Konzeption eines Familienunterstützenden Dienstes


Seminararbeit, 2013
37 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangslage & Bedarf

2. Zielgruppe

3. Ziele

4. Methode
4.1 der personenzentrierte Ansatz
4.2 Empowerment
4.2.1 Die subjektzentrierte Ebene
4.2.2 Die gruppenbezogene Ebene
4.2.3 Die institutionelle Ebene
4.2.4 Sozialpolitische und gesellschaftliche Ebene

5. Leistungsbeschreibung/Rechtsgrundlagen
5.1 Familienassistenz allgemein
5.2 Beratung und Vermittlung
5.3 Stundenweise Unterstützung der Angehörigen im häuslichen Bereich
5.4 Alltagsunterstützung und Begleitung
5.5 Freizeitgestaltung des Menschen mit Behinderung
5.6 Angehörigenarbeit und Selbsthilfegruppen
5.7 Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson
5.8 Hilfe zur Pflege/andere Leistungen
5.9 Haushaltshilfe
5.10 Betreuung und Versorgung des Kindes in Notsituationen
5.11 Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche
5.12 Schulbegleitung

6. Kosten/Finanzierung Inanspruchnahme Familienassistenz

7. Personal
7.1 Leitungsaufgaben
7.2 Aufgaben der Betreuer
7.3 Spezielle Aufgaben der Betreuer
7.4 Anforderungen an alle Mitarbeiter
7.5 Fort- und Weiterbildung

