Fehlzeiten verursachen enorme Belastungen, die sich auf unterschiedliche Weise auswirken. Erkrankt ein Mitarbeiter, so hat der Arbeitgeber zur Wahrung der betrieblichen Interessen Alternativen zur Arbeitsvertretung zu finden, um Produktionsrückstände oder Maschinenstillstände zu vermeiden oder zumindest möglichst gering zu halten. Andere Arbeitnehmer müssen einspringen und die Arbeit des gesundheitlich beeinträchtigten Kollegen übernehmen. Neben dem betrieblichen Mehraufwand kann das Fehlen eines Arbeitnehmers auch finanzielle Beeinträchtigungen mit sich führen. Steigt die krankheitsbedingte Abwesenheit nicht über eine Dauer von sechs Wochen hinaus, so leistet der Arbeitgeber eine Entgeltzahlung ohne im Gegenzug die vertraglich vereinbarte Arbeitsleistung zu erhalten.
Dennoch können nicht bereits vereinzelte Fehltage als erheblich beeinträchtigend ausgelegt werden. In einem gewissen Rahmen hat der Arbeitgeber diese hinzunehmen, bevor er mit Aussicht auf Erfolg eine krankheitsbedingte Kündigung aussprechen kann.
Ein Vergleich zwischen dem Krankenstand in den 80 er Jahren und der heutigen Arbeitsunfähigkeit zeigt einen Rückgang von knapp 2%. Verantwortlich dafür sind verbesserte Arbeitsbedingungen, Investitionen in das Gesundheitsmanagement, aber auch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Diese Angst ist nicht unbegründet, da es sich bei der krankheitsbedingten Kündigung um den praktisch bedeutsamsten Unterfall einer personenbedingten Kündigung handelt.
Die Voraussetzungen einer solchen Kündigung werden durch den Gesetzgeber sowie durch die Rechtsprechung definiert.
Die vorliegende Arbeit zeigt auf, welche Erfordernisse an eine rechtmäßige krankheitsbedingte Kündigung gestellt werden. Dabei werden die vier durch die Rechtsprechung entwickelten Fallgruppen anhand des dreistufigen Prüfungsschemas einzeln erläutert. Dabei kann jede der Fallgruppen einen Kündigungsgrund darstellen. Die Aufführung kündigungsrelevanter Einzelfälle befasst sich darüber hinaus mit problematischen Krankheitsformen, wie z.B. dem Alkoholismus oder der AIDS-Erkrankung.
Da der Schwerpunkt jedoch nicht ausschließlich auf der Freisetzung eines Mitarbeiters liegen soll befasst sich die Arbeit weiterhin mit dem themenbezogenen betrieblichen Eingliederungsmanagement. Eine solche Maßnahme setzt die Umgestaltung des Arbeitsplatzes voraus und gibt dem erkrankten Mitarbeiter damit die Möglichkeit weiterhin einer Beschäftigung nachzugehen.
Inhaltsverzeichnis
- A. Einleitung
- B. Das Rechtsinstrument der Kündigung
- I. Das Kündigungsschutzgesetz
- 1. Anwendbarkeit
- a) Persönlicher Anwendungsbereich
- b) Sachlicher Anwendungsbereich
- c) Räumlicher Anwendungsbereich
- 2. Klagefrist
- 3. Abgrenzung einzelner Kündigungsarten
- C. Die krankheitsbedingte Kündigung als Unterfall der personenbedingten Kündigung
- I. Krankheit als Kündigungsgrund
- II. Der Krankheitsbegriff
- III. Die Fallgruppen krankheitsbedingter Kündigung
- 1. Häufige Kurzerkrankungen
- a) Negative Zukunftsprognose
- b) Erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen
- c) Interessenabwägung
- 2. Langandauernde Erkrankungen
- a) Negative Zukunftsprognose
- b) Erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen
- c) Interessenabwägung
- 3. Dauernde Leistungsunfähigkeit
- a) Negative Zukunftsprognose
- b) Erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen
- c) Interessenabwägung
- 4. Krankheitsbedingte Leistungsminderung
- a) Negative Zukunftsprognose
- b) Erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen
- c) Interessenabwägung
- IV. Die außerordentliche krankheitsbedingte Kündigung
- D. Exkurs: Low-Performer
- I. Minderleistung
- II. Schlechtleistung
- III. Nichtleistung
- E. Kündigungsrelevante Einzelfälle
- I. Alkohol
- II. Drogen
- III. Nikotinsucht
- IV. AIDS
- V. Erkrankungen aufgrund eines Betriebsunfalls
- VI. Burnout-Syndrom
- F. Die personenbedingte Kündigung wegen Krankheit in der Rechtsprechung
- I. Krankheitsbedingte Kündigung unter der Berücksichtigung des betrieblichen Eingliederungsmanagements
- 1. Sachverhalt
- 2. Entscheidungen der Gerichte
- 3. Kritik
- II. Krankheitsbedingte Kündigung ohne betriebliches Eingliederungsmanagement
- 1. Sachverhalt
- 2. Entscheidungen der Gerichte
- 3. Kritik
- G Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Masterthesis befasst sich mit der personenbedingten Kündigung wegen Krankheit. Ziel ist es, die rechtlichen Grundlagen und die Anwendung dieser Kündigungsart im Arbeitsrecht zu beleuchten. Dabei werden die verschiedenen Fallgruppen und deren Besonderheiten im Detail analysiert.
- Rechtliche Grundlagen der personenbedingten Kündigung
- Krankheit als Kündigungsgrund
- Fallgruppen krankheitsbedingter Kündigung (z.B. häufige Kurzerkrankungen, Langzeiterkrankungen, dauernde Leistungsunfähigkeit)
- Die Bedeutung des betrieblichen Eingliederungsmanagements
- Kündigungsrelevante Einzelfälle (z.B. Alkohol, Drogen, Burnout)
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der personenbedingten Kündigung wegen Krankheit ein und stellt die Relevanz des Themas im Arbeitsrecht dar. Kapitel B beleuchtet das Rechtsinstrument der Kündigung im Allgemeinen, insbesondere das Kündigungsschutzgesetz und die verschiedenen Kündigungsarten. Kapitel C befasst sich mit der krankheitsbedingten Kündigung als Unterfall der personenbedingten Kündigung. Hier werden die verschiedenen Fallgruppen und die Kriterien für eine rechtmäßige Kündigung untersucht. Kapitel D widmet sich dem Exkurs über Low-Performer und deren Bedeutung im Kontext der Kündigung. Kapitel E analysiert kündigungsrelevante Einzelfälle, wie z.B. Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum. Kapitel F befasst sich mit der Rechtsprechung zur krankheitsbedingten Kündigung, sowohl mit und ohne betriebliches Eingliederungsmanagement. Die Schlussbetrachtung fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Personenbedingte Kündigung, Krankheit, Kündigungsschutzgesetz, Arbeitsrecht, Fallgruppen, betriebliches Eingliederungsmanagement, Low-Performer, Einzelfälle, Rechtsprechung.
- Quote paper
- Eva-Maria Nott (Author), 2014, Die personenbedingte Kündigung wegen Krankheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282939