Die Frage wie das mentale Lexikon aufgebaut ist, beschäftigt Psycholinguisten schon seit langer Zeit. Bis heute sind sie sich nicht über dessen Organisation einig. Dass allerdings Wörter im mentalen Lexikon gespeichert werden, ist unumstritten. Die Form und Organisation interner Repräsentationen von Wörtern ist aber sehr unterschiedlich und vielfältig.
Mit der vorliegenden Arbeit soll ein Beitrag zu der Diskussion über den Zusammenhang von Wortfrequenz und lexikalischer Zugriffsgeschwindigkeit geleistet werden, wobei der Aspekt Wortschatzgröße eine wichtige Rolle spielen soll, da dieser in der psycholinguistischen Literatur bislang noch nicht ausführlich berücksichtigt wurde. Mit Hilfe von Methoden der experimentellen Psycholinguistik und Psychologie soll diese Arbeit Mechanismen der Worterkennung und -verarbeitung aufzeigen und somit zu einem besseren Verständnis der Arbeitsweise des mentalen Lexikons beitragen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht also die Frage, welchen Einfluss die Wortschatzgröße auf die lexikalische Zugriffsgeschwindigkeit hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Modelle der Worterkennung
2.1 Das Interaktive Aktivierungsmodell
2.2 Zwei-Wege-Modell
2.3 TRACE Modell
3. Fragestellungen und Hypothesen
4. Methoden
4.1 Versuchspersonen und Kontaktaufnahme
4.2 Material
4.3 Durchführung
4.4 Experimentelles Design
4.5 Datenaufbereitung
5. Resultate
5.1 Auswertung des Wortschatztests
5.2 Auswertung der lexikalischen Entscheidungsaufgabe
5.2.1 Fehlerquote
5.2.2 Reaktionszeiten
5.2.3 Hypothese 1: Einfluss auf die Zugriffsgeschwindigkeit
5.2.4 Hypothese 2: Einfluss auf den Effekt der Frequenz
5.2.5 Einfluss der Wortschatzgröße auf die Fehlerquote im der lexikalischen Entscheidungsaufgabe
6. Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der individuellen Wortschatzgröße und der lexikalischen Zugriffsgeschwindigkeit bei der visuellen Worterkennung, unter Berücksichtigung des Wortfrequenzeffekts.
- Psycholinguistische Modelle der Worterkennung (Interaktives Aktivierungsmodell, Zwei-Wege-Modell, TRACE)
- Empirische Untersuchung mittels eines Wortschatztests und eines Lexical Decision Task
- Analyse des Einflusses der Wortschatzgröße auf Reaktionszeiten
- Untersuchung der Moderation des Wortfrequenzeffekts durch die Wortschatzgröße
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Interaktive Aktivierungsmodell
McClelland und Rumelhart etwickelten 1981 das interaktive Aktivierungsmodell (IA). Dieses Modell wird als der Grundstein von allen folgenden Aktivierungsmodellen angesehen (Harley, S.94) und zeichnet sich durch die Repräsentation der ersten realen Umsetzung von Aktivierungs- und Hemmprozessen aus. Der eigentliche Grund der Entwicklung des interaktiven Aktivierungsmodells war, den Wortüberlegenheitseffekt ("word superiority effect") zu erklären. Der Wortüberlegenheitseffekt bedeutet, dass Buchstaben einfacher und schneller in Wörtern erkannt werden, als wenn sie als „isolierte Buchstaben“ gezeigt werden. Nichtsdestotrotz kann das IA als Bestandteil eines allgemeinen Modells zur Worterkennung angesehen werden (Harley, 1996, S. 95).
Das IA besteht aus vielen Einheiten, die in drei Ebenen angeordnet sind: orthographische Merkmale, Buchstaben und Wörter (vgl. Abbildung 1). Jede Ebene ist an die Ebene geknüpft, die direkt davor und danach kommt, wobei jede dieser Verbindungen entweder aktivierend oder hemmend wirkt. Aktivierend ist eine Verbindung dann, wenn diese richtig ist (zum Beispiel würde der Buchstabe „K“ die Wörter „KATZE“ und „KAUEN“ in der nächst höheren Ebene aktivieren). Hemmend ist eine Verbindung im Gegenzug, wenn es eine falsche Verbindung ist (zum Beispiel würde „K“ die Wörter „TATZE“ und „TAUEN“ in der nächst höheren Ebene hemmen). Des Weiteren sind die Eigenschaften innerhalb derselben Ebene mit einer hemmenden Verbindung aneinander geknüpft, welches das Element der Konkurrenz zur Folge hat (Harley, 1996, S. 95). Der Aufbau des Modells wird in Abbildung 1 veranschaulicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das mentale Lexikon und die Relevanz des Zusammenhangs von Wortschatz und Worterkennung.
