Inklusion ist schon lange kein Zukunftsthema mehr. Spätestens durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahre 2009 ist die Inklusion in den Blick der Öffentlichkeit und unserer Gesellschaft gelangt. Inklusion meint Wertschätzung und Teilhabe jedes Menschen an der Gesellschaft, ohne sie in Gruppen oder Eigenschaften zu klassifizieren. Besonders Menschen mit einer Beeinträchtigung wird zugeschrieben , dass sie einer bestimmten Norm in der Gesellschaft vermeintlich nicht entsprechen, weswegen ich mich im Folgenden auf die Bedeutung der Inklusion für die Sonderpädagogik beschränken möchte.
Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Menschen mit Beeinträchtigung in unseren Reihen separiert und nicht als Teil der Gemeinschaft angesehen. So stellt sich für mich die Frage, wie es zu diesem Paradigmenwechsel gekommen ist und was das Konzept der Inklusion von dem der Integration unterscheidet, da ein Paradigmenwechsel nur durch eine Hinterfragung und Weiterentwicklung eines vorherigen Konzeptes oder Theorie entstehen kann.
Zu Beginn möchte ich den Begriff der Inklusion definieren und dessen Konzept erklären. Danach definiere ich den Begriff der Integration, um beide Konzepte danach vergleichen und gegenüberstellen zu können. Im Folgenden werde ich dann den Paradigmenwechsel aufzeigen, den ich in kleinere geschichtliche Abschnitte unterteilt habe. Zum Schluss werde ich einen Einblick in den aktuellen Stand der Inklusion im Bildungswesen geben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definition: Inklusion
1.1 Konzept der Inklusion
2. Definition Integration
2.1 Konzept der Integration
3. Abgrenzung beider Begriffe / Konzepte /Ansätze
4. Paradigmenwechsel
4.1 Die ersten Grundgedanken der Forderung nach Teilhabe
4.2 Die Integrationsbewegung
4.3 Von der Integration zur Inklusion
4.4 UN Behindertenrechtskonvention
5. Aktueller Stand
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den theoretischen Paradigmenwechsel von der Integration zur Inklusion im Kontext der Sonderpädagogik und analysiert, inwiefern sich das Verständnis gesellschaftlicher Teilhabe durch die UN-Behindertenrechtskonvention gewandelt hat.
- Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmungen von Inklusion und Integration
- Historische Entwicklung der Forderung nach gesellschaftlicher Teilhabe
- Gegenüberstellung der Integrations- und Inklusionskonzepte
- Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention für das Bildungssystem
- Analyse des aktuellen Inklusionsstands im deutschen Schulwesen
Auszug aus dem Buch
4. Paradigmenwechsel
Am 10 Dezember 1948 wurde die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ verabschiedet, die eine Antwort auf den Zweiten Weltkrieg und die Verbrechen der Nationalsozialisten darstellte. Verfasst von den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen beinhaltet diese 30 Artikel, die die Rechte jedes Menschen beschreiben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges setzte sich das Recht auf Erziehung und Bildung auch in den Institutionen nieder, die speziell für Personen mit Beeinträchtigungen gegründet und errichtet wurden (Vgl. Stein 2013: 7). Bestimmte Personengruppen wurden demnach separiert.
Verschiedene Entwicklungen fanden nach der Nationalsozialistischen Zeit statt, die ein anderes Verständnis von Beeinträchtigung in Bewegung setzten und eine bis dahin defizitorientierte Interpretation von Beeinträchtigung in Frage stellten (Vgl. Stein 2013: 7).
So beschrieb Bank Mikkelsen, ein dänischer Widerstandskämpfer der selbst in einem KZ einsaß, in den 50er Jahren das „ Normalisierungsprinzip“, welches seit 1959 in den dänischen Gesetzen verankert ist. Darunter versteht man ein Prinzip, welches Menschen mit Beeinträchtigung ein normales Leben in der Gesellschaft ermöglicht (Vgl. Stein 2013: 8).
Einen weiteren Einfluss auf diese Bewegung hatte der Deutsche Wolf Wolfensberger, der in den 60er Jahren die „Social Role Valorization Theory“ entwickelte, die die gleichen Bürgerrechte für Menschen mit Beeinträchtigungen forderte, so dass eine Teilhabe für jeden am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden kann (Vgl. Stein 2013: 8).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit, Strukturen für alle Menschen zu öffnen, und stellt die Forschungsfrage nach den Unterschieden zwischen Integration und Inklusion.
