Kohlbergs Theorie des moralischen Lernens und ihre Kritik


Hausarbeit, 2013
16 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Piagets Ansatz zur kognitiven Entwicklung
2.1 Stufen der kognitiven Entwicklung kindlichen Denkens
2.2 Stufen der Entwicklung moralischen Urteilens

3. Lawrence Kohlbergs Theorie der Entwicklung des moralischen Urteilens
3.1 Biographie von Lawrence Kohlberg
3.2 Die Grundlagen der Theorie
3.3 Das Stufenmodell von Kohlberg
3.4 Der Just-Community-Ansatz

4. Kritik am Ansatz von Kohlberg

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Lawrence Kohlberg war neben Piaget, Baldwin, Mead u.a. einer der wichtigsten Vertreter an die entwicklungsbezogene Herangehensweise der Moralentwicklung. Seine Forschung, die auf seiner Dissertation beruht, wurde von ihm immer weiterentwickelt oder geprüft. Als Kohlberg während eines Praktikums in der Psychiatrie miterlebte, dass ein Chefarzt eine aufsässige Patientin mit Elektroschocks bestrafte, führte dies nach eigenen Angaben zu seinen Arbeitsthema: Was ist gerecht bzw. ungerecht? Zunächst wird auf Piaget und die Stufen der kognitiven Entwicklung kindlichen Denkens und auf die Stufen der Entwicklung moralischen Urteilens eingegangen, bei dem die Studie von Kohlberg ihren Ursprung hat. Es folgt eine Biographie von Lawrence Kohlberg. Nachfolgend werden die Grundlagen von Kohlbergs Theorie mit seinem Stufenmodell erläutert. Anschließend wird der Just- Community-Ansatz an Schulen und in Gefängnissen vorgestellt. Dabei wird untersucht, ob diese in der pädagogischen Praxis implizierbar sind. Im letzten Kapitel folgt die Kritik an Kohlberg und seiner Theorie.

2. Piagets Ansatz zur kognitiven Entwicklung

2.1 Stufen der kognitiven Entwicklung kindlichen Denkens

Nach Piaget gibt es bei Kindern vier Stufen der kognitiven Entwicklung: die senso- motorische, die prä-operatorische Stufe, die konkret-operatorische Stufe und die formal- operatorische Stufe. In der senso-motorischen Stufe gibt es noch sechs untergeordnete Substadien. Diese erste Phase verläuft im Alter von null Monaten bis ca. 24 Monaten. Zunächst entwickeln sich bei den Kindern nach der Geburt die Reflexe, also z.B. der Saug- und der Greifreflex. Diese Reflexe verstärken sich und werden in der Ausführung immer genauer. Das Suchen der Brust zum trinken geht beispielsweise nach mehrmaligen „üben“ schneller (vgl. Garz 2008, S. 68ff.).

Ab dem ersten Lebensmonat koordiniert der Säugling den Greifreflex mit dem Sehen. In dieser Zeit möchte das Kind alles anfassen und erfühlen. Bewegungen werden immer wiederholt. In den Lebensmonaten von vier bis acht Monaten gibt es nach Piaget schon ein ansatzweise intelligentes Verhalten, weil Handlungen nun mit einer bestimmten Intention ausgeführt werden. Das Ziel ist es, die vorher ausgeführte Handlung mit dem gleichen Ergebnis wieder zu erreichen. Im nachfolgenden Stadium ab acht Lebensmonaten kann der Säugling nun einfache Hindernisse beseitigen, d.h. wenn ein Kuscheltier beispielsweise unter einer Bettdecke liegt, hebt das Kind die Bettdecke an, um an das gewünschte Objekt zu kommen. Diese bewusste Handlung bedeutet für die Entwicklung, dass das Kind nicht mehr so schnell das Interesse an Gegenständen verliert und immer wieder den Plan zur Realisierung ändern kann (vgl. Garz 2008, S. 68ff.).

Ab dem zwölften Lebensmonat entdeckt das Kind neue Gegenstände, die auch zur Erreichung eines Ziels nützlich sein können. Das könnte beispielsweise ein Hocker sein, falls ein Gegenstand von der Höhe nicht erreichbar ist. Das Kind berührt, stößt Gegenstände an, zieht an denen und lässt welche fallen und beobachtet diese Handlungen. So lernt das Kind Mittel und Zweck miteinander zu verbinden und was notwendig ist um ein Ziel zu erreichen. Ab dem 18. Lebensmonat muss das Kind Handlungen nicht mehr erproben, stattdessen laufen die Handlungen im Innern ab (vgl. Garz 2008, S. 68ff.)..

