»Nicht, was er mit seiner Arbeit verdient, ist der eigentliche Lohn des Menschen, sondern was er durch sie wird.« John Ruskin (1819-1900)
Ausgehend von einer zeitlichen Veränderung, die die Epoche der Moderne um die Postmoderne erweitert, befinden wir uns in unserer westlichen Gesellschaft in einem Prozess, welcher die Form der »normalen« Arbeit in bestimmten Bereichen verändert und uns ein neues Verständnis für Arbeit gibt. Als Beispiel soll hierfür die Arbeitsform der Projektarbeit aufgezeigt werden, bei welcher auf verantwortungstragenden Ebenen von Dienstleistungsunternehmen die berufliche Tätigkeit nicht als Einheit gesehen wird, sondern in verschiedene zeitlich begrenzte Abschnitte, sogenannte »Projekte«, eingeteilt wird. Damit einhergehend wird verstärkt auf teamorientiertes und flexibles Arbeiten gesetzt. Es wird die These vertreten, dass sich in der Projektarbeit erneute Veränderungen der Arbeit wiederspiegeln und zu einem neuen Verhältnis zwischen dem Mensch und seiner Arbeit führt.
Ausgehend von einer Erklärung des Begriffs Postmoderne, soll in einem folgenden Schritt die Bedeutung der Arbeit für die abendländische Gesellschaft und ihrer Subjekte unter einem arbeitssoziologischen Blickwinkel betrachtet werden. Vor diesem Hintergrund wird das Feld der Projektarbeit beschrieben und in Verbindung mit dem hergestellten theoretischen Konzept gesetzt. Hierbei wird sich stark an der soziologische Untersuchung von Andreas Reckwitz und seiner Arbeit »Das hybride Subjekt« orientiert. Den Abschluss bildet der Versuch einer Idee, ob bei der neuen Form der Arbeit von einer Hybridisierung, also einer Verschmelzung zwischen Arbeit und Leben des arbeitenden Subjektes gesprochen werden kann und wie dieser mit der Bedeutung der Hybridität zu beweisen wäre.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Postmoderne
3. Der Platz der Projektarbeit im Feld der Arbeit
3.1. Die Bedeutung von Arbeit innerhalb einer Gesellschaft
3.2. Veränderung der Arbeitsstruktur und ihre Auswirkungen am
arbeitendem Subjekt durch die Projektarbeit
4. Die Hybridisierung der postmodernen Arbeit
5. Schluss
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Projektarbeit als Ausdruck einer sich wandelnden Arbeitswelt im Kontext der Postmoderne. Ziel ist es zu analysieren, wie die neuen Anforderungen der Projektarbeit das Verhältnis zwischen dem Individuum und seiner beruflichen Tätigkeit sowie die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben transformieren.
- Das soziologische Verständnis der Postmoderne und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsgesellschaft.
- Die Bedeutung von Arbeit für die Identitätsbildung und den gesellschaftlichen Status.
- Projektarbeit als Symbol für moderne, flexible und hybride Arbeitsformen.
- Die Entstehung des "hybriden Subjekts" und die Selbst-Ökonomisierung des Individuums.
- Die Auflösung klassischer Grenzen zwischen Erwerbsarbeit und Freizeit.
Auszug aus dem Buch
3.2. VERÄNDERUNG DER ARBEITSSTRUKTUR UND IHRE AUSWIRKUNGEN AM ARBEITENDEM SUBJEKT DURCH DIE PROJEKTARBEIT
Die Arbeitsform der Projektarbeit steht in dieser Untersuchung als ein Symbol für eine postmoderne abendländische Gesellschaft. Ausgehend von der Wirtschaftsorganisation hat sie sich als eine der häufigsten Gruppenarbeit etabliert und findet ihre quantitativ stärkste Entfaltung in den Bereichen der Entwicklung und Forschung, im Management und in der Beratung. Hierbei weist Projektarbeit Merkmale auf, die sich von den traditionellen Arbeitsweisen unterscheiden und durch welche sie eine neue Art des Arbeitens definiert und integriert. Der Ablauf gestaltet sich in der Weise, dass die verschiedenen Schritte und Planungsreihen eines Unternehmens in Projekte aufgeteilt werden, die nicht zur Routinearbeit zählen, sondern durch oftmals kreative und zeitintensive Bearbeitungsansprüche gekennzeichnet sind.
