Die Landschaftsdarstellung in Alphonse de Lamartines "Méditations poétiques"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

20 Seiten, Note: 1.5

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Romantik in Frankreich
2.1. Themen der romantischen Literatur in Frankreich
2.1.1. Poésie intérieure
2.1.2 Imagination
2.1.3. Die romantische Korrespondenzlandschaft

3. Alphonse de Lamartine und sein Werk M é dita ti ons po é tiqu e s
3.1. Alphonse de Lamartine
3.2. Méditations poétiques
3.3. Analyse der Gedichte „ L ’Isolemen t“ un d „L e Vallon “
3.3.1. Analyse des Gedichts „ L ’Isolemen t“
3.3.2. Analyse des Gedichts „L e Vallon “
3.3.3 Fazit der Analyse d er Gedi ch te „L ’Isole men t“ un d „L e Vallon “

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

Sekundärliteratur:

Nachschlagewerke:

1. Einleitung

Ab der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kehren viele Autoren dem Rationalismus der Aufklärung den Rücken zu und widmen sich neuen Themen, wie der Erkundung der Leidenschaften und der Symbiose mit der Natur. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ergreift schließlich die romantische Bewegung Frankreich und löst somit die Epoche der Aufklärung und des Klassizismus gänzlich ab. Mit dieser literarischen Bewegung erlebt die Lyrik in Frankreich erstmals seit der Renaissance wieder eine Blütezeit. Zu den berühmtesten Dichtern der französischen Romantik gehört Alphonse de Lamartine. Seine Gedichtsammlung Méditations po étiqu es wird als Geburtsurkunde der romantischen Lyrik in Frankreich angesehen. Ein wesentlicher Charakterzug der Romantik, nämlich der Bezug des Menschen zur Natur, spiegelt sich in der Lyrik des Dichters wider. Seine Gedichte sind geprägt von romantischen Landschaftsdarstellungen[1].

Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, anhand der Analyse zweier Gedichte vonLamartine, darzustellen, inwieweit diese eine typische romantische Landschaftsdarstellung hervorrufen. Der Schwerpunkt soll dabei auf der Untersuchung der Verbindung zwischen dem Subjekt und der Landschaft liegen.

Im ersten Teil der Hausarbeit wird zuerst eine Einführung in die französische Romantik erfolgen. Hierbei werden zuerst für die Romantik wichtige, in Verbindung mit Landschaft stehende Themen wie p o ésie int érieur, I maginatio n und Korrespond enzlands chaf t, eingeführt. Der weitere Verlauf der Hausarbeit widmet sich dem Dichter Alphonse de Lamartine. Zuerst wird eine kurze Einführung in sein Werk M éditations po étiqu es erfolgen, um sich daraufhin der Analyse der ausgewählten Gedichte „L’Isolement“[2] und „Vallon“[3] zu widmen. Anhand der Analyse soll gezeigt werden, dass die Landschaftsdarstellung in den Gedichten typisch ist für die Romantik hinsichtlich der zuvor geklärten Themen: po ésie int erieur, I magination und Korrespondenzlandschaft.

2. Die Romantik in Frankreich

Die Romantik ist eine künstlerische europäische Bewegung, die vor allem in England und Deutschland ihre Anfänge hat und als Reaktion auf die französische Aufklärung und auf die Strenge des durch die Antike inspirierten Klassizismus entstanden ist. Die vorbereitende Phase der französische Romantik, die sogenannte Frühromantik, erstreckt sich von 1800 bis ca. 1815 mit wichtigen Vertretern wie Jean-Jacques Rousseau, Bernardin de Saint-Pierre und Rétif de la Bretonne.[4] Wichtige Initiatoren der Hauptphase der romantischen Bewegung sind François- René de Chateubriand (Le g énie du christianis me 1802) und Mme de Staël (De l’Alle mag ne).

