Attitude Therapy. Freundlichkeit gegenüber dementen Menschen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

32 Seiten, Note: 1,0*


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung
2.1 Freundlichkeit
2.2 Verschiedene Perspektiven
2.2.1 Aus der Sicht der Philosophie
2.2.2 Aus der Sicht der Soziologie
2.2.3 Aus der Sicht der Sozialpsychologie
2.2.4 Aus der Sicht der Ökonomie
2.2.5 Aus der Sicht der christlichen Glaubenslehre
2.2.6 Körpersprachliche Aspekte
2.2.7 Interkulturelle Betrachtung
2.3 Metapher

3. Attitude Therapie
3.1 Freundliche Bestimmtheit („kind firmness“)
3.2 Aktive Freundlichkeit
3.3 Passive Freundlichkeit
3.4 Keine Forderung („no demand“)
3.5 Selbstverständlichkeit („matter-of-fact“)

4. Beobachtung
4.1 Aufbau der Bewohnerbeschreibung
4.1.1 Freundliche Bestimmtheit
4.1.2 Aktive Freundlichkeit:
4.1.3 Passive Freundlichkeit:
4.1.4 Keine Forderung
4.1.5 Selbstverständlichkeit:

5. Schluss und Nachwort

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Im Rahmen der Weiterbildung zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft werde ich eine Hausarbeit schreiben, ich habe das Thema Differenzierungen im Freundlichkeitsverhalten gegenüber dementen Menschen dazu ausgewählt.

Freundlichkeit und Verhalten gegenüber Bewohnern allgemein und im speziellen gegenüber dementen Bewohnern und deren Auswirkungen sind schon immer Schwerpunkt meiner Arbeit.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nicht jeder Mensch auf das gleiche freundliche Verhalten dieselbe Reaktion zeigt und es schwierig sein kann, individuell auf die verschiedenen Persönlichkeiten der Bewohner einzugehen. Es zeigt sich manchmal, dass Bewohner bei zu freundlicher Haltung misstrauisch werden können, andere wiederum gefördert werden.

In unserer Einrichtung werden immer wieder Fortbildungen angeboten, die Methoden anbieten, um mit dementen Bewohnern professionell umzugehen. Problematisch ist die praktische Umsetzung im Alltag.

Im Rahmen der Weiterbildung habe ich die verschiedenen Freundlichkeitsformen (Attitude Therapy) kennengelernt. Dies hat mich angesprochen und deshalb möchte ich mich mit diesem Thema näher auseinandersetzten. Ich finde gerade bei Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben, ist das psychische Wohlbefinden wichtig. Techniken und Wissen über menschliches Verhalten können dazu beitragen.

Bei der Literaturrecherche über diese Therapieform hat sich gezeigt, dass bisher im deutschsprachigen Raum nur „Der Ältere Mensch als Adressat Agogischer Zuwendung“ als Literatur zur Verfügung steht. Es liegen auch keine Studien vor.

2. Einleitung

Bevor ich näher auf das Thema Attitude Therapy eingehe, möchte ich allgemein über Freundlichkeit schreiben.

2.1 Freundlichkeit

Definition: Als Freundlichkeit bezeichnen Umgangssprache und Sozialpsychologie das anerkennende und liebeswürdige Verhalten eines Menschen, aber auch die innere wohlwollende Geneigtheit gegenüber seiner sozialen Umgebung.1

Umgangssprachlich häufiger ist das Eigenschaftswort freundlich, von dem „Freundlichkeit“ abgeleitet ist. Ihr Gegenteil ist die Feindseligkeit oder Aversion.

Freundlichkeit gehört noch mehr als andere Komponenten wie z.B. Höflichkeit oder Taktgefühl zur sozialen Kompetenz. In dem Wort Freundlichkeit steckt das Wort Freund und zu einem Freund ist man nett, hilfsbereit, offen und mit ihm vertraut.

2.2 Verschiedene Perspektiven

2.2.1 Aus der Sicht der Philosophie

Aristoteles sieht Freundlichkeit (Freundschaft) als eine Tugend an oder eng damit verbunden und gehört zum Notwendigsten im Leben. Sie ist eine Haltung für die sich jeder selbst entscheidet.

