Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frühen Neuzeit als einem Zeitalter der Phänomene. Die Frühe Neuzeit ist ein Übergangszeitalter. Als eine Art Bindeglied zwischen dem finsteren Mittelalter und der Moderne ist sie geprägt von Widersprüchen und enormen Entwicklungen in Wissenschaft und Gesellschaft. Sie ist nicht in einem Satz zu beschreiben, da ein in ihr stetiger Wandel von Dunkelheit zu Licht, von Ängsten zu Freuden stattfand.
Sterben, Tod, Hunger und Daseinsvorsorge prägten mehrere Jahrhunderte und mündeten schlussendlich in Krieg, Frieden und Ende des 18. Jahrhunderts in die Französische Revolution, welche der Vormoderne ein jähes Ende bescherte. Der Zeitgeist lässt eine Trennung von Realität und Fiktion nicht zu und es eskaliert eine Hexenverfolgung, die viel zu häufig fälschlicherweise im Mittelalter angesiedelt wird.
Kein Jahrhundert der frühmodernen Epoche ist ereignislos und dennoch sticht das 17. Jahrhundert hervor. Ein Krieg, der dreißig Jahre währte und eine Gesellschaft, die von Hunger und Krankheiten geprägt war, die im Barock ihren geistigen Zwiespalt fand. Diese Brücke zwischen alt und neu ist ein wahrhaft beeindruckendes Zeitalter, man kann fast sagen, ein phänomenales.
Inhaltsverzeichnis
Ein phänomenales Zeitalter
Gotteslästerung
Kindsmord
Inquisitionsprozess
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht zentrale Phänomene der Frühen Neuzeit unter Berücksichtigung des historischen Kontextes von Kriminalität und Strafe. Das primäre Ziel ist es, die Entwicklung von Rechtsprechung und Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf den Übergang vom Mittelalter zur Moderne, anhand spezifischer Straftatbestände zu analysieren.
- Die gesellschaftliche Bedeutung des Vanitasmotivs und der Aufklärung
- Die Rolle der Peinlichen Halsgerichtsordnung (Carolina) in der Rechtspraxis
- Strukturen und Hintergründe des Kindsmords als Delikt
- Die Funktionsweise und Auswirkungen des Inquisitionsprozesses
- Die Spannung zwischen Konfessionskonflikten und staatlicher Ordnung
Auszug aus dem Buch
Gotteslästerung
Wer Gott lästert wird im Fegefeuer enden und hat keine Chance auf das ewige Leben. Doch wie lästert man Gott? Es gibt verschiedene blasphemische Vergehen. Man kann seine Existenz oder seine Schöpfung anzweifeln, man kann fluchen oder auch Ketzerei begehen. Es war die Kirche, die vom Fegefeuer predigte und von der Kanzel aus richtete und im schlimmsten Fall die Exkommunizierung verordnete. Mit der Peinlichen Halsgerichtsordnung Karls V. änderte sich etwas Grundlegendes: Nicht mehr die Kirche strafte bei Gotteslästerung, sondern eine weltliche Ordnung. Im ersten Artikel der Carolina steht festgeschrieben, dass der, der Gott lästert, am Leibe gestraft werden solle. Die Schwere des Vergehens solle allerdings von einem Richter festgestellt werden.
So ist der einfache Bauer, der geflucht hat, einer geringeren blasphemischen Handlung strafbar geworden, als ein Martin Luther. Religiöse Neuordner, also Ketzer, waren die größten und schlimmsten Lästerer. Wenn man beim Beispiel Martin Luther bleibt, ist die als Lästerei angegebene Straftat nicht nur ein Vergehen gegen Gott, sondern vor allem ein Verbrechen, dass die katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttert und letzten Endes die Kirche spaltet. Ein Ketzer, der es wagt sich gegen den Stellvertreter Gottes auf Erden, den Papst, zu richten, wäre nach den Gesetzen der Carolina im Ermessen des Richters gestraft worden. Luther wäre mit großer Wahrscheinlichkeit der Todesstrafe zugeführt worden.
Zusammenfassung der Kapitel
Ein phänomenales Zeitalter: Dieses Kapitel zeichnet die Frühe Neuzeit als Übergangsepoche zwischen Mittelalter und Moderne nach, die durch den stetigen Wandel, den Dreißigjährigen Krieg und den aufkommenden Geist der Aufklärung geprägt ist.
Gotteslästerung: Hier wird analysiert, wie die Gotteslästerung durch die Einführung der Peinlichen Halsgerichtsordnung (Carolina) von einem kirchlichen zu einem weltlichen Straftatbestand wurde und in welchem Verhältnis dies zur staatlichen Ordnung stand.
Kindsmord: Das Kapitel beleuchtet die strafrechtliche Behandlung des Kindsmordes in der Frühen Neuzeit und diskutiert die gesellschaftlichen sowie patriarchalen Hintergründe, die Frauen zu dieser Tat trieben.
Inquisitionsprozess: Es wird der Verlauf und die Struktur des inquisitorischen Verfahrens im Gegensatz zum älteren Akkusationsverfahren dargestellt, wobei die Willkür der Ermittlungen und die Rolle der Folter im Fokus stehen.
Schlüsselwörter
Frühe Neuzeit, Barock, Aufklärung, Peinliche Halsgerichtsordnung, Carolina, Gotteslästerung, Kindsmord, Inquisitionsprozess, Dreißigjähriger Krieg, Hexenverfolgung, Säkularisierung, Rechtsgeschichte, Malleus maleficarum, Strafrecht, Patriarchat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der juristischen und gesellschaftlichen Bewertung spezifischer Delikte wie Gotteslästerung, Kindsmord und Hexerei im Kontext der Frühen Neuzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen den Wandel von kirchlicher zu weltlicher Rechtsprechung, die Auswirkungen des Barockgeistes auf das Lebensverständnis und die Dynamiken innerhalb des inquisitorischen Strafverfahrens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu zeigen, wie das Rechtssystem der Frühen Neuzeit durch die Carolina geprägt wurde und wie gesellschaftliche Missstände, etwa durch Kriege oder soziale Zwänge, die Straftatbestände beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die primäre Rechtsquellen (wie die Carolina) mit literarischen Zeugnissen und fachhistorischer Literatur verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert drei Fallbeispiele: Gotteslästerung als Gefährdung der Ordnung, Kindsmord als soziale Tragödie und den Inquisitionsprozess als Machtinstrument der Justiz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Peinliche Halsgerichtsordnung (Carolina), Inquisition, Säkularisierung, Kindsmord und der Dreißigjährige Krieg.
Welche Bedeutung hatte die „Carolina“ für die Rechtsprechung?
Die Carolina (1532) markiert den Übergang zu einer zentralisierten weltlichen Strafgerichtsbarkeit, die Straftaten wie Gotteslästerung oder Kindsmord explizit definierte und staatlich sanktionierte.
Wie bewertet die Autorin den Zusammenhang zwischen Inquisition und Hexenverfolgung?
Sie betont, dass der Inquisitionsprozess aufgrund seiner methodischen Schwächen, wie der Willkür und der Verwendung von Folter zur Geständniserlangung, die Hexenverfolgung maßgeblich begünstigte.
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- Christin Kolbeck (Autor), 2014, Die Frühe Neuzeit. Ein Zeitalter der Phänomene?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283260