Fremde Länder und exotische Reisen sind heutzutage nicht mehr nur Abenteuertouristen und Fernreisenden vorbehalten. Getrieben von dem Hunger nach neuen Erfahrungen und Erlebnissen hat sich ein weit verbreitetes Interesse an andersartigen Kulturen entwickelt. Viele Menschen reisen zu indigenen Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt, um Einblick in ihre Lebensweise zu erhalten. Ein Begriff, der im Rahmen dieser ethnotouristischen Reisen benutzt wird, ist Authentizität“. Authentizität gilt als Antriebsmotor für Urlaube dieser Art und wird von Soziologen, Ethnologen und Tourismusexperten in Verbindung mit dem Begriff „Inszenierung“ vielfältig diskutiert. Inszenierung gilt als eine „marktgerechte Umsetzung eines tourismusrelevanten Themas mit unterschiedlichen Einrichtungen, Akteuren, Partnern und Medien auf Grundlage einer klaren Handlungsanweisung“ (Steinecke, 1997, S.8). Die gleichzeitige Nennung von Inszenierung und Authentizität gilt demzufolge eigentlich als ein Paradoxon. Indem man es kenntlich macht und strukturiert umsetzt, verliert etwas Authentisches und Echtes sein ursprüngliches Wesen (vgl. Lenz, 2010, S.101). Vor dem Hintergrund des Ethnotourismus stellt sich die Frage, inwieweit sich im Rahmen eines Urlaubs das Wissen und die Kenntnis über eine fremde Kultur auf authentische Art und Weise erweitern lassen. Betrachtet der Tourist eine Kultur lediglich oberflächlich, oder ist es für ihn möglich, einen wirklich tiefen Einblick zu erhalten?
Diese Fragestellung möchte ich mit Blick auf die Kultur der Maoris in Neuseeland diskutieren. Das Kapitel 2 dient hierbei zunächst zur Vorstellung des Ethnotourismus unter Darstellung der historischen Hintergründe, der Motive und den Formen dieses Reisetyps. Im anschließenden Kapitel 3 wird der Begriff Authentizität und seine Rolle im Tourismus diskutiert. Abschließend dient Kapitel 4 einer umfassenden Darstellung der zuvor angesprochenen Themen mit Bezug auf das Fallbeispiel der Maoris in Neuseeland.
Inhaltsverzeichnis
1. Ethnotourismus zwischen Inszenierung und Authentizität
2. Ethnotourismus - Interkulturelle Begegnungen
2.1 Formen und Hintergründe
2.2 Merkmale und Motive
3. Ethnotourismus und Authentizität
3.1 Authentizität im Tourismus
3.2 Differenzierte Authentizitätskonzepte
4. Ethnotourismus am Beispiel der Maoris in Neuseeland
4.1 Ethnotourismus & Authentizität in Neuseeland
4.2 Te Puia Cultural Performance Experience – ein Erfahrungsbericht
5. Ethnotourismus - Inszenierte Kulturbegegnung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen Ethnotourismus und Authentizität, wobei der Fokus insbesondere auf der Frage liegt, ob bei touristischen Begegnungen mit indigenen Kulturen ein wirklich tiefer Einblick möglich ist oder ob es sich zwangsläufig um eine Form der Inszenierung handelt.
- Historische Hintergründe und Definition des Ethnotourismus
- Die soziologische Debatte um den Begriff der Authentizität
- Analyse theoretischer Authentizitätskonzepte (Goffman, MacCannell, Wang)
- Fallstudie zur Kultur der Maoris in Neuseeland inklusive Erfahrungsbericht
- Kritische Reflexion über die Machtstrukturen im Tourismus
Auszug aus dem Buch
3.1 Authentizität im Tourismus
Die heutige Gesellschaft fühlt sich in ihrem Alltag einer immer stärker werdenden Entfremdung ausgesetzt. Die zunehmende Automatisierung und Technisierung am Arbeitsplatz, die aufgrund der neuen Kommunikationsmedien schrumpfenden persönlichen Kontakte und die daraus resultierende soziale Rolle, führen zu einem Verlust des eigenen Ich in den Weiten der modernen Gesellschaft. Als Ausweg bietet sich für viele Betroffene nur noch ein Raumwechsel auf Zeit, „um einen Ausgleich für all das zu finden … fahren wir weg“ (Mundt, 2006, S.118).
