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Das Auf- und Ableben des Autors

Title: Das Auf- und Ableben des Autors

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 20 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Monique Weinert (Author)

German Studies - Miscellaneous
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“Ich möchte gleich klarstellen, dass ich weder wild funkelnde Augen, noch ein launisches Wesen oder seltsame Allüren als Voraussetzungen für ein Autordasein betrachte.”1

“Douglas W. Fortescue”, murmelte der Verleger, “so habe ich sie mir nicht vorgestellt in meinen schönsten und übelsten Träumen.” Er betrachtete Douglas aufmerksam, fast unverschämt. Er lächelte. Er lächelte immer breiter. Er schüttelte den Kopf. “Douglas W. Fortescue”, wiederholte er, jetzt fast lachend, “wie fürchterlich gut passen sie zu ihren Buch.”2 Von diesem Moment an ist Douglas ein Dichter.

Vielleicht möchte man an dieser Stelle protestieren und fragen, warum Douglas W. Fortescue erst dann ein Dichter ist, als ein Verleger bei ihm auftaucht, um den Autor eines bei ihm eingegangenen Buches kennenzulernen, und diese Frage ist auch durchaus berechtigt, aber es ist nun einmal so, dass Douglas in CHRISTINE WUNNICKEs Buch Fortescues Fabrik im chronologischen Ablauf erst während des Gesprächs mit dem Verleger das erste Mal als Dichter bezeichnet wird.3 Douglas W. Fortescue ist plötzlich auch der Dichter Fortescue und als solcher ein wandelndes Klischee: Er ist gerade 21 Jahre jung, trägt nur schwarze Kleidung und hat langes schwarzes Haar. Er ist schlank, mit hagerem blassen Gesicht und freundlichen, alles beobachtenden, dabei aber immer teilnahmslos wirkenden Augen, welche er mit einer getönten Brille bedeckt, die er sich von seinem Verleger hat kaufen lassen. Im London der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts führt er das Leben eines seelischen Einsiedlers zwischen einer Vielzahl von Jüngern, die ihm reichlich Geschenke machen, ihm sogar Villen schenken, in denen sie dann ein- und ausgehen und Feste feiern. In einem Brief an seinen Bruder Jeremy schreibt Douglas: “Du machst dir keine Vorstellungen, wie viele Leute sich in London für Gedichte interessieren, und besonders für ihren Dichter.”4

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1 Dorothea Brande, Schriftsteller werden, S. 24.

2 Christine Wunnicke, Fortecues Fabrik, S. 223f.

3 Ebd. S. 227.

4 Christine Wunnicke, Fortescues Fabrik, S. 233.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Das Auf- und Ableben des Autors

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Autor, Werk und Leser im Kontext der Autortheorie. Anhand der Figur des Douglas W. Fortescue aus dem Roman "Fortescues Fabrik" wird hinterfragt, wie sich die Konzepte von Autorschaft, Intentionalität und Interpretation definieren lassen, wenn der Autor selbst nicht als originärer Schöpfer auftritt.

  • Analyse des traditionellen Dichter-Klischees
  • Diskussion der Autorschaft am Beispiel der Figur Douglas W. Fortescue
  • Gegenüberstellung von Autorintention und Textintention
  • Auseinandersetzung mit literaturwissenschaftlichen Ansätzen von Barthes, Foucault, Eco und Hirsch
  • Reflektion über die Dialektik zwischen Autorschaft und Lesefreiheit

Auszug aus dem Buch

Die Dialektik zwischen Autor, Text und Leser

Das feine Beziehungsgeflecht zwischen Autor, Text und Leser darzustellen, welches JEAN-PAUL SATRE als dialektisches Hin und Her bezeichnet. Der Autor schreibt, um sich gegenüber der Welt wesentlich zu fühlen und dies geschieht, in dem er in seinem Werk immer wieder auf sich selbst stößt und damit auf seine Subjektivität, um diese dann aber zu überwinden, muss der Autor sein Werk dem Leser zur Vollendung anvertrauen. Insofern ist Schreiben ein Appellieren an die Freiheit des Lesers mitzuproduzieren, denn nur durch dessen Bewusstsein können die Enthüllungen, die der Autor mittels Sprache unternommen hat, zur objektiven Existenz gelangen.

