"[S]eine große Seele überwand alle Schwäche; ein Mann der in den meisten Dingen hinter keinem König jener Zeit zurückstand, in den wichtigsten und schönsten größer und glanzvoller war als alle."
Mit diesen Worten blickt Polybios in seinen Historien auf einen zeitgenössischen Herrscher zurück. Es ist interessant, dass der demokratisch gesinnte Hipparch des Achäischen Bundes, der die Geschichte des Aufstiegs der Republik Rom zur Weltmacht dokumentieren wollte, solch schmeichelhafte Anerkennung einem Monarchen angedeihen lässt. Polybios ehrt hier ein letztes Mal Eumenes II., König von Pergamon (Regierungsjahre 197-160/59). Dem Leser dieses Nachrufs offenbart sich damit unmittelbar die Frage, weshalb Polybios ein solch positives Bild eines Monarchen zeichnet. Wie gelang es Eumenes II., einen
solchen Eindruck auf den Historiker zu hinterlassen – und wirkte er gleichermaßen positiv auch auf andere Zeitgenossen?
Diese Arbeit geht der Frage nach, wie sich der berühmte pergamenische König selbst darstellte, welches Bild er von sich prägen wollte und ob dies letztlich überall so erfolgreich
gelang, wie es der Nachruf des Polybios suggeriert.
Das pergamenische Reich begann als eine bescheidene hellenistische Stadt in Mysien, die sich 262 vom Seleukidenreich löste. Pergamon dehnte sich entlang der kleinasiatischen Küste sowie nach Osten aus, wobei die Expansion bis zu Eumenes II. häufig zurückgedrängt wurde und damit eher bescheiden blieb. Nach dem Sieg gegen den Seleukiden-König Antiochos III. änderte sich dies schlagartig. Pergamon expandierte um ein Vielfaches. In der Folge konnte das Territorium mit bestehenden Mittel- und Großmächten
konkurrieren. Eumenes II. musste sich daher nicht nur im eigenen Reich als Herrscher durchsetzen und legitimieren, sondern auch international repräsentativ auftreten. Ein
wichtiges Mittel zur Herrschaftslegitimation war in hellenistischer Zeit vor allem die königliche Selbstdarstellung. Folglich ist es unerlässlich, dass seine Strategien der
Selbstdarstellung nicht nur lokal betrachtet werden, sondern auch in einem internationalen Kontext. Die vorliegende Arbeit betrachtet daher nicht nur Eumenes‘ Selbstdarstellung im
eigenen Reich, sondern auch gegenüber Griechenland und der im Westen erstarkenden Römischen Republik. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Pergamon und das direkte Umfeld
2.1 Geopolitische Parameter
2.2 Herausforderung im Rahmen der Herrschaftslegitimation
2.3 Der Ausbau Pergamons und der Einsatz für die Reichsstädte
2.4 Numismatische Evidenz
3. Die Selbstdarstellung Eumenes‘ II. in Griechenland
3.1 Der Bezug zum Mutterland
3.2 Einsatz für die Griechen
4. Die herrschaftliche Selbstdarstellung in Rom
4.1 Die Rede vor dem Senat nach dem Antiochoskrieg
4.3 Eumenes‘ zweite Rede in Rom (172)
5. Vergleich der kulturspezifischen Selbstdarstellungsweisen
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Selbstdarstellungsstrategien von Eumenes II. von Pergamon. Zentrales Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der König sein Herrschaftsbild je nach politischem Kontext – innerhalb seines Reiches, in Griechenland oder gegenüber der Römischen Republik – anpasste, um seine prekäre Legitimation als Aufsteiger zu festigen.
- Analyse der Herrschaftslegitimation eines attalidischen „Aufsteigers“.
- Untersuchung der kulturellen und infrastrukturellen Selbstdarstellung im Pergamenischen Reich.
- Erforschung der diplomatischen und propagandistischen Rolle der attalidischen Familie.
- Interpretation der „pseudo-föderalen“ Identität durch numismatische Evidenz.
- Vergleich der rhetorischen Strategien gegenüber dem römischen Senat.