Der Gefallsüchtige ist nur darauf bedacht sich angenehm zu machen, auf nichts anderes sonst. Wer es dabei auf seinen Vorteil abgesehen hat z.B. auf Geld oder Geldeswert ist ein Schmeichler.

Streitsüchtig ist wer gegen jedermann unangenehm, eigensinnig oder launenhaft ist.

Der Gegensatz scheint hier nur in den Extremen zu liegen, weil die Mitte unbenannt ist.2

Nach Aristoteles ist also die Freundlichkeit die Mitte zwischen dem Verhalten des Gefallsüchtigen und des Streitsüchtigen und bestimmt den Umgang mit Freunden und Mitmenschen.

2.2.2 Aus der Sicht der Soziologie

Freundschaft ist schon lange ein soziologisches Thema, Freundlichkeit wurde erst später für die Empirische Sozialforschung messbar gemacht.

Bei dem Versuch von Heiner Meulenmann, anhand von Computerstimulationen verschiedener Spielstrategien im sog. Gefangenendilemma können zuverlässig verschiedene Strategien untersucht und verglichen werden.

Dabei wurden 63 unterschiedliche Spielstrategien gegeneinander ausgespielt. Die meisten Punkte erzielte TFT (Tit for tat: Wie du mir so ich dir). Es bringt im einzelnen Spiel Vorteile durch Unfreundlichkeit, aber auf längere Sicht gesehen bringt Freundlichkeit und Kooperation den höchsten Erfolg in diesem Experiment und diese Erkenntnis wird den Spielern beim Nutzen durch Verknüpfung schnell klar.

Dadurch wird belegt, dass der Einsatz von Freundlichkeit mit Egoismus kooperieren kann.

2.2.3 Aus der Sicht der Sozialpsychologie

Dasselbe Verhalten und dieselben Konsequenzen bewertet eine Person nicht immer gleich.

Die Sozialpsychologen Thibaut und Kelley haben dazu den Begriff des Vergleichsniveaus (comparison level= CL) eingeführt. Thibaut und Kelley sind Austauschtheoretiker und sie gehen von einem Streben nach Ausgleich von Kosten und Nutzen in einer Beziehung aus. Die Theorie besagt, dass aus früher erlebten positiven und negativen Reizen ein Mittelwert gebildet wird, dabei ist die jüngste Vergangenheit besonders zu berücksichtigen. Der Mittelwert ist Vergleichsniveau, ein Standard, an dem gemessen wird, wie gut oder schlecht das momentane Ergebnis ist. Je häufiger positive Erlebnisse sind, desto höher das Vergleichsniveau und desto anspruchsvoller der Mensch in der Beziehung.

Hat der Mensch viele negative Konsequenzen erlebt, werden sie zur Gewohnheit und selbstverständlich und bereits objektiv mäßige positive Reize werden als extrem wertvoll erlebt. Wenn ein Mensch wenig Zuwendung und Freundlichkeit in seinem Leben erfahren hat, reagiert er auf kleine Freundlichkeiten stärker als jemand der es gewohnt ist, freundliche Menschen um sich zu haben.

Als Beispiel: Eine Person geht in ein Restaurant zum Essen. Sein CL (Vergleichsniveau) von vorherigen Restaurantbesuchen ist: Essen ist warm, sauberer Boden, saubere Tischdecke, nette Bedienung usw. Sein (alternatives Anspruchsniveau) CL alt wird bewirken, dass er nur so ein Essen im Restaurant als angenehm empfindet. Ähnlich ist das auch in Beziehungen und umgekehrt.

2.2.4 Aus der Sicht der Ökonomie

Die Freundlichkeit spielt auch eine große Rolle in der personalwirtschaftlichen Bewertung und wird zum Bereich der sozialen Kompetenzen gezählt. Sie wird angewendet im Rahmen der Eignungsdiagnostik, diese gibt Aufschluss, wenn es darum geht, ob eine Person für eine bestimmte Position geeignet ist.