2. Modelle der Worterkennung: Beschreibung zentraler kognitiver Modelle (Interaktives Aktivierungsmodell, Zwei-Wege-Modell, TRACE).
3. Fragestellungen und Hypothesen: Formulierung der Forschungsfragen und Hypothesen hinsichtlich Wortschatz, Zugriffsgeschwindigkeit und Frequenzeffekt.
4. Methoden: Erläuterung der Versuchspersonen, Materialien (Wortschatztest, Lexical Decision Task) und der experimentellen Durchführung.
5. Resultate: Darstellung und statistische Auswertung der Testergebnisse aus Wortschatztest und Entscheidungsaufgabe.
6. Diskussion und Ausblick: Interpretation der Ergebnisse im Kontext der theoretischen Modelle und Diskussion der Limitationen.
Schlüsselwörter
Mentales Lexikon, Visuelle Worterkennung, Wortschatzgröße, Lexikalische Zugriffsgeschwindigkeit, Wortfrequenz, Interaktives Aktivierungsmodell, Zwei-Wege-Modell, TRACE Modell, Lexical Decision Task, Psycholinguistik, Reaktionszeiten, Wortfrequenzeffekt, Fehlerquote, Wortüberlegenheitseffekt, Empirische Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht psycholinguistische Mechanismen der visuellen Worterkennung, insbesondere wie die Größe des individuellen Wortschatzes die Geschwindigkeit beeinflusst, mit der Wörter im mentalen Lexikon abgerufen werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen kognitive Modelle der Worterkennung (z.B. Interaktives Aktivierungsmodell, Zwei-Wege-Modell), den Einfluss der Wortfrequenz und die Rolle der Wortschatzgröße bei der Verarbeitung von Wörtern und Pseudowörtern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob und inwiefern die Größe des Wortschatzes einen Effekt auf die lexikalische Zugriffsgeschwindigkeit hat und ob dieser Faktor den bekannten Wortfrequenzeffekt moduliert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Studie verwendet eine experimentelle psycholinguistische Methode, bestehend aus einem Wortschatztest (nach Schmidt und Metzler, 1992) und einem computergestützten "Lexical Decision Task", um Reaktionszeiten und Fehlerraten zu messen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Modelle der Worterkennung analysiert, das experimentelle Design dargelegt sowie die erhobenen Daten in Bezug auf Reaktionszeiten und Fehlerraten statistisch korreliert und interpretiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind das mentale Lexikon, visuelle Worterkennung, Wortschatzgröße, Frequenzeffekt und Reaktionszeiten.
Konnte der Einfluss der Wortschatzgröße auf die Zugriffsgeschwindigkeit belegt werden?
Die Ergebnisse deuten auf einen geringen bis moderaten linearen Zusammenhang hin, was die erste Hypothese tendenziell stützt, jedoch keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung zulässt.
Wie beeinflusst die Wortschatzgröße den Frequenzeffekt laut dieser Studie?
Die Daten ergaben einen sehr schwachen Zusammenhang, weshalb die zweite Hypothese, dass die Wortschatzgröße den Einfluss der Wortfrequenz signifikant verringert, verworfen wurde.
Welche Rolle spielen die "Personal Frequencies"?
Die Arbeit diskutiert, dass der Bildungsstand und individuelle Erfahrungen dazu führen, dass Wörter unterschiedlich im mentalen Lexikon repräsentiert sind, was die Generalisierbarkeit der Frequenzklassen erschweren kann.
- Quote paper
- Nadine Haufe (Author), 2014, Wortschatzgröße versus lexikalische Zugriffsgeschwindigkeit. Eine psycholinguistische Studie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283529