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Möglichkeiten und Grenzen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts

Der Text und dessen Anforderungen an den Leser

Title: Möglichkeiten und Grenzen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts

Term Paper , 2014 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julia Jätzold (Author)

Didactics - German Studies
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Eine der zentralen Aufgaben der Schule ist es, Schüler(-inne)n Kompetenzen zu vermitteln, durch die sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Zudem sollen Voraussetzungen für ein lebenslanges Lernen geschaffen werden. Um diese Zielsetzung zu erreichen, werden neben den einzelnen Fachkompetenzen auch Verantwortungsbewusstsein, Lern- und Leistungsbereitschaft (Motivation), Teamfähigkeit, Problemlösungsfähigkeiten aber auch Kommunikationsfähigkeit gefordert (vgl. Fend 2008, S. 60 f.). Diese Qualifikationen sind bei vie-en Schüler(-inne)n allerdings nur gering ausgeprägt, so dass der häufig lehrer(-innen)zentriert gestaltete Schulunterricht kritisiert wird (vgl. Fend 2008, S. 281). Fremdsteuerung führt auf Seiten der Schüler/-innen ohne andere äußere Einwirkungen gemeinhin zu Unlust und wenig Motivation den Lernprozess mitzugestalten. Lernende nehmen eine passive Haltung ein, wodurch eigenes Mitwirken im Unterrichtsverlauf abnimmt. Frontalgesteuerter Unterricht entbehrt zudem bei vermehrter Anwendung die Vermittlung methodischer Kompetenzen, durch die eigenständiges Lernen erst möglich wird (vgl. Carlsburg 2009, S. 273). Des Weiteren führt die Reizüberflutung durch ubiquitäre elektronische Medien und deren „Entwicklung […] zu Ungunsten der Literatur“ (Jazbee 2004, S. 209) in Verbindung mit abnehmenden Primärerfahrungen mit der eigenen Umwelt zu einer schwach ausgeprägten Kreativität. Literaturunterricht kann diese Defizite ausgleichen, da das emotionale Lesen von Texten eine Entfaltung von Phantasie und Vorstellungskraft ermöglicht und den Tätigkeitsdrang anspricht (vgl. Spinner 2000, S. 34 ff.; Haas, Menzel & Spinner 1994, S. 17).

Einen Ansatz, diesen Entwicklungen entgegen zu wirken, stellt der handlungs- und produktionsorientierte Unterricht dar. Durch ihn werden methodische Kompetenzen vermittelt, was die Schüler/-innen in ihrer Selbstständigkeit fördert und die Motivation steigert, was den angesprochenen Defiziten entgegen wirkt.

Im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit wird zunächst die theoretische Fundierung vorgestellt. Herkömmlich wird die Theorie aus strukturalistischer Sicht in das Was und Wie einer Erzählung unterteilt. Die strikte Teilung in histoire und discours hat den Nachteil, dass die Beziehung zwischen den beiden Komponenten vernachlässigt wird und weiterhin, dass die histoire bevorzugt thematisiert wird (vgl. Saupe 2007, S. 250; Andreotti 2009, S. 21). [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Hinführung

2.1 Handlungsebene

2.2 Darstellungsebene

2.2.1 Zeitliche und räumliche Gestaltung

2.2.2 Die narrative Instanz

3 Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht

3.1 Definition

3.2 Verfahrensweisen des HPLU

3.3 Kritik

4 Möglichkeiten des HPLU anhand Irrungen, Wirrungen

5 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Hausarbeit untersucht das Potenzial und die Grenzen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts (HPLU). Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch kreative, schülerzentrierte Methoden nicht nur methodische Kompetenzen vermittelt werden, sondern auch die Motivation und das tiefergehende Verständnis literarischer Texte, am Beispiel von Theodor Fontanes "Irrungen, Wirrungen", gefördert werden können.

  • Grundlagen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts (HPLU)
  • Theoretische Fundierung durch Handlungs- und Darstellungsebene
  • Vorteile der HPLU-Methoden für die Motivationssteigerung und Kompetenzentwicklung
  • Kritische Reflexion von Anwendungsschwierigkeiten und Zeitaufwand
  • Praktische Umsetzungsmöglichkeiten anhand von Fontanes "Irrungen, Wirrungen"

Auszug aus dem Buch

2.1 Handlungsebene

Bereits in der aristotelischen Poetik war bekannt, dass Handlungsstrukturen durch allgemeine Schemata geprägt sind. Im 18. Jahrhundert wurde dieser Forschungsbereich erst von Volkskundlern und später vermehrt von Literaturwissenschaftlern aufgegriffen. Die Sammlung von Erzählungen durch die Brüder Grimm und Weitere verstärkten die Annahme von gemeinsamen Strukturen, die sich bspw. auf Motive bezog. Die formelhafte Gestaltung von Handlung – aber auch Darstellung – konnte später für folkloristische Erzählgattungen nachgewiesen werden (vgl. Martinez & Scheffel 2009, S. 136). Als herausragend bezüglich der systematischen Analyse können die Märchenvergleiche von Propp (1975) bezeichnet werden. Indem er Abschnitte aus russischen Märchen miteinander vergleicht, kommt er zu der Erkenntnis, dass wohl Namen und dazugehörige Attribute variabel sind, doch die Funktion der Charaktere gleich bleibt (vgl. Propp 1975, S. 25 f.).