2.2.5 Aus der Sicht der christlichen Glaubenslehre

Das christliche Gebot der Nächstenliebe zeigt schon deutlich dass ein freundlicher Umgang mit allen Menschen notwendig ist, welches aber weit über eine Anweisung zum freundlichen Umgang miteinander hinausgeht. Jesus als Schlüsselfigur der christlichen Glaubenslehre, lehrte nicht nur Freundlichkeit, sondern er war auch ein Vorbild. Jesus war stets geduldig, einfühlsam und mitfühlend. Seine freundliche Wesensart zog große Volksmengen an und berührte ihr Herz. Das wichtigste Gebot Gott zu lieben (5.Moses 6:5) ist nicht zu trennen mit dem zweitwichtigsten Gebot, seinen Nächsten zu lieben (3. Moses 19:18).

Der Grundsatz aus Matthäus 7:12 unsere Mitmenschen so zu behandeln, wie wir das auch selber möchten (freundlich), macht dies auch deutlich.

2.2.6 Körpersprachliche Aspekte

Freundlichkeit drückt sich auch in der Körperhaltung aus. Je nach Kultur zum Teil durch Körperberührungen bei Begrüßungen oder Verabschiedungen oder auch um seine Friedfertigkeit zu signalisieren. Der Primatenforscher Frans de Waal hat beobachtet, dass Schimpansen Körperberührungen als Geste zur Versöhnung nutzen. Wie beim Menschen sind Berührungen bei Feiern, sowie bei Beglückwünschungen, zur Begrüßung ein Händeschütteln oder als Zeichen eines Geschäftsabschlusses, ein Zeichen des freundlichen Umgangs.

2.2.7 Interkulturelle Betrachtung

In den unterschiedlichen Kulturen lassen sich verschiedene Ausdrucksformen der Freundlichkeit finden.

Im Englischen lassen sich keine grammatischen Höflichkeitsformen finden, was nicht heißt, dass es an freundlichen Umgangsformen fehlt. Hier ist der Umgangston ausschlaggebend, es gilt z.B. Kritik nicht unverblümt zu äußern, dies gilt als unhöflich. Anderseits werden humorvolle oder ironische Aspekte der Freundlichkeit in England nicht als Schwäche oder mangelnden Seriosität missverstanden.

In Nordeuropa gilt ein Kopfnicken als freundliche Zustimmung und kann die verbale Aussage ersetzen oder unterstützen. Anders ist diese Geste in Bulgarien und Griechenland eine Geste die Ablehnung signalisiert.

In muslemischen Kulturen gilt das Lächeln einer Frau gegenüber einem fremden Mann als nicht erwünscht und wird nicht als Freundlichkeit gesehen, sondern dass die Frau mehr sucht als ein Gespräch.

Umgekehrt ist die Freundlichkeit in Südostasien, speziell die Balinesen, durch freundliche Umgangsformen geprägt, was von Mitteleuropäern oft falsch verstanden wird, z.B. als aktive Zuneigung.

Es hängt sehr davon ab, wie und in welcher Form Freundlichkeit empfunden wird in dem Maße in welcher Kultur der Mensch aufgewachsen ist.

Vor all diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Studien erklärt das folgende indische Märchen, dass es sich lohnt freundlich zu sein:

2.3 Metapher

Es erzählt von einem Hund, der in einem Zimmer umherirrte, in dem alle Wände Spiegel waren. Er sah plötzlich viele Hunde. Da wurde er wütend, fletschte sie Zähne und knurrte. Der Hund erschrak und fing an, panisch im Kreis herumzulaufen. Schließlich brach er tot zusammen. Hätte er nur ein einziges Mal mit dem Schwanz gewedelt, so hätten ihm alle seine Spiegelbilder das freundliche Bild zurückgeworfen.3

Zusammengefasst zeigen diese verschiedenen Sichtweisen, dass freundliches Verhalten im Wesen des Menschen schon angelegt ist. Die Menschen sind in der Lage, täglich in den verschiedenen Situationen freundlich zu sein. Die Art der Freundlichkeit und die Reaktionen sind unterschiedlich. Diese Unterschiedlichkeit ist für meine Arbeit von Bedeutung, da Attitude Therapy fünf Haltungen vonFreundlichkeiten beschreibt. Im Einzelnen sind es die „Bestimmte Freundlichkeit (kind firmness)“, „Aktive Freundlichkeit“, „Passive Freundlichkeit“, „Keine Forderung (no demand)“ und „Selbstverständlichkeit (matter-of-fact)“.

