Im Rahmen dieser Arbeit soll anhand der von Oevermann entwickelten Methode der Objektiven Hermeneutik untersucht werden, welchen Beitrag qualitative, fallbasierte Forschungsmethoden im Kontext Schule auf verschiedenen sozialstrukturellen Ebenen zur Aufdeckung prägnanter Handlungs-, Deutungs- und Sinnstrukturen leisten können. Hierfür werden in Kapitel 4 Ergebnisse ausgewählter Untersuchungen zum Thema „Lehrerprofessionalisierung“, welches in Bezug auf die hochaktuelle Frage nach (Stand und Sicherung von) „Qualität im Bildungswesen“ einen wichtigen Aspekt darstellt, aus einem zur Perspektive der „Governance-Forschung“ alternativen Blickwinkel skizziert und auf das Erkenntnisinteresse der Arbeit hin analysiert. Kapitel 2 gibt zunächst einen kurzen Überblick über Grundzüge qualitativer Sozialforschung sowie Besonderheiten rekonstruktiver Bildungs- bzw. Schulforschung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Qualitative Sozial- und Bildungsforschung
2.1 Grundzüge und Besonderheiten qualitativer Sozialforschung
2.2 Verortung und Systematisierung qualitativer Bildungsforschung
2.3 Verortung und Herausforderungen qualitativer Schulforschung
3 Die Methode der Objektiven Hermeneutik
3.1 Lokalisierung der Objektiven Hermeneutik
3.2 Analyseebenen und grundlegende Regeln
3.3 Interpretationsregeln und methodisches Vorgehen
3.4 Grenzen, Kritik und Potential für die Schulforschung
4 Objektive Hermeneutik zum Thema „Lehrerprofessionalisierung“
4.1 Mikroebene: Selbstdarstellungen von Lehrern
4.2 Mesoebene: Lehrerkooperation
4.3 Makroebene: Institution Schule aus kulturvergleichender Perspektive
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Potenzial der Objektiven Hermeneutik als qualitatives, fallbasiertes Forschungsverfahren im Kontext der Schulforschung zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, welchen Beitrag diese Methode zur Aufdeckung latenter Handlungs-, Deutungs- und Sinnstrukturen leisten kann, um schulpädagogische Problemstellungen – insbesondere zum Thema Lehrerprofessionalisierung – aus einem alternativen, weniger normativen Blickwinkel zu analysieren.
- Grundlagen qualitativer Bildungs- und Schulforschung
- Theoretische Verankerung und methodisches Instrumentarium der Objektiven Hermeneutik
- Analyse der Lehrerprofessionalisierung auf Mikro-, Meso- und Makroebene
- Vergleichende Interpretation von Schulleiterreden und Lehrer-Selbstdarstellungen
- Diskussion der Grenzen und Möglichkeiten rekonstruktiver Forschung in der Schule
Auszug aus dem Buch
3.1 Lokalisierung der Objektiven Hermeneutik
Auch nach Andreas Wernet hat die Ausdifferenzierung der qualitativen Methoden innerhalb der letzten 20 Jahre dazu geführt, „dass die Landschaft der unterschiedlichen Ansätze, Positionen und methodischen Prozeduren kaum noch überschaubar ist“, und die Orientierung sei zusätzlich aus dem Grunde schwer geworden, dass „in dieser Situation der Methodenvielfalt die Grenzen unscharf geworden sind und es mannigfaltige Überschneidungen gibt“ (Wernet 2011, S. 4). Zur Verdeutlichung des methodischen Standorts der Objektiven Hermeneutik grenzt er diese von den zwei ebenfalls verbreiteten und mehr oder weniger Gemeinsamkeiten aufweisenden Forschungsstilen der „inhaltsanalytischen“ und der „ethnografischen Herangehensweise“ ab. Die Methode der Inhaltsanalyse teilt dabei mit der Objektiven Hermeneutik die methodische Ausrichtung an Texten als empirische Datengrundlage. Allerdings widmet sich Erstere ‚nur‘ der inhaltlichen Verstehensebene, fragt nach dem „Was“ des Gesagten, um durch Systematisierung der manifesten Sinnartikulationen die Strukturiertheit sozialer Phänomene aufzuzeigen, während Letztere sich insbesondere für das „Wie“ des Gesagten, die hinter dem „Was“ liegenden latenten Sinnstrukturen interessiert. Die Ethnografie wiederum geht davon aus, dass wirklichkeitsangemessene Forschung nur dann erfolgen kann, wenn es dem Forscher gelingt, im Sinne des „going native“-Grundsatzes die Perspektive des Untersuchungsgegenstandes selbst einzunehmen, während der Forscher mittels der Methode der Objektiven Hermeneutik ‚lediglich‘ Protokolle innerhalb natürlicher sozialer Situationen erhebt und darauf vertraut, dass das Wesentliche des untersuchten Phänomens als rekonstruierbare soziale Praxis im Text des Protokolls enthalten sein wird, ohne die dokumentierte soziale Praxis selbst nachvollzogen zu haben müssen (Wernet 2011, S. 4 ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Entwicklung der empirischen Bildungs- und Schulforschung in Deutschland und führt in das methodische Interesse an der Objektiven Hermeneutik ein.