8. Qualitätssicherung und -entwicklung

9. Kooperation

Literaturverzeichnis

1. Ausgangslage & Bedarf

Menschen mit Behinderungen und deren Familien sind verstärkt in die Problemlagen des täglichen Lebens involviert: trotz mannigfaltiger Angebote wie Schulen und Kindertageseinrichtungen mit sonderpädagogischen Schwerpunkt sowie Werkstätten, ist der Lebensmittelpunkt des behinderten Menschen in der Mitte seiner Familie. Weiterhin tragen sie die Hauptlast der Erziehung, der Betreuung und der Pflege – ihr Alltag ist auf ihren Angehörigen mit Behinderung ausgerichtet. Demnach sind Auseinandersetzungen innerhalb der Familie vorprogrammiert. Ein behindertes Kind zu haben ist für die Eltern schwer zu verarbeiten, welches negative Auswirkungen auf deren Beziehung haben kann. Das Geschwisterkind fühlt sich benachteiligt – versteht nicht, dass es ihre Bedürfnisse hinten anstellen muss. Dies zeigt, welche enorme psychische Belastung allein dadurch den Eltern zu Teil kommt. Hinzu kommen die reichlichen Behördenangelegenheiten, Arzt- und Therapiebesuche. Nebst dem emotionalen und psychischen Stress, kann der physische bei körperlich schwer mehrfach Behinderten während Pflege und Betreuung sehr anstrengend sein. Das Wohlergehen ihres behinderten Familienmitgliedes steht über ihren eigenen, so dass sie kaum Zeit mehr für sich selbst haben. Eigene Interessen werden nicht mehr nachgegangen, die Arbeit aufgegeben, soziale Beziehungen werden vernachlässigt. Die Gefahr der Vereinsamung und sozialen Isolation ist groß. Der Gedanke und die Umsetzung der Inklusion, spricht dem behinderten Menschen das Recht –ungeachtet dessen persönlichen Unterstützungsbedürfnis- einer individuellen Entwicklung und der sozialen Teilhabe zu. Somit werden dem Menschen mit Behinderung ein uneingeschränkter Zugang und die bedingungslose Zugehörigkeit zu allgemeinen Institutionen und Stätten gewährt, die nun mehr den individuellen Bedürfnissen Aller zu entsprechen, Aufgabe zu leisten haben.[1] Ambulante Angebote sind daher zunehmend attraktiver, da sie ein Leben trotz Behinderung im Kreise der Familie gewährleisten, was folglich ihnen ein Gefühl der Zugehörigkeit und Stabilität gibt. In Deutschland gibt es seit jeher zahlreiche offene Angebote zur Entlastung der Familie. Das Einzugsgebiet des Trägers besitzt jedoch kaum derartige Dienste für die Unterstützung von Familien mit Angehörigen mit Behinderung. Knapp 19% der Einwohner der Stadt Forst (Lausitz) haben einen Grad der Behinderung ³ 30. Die meisten Behinderungen treten in Forst (Lausitz) mit erhöhten Alter und dessen erhöhten Pflegebedarf auf (ab 65 Jahre ca. 58% mit GdB ³ 50).[2] Mitunter der Ursache des demografischen Wandels, sind vor allem Einrichtungen und Angebote der Altenhilfe entstanden. Die Behindertenhilfe in Forst (Lausitz) richtet sich vor allem an die Menschen mit Behinderung selbst und weniger an die Familie, welche sie betreuen und pflegen. Insbesondere der Inklusionsgedanke, der jeden Menschen als selbstverständliches Mitglied der Gesellschaft versteht, sowie der familiären Betreuung, Pflege und Erziehung assistieren und den Angehörigen Phasen der Erholung geben zu wollen, gab uns, dem Träger, den Anreiz das Angebot unterstützender Leistungen zu erweitern und auf die Eingliederungshilfe auszudehnen. Die Leitlinien unserer Arbeit sind die sieben Grundsätze des Roten Kreuzes: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Alle Hilfesuchenden begegnen wir demnach mit Toleranz, Akzeptanz und dem Freisein von Vorurteilen. Die Belastungen der Angehörigen sehen wir nicht als Schwäche sondern als Ergebnis ihrer aufopfernden Pflege ihres nahen Familienmitgliedes. Unser Standpunkt Nicht die Frage WIE sondern WAS können wir machen soll die familiären Belastungen mindern und den Betreuenden Möglichkeiten zur Auszeit und zur persönlichen Entfaltung bieten. Jenes wiederum hat positive Effekte auf das Wohlbefinden des Menschen mit Behinderung sowie auf die übrigen Familienmitglieder. Das niedrigschweillige Angebot eines familienorientierten unterstützenden Dienstes hat die Vorteile, Unterstützungen kurzfristig und stundenweise in Anspruch nehmen zu können, die der Betreuende für die Befriedigung seiner eigener Bedürfnisse oder für Erledigungen nutzen kann. Parallel dazu ist der Mensch mit Behinderung freizeitlich auf seinen individuellen Betreuungsbedarf fördernd aber nicht fordernd beschäftigt. Die geringe Auswahl an ambulanter familienorientierter Hilfen für Menschen mit Behinderung in Forst (Lausitz) + Umgebung und vergleichsweise hohe Spektrum an Förderschulen und Wohnstätten[3] zeugt davon, dass Inklusion hier noch keinen Anklang gefunden hat. Um aktiver anteilig dagegen zu wirken, entsteht innerhalb der Familienassistenz das zusätzliche Angebot der Schulbegleitung. Allgemeine Schulen haben meist unzureichend Personal für den Einzellfall erforderlichen Bedarf an Aufmerksamkeit und Betreuung für die Eingliederung von Kindern mit körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung. Daher möchten wir den Kindern Menschen zur Seite stellen, die den Alltag in einer Schule oder auch Kita und Hochschule durch einfache Hilfestellungen ermöglichen und den Besuch einer Förderschule vermeiden. Der Träger besitzt für die Familienassistenz sowie für die Schulbegleitung eine bereits vorhandene Basis; einen eigenen Fahrdienst und ein Bestand an verschiedenen Hilfsmitteln. Jenes bietet uneingeschränkte Mobilität und eine qualitative Beförderung von Menschen mit Behinderung. Dieses facettenreiche Repertoire aus Familienunterstützung, Schulbegleitung, eigenem Fahrdienst und Hilfsmittelverleih fehlt in Forst (Lausitz) und ist längst überfällig. Wir wollen - und sind dazu bereit - Menschen mit Behinderung und deren Familien Hilfe zu leisten, ihr Leben vielfältiger gestalten und zur persönlichen Entfaltung befähigen.

2. Zielgruppe

Primär richtet sich Familienassistenz richtet sich an die Angehörigen von Menschen, die nach § 2 SGB IX aufgrund ihrer körperlichen Funktion, geistigen Fähigkeit oder seelischer Gesundheit vom Lebensalter typischen Zustand abweichen und dadurch eine Beeinträchtigung ihrer Teilhabe am Leben in der Gesellschaft erfahren.

Besonders die Lebenssituation von Eltern behinderter Kinder - deren alltägliche Belastungen beinhalten auch immer die Gefahr einer Überforderung der familiären Leistungsfähigkeit. Eltern müssen die Behinderung ihres Kindes gefühlsmäßig verarbeiten, welches mitunter ein jahrelanger andauernder Trauer-prozess bedeutet. Dies kann zur Annahme und Akzeptanz des Kindes führen kann, jedoch stets verbunden mit dem Risiko des Scheiterns. Nebst diesem Verarbeitungsprozess, dass das eigene Kind mit einer Behinderung leben muss, rücken deutlich und unmissverständlich die dauerhaften Belastungen des Alltags sowie psychische Belastungen im Zusammenleben mit einem schwerst-behinderten Kind in den Vordergrund. Im Mittelpunkt des Familienalltags stehen die Bedürfnisse des behinderten Kindes und geben diesem Struktur. Einen Großteil der Zeit nehmen Pflege, Ernährung und Betreuung des Kindes in Anspruch; auch Arztbesuche, Therapien und Behördengänge sind zeitaufwendig. Der Tagesablauf von Müttern mit nichtbehinderten Kindern und Müttern von schwerstbehinderten Kindern weichen stark voneinander ab: „ Sie stehen früher auf – das behinderte Kind muss früh für den abholenden Bus fertig gemacht werden – und sie gehen später ins Bett.“ Anstrengende und körperlich belastende Tätigkeiten füllen den Tag, zum Beispiel durch häufiges Heben und Umlagern des Kindes. Kinder mit Behinderung benötigen einen deutlich höheren Pflegeaufwand als ohne. Anfallende Aufgaben im Haushalt werden durch den immensen Zeitaufwand meist nicht geschafft. Besonders schwer trifft es dabei alleinerziehende Eltern, die den Alltag ohne Partner bewältigen müssen oder auch Väter: sie beteiligen sich zwar weniger an der Pflege und Betreuung als Mütter, kümmern sich aber abends und an den Wochenenden vermehrt um das schwerstbehinderte Kind. Demzufolge sind sie einer doppelten Belastung, nämlich Beruf und Familie, ausgesetzt. Betroffene Eltern haben keinen normalen Wochenrhythmus mit fünf Arbeitstagen und einem Erholungswochenende. Vielmehr ist die Belastung am Wochenende noch dadurch vermehrt, dass das Kind keine Institution wie Schule oder Kindergarten besuchen kann. Viele Eltern haben einen unregelmäßigen Tages- und Nachtrhythmus, da durch die Bedürfnisse des Kindes die Nachtruhe, in der Regel jede Nacht, meistens mehrmals und über Jahre hinweg, unterbrochen wird. Oft ziehen die Belastungen gesundheitliche Probleme bei den betroffenen Familien nach sich, mit körperlichen Beschwerden wie Erschöpfung, Gereiztheit und depressiven Symptomen. Es sind weniger die körperlichen als vielmehr die psychischen Beanspruchungen, die sich im Belastungsempfinden niederschlagen. Durch die tägliche Pflege und Betreuung des Kindes sind Einschränkungen in der eigenen Freizeit aber auch Vernachlässigung der Partnerschaft und der nichtbehinderten Geschwister folgend. Eigene Bedürfnisse werden vernachlässigt, gar mit der Konsequenz des Verlustes von Autonomie. Mütter nichtbehinderter Kinder können nach einigen Jahren der Erziehung ihren Beruf wieder nachgehen und sich Freiraum für die eigene Lebensgestaltung schaffen. Eine solche Realisierung in Familien mit Kindern mit Behinderung ist schwer und kaum möglich. Sich jeden Tag aufs Neue auf das Kind und seine Bedürfnisse einstellen zu müssen und zu wissen, dass das Kind nie die Verantwortung für sein Leben übernehmen kann, ist für viele Eltern eine große Belastung. Die Hilflosigkeit und fehlende Selbständigkeit des Kindes stellt die Eltern vor die große Aufgabe einer sogenannten „lebenslangen Elternschaft“. Somit werden die alltäglichen Belastungen auch noch durch die Sorgen um die Zukunft des Kindes und um die eigene Zukunft verstärkt. Gefühle der Hilflosigkeit, Resignation, Hoffnungs-losigkeit, Ohnmacht und des Ausgebranntseins entstehen. Eine weitere Belastung ist in den veränderten Außenbeziehungen der Familie zu sehen: Eltern behinderter Kinder fühlen sich oft von der Umwelt alleingelassen. Der große und alltägliche Zeitaufwand, schränkt die Möglichkeiten der Eltern, an gesell-schaftlichen Aktivitäten teilzunehmen, ein und so verringern sich die sozialen Kontakte, die Freunde ziehen sich zurück – die Gefahr der sozialen Isolation wird immer größer.[4] Zudem sind Parallelen zwischen der Schwere der Behinderung eines Kindes und der Reduzierung außerhäuslicher Aktivitäten erkennbar, die im Wesentlichen durch Vorurteile und negative Reaktionen der Umwelt verschuldet sind. Krankenhausaufenthalte führen über einen längeren Zeitraum dazu, dass kein „normales Familienleben“ geführt werden kann, da die Mutter häufig mehrere Wochen oder Monate bei ihrem Kind in der Klinik bleibt, mit dem Ergebnis, die Geschwister und/oder der Partner vernachlässigt zu haben. Im Zusammenleben mit einem behinderten Angehörigen entstehen vielfältige Belastungsmomente, welche das Leben und die Lebensqualität betroffener Familien verändern. Dennoch sehen viele Eltern ihr Leben mit einem behinderten Kind nicht nur als eine Belastung. Mit Aussagen wie: „ Seine Liebe bereichert mein Leben und erfüllt mich mit Dankbarkeit “ verdeutlichen, dass das Leben mit einem behinderten Kind trotz der Belastungen als sehr glücklich, zufrieden und bereichernd erlebt wird. Denn ob diese Lebenssituation tatsächlich zu einer Belastung wird, hängt von den Bewältigungsmechanismen, dem subjektiven Erleben und dem biographischen Hintergrund jedes einzelnen Familienmitgliedes sowie von entlastenden Unterstützungssystemen ab. In vielfacher Hinsicht sind von dieser oftmals schwierigen Situation natürlich auch die Geschwister als Teil der Familie mit betroffen. Das Aufwachsen mit einem behinderten Bruder oder Schwester, birgt für die Geschwister besondere Entwicklungsbedingungen und zusätzliche Belastungen, die auch zur Beeinflussung ihrer Lebenssituation und Persönlichkeitsentwicklung beitragen. Einerseits müssen sie den Auseinander-setzungsprozess durchleben, mit der Schwerstbehinderung leben zu müssen und andererseits müssen sie unter erschwerten Bedingungen die eigene Stellung in der Familie finden und sich behaupten. Die in vielen Familien entstehenden zusätzlichen Anforderungen aufgrund des behinderten Kindes, werden von den Geschwistern sehr unterschiedlich verarbeitet. Einige fühlen sich durch die zusätzlichen Belastungen im Alltag überfordert und durch die geringere Zuwendung der Eltern vernachlässigt, manche Geschwister entwickeln Verhaltensauffälligkeiten. Die Bewältigung von Problemen und Entwicklungs-aufgaben ihres Alters sind durch die besonderen und oft belastenden Bedingungen erschwert. In Familien, in denen das behinderte Kind im Mittelpunkt steht, ist vieles anders und verändert. Das nichtbehinderte Kind erhält oft viel zu wenig Zuwendung von seinen Eltern, die den Ansprüchen und Forderungen dessen nicht gerecht werden kann. Dadurch fühlt es sich einsam, überflüssig und vernachlässigt. Durch vermehrte Mithilfe im Haushalt oder durch ganz besondere Leistungen, versuchen die Geschwister meist, die Aufmerksamkeit und Anerkennung der Eltern zu erhalten. Die Enttäuschung und das Gefühl nicht gesehen zu werden, vergrößern sich, wenn sie merken, dass die ganze Aufmerksamkeit der Eltern dem behinderten Kind gilt. Die stärkere Einbindung in die Hausarbeit, die erhöhte Anforderungen der Eltern sowie die Verpflichtung zur Versorgung und Betreuung des behinderten Geschwisterteils, sind neben der eingeschränkten Verfügbarkeit der Eltern, Faktoren, die der gesunden Entwicklung möglicherweise entgegenstehen können. Des Weiteren erwarten die Eltern häufig frühe Selbständigkeit, Anpassung oder besonders gute Leistungen in der Schule. Die umfangreichen Pflege- und Betreuungsaufgaben stellen oftmals für Geschwister von Kindern mit Behinderungen eine Einschränkung ihrer eigenen Freizeit- und Entfaltungsmöglichkeiten dar sowie eine Überforderung. Das Erleben der Diskrepanz zwischen ihrer Familie, in der das behinderte Kind geliebt und umsorgt wird, und den gesellschaftlichen Normen ist eine besondere Schwierigkeit. Sie merken sehr schnell, dass ihr hilfsbedürftiger und kranker Bruder nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht. Belastende Erfahrungen mit gesellschaftlicher Diskriminierung des behinderten Kindes gehören ebenso zu dem Erfahrungsschatz wie die Ablehnung der eigenen Person. Gemeinsam in der Öffentlichkeit, sind betroffene Geschwister nebst ihren Bruder/ihrer Schwester oft selbst Zielscheibe von Spott und kränkenden Hänseleien. Unterdrückte Aggressionen und Hassgefühle gegen das behinderte Kind, welches soviel Aufmerksamkeit von den Eltern verlangt, führen zu enormen Schuld- und Schamgefühlen bei den Geschwisterkindern. Sie schämen sich ihrer Gefühle, da sie genau wissen, dass ihr Bruder/ihre Schwester nichts für die Behinderung kann.[5]

Die festgelegten Werte- und Normvorstellungen unserer Gesellschaft reduzieren Menschen mit Behinderung weitestgehend auf ihre Defizite. Doch ist es das Zusammenspiel von ihren Eigenschaften und den Umweltfaktoren (Barrieren), die das Überwinden dieser Barrieren erschweren oder gar unmöglich machen: „… Behinderung [entsteht] aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren […], die sie an der vollen wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern.“[6] Die gesellschaftlichen Normen, die auf Leistung, Schönheit und Perfektion abzielen und die mangelnde Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung, tragen zur Etikettierung und Stigmatisierung bei. Somit sind sie täglich, nebst den physikalischen Barrieren, auch gegen die Barrieren in den Köpfen ihrer Mitmenschen konfrontiert. Menschen mit Behinderung müssen ihren Alltag gemeinsam mit ihren Familien planen; ausgerichtet auf ihre Bedürfnisse und ihren benötigten Hilfsmittel und –stellungen. Ihr Leben ist meist weniger flexibel zu gestalten, da sie aufgrund ihrer besonderen Merkmale auf strukturelle Gegebenheiten achten müssen. Ihre Alltagsbewältigung ist keine Selbst-verständlichkeit. Die gesellschaftliche Reaktion, egal ob negativ oder positiv, steht immer unmittelbar mit der Behinderung in Interaktion und bestimmt die individuelle und soziale Realität. Demzufolge wird ein Mensch, z.B. der im Rollstuhl sitzt, zugleich eben als Rollstuhlfahrer gesehen. Dadurch müssen sie sich immer wieder behaupten und gegen Vorurteile ankämpfen.

