Diese Arbeit handelt von dem Schwankroman „ Pfaffe Amis“ vom Stricker. Dort geht es um eine durchtriebene Person, die äußerst gerne Schabernack mit seinen Mitmenschen treibt - den Pfaffen Amis. Der Autor Werner Röcke beschreibt den gerissenen Pfaffen und das Umfeld des Protagonisten mit folgenden Worten: „Er führt den Betrogenen ihre Leichtgläubigkeit und die von ihnen selbst nicht weiter hinterfragten Überzeugungen und Gewohnheiten vor Augen. Amis zerreißt die Einheit von Schein und Sein, von Ideal und Wirklichkeit und macht die Brüche der Ständegesellschaft [...] sichtbar, die sich bislang in der Überzeugung eines gesicherten ordo [unveränderbare, von Gott gewollte Werte- und Gesellschaftsordnung] und einer geschlossenen Identität eingerichtet hatte."1
War der Pfaffe wirklich so hinterlistig und führte ahnungslose Menschen hinters Licht? Ziel dieser Arbeit soll es sein, anhand von Definitionen und diversen Episoden zu erkennen, ob der Pfaffe Amis am ehesten einem Schelm, Narr oder Schalk entspricht. Dabei wird erst einmal der Autor und dessen Vita kurz vorgestellt, danach geht der Fokus auf das Werk des Strickers. Anschließend werden kurze Definitionen vom Schelm, Narr und Schalk genauer betrachtet um am Ende dieser Arbeit zu einem klaren Fazit zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Kurze Vorstellung des Strickers
3.Kurze Vorstellung des Pfaffen Amis
4. Definition vom Schelm, Narr und Schalk
4.1. Schelm
4.2. Narr
4.3. Schalk
5. Ist Pfaffe Amis ein Schelm, Narr oder Schalk?
5.1. Episode 1: Amis und der Bischof
5.2. Episode 3: Die unsichtbaren Bilder
5.3. Episode 11: Der Edelsteinhändler
5.4. Fazit
6. Schluss
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, auf Basis einer Begriffsanalyse und der Untersuchung ausgewählter Episoden des Schwankromans „Pfaffe Amis“ zu bestimmen, welche der Kategorien Schelm, Narr oder Schalk am besten auf die Hauptfigur zutrifft.
- Vorstellung des Dichters Stricker und dessen literarische Bedeutung.
- Analyse des Werkes „Pfaffe Amis“ im Kontext mittelalterlicher Erzählformen.
- Definition und Abgrenzung der Begriffe Schelm, Narr und Schalk.
- Untersuchung der Charakterentwicklung des Protagonisten anhand von Episoden.
- Beurteilung der moralischen Implikationen des pfäffischen Handelns.
Auszug aus dem Buch
5.1. Episode 1: Amis und der Bischof
Am Anfang wird Pfaffe Amis als erfolgreicher und guter Pfaffe dargestellt, der große Einnahmen durch seine Kirche erzielt und das Geld für die Hofhaltung ausgibt. Er ist ein Geistlicher, der sich in vorbildlicher Weise der „milde“ hingibt. Diese Großzügigkeit ruft den Neid des Bischofs auf, der durch die Gastfreundlichkeit und Freigebigkeit Amis hervorgeht. „ Herr Pfarrer, Ihr haltet prächtig Hof, und das öfter als ich. Das ist äußerst unangemessen. Von Eure überreichlichen Besitz, […] müsst Ihr mir einen Teil abgeben.“ Eventuell ist diese Aufforderung des Bischofs der Katalysator für das Betrügen Amis, da er sich ungerecht behandelt fühlt und seiner Kirche helfen will. Es hat den Anschein, dass er in die Rolle des Opfers fällt und er sich nur gegen den neidischen und geldgierigen Bischof behaupten will.
Der Bischof stellt ihm absurde und nicht beantwortbare Fragen, die nichts mit den Lehren der Bibel zu tun haben, und mit denen er dem Pfaffen sein Amt absprechen und sich dessen Einkünfte sichern will. „ Sagt mir, wieviel Wasser das Meer enthält [...]“ Darauf die kluge und kecke Antwort des Pfaffen: „Ein Fuder.“
Nachdem der Bischof dem Pfaffen ein paar Fragen gestellt hat, fordert er ihn auf, einem Esel das Lesen beizubringen.