3. Attitude Therapie

Der Begriff „Attitude Therapy“ bedeutet „Haltung Therapie“, dieser Begriff hat sich aber umgangssprachlich nicht durchgesetzt. Es handelt sich um die Haltung oder auch Einstellung die dem Menschen entgegengebracht wird.

In der Dissertation „Der ältere Mensch als Adressat Agogischer Zuwendung“4 wird gezeigt, dass dieses Programm ein Beitrag zur Verhaltensmodifikation ist. Dieser Begriff wurde von Ulmann und Krassner eingeführt und ist die Bezeichnung für die Anwendung psychologischer Lerntechniken zur Veränderung abweichender bzw. unerwünschtem Verhalten der älteren Menschen bzw. Patienten.

Der Ansatz dabei ist die Vorstellung, dass es mit Hilfe bestimmter festgelegter Verhaltensweisen der Pflegekräfte und aller mit dem entsprechenden Menschen in Berührung kommenden Kontaktpersonen gelingen soll, ein erwünschtes Verhalten zu verstärken, sowie unerwünschtes Verhalten zu löschen.

Diese weniger erwünschten Verhaltensweisen auf Seiten der „Patienten“ werden in fünf Gruppen eingeteilt, und den fünf verschiedene „Haltungen“ auf Seiten der mit den „Patienten„ in Berührung kommenden Personen gegenübergestellt.

Im Einzelnen handelt es sich bei den „Haltungen“ um:

Freundliche Bestimmtheit („kind firmness“)

Aktive Freundlichkeit

Passive Freundlichkeit

Keine Forderung („no demand“)

Selbstverständlichkeit („matter-of-fact“)

3.1 Freundliche Bestimmtheit („kind firmness“)

Sie soll für den depressiven älteren Menschen, der seine Aggressionen nach innen gekehrt hat, gelten. Dem Patienten sind einfache und monotone Aufgaben zur Bewältigung zu geben. Er muss genau wissen, was von ihm erwartet wird und wie es zu tun ist. Bei eventueller Kritik soll die Aufgabe, nicht der Mensch selbst kritisiert werden. Die Kontaktperson darf sich nicht auf die Klagen des Patienten bezüglich seines Unglücks, seiner Wertlosigkeit einlassen.

Fallbeispiel:

Frau D. reagiert unsicher, wenn Hilfe angeboten wird. Aufgeregt schaut sie sich dabei im Zimmer um und überlegt laut, was sie noch tun soll und beginnt über sich selber zu schimpfen.

Die Pflegekraft geht nicht darauf ein, sondern ermuntert sie sich anzuziehen. Zeitgleich macht die Pflegekraft das Bett, dadurch wird Frau D. ruhiger.

Oder

Die Pflegekraft schickt Frau D. zum Essen in den Speisesaal, den Frau D. ohne weiteres selbst findet. Sie ist weitgehend orientiert und benötigt dennoch ständig Anweisungen was sie tun soll.

Oder

Frau D. lässt sich ablenken, wenn man ihr weitere Beschäftigungen anbietet. Am liebsten geht sie im Wohnbereich mit anderen Bewohnern spazieren. Nach einiger Zeit geht Frau D. selbstständig auf Bewohner zu, um mit ihnen spazieren zu gehen.

3.2 Aktive Freundlichkeit

Sie soll bei zurückgezogenen, apathischen, alten Menschen gebraucht werden, die wenig Erfolg mit menschlichen Kontakten haben. Hier gilt es, sich dem Patienten zuzuwenden, bevor er es fordert. Der Patient soll vor Misserfolgen bewahrt und in seinen Erfolgen anerkannt werden.