Diese werden von einzelnen Gruppen von Mitarbeitern, den sogenannten Projektteams, innerhalb eines zeitlich befristeten Rahmens bearbeitet. Das Projektteam setzt sich aus internen wie externen Mitarbeitern aus unterschiedlichen Bereichen und Aufgabenfelder zusammen und löst sich nach Fertigstellung des Projekts wieder auf. Durch diese Form der Arbeit wird eine Subjektivierung angestrebt, indem den Mitarbeitern in einer begrenzten Gruppe Autonomie in Form eines eigenen Managements für die Bearbeitung des Projekts gewährleistet wird. Der Fremdkontrolle nach tayloristischer Manier werden damit eine Selbstkontrolle und ein Verantwortungsgefühl für das Gelingen des Projektes entgegengesetzt. Die Gruppe muss in dieser Gestaltung nicht nur ihre Aufgabe ausführen und erarbeiten, sondern hat zusätzlich planende und konstruierende Funktionen zu erledigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, skizziert den Wandel der Arbeit seit der industriellen Revolution und stellt die These auf, dass Projektarbeit eine Hybridisierung von Arbeit und Leben befördert.
2. Der Begriff der Postmoderne: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Postmoderne als Fortführung der Moderne und beschreibt den Übergang zu einer postindustriellen Dienstleistungs- und Aktivitätsgesellschaft.
3. Der Platz der Projektarbeit im Feld der Arbeit: Es wird die soziologische Bedeutung von Arbeit analysiert und aufgezeigt, wie Projektarbeit die Arbeitsstruktur und die Anforderungen an das Individuum verändert.
4. Die Hybridisierung der postmodernen Arbeit: Das Kapitel verknüpft die Erkenntnisse zur Projektarbeit mit dem theoretischen Konzept der Hybridität und thematisiert die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit.
5. Schluss: Der Schlussteil fasst die zentralen Thesen zusammen und bestätigt, dass Projektarbeit als hybride Arbeitsform das Subjekt zum "Unternehmer seiner selbst" macht.
Schlüsselwörter
Projektarbeit, Postmoderne, Hybridisierung, Arbeitswelt, Wissensarbeit, Selbstverwirklichung, Identitätsbildung, Kreativsubjekt, Selbstkontrolle, Flexibilisierung, Arbeitsgesellschaft, Subjektivierung, Dienstleistungsgesellschaft, Arbeit, Leben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Transformation der Arbeitswelt in der Postmoderne und fokussiert dabei auf die spezifische Arbeitsform der Projektarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der soziologische Begriff der Postmoderne, die Bedeutung von Erwerbsarbeit, das Phänomen der Projektarbeit sowie das Konzept der Hybridisierung im Arbeitsalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Projektarbeit als moderne Arbeitsform eine Hybridisierung des arbeitenden Subjekts hervorruft und die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben verwischt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse soziologischer Konzepte, insbesondere die Arbeit von Andreas Reckwitz, um das Phänomen der Projektarbeit soziologisch einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Postmoderne, die historische Einordnung der Arbeit sowie die detaillierte Analyse der Projektarbeit und ihre Auswirkungen auf das arbeitende Subjekt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Projektarbeit, Postmoderne, Hybridisierung, Wissensarbeit und die Selbststeuerung des Individuums sind zentrale Begriffe der Arbeit.
Wie verändert Projektarbeit die Rolle des Mitarbeiters?
Der Mitarbeiter agiert in der Projektarbeit zunehmend als sein eigener Arbeitgeber, der Selbstkontrolle ausübt und die Verantwortung für den Projekterfolg selbst trägt.
Was bedeutet der Begriff "Hybrides Subjekt" in diesem Kontext?
Das hybride Subjekt vereint die Suche nach Selbstverwirklichung durch Arbeit mit dem Druck zur ständigen Selbstoptimierung als "Unternehmer seiner selbst".
- Citar trabajo
- Noemi Haderlein (Autor), 2014, Postmodernes Arbeiten und Leben. Projektarbeit als Form einer Hybridisierung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282733