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Die "Schwabinger Krawalle". Ein Wendepunkt der polizeilichen Einsatztaktik im Protestgeschehen der 1960er Jahre?

Titel: Die "Schwabinger Krawalle". Ein Wendepunkt der polizeilichen Einsatztaktik im Protestgeschehen der 1960er Jahre?

Masterarbeit , 2014 , 118 Seiten , Note: 12,0

Autor:in: Sebastian Herre (Autor:in)

Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Eine Streife der Münchner Stadtpolizei war es, die am Abend des 21. Juni 1962 im Münchner Vergnügungsviertel Schwabing routiniert gegen eine Gruppe junger Straßenmusiker vorging, welche die Ruhe der Anwohner störte. Dieser Einsatz eskalierte in einer Konfrontation zwischen der Polizei und den gegen polizeiliche Willkür protestierenden Schwabinger Besuchern, welche sich in ihrer Dauer und Schwere so gar nicht in das heitere und unbeschwerte Klima in München der 1960er Jahre einfügen mochte: Die warmen Sommernächte in Schwabing waren von jenem Zwischenfall an bis zum 25. Juni 1962 geprägt von schweren Ausschreitungen, die in Ausmaß und Intensität bis zu diesem Zeitpunkt einmalig für die Bundesrepublik Deutschland sein sollten und noch für eine lange Zeit in der Kritik einer breiten Öffentlichkeit standen.
Jenes Ereignis markierte den Auftakt zu einer veränderten Einsatztaktik der Polizei im Zusammenhang mit Massenprotesten: Nach wenigen Jahren entstand die, einen bei Versammlungslagen neuartigen, deeskalierenden Ansatz verfolgende „Münchner Linie“. Eine weitere Konsequenz war die im Januar 1964 erfolgte Gründung des bundesweit ersten Zentralen Psychologischen Dienstes (ZPD) bei der Münchner Polizei. Doch hatten diese, durch die "Schwabinger Krawalle" ausgelösten Neuerungen auch tatsächlich einen Einfluss auf die praktische Einsatztaktik der Münchner Stadtpolizei bei weiteren Protestereignissen in den sechziger Jahren? Um diese Frage zu beantworten wurden exemplarisch vier markante Einsatzfelder der Münchner Stadtpolizei im Rahmen dieser Masterarbeit untersucht: Das Sonderkommando "Schwabing" 1964, ein Konzert der "Rolling Stones" 1965, der Schah-Besuch 1967 sowie die Osterunruhen 1968.
Im Anschluss an die Darstellung dieser Ereignisse erfolgt ein diesbezüglicher Vergleich mit dem Einsatz der Polizei in West-Berlin anlässlich des dortigen Schah-Aufenthalts. Am Ende der Arbeit wird neben einer Beantwortung der Forschungsfrage auch eine Betrachtung vorgenommen, inwiefern die aus den "Schwabinger Krawallen" gezogenen Konsequenzen noch heute einen Einfluss auf die Einsatztaktik der Münchner Polizei ausüben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Themendarstellung mit Untersuchungsfragestellung