„Die Analyse zeigt, dass Funktionen erstaunlich häufig wiederkehren. […] Weiter zeigt sich, daß die verschiedenen Märchengestalten, so unterschiedlich sie auch sein mögen, oft ein und dasselbe tun. Art und Weise der Funktionsausübung können dabei wechseln, denn sie stellen eine variable Größe dar. Die Funktion als solche ist aber eine konstante Größe. Für die Erforschung der Märchen ist daher die Frage primär, was die Märchengestalten tun; die Frage nach dem wer und wie sind nur noch sekundärer Art“ (Propp 1975, S. 26).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen der Schule bei der Kompetenzvermittlung und stellt den HPLU als einen motivierenden Ansatz vor, um Lernenden einen aktiven Zugang zu Literatur zu ermöglichen.

2 Theoretische Hinführung: Dieses Kapitel fundiert die Hausarbeit theoretisch durch die Analyse der Handlungs- und Darstellungsebene, wobei erzähltheoretische Modelle wie die Raumsemantik und die generative Erzählgrammatik herangezogen werden.

3 Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht: Der Abschnitt definiert den HPLU, beschreibt verschiedene methodische Verfahrensweisen wie textproduktive oder szenische Gestaltung und diskutiert kritisch die Vor- und Nachteile dieses didaktischen Paradigmas.

4 Möglichkeiten des HPLU anhand Irrungen, Wirrungen: Hier wird der theoretische Rahmen auf die Praxis übertragen, indem konkrete Arbeitsbeispiele zur Bearbeitung von Theodor Fontanes Werk vorgestellt werden.

5 Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass HPLU die Motivation und soziale Kompetenzen stärkt, wobei ein ausgewogener Einsatz wichtig bleibt, um analytische Anforderungen nicht zu vernachlässigen.

Schlüsselwörter

Literaturunterricht, HPLU, Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Erzähltheorie, Theodor Fontane, Irrungen Wirrungen, Textproduktion, Szenische Interpretation, Leseförderung, Literaturdidaktik, Motivation, Handlungsebene, Darstellungsebene, Erzählgrammatik, Kompetenzentwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und den praktischen Anwendungsmöglichkeiten des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts (HPLU) im schulischen Kontext.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die theoretische Erschließung von Erzähltexten (Handlungs- und Darstellungsebene), die Definition und Methodik des HPLU sowie dessen praktische Umsetzung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch HPLU-Methoden die Motivation und das literarische Verständnis gesteigert werden können, während gleichzeitig die Grenzen und Anforderungen an die Lehrkraft reflektiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturdidaktische Arbeit, die auf theoretischen Modellen der Erzähltheorie basiert und diese mit praxisorientierten Beispielen und Konzepten verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Hinführung zu Erzählstrukturen, die Darstellung des HPLU-Konzepts inklusive Kritik und die Anwendung dieses Konzepts am Beispiel des Romans „Irrungen, Wirrungen“ von Theodor Fontane.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind u.a. HPLU, Literaturdidaktik, Erzähltheorie, Textproduktion, Schülermotivation und kompetenzorientierter Unterricht.

Wie lässt sich der HPLU-Ansatz kritisch einordnen?

Der HPLU wird als motivierend gelobt, jedoch wird kritisiert, dass er zeitaufwendig ist, die Gefahr einer methodischen Beliebigkeit birgt und bei zu unreflektierter Anwendung den analytischen Zugang zu Texten schwächen kann.

Welche Rolle spielt Theodor Fontanes Werk in dieser Arbeit?

„Irrungen, Wirrungen“ dient als konkrete Textgrundlage, um die theoretisch erläuterten Methoden (wie Visuelle Gestaltung oder das Verfassen von Briefen aus Figurenperspektive) praktisch zu demonstrieren.

Warum wird im HPLU Wert auf "Produktion" gelegt?

Produktion ermöglicht den Lernenden, eine emotionale Verbindung zum Text aufzubauen und sich intensiv mit Inhalten auseinanderzusetzen, was einen direkten und motivierenderen Zugang ermöglicht als rein analytische Methoden.

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Details

Title
Möglichkeiten und Grenzen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
Subtitle
Der Text und dessen Anforderungen an den Leser
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Fakultät III Sprach- und Kulturwissenschaften)
Course
Sprachlich-literarische Sozialisation
Grade
1,0
Author
Julia Jätzold (Author)
Publication Year
2014
Pages
28
Catalog Number
V283356
ISBN (eBook)
9783656852063
ISBN (Book)
9783656852070
Language
German
Tags
HPLU HPU Irrungen Wirrungen Haas Menzel Spinner Handlungsebene Darstellungsebene narrative Instanz zeitliche Gestaltung räumliche Gestaltung Kritik HPLU Schüleraktivität methodische Kompetenzen Selbstständigkeit Theodor Fontane
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Jätzold (Author), 2014, Möglichkeiten und Grenzen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283356
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