„ Wenn Ihr all das vollbracht habt, was Ihr mir eben erzählt habt, so erreicht Ihr alles, was Ihr Euch vornehmt. Hieran will ich jetzt ersehen, ob alles andere der Wahrheit entspricht: Unterrichtet Ihr den Esel mit Erfolg, so akzeptiere ich alle ohne Einschränkung, was Ihr mir geantwortet habt, […]“ „So bringt mir einen Esel. Ich werde ihn unterrichten, lautete die Antwort.“
Der Bischof und der Pfaffe einigen sich darauf, dass Amis 30 Jahre für das Unterrichten des Esels aufbringen darf. „ Der Pfaffe dachte bei sich: Alle drei leben wir bestimmt keine dreißig Jahre mehr, sei es, dass der Esel, ich oder der Bischof stirbt.“ Dieser Gedankengang weist wieder einmal auf die Raffinesse und den Weitblick des Pfaffen hin.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der mittelalterlichen Schwankliteratur ein und legt die Forschungsfrage zur Charakterisierung des Pfaffen Amis dar.
2. Kurze Vorstellung des Strickers: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Person des Strickers und ordnet sein Schaffen in den literarischen Kontext des 13. Jahrhunderts ein.
3. Kurze Vorstellung des Pfaffen Amis: Der Schwankroman wird strukturell analysiert, wobei die Besonderheiten der episodischen Erzählweise und der gesellschaftskritische Ansatz beleuchtet werden.
4. Definition vom Schelm, Narr und Schalk: Hier werden die drei titelgebenden Begriffe wissenschaftlich definiert und voneinander abgegrenzt.
5. Ist Pfaffe Amis ein Schelm, Narr oder Schalk?: Der Hauptteil analysiert drei spezifische Episoden, um das Verhalten des Pfaffen unter Anwendung der zuvor erarbeiteten Definitionen zu bewerten.
6. Schluss: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt die Entwicklung des Protagonisten vom anfänglichen Schelm zum Schalk auf.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Pfaffe Amis, Stricker, Schelm, Narr, Schalk, Schwankroman, Mittelalter, Literaturwissenschaft, mittelalterliche Gesellschaft, Betrug, List, Episodenanalyse, höfische Ideale, Charakterisierung, Gattungsmerkmal
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Hauptfigur des ersten deutschsprachigen Schwankromans, den „Pfaffen Amis“, und hinterfragt seine moralische Kategorisierung als Schelm, Narr oder Schalk.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die mittelalterliche Schwankliteratur, die gesellschaftliche Stellung und Wahrnehmung von Außenseitern sowie die Analyse literarischer Charaktertypen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, durch die Definition der drei Begriffe und die Analyse spezifischer Episoden zu bestimmen, welches Persönlichkeitsbild der Pfaffe Amis im Werk des Strickers am stärksten verkörpert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Definition von Fachbegriffen und der textnahen Untersuchung ausgewählter Episoden basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden drei Episoden (Bischof, unsichtbare Bilder, Edelsteinhändler) analysiert, um das Handeln und die Absichten des Pfaffen Amis kritisch zu hinterfragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Pfaffe Amis, Stricker, Schelm, Schalk, Schwankroman und mittelalterliche Gesellschaft.
Verändert sich der Pfaffe Amis im Laufe der Erzählung?
Ja, laut der Analyse zeigt der Protagonist eine Entwicklung vom anfangs eher aus Not getriebenen Schelm hin zum bewusst schädigenden und gierigen Schalk.
Wie reagieren die Opfer auf den Pfaffen Amis?
Erstaunlicherweise erntet der Pfaffe oft Respekt oder sogar Anerkennung von seinen Opfern, da sie seine Schlauheit und Überlegenheit gegenüber ihrer eigenen Leichtgläubigkeit anerkennen.
- Quote paper
- Stefanie Fritz (Author), 2014, Ist der Pfaffe Amis aus dem Schwankroman des Strickers ein Schelm, Narr oder ein Schalk?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282724