im Licht ausgewählter Texte. Teil VII: Minnesang, Sangspruchdichtung und Verserzählung der letzten Staufer- und ersten Habsburgerzeit. Wien: Edition Praesens. Verlag für Literatur- und Sprachwissenschaft 2005. S. 235.

9 Schwankroman bedeutet, dass der Text mehr oder minder chronologische Reihenfolge hat. Oft handelt es in einer Schwankerzählung über einen Diaolog zwischen Betrüger und Betrogenen. Dies stimmt auch bei dem „ Pfaffen Amis“ zu finden. Schwank ist seit dem 15 Jahrhundert ein Begriff für eine humorvolle Erzählung in Prosa und Vers.

10 Vgl.: Lang, Peter: Mediävistik. Internationale Zeitschrift für interdisziplinäre Mittelalterforschung. Band III. Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris: Verlag Peter Lang GmbH 1992. S. 123.

11 Vgl.: Der Stricker: Der Pfaffe Amis. S. 200.

12 Ebd.: S. 4.

13 Vgl.: Von Borries, Ernst und Erika: Deutsche Literaturgeschichte. S. 242.

14 Vgl.: Der Stricker: Der Pfaffe Amis. S. 4.

15 Vgl.: Rosenhagen, Gustav: Der Pfaffe Amis des Strickers. S. 152.

16 Vgl.: Der Stricker: Der Pfaffe Amis. S. 6f..

„ ohne auf Widerstand zu sto ß en “

17 Vgl.: Rosenhagen, Gustav: Der Pfaffe Amis des Strickers. S. 196.

18 Vgl.: Birkhan, Helmut: Geschichte der altdeutschen Literatur im Licht ausgewählter Texte. S.294.

19 Ebd.: S. 190.

20 Ebd.: S. 191.

21 Ebd.: S. 190.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ist der Pfaffe Amis aus dem Schwankroman des Strickers ein Schelm, Narr oder ein Schalk?
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V282724
ISBN (eBook)
9783656820659
ISBN (Buch)
9783656820673
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Der Stricker, Pfaffe Amis, Schelm, Schalk, Narr, Mittelalter
Arbeit zitieren
Stefanie Fritz (Autor), 2014, Ist der Pfaffe Amis aus dem Schwankroman des Strickers ein Schelm, Narr oder ein Schalk?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282724

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