2.1. Themen der romantischen Literatur in Frankreich

2.1.1. Poésie intérieure

Ein wichtiges Grundprinzip des mou vem ent romantique ist die Befreiung von den r ègles d es classiques. Die Romantiker wollen sich von der rigorosen Nachahmungsästhetik des Klassizismus abheben und eine subjektbezogenere Ästhetik erschaffen, deren Grundbausteine Gefühl, Individualität und individuelles Erleben sowie die Hinwendung zur Natur sind. Dabei steht die Innenwelt des Dichters bzw. seiner fiktiven Sprechinstanz in Form des lyrischen Ichs im Mittelpunkt des Interesses der Romantik.[5]

2.1.2 Imagination

Ein zentraler Bestandteil der Romantik ist die Auseinandersetzung der Autoren mit der Imagination. Nachdem sie in den vielen Jahrhunderten zuvor nicht so sehr geschätzt wurde, erfährt die Einbildungskraft in der Romantik einen neuen Aufschwung, und zwar nicht nur in den Mutterländern der romantischen Bewegung, Deutschland und England, sondern auch in Frankreich. Die Romantiker versuchen sich von den klassizistischen Prinzipien der

Nachahmungsästhetik abzugrenzen. Ihr Ziel ist es nicht mehr, die Wirklichkeit so wahrheitsgetreu wie möglich zu imitieren, sondern eigene Vorstellungswelten aus ihrem Inneren heraus zu schöpfen.[6]

Die Bedeutung der I mag ination während der französischen Romantik gehen unter anderem auf den berühmten französischen Schriftsteller, Politiker François-René, Vicomte de Chateaubriand (1768-1848) zurück, der als einer der Hauptbegründer der literarischen Romantik in Frankreich gilt. In seinem berühmten anti-aufklärerischem Werk Le G énie du Christianisme wendet sich Chateaubriand strikt gegen die rationale Argumentation der Aufklärung und fordert eine Befreiung der Gefühle und der Imagination aus dessen Zwängen der rationalistischen Sichtweisen.

Chateaubriand sieht die Außenwelt als etwas Leeres und Nichtiges an, während das Innere jedes Menschen stetig zunimmt. Diese Unstimmigkeit vom Äußeren und Innerem ist die Ursache der romantischen Melancholie, zu der das Subjekt neigt. Diese Befindlichkeit des Subjekts bezeichnet er als vague d es passion s:

Plus les peuples avancent en civilisation, plus cet état du v ague d e s passions augmente; car il arrive alors une chose fort triste: le grand nombre d’exemples qu’on a sous les yeux, la multitude de livres qui traitent de l’homme et de ses sentiments, rendent habile sans expérience. On est détrompé sans avoir joui; il reste encore des désirs, et l'on n'a plus d'illusions. L’imagination est riche, abondante et merveilleuse; l’existence pauvre, sèche et désenchantée. On habite, avec un cœur plein, un monde vide.[7]

Hier liegt der Ursprung der I magination; Um aus dieser äußeren Leere auszubrechen, bedient sich das romantische Subjekt seiner I magination, anhand dieser es versucht die Leere, des sich vor ihm erstrecktenden Raums, zu füllen.[8]

Somit wird im Anschluss an Chateaubriand, die I magination in der Romantik zum grundlegenden Vermögen des künstlerischen Schaffungsprozess jedes romantischen Dichters.

2.1.3. Die romantische Korrespondenzlandschaft

„Il y a dans l’homme un instinct qui le met en rapport avec les scènes de la nature.”[9]

Auch dieses Zitat stammt vom berühmten romantischen Dichter François-René Chateaubriand und trägt viel zu der Landschaftsthematik in der französischen Romantik bei. Denn die Verschmelzung der Gefühle des romantischen Subjekts und dessen Landschaftserfahrungen gehen vorwiegend auf ihn zurück. In seinen Erzählungen „R e n é“ und „Atala“ die aus dem Werk Le G énie du Christianisme stammen, sind zahlreiche stimmungsvolle Naturschilderungen enthalten, die später auch Vorbildcharakter genießen.