Die prä-operatorische Stufe ist ein voregriffliches Stadium, das von dem ca. 24 Lebensmonat bis zum siebten Lebensjahr abläuft. In dieser Phase eignet sich das Kind die Sprache an, lernt anschauliches Denken (Zusammenhänge zwischen verschieden Dingen). Das Kind entwickelt ein eigenes Deutungsmuster für die komplexe Welt, so gelingt es ihm sich sicher zu fühlen. Zudem widmet sich das Kind in diesem Alter dem Rollenspiel und somit den

Umgang mit Fiktion. Die konkret-operatorische Stufe ist vom ca. siebten Lebensjahr bis zum elften Lebensjahr. Das Kind kann nun vorausdenken, Handlungen bzw. auch Fehler reflektieren und dadurch Schlussfolgerungen über Phänomene oder Objekte treffen. Zudem erfasst das Kind nun komplexe Vorgänge und kann diese in Beziehung zueinander setzen. Nun wird das Regelspiel zur bevorzugten Spielform. Diese Stufe hat Piaget während seinen Untersuchungen immer wieder nachgewiesen (ebd.).

Die formal-operatorische Stufe ab ca. elf bis zwölf Jahren ist gekennzeichnet durch systematisches Denken (z.B. von Fragestellungen) und den Umgang auch mit abstrakten Inhalten. Probleme können theoretisch analysiert werden und es wird planvoll an die Lösung herangegangen (vgl. Garz 2008, S. 68ff.).

2.2 Stufen der Entwicklung moralischen Urteilens

Der Schweizer Entwicklungspsycholge Jean Piaget untersuchte die kindliche Moralentwicklung anhand von Regelspielen. Er untersuchte wie die Kinder in den verschiedenen Altersgruppen die Regeln jeweils umsetzen. Zudem wollte Piaget untersuchen wie sich die Kinder dem verpflichtenden Charakter, die Heteronomie (Fremdgesetzlichkeit) oder die Autonomie (Willensfreiheit) der Spielregeln vorstellen. Besonders relevant waren für Piaget die Regeln, die die Kinder selber entwickelt haben. (vgl. Garz 2008, S. 61 ff.) Vor seiner Untersuchung definiert Piaget zunächst die Moral nach Immanuel Kant und Émile Durkheim: - „Jede Moral ist ein System von Regeln, und der Kern jeder Sittlichkeit besteht in der Achtung, welche das Individuum für diese Regeln empfindet (Piaget 1973, S. 7).“

Für seine Untersuchung wählte Piaget das Schweizer Murmelspiel, weil dieses Spiel von Kindern ausgedacht wurde und die Regeln jeweils an die nächste Generation weitergegeben wurden. Das schweizer Murmelspiel ist schwieriger als das deutsche. Das genaue Verständnis des schweizer Murmelspiels ist für die nachfolgenden Erläuterungen nicht notwendig. Die Ergebnisse gewann Piaget aus der naturalistischen Beobachtung und aus der klinischen Befragung, d.h., er hat die Kinder zunächst in der gewohnten Umgebung beobachtet, von den Forschern befragt und teilweise wurde mit den Kinder selbst gespielt (vgl. Garz 2008, S. 61 ff.).

Für Piaget gibt es drei Stadien:

Im ersten Stadium gibt es eine motorische individuelle Anwendung .Das Alter ist ca. null bis drei Jahre. Die Stufe ist vormoralisch. Die Kinder spielen noch alleine mit den Murmeln. Des Weiteren spielen die Kinder noch nicht richtig zusammen. Es gibt keine festen Regeln, d.h. es gibt kein allgemeines Regelverständnis. Regeln dienen dem Kind nur zum eigenen Vergnügen und werden von „außen“ gesteuert, da durch den moralischen Druck der Eltern eine begrenzte Regelbildung erfolgt (vgl. Piaget 1973, S. 22ff.) . Das Kind übernimmt in diesem Stadium noch unbewusst die gesellschaftlichen Regeln, die z.B. von Eltern vorgegeben werden: Essenszeiten, Schlafenszeiten oder die Zeiten für ein freies Spiel (vgl. Garz 2008, S. 61 ff.).

Die Kinder in der zweiten Stufe (egozentrischen Anwendung) sind ca. drei bis fünf Jahre alt. Zwar spielen die Kinder weitestgehend allein, jedoch verfolgen sie ein gemeinsames Ziel, z. B. einen Ball oder eben die Murmeln. Allerdings spielen sie auch im Zusammenspiel mit den anderen Kindern noch alleine. Keiner möchte gewinnen bzw. es kann auch in einem Spiel mehrere Sieger geben. Es gibt eine spielerische Auseinandersetzung mit Regeln. Aus diesem Grund gibt es noch keine Überwachung über die genaue Einhaltung der Regeln. Diese Stufe ist die Zwischenstufe zwischen Nachahmung und Egozentrismus (vgl. Piaget 1973, S. 22ff.)