1.2 Methodik

1.3 Forschungsstand

2. Hauptteil

2.1 Die Rahmenbedingungen

2.1.1 Politik und Gesellschaft

2.1.1.1 Westdeutschland in den 60er Jahren

2.1.1.2 Der Blick nach München

2.1.2 Protestklima in der BRD nach dem Zweiten Weltkrieg

2.1.2.1 Jugendkultur

2.1.2.2 Die "Halbstarken-Krawalle"

2.1.2.3 Proteststadt München?

2.1.3 Die Entwicklung der bundesdeutschen Polizei

2.1.4 Die Münchner Stadtpolizei Anfang der 60er Jahre

2.1.4.1 Ihre Entstehung nach 1945

2.1.4.2 Die Ausbildung

2.1.4.3 Kultur und Stellung in der Gesellschaft

2.1.4.4 Der Umgang mit Protest und Menschenmassen

2.2 Zwischenergebnis - Erklärungsansätze für die Entstehung der "Schwabinger Krawalle"

2.3 Die "Schwabinger Krawalle"

2.3.1 Der Ablauf der Ereignisse

2.3.2 Wirkmechanismen

2.3.3 Nachbetrachtungen

2.4 Konsequenzen aus den "Schwabinger Krawallen"

2.4.1 Die Stadtpolizei München unter Polizeipräsident Schreiber

2.4.2 Der Psychologische Dienst

2.4.3 Die Entstehung der "Münchner Linie"

2.4.4 Änderungen in der Aus- und Fortbildung

2.5 Einfluss der Konsequenzen auf die Einsatztaktik der Münchner Polizei

2.5.1 Das Sonderkommando "Schwabing"

2.5.1.1 Relevante Entwicklungen und Hintergründe

2.5.1.2 Der Ablauf des Einsatzes

2.5.1.3 Rückschlüsse

2.5.2 "Rolling Stones" Konzert 1965

2.5.2.1 Relevante Entwicklungen und Hintergründe

2.5.2.2 Der Ablauf des Einsatzes

2.5.2.3 Rückschlüsse

2.5.3 Der Schah-Besuch 1967

2.5.3.1 Relevante Entwicklungen und Hintergründe

2.5.3.2 Der Ablauf des Einsatzes

2.5.3.3 Rückschlüsse

2.5.4 Die Osterunruhen 1968

2.5.4.1 Relevante Entwicklungen und Hintergründe

2.5.4.2 Die Ereignisse von Gründonnerstag bis Ostersonntag

2.5.4.3 Der Ablauf des Einsatzes am Ostermontag 1968

2.5.4.4 Rückschlüsse

2.5.5 Der Blick in andere Bundesländer am Beispiel des Schah-Besuchs in Berlin 1967

3. Fazit mit einem Blick auf die Gegenwart

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern die "Schwabinger Krawalle" von 1962 als Wendepunkt für die polizeiliche Einsatztaktik der Münchner Stadtpolizei dienten und wie sich die daraus gezogenen Konsequenzen bei späteren Protesten der 1960er Jahre auswirkten.

  • Gesellschaftliche Rahmenbedingungen in München Anfang der 1960er Jahre
  • Wandel des polizeilichen Selbstverständnisses von der "Staatspolizei" zur "Bürgerpolizei"
  • Implementierung deeskalierender Ansätze durch den Psychologischen Dienst
  • Vergleich der Einsatzpraxis bei verschiedenen Protestereignissen (Sonderkommando, Rolling-Stones-Konzert, Schah-Besuch, Osterunruhen)

Auszug aus dem Buch

2.5.1 Das Sonderkommando "Schwabing"

Ein knappes Jahr nach den Krawallen in Schwabing hatte sich weder die Atmosphäre dieses Stadtteils noch sein in ihm vorhandenes Protestpotential geändert. Mit einem Ansteigen der Temperaturen spätestens Ende April war das Münchner Künstler- und Vergnügungsviertel, insbesondere an den Wochenenden, bis spät in die Nacht hinein wieder rege von Passanten besucht. Die unter freiem Himmel auf den Gehsteigen aufgestellten Stühle und Tische der Straßencafés waren wieder vollbesetzt, während sich der dichte Verkehr auf der Leopoldstraße träge fortbewegte. Auch zahlreiche Straßenmusiker unterhielten wieder mit ihren Instrumenten eine große Zuhörerschar, die stellenweise offensichtlich nur darauf wartete, dass es wieder zu einer Wiederholung der Ereignisse aus dem letzten Jahr kommen würde. So stellte eine zivile Streife der Kriminalpolizei in der Nacht des 21. April 1963 am Wedekindbrunnen inmitten einer Menschenmenge einen betrunkenen Mann fest, der ausgelassen tanzte und immer wieder lautstark das Erscheinen der Polizei forderte. Für Schreiber waren dies Indikatoren genug, um ein erneutes Ausbrechen von Unruhen in diesem Stadtteil zu befürchten. Insbesondere zu den Jahrestagen der "Schwabinger Krawalle" war diese Sorge entsprechend groß.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Forschungsthema ein, definiert die zentrale Fragestellung zur Rolle der Polizei und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie den Forschungsstand.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Entwicklung der Münchner Polizei, die "Schwabinger Krawalle" selbst sowie deren Konsequenzen und Einfluss auf spätere Einsatztaktiken.

