Seit einigen Jahren sind Low Cost-Carriers (LCC) bzw. sogenannte Billigflieger fester Bestandteil der Luftverkehrsbranche. Anders als die Network Carrier (NC), welche die traditionellen Fluggesellschaften darstellen, bieten LCC aufgrund ihrer niedrigeren Kostenstruktur Flugtarife an, die deutlich unter den marktüblichen Preisen liegen. Während LCC von den traditionellen Fluggesellschaften wie Lufthansa oder British Airways zu Beginn nur als vorübergehender Trend gesehen wurden, zählen LCC heute zu ihren stärksten Konkurrenten. (Groß 2005: 1ff.) In Deutschland machen die sieben größten LCC, darunter Germanwings und Ryanair, bereits 94 Prozent der Marktanteile aus. In Europa beträgt der Marktanteil von LCC derzeit 27 Prozent. Das ergibt sich aus dem Low Cost-Monitor, den das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) jedes Jahr veröffentlicht. (DLR 2014: 4ff.) Auch in anderen Teilen der Welt bestimmen LCC maßgeblich die Marktentwicklung der Luftverkehrsbranche, wie der Marktausblick vom Flugzeughersteller Boeing deutlich macht (Boeing 2013: 4ff.). Dennoch zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, das sich der Kostenvorteil gegenüber den NC in den letzten Jahren deutlich verringert hat. Laut KMPG ist diese Entwicklung hauptsächlich auf die Sparprogramme der NC zurückzuführen. Gleichzeitig zeigte die Studie jedoch ebenso gestiegene Kosten bei den LCC. (Ramsay et al. 2013: 16ff.) Darüber hinaus zeigt der Low Cost-Monitor des DLR, dass heute etwa 25 Prozent weniger LCC auf dem europäischen Markt sind als noch im Jahr 2008. Auch der europäische Luftverkehrsmarkt ist laut der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung IATA (International Air Transport Association) seit längerem gesättigt und weist zusammen mit Nordamerika die geringsten Wachstumsraten der Luftverkehrsbranche auf (IATA 2014: 1). Lufthansa Chef Carsten Spohr bezeichnet den europäischen Markt bereits als „Wachstumsfalle“ und verwies auf Asien, wo der Luftverkehr in den nächsten Jahren stark zunehmen wird (Sorge 2014). Das bestätigten auch die Auswertungen der IATA sowie die Auftragsbücher von Boeing und dem europäischen Konkurrenten Airbus.
Die vorliegende Arbeit nimmt diese Situation zum Anlass und untersucht die aktuellen Trends von LCC in Europa und weltweit. Dabei wird insbesondere auf die Zukunftsperspektiven von europäischen LCC eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und inhaltliche Eingrenzung
1.2 Aufbau und Zielsetzung
1.3 Begriffsdefinition
2 Grundlagen
2.1 Historischer Rückblick
2.2 Strategische Ausrichtung und Merkmale von Network Carrier und Low Cost Carrier
2.2.1 Network Carrier
2.2.2 Low Cost Carrier
2.3 Kostenstruktur
3 Branchenstrukturanalyse
3.1 Verhandlungsmacht der Abnehmer
3.2 Verhandlungsmacht der Lieferanten
3.3 Bedrohung durch Ersatzprodukte
3.4 Gefahr durch neue Wettbewerber
3.5 Konkurrenzdruck durch vorhandene Wettbewerber
3.6 Industrielle Beziehungen und der Staat
4 Low Cost Carrier-Geschäftsmodelle im Wandel
5 Zukunftsaussichten
5.1 Sinkende Kostenvorteile
5.2 Langstreckenflüge
5.2.1 Ökonomische Besonderheiten
5.2.2 AirAsia X
5.2.3 Norwegian Air
5.3 Neue Strategien
5.3.1 Hybrid Carrier
5.3.2 Fusionen und Akquisitionen
5.3.3 Allianzen
5.4 Weitere Entwicklungen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Entwicklung und Zukunftsperspektiven von Low Cost Carriern (LCC) auf dem europäischen Luftverkehrsmarkt unter Berücksichtigung globaler Markttrends und aktueller strategischer Veränderungen.
- Analyse der Geschäftsmodelle von Network Carriern im Vergleich zu Low Cost Carriern.
- Untersuchung der Wettbewerbssituation mittels einer Branchenstrukturanalyse.
- Bewertung des Trends zu LCC im Langstreckengeschäft und dessen wirtschaftliche Herausforderungen.
- Einfluss von Konsolidierungsprozessen wie Fusionen, Akquisitionen und Allianzen.