Fallbeispiel:

Frau R. liegt häufig im Bett und will nicht aufstehen, auch nicht frühstücken. Sie redet nicht meint, sie braucht nichts. Wiederholtes freundliches Zureden hat manchmal Erfolg und Frau R. steht auf.

Oder

Wenn die Pflegekraft mit Frau R. redet und sich im Laufe des Tages ihr häufig zuwendet holt sie sich selbstständig das Essen und isst alleine im Zimmer.

Oder

Manchmal schaut sie sich den Wochenkalender an, der im Flur hängt, man kann über die Termine mit ihr in Kontakt kommen, auch wenn man gemeinsam Zeitungen anschaut, kann man sich über das Gelesene mit ihr unterhalten.

3.3 Passive Freundlichkeit

Sie ist für jenen alten Menschen gedacht, die durch „Aktive Freundlichkeit“ und persönliche Nähe misstrauisch und ängstlich werden. Die Kontaktperson muss ihr Interesse am Patienten zeigen, ohne ihn zu drängen oder zu fordern; es sollte gewartet werden, bis der Patient den ersten Schritt macht, auf den man entsprechend reagiert.

Fallbeispiel:

Herr R. leidet an Ulcus cruris venosum, ihm wurde vor einem halben Jahr das linke Bein amputiert. Er verbringt die Zeit im Bett, will nicht in den Rollstuhl sitzen. Während der Grundpflege ist er zurückhaltend und schaut genau nach was die zuständige Pflegekraft für Pflegeprodukte benutzt. Sein Verhalten ändert sich, wenn die Pflegekraft sich nach seinen persönlichen Wünschen erkundigt und danach handelt. Interesse am Wohl von Herr R. zu zeigen, hilft ihm über seine Sorgen zu reden, er erwähnt im Gespräch dass er kaum noch Muskeln hat, da er sich nicht bewegt und nur im Bett aufhält. Die Pflegekraft gibt ihm den Tipp, er könnte in den Rollstuhl mobilisiert werden. Zunächst lehnt Herr R. ab. Die Pflegekraft wartet ab, nach einiger Zeit spricht Herr R. das Thema selbst noch mal an und er lässt sich in den Rollstuhl mobilisieren. Herr R. bestimmt wann er aus dem Bett will und an welchen Tagen, auch ob er das Zimmer verlassen will oder nicht. Er hat sein Misstrauen zum größten Teil verloren und äußert seine Wünsche. Er schenkt dem Pflegepersonal immer wieder Schokolade und bedankt sich.

3.4 Keine Forderung („no demand“)

Diese Haltung soll denjenigen Patienten gegenüber angewandt werden, die misstrauisch, ängstlich oder jähzornig sind. Freundschaften und Aktivitäten sollten angeboten werden, ohne jedoch auf eine Teilnahme zu drängen. Der Patient sollte wissen, dass man von ihm nichts erwartet, außer dass er andere und sich selbst nicht verletzt.

Fallbeispiel:

Frau S. ist auffällig still, sitzt immer alleine in ihrem Zimmer und redet nur wenn sie angesprochen wird. Geht selbstständig in den Speisesaal, beobachtet alles genau, was um sie herum passiert, spricht nur mit Personen die sie länger kennt und die sie ausgewählt hat. Sie steht sehr früh am Morgen auf und zieht sich an, setzt sich in den Sessel. Die Pflegekraft fragt nach, ob sie Hilfe benötigt, immer kommt die einsilbige Antwort „Nein“. Die Pflegekraft beginnt jedes Mal ein kurzes Gespräch, wenn sie die Bewohnerin sieht, geht häufig in ihr Zimmer um Kontakt aufzunehmen. Es werden verschiedene Aktivitäten angeboten, die sie annehmen oder ablehnen kann. Nach einiger Zeit lächelt sie bei Gesprächen oder beantwortet manche Fragen zu ihrer Biographie. Erfolg hat es wenn sie nicht gedrängt wird mitzumachen oder etwas zu sagen, mit der Zeit beteiligt sie sich dann selbstständig an Gesprächen.

3.5 Selbstverständlichkeit („matter-of-fact“)

Diese Haltung gilt für manipulierende und sich einschmeichelnde alte Menschen, ebenso wie für diejenigen mit annähernd normalem Verhalten. Reaktionen auf Beschwerden, Bitten und Manöver des Patienten sollten konsistent, beiläufig und ruhig sein.