Ursprünglich entstammt der Begriff Authentizität der Museumswelt. Nachgebildete Objekte sollen einen Gegenstand oder Ähnliches authentisch repräsentieren und auf diesem Weg Originalität darstellen, oder aber sie sind ein originales Stück Geschichte (vgl. Egger & Herdin, 2010, S.262). Diese Verbindung mag ein Grund dafür sein, dass Authentizität häufig mit Tradition in Verbindung gebracht wird. Im Rahmen des Tourismus ist mit Authentizität aber vielmehr „die Echtheit von touristischen Orten, Plätzen, Szenerien, Gegenständen (z.B. Souvenirs, Kunstwerke) und folkloristischen Darbietungen (z.B. Tänze)“ (Hahn/Kagelmann, 1993, S.122), d.h. die Echtheit von touristischen Produkten und Dienstleistungen, gemeint. Der Tourist versucht auf diesem Weg Natürlichkeit und Ursprünglichkeit, das Gegenteil des eigenen alltäglichen Lebens, zu erfahren. Zu erkennen ist, dass bei Zunahme der Besucherzahlen die kulturelle Tragfähigkeit enorm strapaziert wird und ein Authentizitätsverlust meist in genau diesen kritischen Phasen einsetzt (vgl. Vorlaufer, 1996, S.207).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ethnotourismus zwischen Inszenierung und Authentizität: Einführung in die Thematik der ethnotouristischen Reisen und die grundlegende Problematik des Spannungsfelds zwischen inszenierter Darstellung und dem Wunsch nach echter Kulturerfahrung.
2. Ethnotourismus - Interkulturelle Begegnungen: Erläuterung der Definition, Hintergründe sowie verschiedener Formen des Ethnotourismus unter Abgrenzung zum klassischen Kulturtourismus.
2.1 Formen und Hintergründe: Analyse der Ursprünge des Ethnotourismus im kolonialen Verständnis und Darstellung der unterschiedlichen touristischen Angebotsformen.
2.2 Merkmale und Motive: Untersuchung der spezifischen Reisemotive wie die Suche nach Exotik und der Machtungleichheit zwischen Veranstaltern, Touristen und indigenen Gemeinschaften.
3. Ethnotourismus und Authentizität: Einordnung der Authentizitätsfrage als zentrales Element im touristischen Kontext.
3.1 Authentizität im Tourismus: Untersuchung der gesellschaftlichen Entfremdung als Reisemotiv und der Definition von Authentizität als Merkmal touristischer Produkte.
3.2 Differenzierte Authentizitätskonzepte: Vorstellung soziologischer Theorien von Goffman, MacCannell und Wang zur Einordnung authentischer Erlebnisse.
4. Ethnotourismus am Beispiel der Maoris in Neuseeland: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf das Fallbeispiel der maorischen Urbevölkerung.
4.1 Ethnotourismus & Authentizität in Neuseeland: Diskussion der touristischen Vermarktung der maorischen Kultur und der Rolle von Bühneninszenierungen.
4.2 Te Puia Cultural Performance Experience – ein Erfahrungsbericht: Persönliche Reflexion eines Vorstellungsbesuchs im kulturellen Zentrum Te Puia.
5. Ethnotourismus - Inszenierte Kulturbegegnung: Fazit zur Unmöglichkeit objektiver Authentizität im touristischen Kontext und Plädoyer für eine versöhnliche Betrachtungsweise.
Schlüsselwörter
Ethnotourismus, Authentizität, Inszenierung, Maoris, Neuseeland, interkulturelle Begegnung, Staged Authenticity, indigene Bevölkerung, Kulturtourismus, Reisemotive, Machtungleichheit, Soziologie des Tourismus, Kulturdarstellung, Erlebnistourismus, Exotik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des Ethnotourismus und beleuchtet kritisch, wie der Wunsch nach einer authentischen Kulturerfahrung auf die touristische Praxis der Inszenierung trifft.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Begriffsbestimmung von Authentizität, die historische Entwicklung des Ethnotourismus sowie die kritische Reflexion touristischer Angebote bei indigenen Völkern.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob im Rahmen touristischer Reisen ein tiefgreifender Einblick in eine fremde Kultur möglich ist oder ob der Tourist immer nur eine inszenierte Darstellung erhält.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine Literaturanalyse soziologischer Authentizitätskonzepte mit einem qualitativen Erfahrungsbericht einer Fallstudie vor Ort in Neuseeland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert theoretische Modelle, wendet diese auf das Beispiel der Maoris in Neuseeland an und reflektiert die strukturellen Machtverhältnisse zwischen Touristen und der bereisten Kultur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ethnotourismus, Authentizität, Inszenierung, Maoris und interkulturelle Begegnung definieren.
Warum ist das Beispiel der Maoris besonders geeignet?
Neuseeland dient als ideales Fallbeispiel, da hier die Vermarktung einer indigenen Kultur hochprofessionell erfolgt und somit die theoretischen Konzepte von "Staged Authenticity" besonders deutlich sichtbar werden.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Authentizität?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass absolute Authentizität im Ethnotourismus nicht möglich ist, da das touristische Erleben primär auf subjektiver Wahrnehmung und der Vermarktung durch Veranstalter basiert.
- Citar trabajo
- BSc. Carolina Klein (Autor), 2012, Ethnotourismus und touristische Authentizität am Beispiel der Maoris in Neuseeland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282912