- Strategische Transformationen hin zu "Hybrid Carriern" und deren Zukunftsfähigkeit.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Network Carrier
Die Differenzierungsstrategie wird in der Luftverkehrsbranche vorwiegend von NC praktiziert. Bei dieser strategischen Ausrichtung werden Produkte oder Dienstleistungen angeboten, die sich bei gleichem Preis oder leicht erhöhten Preisen von denen der Konkurrenz abgrenzen sollen, sodass ein Wettbewerbsvorteil entsteht. Durch die Einzigartigkeit in der Branche wird davon ausgegangen, dass Kunden für beispielsweise besondere Qualität, Kundendienst oder Image bereit sind, höhere Preise in Kauf zu nehmen. (Johnson et al. 2011: 285) So kann der Wettbewerbsvorteil einer Fluggesellschaft z.B. in Form einer starken Marke bestehen. Ein weiterer Wettbewerbsvorteil kann ebenso durch Dienstleistungen erlangt werden, die so angeboten werden oder die so stabile Kundenbeziehungen hervorrufen, dass es für Konkurrenten nur schwer ist, diese ebenso gut nachzuahmen. Der Erfolg dieser Strategie hängt daher maßgeblich von dem Schwierigkeitsgrad einer möglichen Nachahmung durch Konkurrenten ab. (Johnson et al. 2011: 132f.)
Network Carrier differenzieren sich häufig durch eine breite Sparte an Serviceleistungen von anderen Fluggesellschaften. Das Produkt- und Serviceangebot ist dabei umfassend und oftmals auf einem gehobenen Niveau, welches meistens bereits im Endpreis enthalten ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Etablierung von Low Cost Carriern als starke Konkurrenz zu traditionellen Fluggesellschaften und definiert die Zielsetzung sowie Fragestellung der Arbeit.
2 Grundlagen: In diesem Kapitel werden die historischen Hintergründe, die strategischen Unterschiede zwischen Network Carriern und LCC sowie die grundlegende Kostenstruktur von Fluggesellschaften erläutert.
3 Branchenstrukturanalyse: Das Kapitel analysiert die Wettbewerbssituation der LCC unter Anwendung des Modells der fünf Wettbewerbskräfte nach Porter, ergänzt um staatliche Einflüsse.
4 Low Cost Carrier-Geschäftsmodelle im Wandel: Hier wird aufgezeigt, wie LCC zunehmend ihre Geschäftsmodelle anpassen und von klassischen Konzepten abweichen, um sich stärker zu differenzieren.
5 Zukunftsaussichten: Dieses Kapitel diskutiert sinkende Kostenvorteile, die Potenziale und Schwierigkeiten im Langstreckengeschäft sowie neue Strategien wie Hybrid-Modelle und Allianzen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und prognostiziert, dass der europäische LCC-Markt vor einer weiteren Konsolidierung steht, wobei sich die Geschäftsmodelle den traditionellen Anbietern angleichen.
Schlüsselwörter
Low Cost Carrier, Network Carrier, Geschäftsmodell, Luftverkehr, Wettbewerbsstrategie, Kostenvorteil, Langstreckenflüge, Hybrid Carrier, Branchenstrukturanalyse, Luftverkehrsbranche, Marktwachstum, Kooperationen, Fusionen, Allianzen, Luftverkehrsmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die aktuelle Lage und die Zukunft von Billigfluggesellschaften (Low Cost Carrier) im europäischen Raum unter dem Aspekt des zunehmenden Wettbewerbsdrucks und sich verändernder Geschäftsmodelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die Abgrenzung zu Network Carriern, die Kostenstruktur von Airlines, die Wettbewerbsintensität und strategische Ansätze wie die Expansion auf die Langstrecke oder die Entwicklung zum Hybrid Carrier.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet, ob LCC ihren Einfluss auf den europäischen Markt trotz schwacher Wachstumspotenziale auch künftig ausbauen können und wie sich der Markt bei diesem Wandel verändert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie die Auswertung von Branchendaten, Geschäftsberichten und Studien, insbesondere des DLR Low Cost Monitors.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Branchenstrukturanalyse, der Entwicklung von Geschäftsmodellen im Wandel und den spezifischen Zukunftsaussichten, inklusive einer Fallstudie zu LCC auf der Langstrecke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Hauptbegriffe sind Low Cost Carrier, Strategie, Wettbewerb, Konsolidierung, Langstreckengeschäft und die Entwicklung zum Hybrid Carrier.
Welche Rolle spielt die Langstrecke für LCC?
Die Langstrecke wird als neue strategische Option betrachtet, um Wachstum außerhalb des gesättigten europäischen Marktes zu generieren, bringt jedoch hohe regulatorische und prozessuale Herausforderungen mit sich.
Warum wird AirAsia X als Fallbeispiel angeführt?
AirAsia X dient als Beispiel dafür, wie ein LCC das Geschäftsmodell auf die Langstrecke übertragen kann, profitiert dabei jedoch stark vom wachsenden asiatischen Markt und Synergien innerhalb seiner Unternehmensgruppe.
Wie verändert sich die Branche durch Fusionen?
Die Branche durchläuft eine Phase der Konsolidierung. Große Anbieter übernehmen kleinere Wettbewerber oder NC gründen eigene Billig-Töchter, um auf Direktstrecken besser gegen etablierte LCC konkurrieren zu können.
- Citation du texte
- Andrea Koop (Auteur), 2014, Die Zukunft der Low Cost Carrier, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283481