Fallbeispiel

Herr A. klingelt, wenn man seine Kompressionsstrümpfe anziehen soll. Er ist immer freundlich. Erzählt wie er geschlafen hat oder unterhält sich über das Wetter. Er spricht über sein Befinden, und dass im Alter alles etwas schwerer wird. Meistens beginnt er so, wenn er ein Problem hat. Die Pflegekraft erkundigt sich dann danach und er sagt beiläufig was er hat, es ist schwer an seinem Verhalten und an seinen Worten zu erkennen wie ernst die Beschwerden sind. Herr A. meint, das wird schon wieder, er ist aber immer erleichtert wenn man sich um ihn kümmert. Oft sagt er, wie leid wir ihm tun, weil wir so viel Arbeit haben.

Ritter-Vosen, beschreibt weiter, dass die Festsetzung welche Verhaltensweisen bei welchen Menschen angebracht wird, einer therapeutischen Fachkraft überlassen bleibt. Die „Haltung sollte jedoch bei allen betreuenden Pflegekräften sowie Angehörigen deutlich werden.

Die „Attitude Therapy“ wird in der Regel mit anderen Maßnahmen kombiniert durchgeführt, optimal mit der „Reality Orientation“.

Der Autor Dewey J. Ertz schreibt in seinem Buch5 „Attitude“ ist eine Orientierung durch Erfahrungen, um konsequent auf ein Objekt, eine Person oder Situation organisiert zu reagieren. Bisher werden die fünf Haltungen, die hier beschrieben werden in psychiatrischen Einrichtungen eingesetzt, aber sie könnten auch in anderen Gemeinschaften oder Wohnheimen gewinnbringend eingesetzt werden, laut D. Ertz, er beschreibt drei Vorteile und drei Nachteile.

Drei Vorteile für die Durchführung;

Die fünf Haltungen werden dadurch erforscht

Es ist leicht zu verstehen

Es umfasst alle Mitarbeiter/innen

Drei Nachteile bei der Durchführung;

Schwierigkeiten bei der Erreichung der Konsistenz und eine angemessene Ausbildung aller Mitarbeiter

Mangelnde Anwendbarkeit eigener Haltung, Verschreibungen andere Einstellung als psychiatrische

Allgemeinen Mangel der bestehenden Forschung

Ich arbeite in einer Pflegeeinrichtung mit gemischten Wohnbereichen. Dort leben sowohl gerontopsychiatrische Erkrankte als auch Menschen mit anderen Erkrankungen.

Zum einen möchte ich mich bei meinen Beobachtungen, in meiner Einrichtung mit den genannten Vorteilen und Nachteilen beschäftigen. Zum anderen stellt sich die Frage, wieweit sich die Haltungen des Pflegepersonals auf die Verhaltensweisen der Bewohner auswirken.

[...]


1 Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

2 textlog.de – Historische Text und Wörterbücher

3 Stephan Palos, Lebensrad und Bettlerschale

4 Ritter-Vosen, Xenia, S. 340 ff

5 Ertz, Dewey J., S 17

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Attitude Therapy. Freundlichkeit gegenüber dementen Menschen
Note
1,0*
Autor
Jahr
2013
Seiten
32
Katalognummer
V283256
ISBN (eBook)
9783656862246
ISBN (Buch)
9783656862253
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altenpflege, Geronto, Attitude Therapy, Demenz, Gudrun Hoppe, Freundlichkeitsverhalten, Passive Freundlichkeit, Aktive Freundlichkeit, Erkrankung, Parkinson, Ulcus cruris venosum, Hypertensive Herzerkrankung, Kompressionsstrümpf, Pflegekraft, Schmerzsyndrom, Lebensqualität, Out of bed, Rollstuhl, Rollator, Reality Orientation, kind firmness, Körpersprachliche Aspekte
Arbeit zitieren
Gudrun Hoppe (Autor), 2013, Attitude Therapy. Freundlichkeit gegenüber dementen Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283256

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