3. Fazit mit einem Blick auf die Gegenwart: Das Fazit resümiert die Bedeutung der "Schwabinger Krawalle" als entscheidenden Anstoß für eine grundlegende polizeiliche Reform und Demokratisierung.

Schlüsselwörter

Schwabinger Krawalle, Münchner Stadtpolizei, Polizeiliche Einsatztaktik, Deeskalation, Psychologischer Dienst, 1960er Jahre, Protestkultur, Polizeipräsident Manfred Schreiber, Sonderkommando Schwabing, Münchner Linie, Bürgerpolizei, Studentenproteste, Westdeutschland, Autorität, Massenpsychologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung der polizeilichen Einsatztaktik in München in den 1960er Jahren, insbesondere vor dem Hintergrund der "Schwabinger Krawalle" von 1962 als prägendem Ereignis.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Wandel des polizeilichen Selbstverständnisses, die Einführung psychologischer Dienstleistungen in der Polizei sowie der Umgang mit verschiedenen Formen von öffentlichem Protest.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, den Einfluss der "Schwabinger Krawalle" auf nachfolgende Einsätze der Münchner Polizei zu untersuchen und die Transformation von einer autoritären "Staatspolizei" hin zu einer bürgerorientierteren Taktik aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine historisch-kritische Methode, die die Auswertung von Fachliteratur mit einer fundierten Archivarbeit (Bayerisches Hauptstaatsarchiv/Staatsarchiv München) verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die spezifische Situation der Münchner Polizei Anfang der 60er Jahre, den Ablauf der Krawalle sowie deren Konsequenzen und Anwendung bei späteren Ereignissen wie dem Schah-Besuch 1967.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Polizeiliche Einsatztaktik, Münchner Linie, Deeskalation, Protestkultur der 60er Jahre und Demokratisierungsprozess charakterisieren.

Welche Rolle spielte der Psychologische Dienst für die Münchner Polizei?

Der 1964 gegründete Dienst fungierte als beratende Instanz, um durch psychologische Erkenntnisse den Abbau von Vorurteilen zu fördern und deeskalierende Strategien für den Umgang mit Demonstrationen zu entwickeln.

Wie unterschied sich die Münchner Taktik bei den Osterunruhen 1968 von anderen Einsätzen?

Trotz der Reformbemühungen stieß die "Münchner Linie" bei den Osterunruhen aufgrund des gewandelten, radikaleren Protestpotentials an ihre Grenzen, wobei die Polizei jedoch weiterhin um Verhältnismäßigkeit bemüht blieb.

Ende der Leseprobe aus 118 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die "Schwabinger Krawalle". Ein Wendepunkt der polizeilichen Einsatztaktik im Protestgeschehen der 1960er Jahre?
Hochschule
Deutsche Hochschule der Polizei
Note
12,0
Autor
Sebastian Herre (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
118
Katalognummer
V283162
ISBN (eBook)
9783656824343
ISBN (Buch)
9783656824329
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schwabinger krawalle wendepunkt einsatztaktik protestgeschehen jahre
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sebastian Herre (Autor:in), 2014, Die "Schwabinger Krawalle". Ein Wendepunkt der polizeilichen Einsatztaktik im Protestgeschehen der 1960er Jahre?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283162
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