2 Qualitative Sozial- und Bildungsforschung: Dieses Kapitel erläutert die Grundzüge qualitativer Forschung und verortet die rekonstruktive Schulforschung innerhalb der verschiedenen Analyseebenen (Mikro, Meso, Makro).
3 Die Methode der Objektiven Hermeneutik: Hier werden die theoretischen Grundlagen, die Analyseebenen und das methodisch-praktische Vorgehen der Objektiven Hermeneutik detailliert dargestellt.
4 Objektive Hermeneutik zum Thema „Lehrerprofessionalisierung“: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand konkreter Fallanalysen zu Selbstdarstellungen von Lehrern, Lehrerkooperation und Schulleiterreden das Potenzial der Methode für schulpädagogische Fragestellungen.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Einsatzmöglichkeiten der Methode zusammen und plädiert für eine stärkere Integration qualitativer Methoden in die Lehrerausbildung sowie eine breitere Anwendung auf verschiedene Makroprozesse.
Schlüsselwörter
Objektive Hermeneutik, Qualitative Bildungsforschung, Schulforschung, Lehrerprofessionalisierung, Latente Sinnstrukturen, Fallrekonstruktion, Sequenzanalyse, Lehrerkooperation, Schulleiterreden, Methodologie, Rekonstruktive Forschung, Pädagogisches Handeln, Sozialisation, Strukturhypothese, Professionalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Methode der Objektiven Hermeneutik im Kontext der Schulforschung, um komplexe pädagogische Phänomene jenseits rein quantitativer Messungen zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Bildungsforschung, die theoretische Grundlegung der Objektiven Hermeneutik und die Analyse beruflicher Identität und Kooperation im Lehrerberuf.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie mittels qualitativer, fallbasierter Forschung latente Sinnstrukturen in Schule und Unterricht identifiziert werden können, die sich statistischen Ansätzen entziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Objektive Hermeneutik nach Ulrich Oevermann, ergänzt um methodische Diskurse der rekonstruktiven Sozialforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine methodische Einführung und drei Anwendungsbeispiele, die das Lehrerhandeln auf der Mikro-, Meso- und Makroebene untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Objektive Hermeneutik, latente Sinnstrukturen, Lehrerprofessionalisierung, Fallrekonstruktion und Sequenzanalyse.
Wie unterscheidet sich die Objektive Hermeneutik von der Ethnografie?
Während die Ethnografie auf dem Prinzip „going native“ basiert und eine intensive Teilhabe am Feld erfordert, konzentriert sich die Objektive Hermeneutik rein auf die Analyse von textlich fixierten Protokollen sozialer Interaktionen.
Was zeigt der kulturvergleichende Vergleich der Schulleiterreden?
Der Vergleich zeigt, dass pädagogisches Handeln kulturspezifisch geprägt ist: Während in den USA eine starke Identifikation mit der Institution Schule vorherrscht, zeigen die deutschen Beispiele oft widersprüchliche Distanzierungsversuche.
- Arbeit zitieren
- Sonja Schulz (Autor:in), 2014, Die Methode der Objektiven Hermeneutik in der Schulforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283080