In der dritten Stufe beginnt nun eine Zusammenarbeit zwischen den Kindern. Dieses Stadium ist gekennzeichnet durch das soziale Interesse des Kindes. In den vorherigen Stadien hatte das Kind eher ein motorisches Interesse am Spiel. Die Kinder sind ca. im Alter von sieben und acht Jahren. Regeln werden nun verinnerlicht. Eine Zusammenarbeit zwischen den Kindern beginnt nun. Jeder versucht den Anderen zu besiegen. Es fehlt jedoch eine Kompetenz allgemeine Regeln zu erkennen, daher gibt es viele Regelschwankungen. Das Spiel ist eher noch vereinfacht. Der Grund dafür ist, dass das Kind noch nicht dazu fähig ist formal zu denken (ebd.)

Auf der letzten Stufe (Kodifizierung der Regeln) werden die Kinder im Alter zwischen 11 und 12 Jahren zu Kontrolleuren der eigenen Regeln. Es gibt eine Präzisierung der Regeln. Alle Kinder halten die Regeln ein. Fremde Regeln (von anderen Kindern) werden abgelehnt. Dieses Stadium ist vor allem durch eine „Regelverliebtheit“ gekennzeichnet. Die Regeln werden „peinlich genau“ eingehalten (vgl. Garz 2008, S. 61).

3. Lawrence Kohlbergs Theorie der Entwicklung des moralischen Urteilens

3.1 Biographie von Lawrence Kohlberg

Lawrence Kohlberg wurde 1927 in einem Vorort von New York geboren. Er wuchs in einer assimilierten jüdischen Gemeinde auf. In dieser Zeit wurden seine liberalen Ansichten geprägt. Er schloss die High School im Jahr 1945 ab und wurde Wehrdienstleistender. Als Reaktion auf den Holocaust im dritten Reich in Deutschland wandte sich Kohlberg bewusst dem Judentum zu. Aus diesem Grund heuerte Kohlberg auf einem Schiff an, das jüdische Flüchtlinge nach Palästina schmuggelte (vgl. Garz 2008, S. 89f.).

Die Besatzung wurde von britischen Einheiten festgenommen und Kohlberg wurde für zwei Jahre in einem Gefängnis auf Zypern interniert. In dieser Zeit fing Kohlberg an sein Verhalten zu Reflektieren. Kohlberg wurde bewusst, dass sein Verhalten durch verschiedene Dinge beeinflusst war, zum einen jugendlicher Idealismus, d.h. die „guten“ Ziele rechtfertigen sein Handeln, zum anderen Egoismus und eine gewisse Immoralität. Anschließend lebte er einige Zeit in einem Kibbuz in Israel bevor er 1948 in die Vereinigten Staaten zurückkehrte und sich an der Universität von Chicago für Psychologie immatrikulierte. Sieben Jahre später heiratete er seine Frau, mit der er später zwei Söhne bekommen hat (vgl. Garz 2008, S. 89f.).

Im Jahr 1958 schrieb Kohlberg seine Dissertation über das Thema „The Development of Modes of Moral Thinking and Choice in the Years 10 to 16“ und legt hiermit die Grundlage für sein Stufenmodell der moralischen Entwicklung. Nach Tätigkeiten an den renommierten Universitäten Yale, Palo Alto und Chicago wurde er 1968 Professor an der Harvard Universität. Dort lehrte er bis zu seinem Tod im Jahr 1987 an der Graduate School of Education. Kohlberg hatte sich bei einem Auslandaufenthalt in Belize mit einer Viruserkrankung infiziert. Aufgrund dessen beging Kohlberg Suizid (ebd.).

3.2 Die Grundlagen der Theorie

Kohlberg wollte ursprünglich die Studie von Piaget auf die Adoleszenz ausweiten, weil bei Piaget die kognitive Entwicklung in den meisten Fällen bereits mit zwölf Jahren abgeschlossen ist. Nach seiner Forschung reichte für Kohlberg das Modell und die Theorie „das moralische Urteil beim Kinde“ von Jean Piaget nicht zur vollständigen Erfassung des moralischen Urteils aus.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kohlbergs Theorie des moralischen Lernens und ihre Kritik
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V282864
ISBN (eBook)
9783656822974
ISBN (Buch)
9783656822981
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kohlbergs, theorie, lernens, kritik
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Kohlbergs Theorie des moralischen Lernens und ihre Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282864

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