[...]


[1] Vgl. Hinz, A. in Bleidick u. a (Hrsg.) (2006): Handlexikon der Behindertenpädagogik. S. 97–99.

[2] eigene Berechnungen nach LASV (31.12.2011): Statistik der behinderten und schwerbehinderten Menschen der Stadt Forst (Lausitz) (Kreis Spree-Neiße) ; Stadt Forst (Lausitz): Zahlen und Fakten, Einwohner Stand 31.12.2011, forst-lausitz.de.

[3] Forst (Lausitz) hat drei Wohnstätten für Menschen mit Behinderungen und 2 Förderschulen. Lediglich eine Kita von sechs und eine der vier Grundschulen haben individuelle Förderungsangebote für Kinder mit Behinderungen. Vgl. Stadt Forst (Lausitz) u.a. (11/2011): FORSTer Familienwegweiser.

[4] So belegt die Untersuchung von Fröhlich, dass „nur ein Drittel der Mütter [.] Kontakte nach außen für sich und die Familie als hinreichend (erlebt), alle anderen finden ihre Kontakte als arm oder gänzlich ungenügend“. (Fröhlich 1993, 203).

[5] Terbeck, S. (2002): „Wenn das Lachen plötzlich erlischt“. S. 17-37.

[6] BMAS (2010): Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung. S.6.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Konzeption eines Familienunterstützenden Dienstes
Autor
Jahr
2013
Seiten
37
Katalognummer
V282892
ISBN (eBook)
9783656824244
ISBN (Buch)
9783656824251
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
FUD, Familienunterstützender Dienst, Konzept, Familienassistenz, Alltagsunterstützung, Begleitung, Angehörigenarbeit, Menschen mit behinderung, Verhinderungspflege, Haushaltshilfe, Versorgung und betreuung des Kindes in Notsituationen, Eingliederungshilfe, Behinderte, pflegende Angehörige, Schulbegleitung, Betreuer
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Franziska Sommer (Autor), 2013, Konzeption eines Familienunterstützenden Dienstes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282892

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