1. Definition: Inklusion: Dieses Kapitel definiert Inklusion als einen auf Bürgerrechten basierenden Ansatz, der eine uneingeschränkte gesellschaftliche Teilhabe aller Individuen anstrebt.
1.1 Konzept der Inklusion: Das Konzept wird als Wertschätzung von Vielfalt beschrieben, bei dem sich Systeme an das Individuum anpassen müssen.
2. Definition Integration: Integration wird hier als die Eingliederung einzelner Teile in ein bestehendes gesellschaftliches Ganzes verstanden.
2.1 Konzept der Integration: Im Mittelpunkt stehen spezielle Hilfen für Individuen in einem bestehenden System, ohne dessen Grundstruktur grundlegend zu verändern.
3. Abgrenzung beider Begriffe / Konzepte /Ansätze: Hier werden die Konzepte gegenübergestellt und verdeutlicht, dass Inklusion einen umfassenderen gesellschaftlichen Anspruch erhebt als die Integration.
4. Paradigmenwechsel: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung von der Forderung nach Teilhabe bis hin zur UN-Behindertenrechtskonvention.
4.1 Die ersten Grundgedanken der Forderung nach Teilhabe: Beleuchtung der frühen Ansätze nach dem Zweiten Weltkrieg, einschließlich der Menschenrechte und des Normalisierungsprinzips.
4.2 Die Integrationsbewegung: Darstellung der Bildungsreformen der 60er und 70er Jahre, die erste Wege zur gemeinsamen Bildung ebneten.
4.3 Von der Integration zur Inklusion: Analyse des Begriffswechsels und dessen Ursprung in der internationalen pädagogischen Fachdiskussion.
4.4 UN Behindertenrechtskonvention: Erläuterung des politischen Impulses der Konvention als Meilenstein für eine inklusive Gesellschaft.
5. Aktueller Stand: Darstellung der statistischen Daten zur Schulsituation in Deutschland, unter anderem durch den Vergleich der Inklusionsanteile zwischen den Bundesländern.
6. Fazit: Das Fazit zieht die Bilanz, dass Inklusion in der Praxis, insbesondere im deutschen Bildungssystem, noch erhebliche Defizite aufweist und einen fortlaufenden Prozess darstellt.
Schlüsselwörter
Inklusion, Integration, Paradigmenwechsel, Teilhabe, UN-Behindertenrechtskonvention, Sonderpädagogik, Bildungssystem, Chancengleichheit, Normalisierungsprinzip, Vielfalt, Schulerziehung, Förderbedarf, Exklusionsquote, Sozialwissenschaften
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Abgrenzung der Begriffe Inklusion und Integration im Kontext der Sonderpädagogik und der gesellschaftlichen Teilhabe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Definition, dem historischen Paradigmenwechsel, der Rolle der UN-Behindertenrechtskonvention und der aktuellen statistischen Situation in deutschen Schulen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Paradigmenwechsel von der Integration zur Inklusion wissenschaftlich zu fundieren und zu hinterfragen, wie sich Inklusion von bisherigen Modellen unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse sowie eine Auswertung statistischer Daten der Bertelsmann Stiftung, um den aktuellen Umsetzungsstand der Inklusion darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Definitionen, die theoretische Abgrenzung der Konzepte sowie eine detaillierte historische und rechtliche Aufarbeitung der Inklusionsbewegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Inklusion, Integration, Teilhabe, UN-Behindertenrechtskonvention und Bildungsgerechtigkeit definiert.
Welche Rolle spielt die UN-Behindertenrechtskonvention laut der Arbeit?
Sie wird als entscheidender Impulsgeber für einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel betrachtet, der Inklusion vom Rand in das Zentrum politischer und wissenschaftlicher Debatten gerückt hat.
Warum wird das Konzept der Integration als überholt betrachtet?
Die Arbeit argumentiert, dass Integration weiterhin von einer defizitorientierten Separation ausgeht, während Inklusion Vielfalt als Normalzustand betrachtet und das System an das Individuum anpasst.
Was ist das Hauptergebnis zur Situation im deutschen Bildungssystem?
Die statistische Analyse zeigt, dass Inklusion noch nicht flächendeckend umgesetzt ist, da ein Großteil der Kinder mit Förderbedarf weiterhin in Förderschulen unterrichtet wird.
Welche Herausforderungen nennt die Autorin bei der Umsetzung?
Als wesentliche Barriere für eine erfolgreiche Inklusion wird der Mangel an ausreichend geschultem Fachpersonal und Lehrkräften identifiziert.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2014, Von der Integration zur Inklusion. Die Geschichte eines Paradigmenwechsels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283371