Der Autor wendet sich an die Freiheit des Leser, erkennt sie somit an und kann vom Leser erwarten, dass dieser auch seine Freiheit anerkennt, denn es gibt keine Freiheit auf Kosten eines anderen, entweder man verneint sie im Umgang mit anderen oder man wird sich der eigenen Freiheit des anderen bewusst, die beiden sind demnach dialektisch auf die Freiheit des anderen angewiesen, denn in Unfreiheit kann der Autor nicht enthüllen und der Leser kann das Enthüllte nicht erschaffen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Auf- und Ableben des Autors: Das Kapitel führt in die Problematik der Autorschaft ein, indem es die fiktive Figur des Douglas W. Fortescue nutzt, um die Diskrepanz zwischen dem Klischee des Dichters und der Realität eines Schreibers zu beleuchten, der Texte lediglich collagiert.

Schlüsselwörter

Autorschaft, Douglas W. Fortescue, Dichter, Textintention, Autorintention, Roland Barthes, Interpretation, Mimesis, Geniekult, Literaturwissenschaft, Schreiber, Diskurs, Autorkonstrukt, Lesefreiheit, Dialektik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Theorie der Autorschaft und untersucht kritisch, welche Kriterien einen Autor ausmachen und wie sich diese im Spannungsfeld zwischen traditionellen Vorstellungen und modernen literaturwissenschaftlichen Theorien verändern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Rolle des Autors als "Schöpfer", das Konzept der Genieästhetik, die Problematik der Autorintention versus der Eigenständigkeit des Textes sowie die Rezeptionsästhetik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, den klassischen Autorbegriff anhand einer Fallstudie zu dekonstruieren und eine Interpretation zu entwickeln, die das dialektische Zusammenspiel von Autorintention und Leserfreiheit würdigt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin wählt eine literaturtheoretische und diskursanalytische Methode, indem sie theoretische Konzepte (u.a. von Barthes, Foucault, Hirsch) mit der narrativen Analyse eines konkreten Literaturbeispiels verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird erörtert, warum der Autor als "geistiger Urheber" heute problematisch ist, wobei die verschiedenen Interpretationsmodelle gegenübergestellt und deren Grenzen hinsichtlich der Bedeutungskonstitution von Texten aufgezeigt werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Autorschaft, Interpretation, Autorintention, Diskurs, Textintention und das spezifische Beispiel des Douglas W. Fortescue charakterisiert.

Welche Rolle spielt die Figur Douglas W. Fortescue für die Argumentation?

Fortescue dient als "Negativbeispiel" eines Dichters, der keine eigenen Texte schafft, sondern diese als Protokollant sammelt, wodurch er die These stützt, dass die Identität des Autors für die Bedeutung des Textes zweitrangig sein kann.

Warum wird das Konzept des "Todes des Autors" nach Barthes kritisch hinterfragt?

Die Arbeit hinterfragt dieses Konzept, da es die soziale Dimension von Sprache vernachlässigt und paradoxerweise selbst wieder auf Autoren als Autoritäten zurückgreift, um die eigene Theorie zu stützen.

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Details

Title
Das Auf- und Ableben des Autors
College
http://www.uni-jena.de/  (Literaturwissenschaft)
Course
Hauptseminar: Theorie der Autorschaft
Grade
2,0
Author
Monique Weinert (Author)
Publication Year
2001
Pages
20
Catalog Number
V28325
ISBN (eBook)
9783638301404
Language
German
Tags
Auf- Ableben Autors Hauptseminar Theorie Autorschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Monique Weinert (Author), 2001, Das Auf- und Ableben des Autors, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28325
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