Auszug aus dem Buch
Die Rede vor dem Senat nach dem Antiochoskrieg
Der König gibt sich zu Beginn seiner Rede bescheiden und stellt sich eben nicht in königlicher Manier über die republikanischen Senatoren:
[…] Eumenes erwiderte, auch wenn er von anderen eine Gunst erbitten wollte, würde er die Römer zu Rate gezogen haben, um weder etwas Ungebührliches zu begehren noch etwas Unmäßiges zu fordern, da er nun aber vor den Römern selbst als Bittender erschienen sei, halte er es für das Beste, die Entscheidung über sich und seine Brüder ganz in die Hände des Senats zu legen.[…]
Eumenes präsentiert sich zunächst beinahe unterwürfig und suggeriert dem Senat damit seine unbedingte Treue. Konkrete Forderungen spricht er nicht aus. Um seine Interessen durchzusetzen, war es wichtig, das Bild des guten und treuen Bündnispartners zu wahren. Seine Interessen standen konträr zu denjenigen der zweiten wichtigen Bündnismacht, Rhodos. Des Königs Sorge war, dass im Fall der Befreiung aller kleinasiatischen Städte, die Pergamon untergebenen Städte abfielen:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik des pergamenischen Aufsteigers Eumenes II. ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach dessen Selbstdarstellungsstrategien.
2. Pergamon und das direkte Umfeld: Das Kapitel analysiert die innenpolitische Konsolidierung und die ersten Strategien zur Herrschaftslegitimation durch Bauprogramme, dynastische Ideologien und numismatische Symbolik.
3. Die Selbstdarstellung Eumenes‘ II. in Griechenland: Hier wird der diplomatische und kulturelle Austausch mit dem griechischen Mutterland beleuchtet, wobei Eumenes als Patron und Verteidiger des Griechentums auftritt.
4. Die herrschaftliche Selbstdarstellung in Rom: Dieses Kapitel untersucht, wie Eumenes durch geschickte Rhetorik und Bündnistreue versuchte, den römischen Senat als loyaler Partner zu überzeugen.
5. Vergleich der kulturspezifischen Selbstdarstellungsweisen: Eine Synthese der verschiedenen Strategien, die zeigt, wie Eumenes „zielgruppengerecht“ agierte, ohne seine monarchische Position preiszugeben.
6. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über die erfolgreiche Definition eines neuen Basileus-Ideals zusammen.
Schlüsselwörter
Eumenes II., Pergamon, Attaliden, Selbstdarstellung, Herrschaftslegitimation, Polybios, Rom, Römische Republik, Euergetismus, Hellenismus, Pergamonaltar, Cistophoren, Diplomatie, Machtpolitik, antike Geschichtsschreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strategien, mit denen Eumenes II. von Pergamon sein Bild als rechtmäßiger Herrscher in einem internationalen Kontext prägte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind Herrschaftslegitimation, Euergetismus (Wohltätertum), diplomatische Rhetorik und die kulturelle Kommunikation durch Architektur und Münzprägung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu verstehen, wie der König trotz fehlender traditioneller Herrschaftsbasis als erfolgreicher Basileus agierte und sich gegenüber unterschiedlichen Machtzentren behauptete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse der antiken Texte (vor allem Polybios und Livius) in Verbindung mit archäologischen und numismatischen Befunden angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Strategien im eigenen Reich, die kulturelle Selbstdarstellung in Griechenland und die diplomatische Selbstdarstellung gegenüber Rom.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Eumenes II., Selbstdarstellung, Legitimation, Attaliden, Euergetismus und internationale Diplomatie.
Warum war das Verhältnis zu Rom ein „Glaubwürdigkeitsrisiko“?
Da Rom in der griechischen Welt zunehmend als Gefahr wahrgenommen wurde, konnte die zu enge Bindung des Königs an die Republik sein Ansehen bei den griechischen Städten schmälern.
Welche Rolle spielte die Familie in der Selbstdarstellung?
Die Darstellung familiärer Eintracht diente als Gegenentwurf zu den häufigen dynastischen Konflikten anderer hellenistischer Reiche und festigte den sozialen Zusammenhalt des Königshauses.
Warum spielt die Person der Apollonis eine wichtige Rolle?
Die Königsmutter Apollonis wurde als tugendhaftes Vorbild inszeniert, was der Dynastie eine moralische Basis verlieh und die Identifikation der Untertanen mit dem Herrscherhaus förderte.
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- Diana Wolf (Author), 2014, Eumenes II. Selbstdarstellung und Herrschaftslegitimation eines Aufsteigers gegenüber den Mächten seiner Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282905