Seine Werke sind auch charakteristisch für den, in der Romantik berühmten, poetischen Begriff der Korrespond enzlan ds chaf t. Unter Korrespond enzlands chaft versteht man eine real angeschaute Landschaft, in der das romantische Subjekt seine inneren Gefühle und Emotionen in Folge einer Imaginationstätigkeit gespiegelt zu sehen glaubt.[10] Jedoch muss man beachten, dass es sich hierbei um eine Art Projektion handelt: das romantische moi souffrant trägt sein Inneres, seine Gefühle und Emotionen aktiv an die Natur heran, um schließlich diese in ihr widergespiegelt zu sehen. Somit wirken alle Naturerscheinungen als eine Objektivierung des Gemütszustands des Subjekts.[11] Diese Art von Korrespond enzlands chaft begegnet man zuallererst in der Erzählung René von Chateaubriand, wie Dethloff anmerkt:

Dans René, la nature, tout en se situant dans la tradition de la nature- correspondance, devient paysage de la subjectivité dans la mesure où celui-ci est fonctionalisé selon les étais d’âme d’un moi souffrant. Le paysage, les saisons, les scènes de la nature deviennent en quelque sorte l’image extériorisée des expériences intérieures de l’homme solitaire. […] René façonne la nature extérieure selon ses besoins émotionnels et en accord avec les tourments changeants de son âme. Le paysage extérieure ne sert plus essentiellement de déclic au surgissement de ‚paysages intérieurs‘, mais apparaît plutôt comme l’actualisation et la matérialisation concrètes des êtats d’âme auquel s’adonne l’ego romantique.[12]

3. Alphonse de Lamartine und sein Werk M é dita ti ons po é tiqu e s

Bevor eine genaue Analyse der Gedichte „L’Isolement“ und „Vallon“ erfolgt, soll zunächst eine kurze Präsentation des Dichters und seiner Gedichtsammlung M éditations po étiqu es erfolgen, hierbei wird besonders auf das Thema Landschaft eingegangen werden, um später darstellen zu können, inwiefern Landschaft in den außerwählten Gedichten dargestellt wird.

[...]


[1] Eine detaillierte Einführung in die Landschaftsdarstellung der Romantik soll nicht Teil der Arbeit werden, da dies den Rahmen dieser sprengen würde.

[2] Lamartine, Alphonse de, „L’Isolement“ (Méditations poétiques I), in: ders., ɶuvres poétiques complète s, hg.v. Marius-François Guyard, Paris 1963, S. 3f.

[3] Ebd., S.19f.

[4] Vgl. Grimm, Jürgen (Hg.), F ran zö si sche Li teratu rgeschich t e, 4. Aufl., Stuttgart/ Weimar 1999, S. 263.

[5] Vgl. Baumann, Inga, Räume der ‚rêverie‘. Stimmungslandschaften und paysage imaginaire in der französischen Lyrik von der Romantik bis zum Surrealismus, Tübingen 2011, S. 13.

[6] Vgl., Baumann, Räume der ‚rêverie‘, S. 13.

[7] Chateaubriand, René de, E s s ai s ur les r évolution s . Gé n ie du C h r i s tiani s m e, hg.v. Maurice Regard, Paris 1978, S. 714.

[8] Vgl. Baumann, Räume der ‚ rêverie, S. 104.

[9] Chateaubriand, Gé n ie du C h r i s tiani s m e, S. 721.

[10] Vgl. Warning, Reiner, „Romantische Tiefenperspektive und moderner Perspektivismus. Chateaubriand – Flaubert – Proust“, in: Maurer, Karl/ Wehle, Winfried (Hgg.), Rom antik. Aufb ru ch zur M odern e, München 1991, S. 295ff.

[11] Vgl. Baumann, Räume der ‚ rêveri e ‘, S. 105.

[12] Dethloff, Uwe, „Aspects et fonctions du paysage lamartinien: l’exemple du <<Vallon>>“, in: ders. (Hg.), Literarische Landschaft zwischen 1750 und 1830/ Le paysage en littérature: la conception et la description de la nature entre 1750 et 1830, St. Ingbert 1995, S. 152f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Landschaftsdarstellung in Alphonse de Lamartines "Méditations poétiques"
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Romanisches Seminar)
Note
1.5
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V283563
ISBN (eBook)
9783668178106
ISBN (Buch)
9783668178113
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landschaft, Romantik, Lamartine, Gedichtsanlyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Landschaftsdarstellung in Alphonse de Lamartines "Méditations poétiques", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283563

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Landschaftsdarstellung in Alphonse de Lamartines "Méditations poétiques"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden